Ich war auch mal Märchentante …

Der Drache Waldemar beim Versteckspielen.

Da habe ich doch gerade in den Untiefen meiner alten Festplatte das Märchen gefunden, dass ich vor 10 Jahren für Lena geschrieben habe. Über Prinzessin Lena, die allen Lebewesen ins Herz gucken konnte und dem Drachen Waldemar, der ihr Freund wurde. Ich hab sogar dafür gezeichnet – auch wenn das nicht wirklich meine Kernkompetenz ist (was auch die Frage beantwortet, ob das Bild im Beitrag von Lena ist: Nein.). Aber das Märchen finde ich immer noch hübsch.  Ich hab hier mal den Anfang des Märchens reinkopiert. Das Bild zeigt übrigens Waldemar beim Versteckenspielen …

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Kuttner kommt – und ihr hoffentlich auch!

Ich möchte hier jetzt endlich einmal die Lanze für Jürgen Kuttner brechen! Der Mann tritt schon seit längerem in unregelmäßigen Abständen im Ringlokschuppen in Mülheim mit seinen „Videoschnipsel-Vorträgen“ auf und hat meiner Meinung nach bisher viel zu wenig Resonanz bekommen. In seiner Heimatstadt Berlin hat er mit diesem Programm aus moderierten TV-Ausschnitten (so will ich es jetzt einmal vereinfachen) bereits seit langem Kult-Status und füllt dort sogar die Volksbühne (war es die Volksbühne? Ich glaube schon….). Das Konzept ist eigentlich denkbar einfach: Kuttner erklärt erst in epischer Breite, was er gleich zeigen wird, weswegen er es zeigt und was das Besondere an dem jeweiligen Ausschnitt ist. Dabei schweift er ab, philosophiert, frotzelt – und das so genial, dass das Filmchen fast zur Nebensache gerät.
Die Ausschnitte sind natürlich bei jedem Auftritt andere – bis auf den letzten Schnipsel, der immer der selbe ist und auch immer zum Thema des Abends passt.

Also: Am Freitag, 18. Januar, ist Kuttner wieder im Schuppen (www.ringlokschuppen.de) und ich hoffe, ihr werdet alle zahlreich erscheinen!!!!

Und wer schon einmal ein Appetitthäppchen möchte:

 

Update:
Ich hab in meinem Archiv gerade noch einen Artikel gefunden, den ich 2007 für die WAZ über Kuttners Videoschnippselvorträge geschrieben habe. Hier ist er für euch:

Ein Brühwürfel-Abend ohne fliegende BHs

Jürgen Kuttner macht aus Mülheimern Weltverbesserer

„Sieben oder acht Vorschläge die Welt zu verbessern“ hatte Jürgen Kuttner im Gepäck, als er am Freitag im Ringlokschuppen zum inzwischen siebten Mal einen seiner legendären „Videoschnipsel-Vorträge“ veranstaltete. In seiner Heimatstadt Berlin ist Kuttner mit dieser Mischung aus bissiger Medienkritik, fröhlicher Anarchie und ironisch-intelligenter Besserwisserei bereits Kultstatus erlangt – jeden Monat füllt er dort die Volksbühne. In Mülheim fand sein Vortrag zwar auch vor fast ausverkauftem Haus statt – allerdings gab es auch nur knapp 100 Plätze. Wie immer bei Kuttner werden die Zuschauer erst einmal mit einer Endlosschleife gequält. Erst dann erscheint Kuttner, klein und quirlig, am Mikrofon und erklärt den Sinn dieser Schleife. Sie würde den Abend quasi schon enthalten, „so brühwürfelmäßig“. Und er verspricht, dass jetzt alle Ebenen der Weltverbesserungsmöglichkeiten abgearbeitet würden. „Gestern war ich im Ringlokschuppen, heute bin ich Weltverbesserer geworden“, sollen die Zuschauer sagen können, das sei seine Intention. Die acht kurzen Ausschnitte erklärt er dem Publikum zuerst, bevor er sie zeigt. Und er erklärt sie ausführlich, mit einem scharfen Blick für Details und Zusammenhänge, sinniert über die zweite Kommastelle bei den Prozentangaben der DDR-Wahlen, freut sich an der Methode  „Aus Scheiße Trillerpfeifen machen“, erinnert  an den Kabarettisten Wolfgang Neuss, der sagte

„Heute mache ich mir mal kein Abendbrot, heute mache ich mir mal Gedanken“ und philosophiert über die Tatsache, dass die Zukunft, über die in der Vergangenheit diskutiert wurde, in der Gegenwart schon wieder Vergangenheit ist (bevor er einen Ausschnitt zeigte, in dem Jugendliche Anfang der 70er Jahre über die Welt im Jahr 2000 diskutieren).

Krönender Abschluss war der letzte Videoschnipsel, der bei jeder Kuttner-Veranstaltung immer derselbe ist: Der Wahlkampf-Song der Grünen „Sonne statt Reagan“ mit Joseph Beuys am Mikrofon. Da viele Zuschauer zum ersten Mal da waren, gab es die die volle detailreiche Erklärung. Zum Glück – denn der eigentliche Spaß sind die ausschweifenden Erklärungen Jürgen Kuttners.  Dieser erklärte nach dem langanhaltenden Applaus, er „habe den Beifall zur Kenntnis genommen“ und es sei ja auch ein „okayer Abend“ gewesen, aber ein wenig enttäuscht sei er ja schon, dass nicht ein einziger BH auf die Bühne geflogen sei. Am 11. Mai gibt es die Chance, diese Scharte auszuwetzen, denn dann erklärt Kuttner im Ringlokschuppen wieder die Welt, diesmal unter dem Motto „Das Glück ist ein warmes Gewehr“.

Gehirnchaos

Nu isser da, der Tag 0. Heute habe ich meinen Redaktionsschlüssel abgegeben, meinen Tee aus dem Schrank und meinen Kram aus den Schubladen geräumt. Das war schon ein verdammt komisches, gar nicht so tolles Gefühl, das bis jetzt noch nicht nachgelassen hat.
Montag werde ich wahrscheinlich das erste Mal so wirklich realisieren, dass ich vorerst nicht mehr in die Tretmühle der MW zurück muss. Aber vorerst habe ich noch x Dinge, die mich mit Beschlag belegen. Zum einen den Halbmarathon, auf den ich zunehmend neurotisch reagiere und vor dem ich immer mehr Muffen habe. Außerdem habe ich morgen noch einen arbeitsreichen Tag mit anderen geldbringenden Projekten vor der Brust. Und gerade komme ich von einer Veranstaltung im Theater an der Ruhr, über die ich für die WAZ schreiben muss (ja, trotzdem noch). Gerhart Baum, einstiger Bundesinnenminister, hat dort zum Thema RAF erzählt. Obwohl FDP’ler, hatte er doch wirklich sehr gute Aussagen. Es war ein überaus interessanter Abend mit Unmengen an Informationen und es fällt mir gerade enorm schwer, daraus einen kurzen Artikel zu basteln. Baum, der übrigens zu seiner Amtszeit (78-82) selbst auf der Abschussliste der RAF stand, ist der festen Überzeugung, dass es richtig ist, dass Brigitte Mohnhaupt jetzt frei ist – denn es entspricht den Grundreglen unserer Rechtssprechung (b.t.w.: ganz meine Meinung). Und auch der Diskussion über die Äußerungen Klars kann er das Grundgesetz entgegenhalten: Denn glücklichweise haben wir ja das Recht auf freie Meinungsäußerung (steht jedenfalls im Grundgesetz). Auch was sonst gesagt wurde, hat mir wirklich jede Menge Futter zum nachdenken gegeben. „Wir waren einmal so sehr auf die Gnade der anderen angewiesen – warum können wir dann jetzt nicht selbst Gnade walten lassen?“ war eine der Fragen aus dem Publikum, die mich sehr berührt hat, weil ich sie so wahr finde.
Jedenfalls war das heute alles ein bisschen viel an Eindrücken und Gefühlen, so dass ich mich gerade sehr kippelig fühle und ganz müde, auch innerlich, und ziemlich Gehirnchaos habe. Den Artikel werde ich morgen früh zu Ende schreiben müssen – das wird heute wohl nichts mehr…

 

Update (ganz viel Zeit später): Ich hab den Text gefunden, den ich damals für die WAZ geschrieben habe. Hier ist er:

„Gnadenlos? Notstand für die Grundrechte?“ war der Titel des politischen Salons des Theaters an der Ruhr am Mittwochabend. Anlass war die aktuelle Diskussion um die Freilassung von Brigitte Mohnhaupt, die als RAF-Terroristin 1982 zu fünffach lebenslänglich verurteilt worden war. Als Gast war Gerhart Baum geladen, ehemaliger Bundesinnenminister (1978-1982), der sich damals wie heute aktiv mit dem Thema RAF auseinandergesetzt hat. Das Theater-Café „La Luna“ war voll besetzt mit rund 70 überwiegend älteren Zuhörern.   „Es ist ein starker Staat, der Gnade üben kann“, erklärte Baum, der in seiner Zeit als Innenminister selbst auf der Abschussliste der RAF stand. Der Rechtsanwalt stellte klar, dass Mohnhaupt nach deutschem Recht ihre Strafe abgesessen habe und jetzt regulär entlassen wurde, denn: „Es gibt in unserem Land keine lebenslange Haft, die lebenslang verbüßt wird.“ Dass dies heute einen solchen Aufruhr verursacht, hinge auch mit dem subjektiven Unsicherheitsempfinden der Bevölkerung zusammen, mit dem Boulevardmedien und Politiker spielen würden. Er beleuchtete die Zeit der Entstehung der RAF genauso wie die Auseinandersetzung des Staates mit dem Terror von links und stellte fest: „Linker Terror wurde immer schon mehr beachtet als der von rechts. Dabei gab es bereits damals genauso viele Anschläge rechter Gruppierungen.“

Dann durfte das Publikum Fragen an den FDP-Politiker stellen. Die kamen recht verhalten und überwiegend von den älteren Zuhörern. Angst vor einer Tendenz nach Rechts war dabei genauso Thema wie das Gefühl der Ohnmacht, Kritik an den Medien und die Verarmung der Gesellschaft. Aber auch die Frage, ob die RAF vielleicht nötig gewesen sei,  wurde gestellt. „Die Protestbewegung hatte die RAF nicht nötig, die RAF aber die Protestbewegung. Die Veränderungen, die wir heute haben, hätte es auch ohne die RAF gegeben“, war die klare Meinung Baums.  “Wir waren einmal so sehr auf die Gnade der anderen angewiesen – warum können wir dann jetzt nicht selbst Gnade walten lassen?” war die Fragen eines älteren Herrn, die viele berührte und Zustimmung fand.

Nach insgesamt zweieinhalb Stunden verabschiedete sich Baum und freute sich, dass es an dem Abend gelungen war, den Bogen von der RAF-Debatte zur Gesellschaftskritik zu schlagen. Das Publikum dankte ihm mit langanhaltendem Applaus.

Bastian Sick war nett und die WAZ ist doof

Am Donnerstag war ich für die WAZ bei Bastian Sick in der Stadthalle Mülheim. Das war wirklich lustig, obwohl, oder vielleicht gerade weil, ich mir davon nicht so viel erwartet hatte. Als Fan seiner Kolumnen und „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“-Bücher war ich jedenfalls ganz wild darauf, darüber zu berichten. Und da dies eben ein Bericht über den Grammatik-Guru war, habe ich mir extra viel Mühe mit dem Text gegeben und in meiner Mail an die Kollegen sogar extra darum gebeten, sich kurz zu melden, wenn etwas zu kürzen sei, ich würde es dann lieber selbst machen. Eben habe ich dann auf WAZ-online meinen Text gefunden – in dem ganz schrecklich herumgepfuscht wurde (jedenfalls nach meinem Empfinden). Sogar Fehler haben sie eingebaut! Ich bin sowas von stocksauer!!!!!

Hier jedenfalls jetzt mein Text -so wie ich ihn geschrieben habe:

„Sind wir nicht alle ein bisschen Sibylle? Haben „Mund-zu-Mund-Propaganda“ betrieben oder eine Sache in „grüne Tücher gebracht“? Sibylle jedenfalls ist Meisterin im Verdrehen von Redewendungen und Sprichwörtern. Das behauptete zumindest Bastian Sick am Donnerstagabend in der ausverkauften Stadthalle. Der Autor der „Der Dativ ist dem Genetiv sein Tod“-Trilogie hatte hier mit seiner „Tournee zum Buch“ Halt gemacht und zeigte zweieinhalb Stunden lang, dass deutsche Grammatik durchaus Spaß machen kann. Nachdem eine freundliche Stewardess von der bühnenfüllenden Leinwand herab darum gebeten hatte, die Handys – auch „dem Nachbar seins“ – auszuschalten, enterte der Hamburger Spiegel-Online-Kolumnist die Bühne, um sich gleich über die seltsamen Ansagen der Deutschen Bahn zu wundern („Der Zug trifft in der Ankunft ein“). Dann folgte eine bunte Mischung aus Haarspaltereien und Wissenswertem, garniert mit Beispielen aus dem Leben und gewürzt mit einem kleinen Quiz. Die Einblendungen auf der Leinwand, die dem Publikum die alltäglichen Misshandlungen der deutschen Sprache vor Augen führten, sorgten für andauernde Lachsalven aber auch für ein wenig Fassungslosigkeit: sei es nun die seltsame Aufforderung „Trink Wasser für Hunde“, die „strafende Körper-Lotion“ oder die „Lexica’s“ (aufgenommen ausgerechnet in einem Markt, der mit „Ich bin doch nicht blöd“ für sich wirbt). Die Unsitte, alles zu apostrophieren, was nicht niet- und nagelfest ist, entgeht dem strengen Blick Sicks ebenso wenig wie die Stilblüten der Zeitungen. Da gibt es die „Lehrer-Fortbildung zu Neonazis“ und die „Deutschpflicht bekommt neue Führsprecher“. Kurz vor der Pause wurde dann das Publikum auf die Probe gestellt. Per Handheben wurde darüber abgestimmt, ob Frau Merkel den US-Präsident oder den US-Präsidenten traf, ob die Klasse anscheinend oder scheinbar nicht aufgepasst hatte und ob eine Zeitung, die alle zwei Wochen herausgegeben wird, 14-tägig oder 14-täglich erscheint. Dabei zeigte sich, dass viele Zuschauer die Bücher und Kolumnen Sicks offenbar noch nicht gelesen hatten – denn nachdem sich bei der ersten Frage die meisten Hände noch richtig für den „Präsidenten“ nach oben reckten, waren es für die richtige Anwort „anscheinend“ schon weniger und das korrekte „14-täglich“ fand nur ganz wenig Anhänger. Die Mülheimer hielt dieses Nicht-Wissen nicht davon ab, sich prächtig zu amüsieren, auch wenn Bastian Sick anzumerken war, dass sein Zuhause der Schreibtisch und nicht die Bühne ist. Denn seine Sprache und Gestik waren hölzern und wirkten unsicher. Selbstverständlich könnte man ihm vorwerfen, er wäre ein engstirniger Erbsenzähler, der sich über die Schwächen seiner Mitmenschen lustig mache. Fakt ist jedoch, dass er über weitaus weniger Patzer zu berichten hätte, wäre der Deutschunterricht an den Schulen so amüsant wie Sicks Auftritt in der Stadthalle.
Falls Ihnen in diesem Artikel trotz meiner sorgfältigen Prüfung noch Ungereimtheiten oder Fehler aufgefallen sind, so bitte ich Sie im Namen von Sibylle, noch einmal „Viere gerade sein“ zu lassen, denn schließlich ist ja noch „kein Meister zum Brunnen gegangen“ und „der Einäugige ist unter den Lahmen König“! “

Ich habe eben übrigens aus sicherer Quelle erfahren, dass Herr Sick wohl jenseits der Bühne ein ziemlich arrogantes Arschloch sein muss – was mich allerdings nicht wundert. Auf der Bühne hat er jedenfalls amüsiert….