Review: Utopia Avenue

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In der Londoner Psychedelic-Szene der späten Sixties finden sich Folksängerin Elf Holloway, Bluesbassist Dean Moss, der Gitarrenvirtuose Jasper de Zoet und der Jazzdrummer Griff Griffin und erschaffen zusammen einen einzigartigen Sound, mit Texten, die den Aufbruchsgeist der Zeit atmen. UTOPIA AVENUE veröffentlichen nur zwei Alben, dann zerbricht der Traum. HALT! Ihr hab noch nie von dieser Band gehört? Touché…

Die Geschichte von Utopia Avenues kurzer, rasanter Reise, von den kleinen Clubs in Soho und den englischen Provinzkäffern ins Land der Verheißung, Amerika, hat nie wirklich stattgefunden. David Mitchells Werk ist rein erfunden – und doch fühlt er sich zu keiner Zeit so an. Stattdessen sucht man bei Spotify nach den Alben der Band (Spoiler: es finden sich keine – dafür aber tolle Playlists, die den Geist der Zeit einfangen).

David Mitchells „Utopia Avenue“ ist so authentisch, dass es schmerzt, nicht dabei gewesen zu sein, diese Band niemals hören zu können. Wer dabei war, hat Rang und Namen. Cameos von Hendrix, Clapton, Jagger und andere Götter der Zeit wirft Mitchell in fast jedes Kapitel. Das macht eine Menge Spaß. Noch mehr Spaß macht aber Johannes Steck, der über 17 Stunden alle Register zieht und einfach der perfekte Sprecher für die Hörbuchfassung dieses Romans ist.

Diese fiktive Biographie schafft es auf ganzer Länge, ein gutes Bild der Swingin‘ Sixties, der Flowerpowerepoche mit allen Höhe- und Tiefpunkten zu zeichnen. Dabei ist es Mitchell gelungen, allen Bandmitglieder detaillierte Profile auf den Leib zu schneidern.

Was dieses Buch besonders macht, ist Mitchells meisterhafte Fähigkeit, lebendige und komplexe Charaktere zu erschaffen. Jedes Bandmitglied von Utopia Avenue wird sorgfältig beschrieben und durchlebt eine persönliche Entwicklung, die den Leser mitfühlen lässt. Die Beschreibung der 1960er Jahre ist so lebhaft, dass man das Gefühl hat, selbst in dieser turbulenten Zeit zu leben. Am Eindrucksvollsten ist dabei sicherlich Jaspers Schicksal. Das Gitarrengenie der Band leidet unter auditiver Schizophrenie und Mitchell schafft es, diese Krankheit bedrohlich und anschaulich zu vermitteln.

Zusätzlich zur fesselnden Handlung und den gut ausgearbeiteten Charakteren bietet das Buch auch eine tiefgründige Betrachtung über Kunst, Identität und das Streben nach dem eigenen Platz in der Welt. Mitchell erkundet Themen wie Liebe, Freundschaft, Musik und die Suche nach dem Sinn des Lebens auf eine Weise, die den Leser zum Nachdenken anregt.

Es könnte so gut sein… zum jetzigen Zeitpunkt bietet Taxi Life aber eine zwiespältige Spiel-Erfahrung.

Hier gibt es eine Playlist zum Thema:

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