Iron Maiden: The Final Frontier

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Vor einer neuen Iron Maiden-Scheibe habe ich immer etwas Angst: Ich will von Steve Harris und Co nicht enttäuscht werden. Zugegeben, das tut die Band selten, umso schmerzhafter ist es, wenn es vorkommt. Die letzte Scheibe „A Matter of life and death“ war DIE Berechtigung, dass eine Formation mit so vielen Klassikern auch immer noch neue Songs schreiben darf und muss. Wie ist nun also das neue Werk „The Final Frontier“? Es gibt sehr viel Licht, aber auch einige dunkle Plätze, eine entäuschende CD ist der 2010-Auswurf aber keineswegs. Es geht los mit einem fast vierminütigen, dichten Sci-Fic-Intro, bevor „The Final Frontier“ ein stampfender Klasse-Song wird. Hier hätte ich mir eine Aufteilung auf der CD gewünscht, damit ich den guten Song auch ohne Intro hören kann. Track Nummer zwei ist die bereits vorab veröffentlichte Single „El Dorado“, die erneut kein Reißer ist, ein Umstand, den fast alle Auskopplungen seit 2000 aufweisen. Danach geht es aber deutlich bergauf: „Mother Mercy“ lebt von einem Bruce Dickinson in Bestform. Der Sänger zieht auf der Scheibe wieder alle Register und man hat den Eindruck, dass er mit fortschreitendem Alter immer besser wird. Vor allem der Refrain überzeugt. „Coming home“ klingt wie ein Stück von Dickinsons superben Soloalben, hat viel Power, ist aber auch eine Ballade. Kitschig ist der Song dennoch nie, es ist eine reine Gänsehautnummer. Danach ein Absturz: „The Alchemist“ ist Maiden-Standardware ohne Höhepunkte. Solide, aber nicht gut. Ab „Isle of Avalon“ folgt nun nur noch außergewöhnlich gutes, überlanges Material. Der Mittelteil des gerade erwähnten Songs ist leider etwas zu deutlich von „Paschendale“ (vom Album „Dance of Death“) geklaut. Danach wird es sogar etwas progressiv. Hier (ab Minute 4:20) klingen Maiden plötzlich wie eine Art Dream Theater mit Eiern in der Hose.
„Starblind“ beginnt maidentypisch ruhig, bevor es in ein sehr trockenes Gitarrenriff gleitet und vor allem durch den ungewöhnlich verschachtelten Refrain ein echtes Hinhörer ist. Dass Dickinson singt, wie Gott es tun würde, wäre er Metalshouter, ist hingegen an diesem Punkt der CD nicht mehr ungewöhnlich, erwähnenswert aber allemal. „The Talisman“ beginnt sehr sehr ähnlich wie „The Legacy“ vom letzten Album: ruhige Zupfgitarre, einfühlsamer Gesang – danach explodiert die Nummer jedoch zu einem Metalbiest erster Klasse – vielleicht der beste Track des Albums. „The man who would be king“ ist gut, leider nicht überragend. Grund dafür ist die Überlänge, die dadurch zustande kommt, dass man sich wohl nicht dazu durchringen konnte, einige aussparungwürdige Stellen zu streichen. Die letzte Nummer versöhnt aber wieder: Das elfminütige Epos „When the wild wind blows“ von Steve Harris ist ein Maiden-Klassiker, nicht mehr und nicht weniger. Ok, vielleicht ein wenig zu schunkelig im Refrain, aber wer den sentimentalen Film kennt, dem der Song zugrunde liegt, weiß, dass die Herangehensweise im Songwriting die absolut richtige war. Angst, enttäuscht zu werden, muss bei „The Final Frontier“ also kein Metalfan haben. Iron Maiden still rocks.

 

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