Kuttner kommt – und ihr hoffentlich auch!

Ich möchte hier jetzt endlich einmal die Lanze für Jürgen Kuttner brechen! Der Mann tritt schon seit längerem in unregelmäßigen Abständen im Ringlokschuppen in Mülheim mit seinen „Videoschnipsel-Vorträgen“ auf und hat meiner Meinung nach bisher viel zu wenig Resonanz bekommen. In seiner Heimatstadt Berlin hat er mit diesem Programm aus moderierten TV-Ausschnitten (so will ich es jetzt einmal vereinfachen) bereits seit langem Kult-Status und füllt dort sogar die Volksbühne (war es die Volksbühne? Ich glaube schon….). Das Konzept ist eigentlich denkbar einfach: Kuttner erklärt erst in epischer Breite, was er gleich zeigen wird, weswegen er es zeigt und was das Besondere an dem jeweiligen Ausschnitt ist. Dabei schweift er ab, philosophiert, frotzelt – und das so genial, dass das Filmchen fast zur Nebensache gerät.
Die Ausschnitte sind natürlich bei jedem Auftritt andere – bis auf den letzten Schnipsel, der immer der selbe ist und auch immer zum Thema des Abends passt.

Also: Am Freitag, 18. Januar, ist Kuttner wieder im Schuppen (www.ringlokschuppen.de) und ich hoffe, ihr werdet alle zahlreich erscheinen!!!!

Und wer schon einmal ein Appetitthäppchen möchte:

 

Update:
Ich hab in meinem Archiv gerade noch einen Artikel gefunden, den ich 2007 für die WAZ über Kuttners Videoschnippselvorträge geschrieben habe. Hier ist er für euch:

Ein Brühwürfel-Abend ohne fliegende BHs

Jürgen Kuttner macht aus Mülheimern Weltverbesserer

„Sieben oder acht Vorschläge die Welt zu verbessern“ hatte Jürgen Kuttner im Gepäck, als er am Freitag im Ringlokschuppen zum inzwischen siebten Mal einen seiner legendären „Videoschnipsel-Vorträge“ veranstaltete. In seiner Heimatstadt Berlin ist Kuttner mit dieser Mischung aus bissiger Medienkritik, fröhlicher Anarchie und ironisch-intelligenter Besserwisserei bereits Kultstatus erlangt – jeden Monat füllt er dort die Volksbühne. In Mülheim fand sein Vortrag zwar auch vor fast ausverkauftem Haus statt – allerdings gab es auch nur knapp 100 Plätze. Wie immer bei Kuttner werden die Zuschauer erst einmal mit einer Endlosschleife gequält. Erst dann erscheint Kuttner, klein und quirlig, am Mikrofon und erklärt den Sinn dieser Schleife. Sie würde den Abend quasi schon enthalten, „so brühwürfelmäßig“. Und er verspricht, dass jetzt alle Ebenen der Weltverbesserungsmöglichkeiten abgearbeitet würden. „Gestern war ich im Ringlokschuppen, heute bin ich Weltverbesserer geworden“, sollen die Zuschauer sagen können, das sei seine Intention. Die acht kurzen Ausschnitte erklärt er dem Publikum zuerst, bevor er sie zeigt. Und er erklärt sie ausführlich, mit einem scharfen Blick für Details und Zusammenhänge, sinniert über die zweite Kommastelle bei den Prozentangaben der DDR-Wahlen, freut sich an der Methode  „Aus Scheiße Trillerpfeifen machen“, erinnert  an den Kabarettisten Wolfgang Neuss, der sagte

„Heute mache ich mir mal kein Abendbrot, heute mache ich mir mal Gedanken“ und philosophiert über die Tatsache, dass die Zukunft, über die in der Vergangenheit diskutiert wurde, in der Gegenwart schon wieder Vergangenheit ist (bevor er einen Ausschnitt zeigte, in dem Jugendliche Anfang der 70er Jahre über die Welt im Jahr 2000 diskutieren).

Krönender Abschluss war der letzte Videoschnipsel, der bei jeder Kuttner-Veranstaltung immer derselbe ist: Der Wahlkampf-Song der Grünen „Sonne statt Reagan“ mit Joseph Beuys am Mikrofon. Da viele Zuschauer zum ersten Mal da waren, gab es die die volle detailreiche Erklärung. Zum Glück – denn der eigentliche Spaß sind die ausschweifenden Erklärungen Jürgen Kuttners.  Dieser erklärte nach dem langanhaltenden Applaus, er „habe den Beifall zur Kenntnis genommen“ und es sei ja auch ein „okayer Abend“ gewesen, aber ein wenig enttäuscht sei er ja schon, dass nicht ein einziger BH auf die Bühne geflogen sei. Am 11. Mai gibt es die Chance, diese Scharte auszuwetzen, denn dann erklärt Kuttner im Ringlokschuppen wieder die Welt, diesmal unter dem Motto „Das Glück ist ein warmes Gewehr“.