Wie peinlich ist das denn?

Gerade habe ich eine Meldung darüber gelesen, dass in Stralsund die rechtsgerichtete Wochenzeitung «Junge Freiheit» in einem Beutel mit Tourismuswerbung zusammen mit weiteren Zeitungen und Tourismuskram verteilt worden ist. „Die Verteilung der «Jungen Freiheit» sei sofort beendet worden, nachdem die GWO auf die politische Ausrichtung der Zeitung aufmerksam gemacht worden sei.“, heißt es in der dpa-Nachricht. Weiter heißt es dort “ Wie die GWO-Sprecherin erklärte, habe man nach einer flüchtigen Prüfung die Zeitung für ein Blatt der FDP-Jugendorganisation Junge Liberale gehalten. Es sei ein bedauerlicher Fehler gewesen.“

Wie peinlich ist das denn alles???? Nicht nur, dass jetzt diverse Touristen erst (oder vielleicht auch zu) recht denken, dass im Osten alle rechtsradikal sind, viel peinlicher ist es, dass es den Verantwortlichen offenbar an grundelegender politischer Bildung fehlt – denn dass die „Junge Freiheit“ ein rechtes Pamphlet ist, ist eigentlich allgemein bekannt.

Und am allerpeinlichsten müsste es der FDP sein – denn nach dieser Aussage muss man ja davon ausgehen, dass deren veröffentlichte Meinungen nicht weit entfernt von denen dieses neuen braunen Gesindels sind…

Ohje…

Schief ins Leben gebaut

Schief ins Leben gebaut

Dieses Ringelnatz-Gedicht ging mir gerade mal wieder durch den Kopf – und da ich finde, dass Ringelnatz viel zu selten gelesen wird (und das Gedicht auch wirklich wunderbar mein Leben beschreibt – auch wenn ich nicht weiß, wie Kunitzburger Eierkuchen schmeckt) – wollte ich es Euch auch mal zu lesen geben:

Ich bin etwas schief ins Leben gebaut.
Wo mir alles rätselvoll ist und fremd …
Ich bin eine alte Kommode.
Oft mit Tinte oder Rotwein begossen;
Manchmal mit Fußtritten geschlossen.
Der wird kichern, der nach meinem Tode
Mein Geheimfach entdeckt.
Ach, Kind, wenn du ahntest,
wie Kunitzburger Eierkuchen schmeckt …

(Joachim Ringelnatz)