Züblin, oder warum ich immer noch über die Ungerechtigkeit in der Welt weine

Im Sommer 1944 wurde 1.700 jüdische Frauen aus Ungarn zur Zwangsarbeit aus Ausschwitz nach Frankfurt geschickt. Dort wurden sie (hauptsächlich) von der Firma Züblin beim Bau der erste Rollbahn des Frankfurter Flughafens eingesetzt. Die 1.700 Frauen arbeiteten ohne ausreichende Nahrung, ohne Schuhe oder anständige Kleidung. Zum Teil war auch für diese Umstände Züblin verantwortlich. Sie arbeiteten so hart und so schrecklichen Bedingungen, dass das Arbeitslager bereits im November des selben Jahres wieder aufgelöst wurde. Die überlebenden Frauen wurden in das KZ Ravensbrück gebracht. (Quelle: http://www.kz-walldorf.de, www.3sat.de)

Nur 200 dieser Frauen überlebten die Nazi-Diktatur.

Vorhin habe ich auf 3Sat eine Dokumentation gesehen, sie ist schon ein paar Jahre alt und sie heißt „Die Rollbahn“. Der Film erzählt von der Entstehnung des historischen Lehrpfades auf dem ehemaligen Geländes dieser KZ-Außenstelle, von dem Engagement einiger Schülerinnen und davon, dass 18 Überlebende nach 56 Jahren noch einmal diesen Ort ihrer furchtbaren Qualen besuchten. Und erzählt auch von der unsäglichen Ignoranz der Firma Züblin, die bis heute jegliche Auseinandersetzung mit dem Thema ablehnt, die die Briefe und Anfragen der Schüler, der Museumsleiterung und der Stadt einfach ignorierte, die der Presse lakonisch mitteilte, man gäbe keinen Kommentar zum KZ Walldorf ab und die sich zuletzt auf die Stellungnahme zurückzog: … sind wir davon überzeugt, dass Züblin keine Schuld für das Schicksal der Zwangsarbeiterinnen trifft.“ deshalb „… sehe ich auch keinen Grund, Schadenersatz an die Überlebenden zu leisten.
(Quelle: www.kz-walldorf.de).
Es war ekelerregend, zu sehen, wie der Sprecher des Unternehmens, der sich dann doch irgendwann dazu herablies, mit den angereisten Überlebenden zu reden, nichts als hohle Phrasen und dummes Gewäsch für diese Menschen übrig hatte. Menschen, die es über sich gebracht hatten, in ein Land, an einen Ort zu reisen, wo so Dinge erlebt haben, die wir uns selbst gar keine wirklichen Vorstellungen von machen können, egal, wieviel wir darüber gelesen haben. Menschen, die trotzdem bereit waren, sich damit auseinanderzusetzen, um zu helfen, um Frieden zu finden. Frauen, deren Schmerz selbst nach 56 Jahren noch so groß ist, dass sie nur unter Tränen von ihren Leiden erzählen konnten – und es trotzdem taten.
Und da geht dieser Konzern hin und hat kein Wort des Bedauerns, kein Wort der Entschuldigung, hat nichts als Geschwätz übrig – es könnte ihn ja sonst vielleicht einen Teil des Firmenvermögens (1.551 Millionen Gesamtüberschuss 2005, Quelle: www.zueblin.de) kosten. Und was noch schlimmer ist: Niemanden interessiert es. Züblin bekommt weiter dicke Aufträge, im Wikipediaeintrag stehen nur schale Firmendaten und die Nazi-Zeit wird ignoriert und Vater Staat ignoriert alles geflissentlich… Da ist auch dieser Entschädigungsfond der deutschen Wirtschafts nichts mehr als Augenwischerei.

Natürlich bin ich naiv, natürlich bin ich unrealistisch und natürlich hilft es niemanden, wenn ich über das Schicksal und den Schmerz dieser Frauen und über die Ungerechtigkeit in der Welt Tränen vergieße, aber ich tue es trotzdem.

Anleitung zum Unglücklichsein – Paul Watzlawick ist tot

Vorhin habe ich gelesen, dass Paul Watzlawick am 31. März gestorben ist. Ich bin ein großer Fan seiner Bücher, allen voran sein bekanntestes „Anleitung zum Unglücklichsein“ ist quasi meine Bibel. Watzlawick versteht es, Psychologie und Lebensweisheit mit Humor und Ironie aufzupeppen und gibt in diesem Buch wirklich Tipps, wie man es am besten anstellt, um anständig und lebenslang unglücklich zu sein. Dazu gehören zum Beispiel die „Vier Spiele mit der Vergangenheit“, in der auch Frau Lot eine tragende Rolle spielt (Immer schön zurückschauen, bloß nicht nach vorn!). Ich liebe auch die Geschichte des Mannes, der sich einen Hammer ausleihen will und die Ausführungen zu der Aufforderung „Sei spontan!“ (denkt da mal kurz drüber nach..). Eigentlich ist jedes Kapitel dieses Buches ein Kleinod und ich möchte behaupten, dass jeder, der dieses Buch mit offenem Sinn; Humor und klarem Verstand liest, ein wenig gelassener durchs Leben geht. Denn Watzlawick zeigt ganz schnell und lässig (und vor allem auch ohne langweiligen Fachvortrags-Jargon“, wie schnell man sich selbst das Leben schwer macht…. Ich nehme es immer mal wieder zur Hand, denn leider lasse ich mich viel zu leicht vom Alltag überrennen …
Auch seine anderen Bücher, wie „Münchnhausens Zopf“, „Wie wirklich ist die Wirklichkeit“ oder „Vom Schlechten des Guten oder Hekates Lösungen“, sind wahnsinnig interessant (alle habe ich leider noch nicht gelesen).
Ich werde mir jetzt jedenfalls gleich einmal wieder die „Anleitung zum Unglücklichsein“ durchlesen…
Darin kommt übrigens auch der Mann vor, der alle zehn Sekunden in die Hände klatscht. Auf die Frage, warum er das mache, erklärt er: „Um die Elefanten zu verscheuchen.“ – „Elefanten? Aber es sind doch hier gar keine Elefanten?“ Darauf er: „Na, also! Sehen Sie?“….

Mitten ins Herz…

Habe ich gerade in einem Kommentar bei MySpace gefunden – das Zitat hat mich mitten ins Herz getroffen, so wahr ist es für mich:

..und ich möchte Dich, so gut ich es kann,
bitten Geduld zu haben gegen alles Ungelöste in
Deinem Herzen und zu versuchen, die Fragen selbst
liebzuhaben wie verschlossene Stuben und wie
Bücher, die in einer fremden Sprache geschrieben
sind. Forsche jetzt nicht nach den Antworten,
die Dir nicht gegeben werden können, weil Du sie
nicht leben könntest. Und es handelt sich darum,
alles zu leben. Lebe jetzt die Fragen. Vielleicht
lebst Du dann allmählich, ohne es zu merken,
eines fernen Tages in die Antwort hinein.

(Rainer Maria Rilke)

Wenn das nicht zu mir passt (allein schon der Auszeit wegen, aber auch noch in vielen anderen Bereichen), dann weiß ich auch nicht…

Hannibal

Hannibal
Hannibal
Ich durfte Dir weiteres Leid ersparen. Aber es war die schwerste Entscheidung meines bisherigen Lebens. Ich werde Dich nie vergessen.

Keine Geburtstagsstimmung…

Am Montag habe ich Geburtstag. Normalerweise freue ich mich ja immer darauf, trotz der Tatsache, dass ich immer älter und runzeliger werde, aber da es meinem armen Hannibal immer schlechter geht, habe ich diesmal gar keine Meinung. Ich hätte wirklich nicht gedacht, dass ein Tier mir einmal so dermaßen ans Herz wachsen kann…

Mein Lieblingsort

Auf der Homepage des ZDF läuft gerade die Aktion „Unsere besten Lieblingsorte“, bei der man über des Deutschen deutscher Lieblingsort abstimmen kann. Mal abgesehen von dem idiotischen Titel und der Tatsache, dass der unsägliche Johannes B. Kerner die darauf basierende Sendung moderieren wird, habe ich darüber nachgedacht, was wohl mein liebster Lieblingsort ist (abgesehen von meinem Zuhause). Es gibt so viele Orte, mit denen ich etwas verbinde, die mir etwas bedeuten, da fällt es schwer, eine Wahl zu treffen. Dann habe ich mir einfach die Frage gestellt, an welchem Ort in Deutschland ich sein möchte, wenn ich sterbe (wieder einmal abgesehen von meinem Zuhause). Denn das letzte, was man sieht, riecht, schmeckt und fühlt, sollte doch etwas sein, was man besonders gern hat – oder? Ich habe jedenfalls meine Wahl getroffen.

Der Tod

Ich bin traurig: Meine Omi ist heute Nacht gestorben. Aber ich bin auch erleichtert, denn sie hat in den letzten Tagen kaum noch Luft bekommen, ist quasi langsam erstickt und wir konnten nur daneben stehen, ihre Hand halten und warten. Und ich bin wütend, weil ich diese Ohnmacht hasse, sehen zu müssen, wie sie leidet und nichts machen zu können. Wenn es meinem Kater so schlecht gehen würde, ginge ich mit ihm zum Tierarzt und würde ihn einschläfern lassen, um ihm das Leid zu ersparen. Für uns Menschen gibt es diese würdige und schöne Art, aus dem Leben zu gehen, nicht. In Deutschland gibt es nicht das Recht, zu sterben wann und wie man möchte. Hier muss jeder, sei er noch so hoffnungslos krank, sich bis zum Ende quälen. Natürlich schwebt hier über jeder Sterbehilfe-Debatte immer die dunkle Wolke der NS-Vergangenheit, wo sich andere aus widerlichen Gründen zum Herrn über Leben und Tod ernannt haben. Aber zwischen dieser Vergangenheit, die niemals in Vergessenheit geraten darf, und den immer lauter werdenen Diskussionen heute, muss klar unterschieden werden. Es gibt genügend Möglichkeiten, um den Missbrauch auszuschließen – der Verein Dignitas in der Schweiz ist ein gutes Beispiel dafür.

Wenn ich es gedurft hätte, ich hätte meiner Oma gern das Leid erspart. Und daher freue ich mich jetzt für sie, weil sie es geschafft hat, weil sie nicht mehr kämpfen muss. Auch wenn ich traurig bin, dass sie weg ist. Tschüss Oma…