Drehbuchautoren, das Leben und ich….

So, nach einer Doppelfolge einer meiner Lieblingsserien (Grey’s Anatomy (ich bin seit einiger Zeit sowieso total Serien-süchtig)) und zwischenzeitlichem Zapping zu einer weiteren genialen Serie (Boston Legal) sitze ich hier und simmelier weiter über die Gedanken, die ich mir währenddessen gemacht habe (beim ins Taschentuch heulen und lachen und so).
Zum einen möchte ich gern einen Drehbuchautor heiraten – wer so wunderbar romantische Charaktere erschaffen kann, muss im echten Leben doch auch überaus romantisch sein – oder? (Also bitte – alle Single-Drehbuchautoren bei mir melden!)
Außerdem möchte ich endlich mal das Drehbuch meines Lebens in die Finger bekommen. Nicht nur, um diverse Korrekturen vorzunehmen, sondern auch, um endlich mal zu wissen, was da noch so auf mich zukommt und welchen Text ich parat haben sollte. Vielleicht könnte mich das vor der ein oder anderen Peinlichkeit bewaren und überhaupt…. Oder schreiben wir selbst vielleicht permanent an diesem Drehbuch? Dann will ich aber auf der Stelle einen Script-Doctor haben, denn ich brauche ganz sicher Unterstützung bei meinem Buch.

Drehbuch-Autoren werden übrigens meiner Meinung nach überall total unterschätzt. Immer werden Regisseure und Schauspieler, selbst Kameraleute hochgejubelt ohne Ende (und sie haben es gelegentlich auch verdient!) – aber was sind all diese Leute ohne ein gescheites Drehbuch? Wäre Stanley Kubriks Clockwork Orange (läuft jetzt gerade bei mir im Hintergrund, arte) so genial ohne das geniale Buch und ohne die kongeniale Umsetzung durch den Drehbuchautor? „Ich schau Dir in die Augen, Kleines“, „Jippeejaje Schweinebacke“ „Hasta la vista, Baby“ – alle diese Erinnerungen sind Erfolge der Autoren – und die werden NIE gefeiert, noch nicht mal drüben in Amerika. Oftmals bekommen sie noch nicht mal eine Einladung zur Premiere – ist das nicht unfair?

Aber ich will gar nicht so viel Mitleid mit den (Drehbuch-)Autoren dieser Welt haben – denn in Wahrheit bin ich ja auch jedesmal, wenn mir eine Wort- oder Satz- oder ganze Drehbuch-Perle unterkommt, enorm neidisch, weil ich das nämlich auch können will… und das kann ich eben nicht (könnten Kühe fliegen? Eben!)

Eine weitere gedankliche Baustelle: Bei den Doktors auf Pro 7 ist momentan eine Frau in Behandlung, die das Gedächtnis verloren hat und schwer damit hadert. Das verstehe ich auf der einen Seite – auf der andern beneide ich sie abe auch, so pervers das jetzt vielleicht klingt. Aber (und so sprach auch der behandelnde Assistenz-Arzt (wetten, dass die beiden noch ein Paar werden?)) ist es nicht eine absolute Chance, nochmal bei 0 anzufangen? Die ganzen Neurosen, die man im Laufe der Jahre zwangsläufig anhäuft – alle weg. Keine Erinnerung – keine Reue. Allerdings fehlen dann auch alle die schönen Momente, die das Leben bisher ausgemacht haben – und das ist die Kehrseite der Medaille….

So, jetzt widme ich mich wieder meinem Rotwein, denn nach mindestens 8 Jahren Rotwein-Abstinenz habe vor kurzem herausgefunden, dass ich ihn wieder trinken kann, ohne gleich Migräne zu bekommen – und so habe ich diesen langvermissten Freund wieder in die Arme geschlossen..

Hach, jetzt hab ich wieder viel zu viel geschrieben, heutzutage liest doch eh keiner mehr so viel…..

Köln, Stadtpläne, das Leben und ich…

Köln ist ja ein absoluter Horror, was das Autofahren angeht- nirgens darf man abbiegen und überall sind Einbahnstraßen. Ich bin einmal bestimmt 20 Minuten lang parallel zu der Straße gefahren, auf die ich wollte. Ich wusste das – aber es gab wirklich keine einzige verdammte Möglichkeit, die paar Straßen dazwischen zu überwinden, immer wieder wurde ich auf die falsche Straße zurückgeführt.

Und als ich gerade so darüber nachgedacht habe, was zum Teufel eigentlich falsch läuft bei mir, musste ich da wieder dran denken. Denn im Prinzip ist mein Leben genau so: Ich weiß ganz genau, dass die Straße, auf der ich bin, nicht die richtige ist, dass ich auf einen anderen Weg muss, aber, wenn ich versuche, dort hin zu gelangen, lande ich doch wieder am Ausgangspunkt. Das ist ganz schön frustrierend.

Als ich das erste Mal mit dem Wagen in Köln war, hatte ich mich sogar so sehr verfranst, dass ich noch nicht einmal mehr wusste, wo ich genau war. Ich habe damals total genervt angehalten, mir den nächsten Passanten am Kragen gepackt (ich war echt fuchtig, ich glaube, der arme Mann hatte etwas Angst vor mir), ihm meinen Stadtplan unter die Nase gehalten und gesagt: „So: Ich will HIER hin und Sie sagen mir jetzt bitte, WO ich gerade bin und wie ich dort hinkomme, wo ich hin will!“ Hat er dann glücklicherweise auch getan und ich bin doch noch am Ziel angekommen.
Leider hat das Leben mir keinen tauglichen Stadtplan an die Hand gegeben und bisher habe ich auch noch niemanden gefunden, der mir wirklich den Weg erklären konnte.
Ich werde wohl weiter durch die Straßen irren müssen – vielleicht komme ich der richtigen Straße ja irgendwann einmal wenigstens ein wenig näher…

Gehirnchaos

Nu isser da, der Tag 0. Heute habe ich meinen Redaktionsschlüssel abgegeben, meinen Tee aus dem Schrank und meinen Kram aus den Schubladen geräumt. Das war schon ein verdammt komisches, gar nicht so tolles Gefühl, das bis jetzt noch nicht nachgelassen hat.
Montag werde ich wahrscheinlich das erste Mal so wirklich realisieren, dass ich vorerst nicht mehr in die Tretmühle der MW zurück muss. Aber vorerst habe ich noch x Dinge, die mich mit Beschlag belegen. Zum einen den Halbmarathon, auf den ich zunehmend neurotisch reagiere und vor dem ich immer mehr Muffen habe. Außerdem habe ich morgen noch einen arbeitsreichen Tag mit anderen geldbringenden Projekten vor der Brust. Und gerade komme ich von einer Veranstaltung im Theater an der Ruhr, über die ich für die WAZ schreiben muss (ja, trotzdem noch). Gerhart Baum, einstiger Bundesinnenminister, hat dort zum Thema RAF erzählt. Obwohl FDP’ler, hatte er doch wirklich sehr gute Aussagen. Es war ein überaus interessanter Abend mit Unmengen an Informationen und es fällt mir gerade enorm schwer, daraus einen kurzen Artikel zu basteln. Baum, der übrigens zu seiner Amtszeit (78-82) selbst auf der Abschussliste der RAF stand, ist der festen Überzeugung, dass es richtig ist, dass Brigitte Mohnhaupt jetzt frei ist – denn es entspricht den Grundreglen unserer Rechtssprechung (b.t.w.: ganz meine Meinung). Und auch der Diskussion über die Äußerungen Klars kann er das Grundgesetz entgegenhalten: Denn glücklichweise haben wir ja das Recht auf freie Meinungsäußerung (steht jedenfalls im Grundgesetz). Auch was sonst gesagt wurde, hat mir wirklich jede Menge Futter zum nachdenken gegeben. „Wir waren einmal so sehr auf die Gnade der anderen angewiesen – warum können wir dann jetzt nicht selbst Gnade walten lassen?“ war eine der Fragen aus dem Publikum, die mich sehr berührt hat, weil ich sie so wahr finde.
Jedenfalls war das heute alles ein bisschen viel an Eindrücken und Gefühlen, so dass ich mich gerade sehr kippelig fühle und ganz müde, auch innerlich, und ziemlich Gehirnchaos habe. Den Artikel werde ich morgen früh zu Ende schreiben müssen – das wird heute wohl nichts mehr…

 

Update (ganz viel Zeit später): Ich hab den Text gefunden, den ich damals für die WAZ geschrieben habe. Hier ist er:

„Gnadenlos? Notstand für die Grundrechte?“ war der Titel des politischen Salons des Theaters an der Ruhr am Mittwochabend. Anlass war die aktuelle Diskussion um die Freilassung von Brigitte Mohnhaupt, die als RAF-Terroristin 1982 zu fünffach lebenslänglich verurteilt worden war. Als Gast war Gerhart Baum geladen, ehemaliger Bundesinnenminister (1978-1982), der sich damals wie heute aktiv mit dem Thema RAF auseinandergesetzt hat. Das Theater-Café „La Luna“ war voll besetzt mit rund 70 überwiegend älteren Zuhörern.   „Es ist ein starker Staat, der Gnade üben kann“, erklärte Baum, der in seiner Zeit als Innenminister selbst auf der Abschussliste der RAF stand. Der Rechtsanwalt stellte klar, dass Mohnhaupt nach deutschem Recht ihre Strafe abgesessen habe und jetzt regulär entlassen wurde, denn: „Es gibt in unserem Land keine lebenslange Haft, die lebenslang verbüßt wird.“ Dass dies heute einen solchen Aufruhr verursacht, hinge auch mit dem subjektiven Unsicherheitsempfinden der Bevölkerung zusammen, mit dem Boulevardmedien und Politiker spielen würden. Er beleuchtete die Zeit der Entstehung der RAF genauso wie die Auseinandersetzung des Staates mit dem Terror von links und stellte fest: „Linker Terror wurde immer schon mehr beachtet als der von rechts. Dabei gab es bereits damals genauso viele Anschläge rechter Gruppierungen.“

Dann durfte das Publikum Fragen an den FDP-Politiker stellen. Die kamen recht verhalten und überwiegend von den älteren Zuhörern. Angst vor einer Tendenz nach Rechts war dabei genauso Thema wie das Gefühl der Ohnmacht, Kritik an den Medien und die Verarmung der Gesellschaft. Aber auch die Frage, ob die RAF vielleicht nötig gewesen sei,  wurde gestellt. „Die Protestbewegung hatte die RAF nicht nötig, die RAF aber die Protestbewegung. Die Veränderungen, die wir heute haben, hätte es auch ohne die RAF gegeben“, war die klare Meinung Baums.  “Wir waren einmal so sehr auf die Gnade der anderen angewiesen – warum können wir dann jetzt nicht selbst Gnade walten lassen?” war die Fragen eines älteren Herrn, die viele berührte und Zustimmung fand.

Nach insgesamt zweieinhalb Stunden verabschiedete sich Baum und freute sich, dass es an dem Abend gelungen war, den Bogen von der RAF-Debatte zur Gesellschaftskritik zu schlagen. Das Publikum dankte ihm mit langanhaltendem Applaus.