Friederike Kempner zum Frühling

Gerade gefunden, schlappgelacht und hier für Euch, von der unbeschreiblichen Friederike Kempner (1836-1904):

 

„Also doch…?

 

Wenn der holde Frühling lenzt,

wenn man sich mit Veilchen kränzt,

wenn man sich mit frohem Muth

Schnittlauch in das Rührei thut,

kreisen durch des Menschen Säfte

neue, ungeahnte Kräfte.

Jegliche Verstopfung weicht,

alle Herzen werden leicht

und das meine fragt sich still,

„ob mich dies’ Jahr einer will?“

 

Die gute Damen ist wegen ihrer unfreiwilligen Komik zu zweifelhaftem Ruhm gekommen und gilt als „Das Genie der unfreiwilligen Komik“. Ich fühle mich der Dame sehr verbunden. 😉

(von meinem alten Facebook-Account mal rüberkopiert und zeitlich einsortiert, damit die Lücke nicht so groß ist 😉 )

Schief ins Leben gebaut

Schief ins Leben gebaut

Dieses Ringelnatz-Gedicht ging mir gerade mal wieder durch den Kopf – und da ich finde, dass Ringelnatz viel zu selten gelesen wird (und das Gedicht auch wirklich wunderbar mein Leben beschreibt – auch wenn ich nicht weiß, wie Kunitzburger Eierkuchen schmeckt) – wollte ich es Euch auch mal zu lesen geben:

Ich bin etwas schief ins Leben gebaut.
Wo mir alles rätselvoll ist und fremd …
Ich bin eine alte Kommode.
Oft mit Tinte oder Rotwein begossen;
Manchmal mit Fußtritten geschlossen.
Der wird kichern, der nach meinem Tode
Mein Geheimfach entdeckt.
Ach, Kind, wenn du ahntest,
wie Kunitzburger Eierkuchen schmeckt …

(Joachim Ringelnatz)

Mitten ins Herz…

Habe ich gerade in einem Kommentar bei MySpace gefunden – das Zitat hat mich mitten ins Herz getroffen, so wahr ist es für mich:

..und ich möchte Dich, so gut ich es kann,
bitten Geduld zu haben gegen alles Ungelöste in
Deinem Herzen und zu versuchen, die Fragen selbst
liebzuhaben wie verschlossene Stuben und wie
Bücher, die in einer fremden Sprache geschrieben
sind. Forsche jetzt nicht nach den Antworten,
die Dir nicht gegeben werden können, weil Du sie
nicht leben könntest. Und es handelt sich darum,
alles zu leben. Lebe jetzt die Fragen. Vielleicht
lebst Du dann allmählich, ohne es zu merken,
eines fernen Tages in die Antwort hinein.

(Rainer Maria Rilke)

Wenn das nicht zu mir passt (allein schon der Auszeit wegen, aber auch noch in vielen anderen Bereichen), dann weiß ich auch nicht…

Herbst-Gedicht

Ich finde, Mitte Oktober ist es wieder einmal Zeit für mein absolutens Herbst-Lieblingsgedicht:

Herbsttag

Herr, es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.

Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren

und auf den Fluren lass die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten, voll zu sein;

gib ihnen noch zwei südlichere Tage

dränge sie zur Vollendung hin, und jage

die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.

Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,

wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben

und wird in den Alleen hin und her

unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

Hach nee – der Rilke, der konnte schon was….

Bei dieser Gelegenheit möchte ich auf das Projekt Gutenberg  hinweisen. Dort gibt es eine riesige Auswahl an Prosa und Lyrik verstorbener deutscher Dichter.