rrrlogo

 

Oldschool journalism with modern attitude - since 2005

Montag Dezember 11, 2017
Home  //  REPORTS  //  Konzerte  //  Ton Steine Scherben kommen ins FZW

Ton Steine Scherben kommen ins FZW

Picture

Kaum meldeten die ersten Medien, dass die Ton Steine Scherben zum ersten Mal seit ihrer Auflösung wieder als Ton Steine Scherben auf Tour gehen werden, erklangen sie erneut: die Hohelieder auf die Bedeutung der Band für die deutsche Popkultur, auf die Zeitlosigkeit ihrer Songs und auf den steten Quell der Inspiration, der sie für viele jüngere Musiker sind. Stimmt ja auch alles. Nur würden die Scherben das selbst nie zugeben. Warum? „Das ist uns zuwider", so Gitarrist R.P.S. Lanrue. „Könnte man ja vielleicht sogar machen, wenn man sich selbst so wichtig nähme, aber das sind doch nicht die Scherben."
So ist es. Und natürlich wird es nicht möglich sein, die Ton Steine Scherben so auf die Bühne zu bekommen, wie sich 1985 von ihr verabschiedet haben. Aber die „Ding Ding Dang Dang"-Tour kommt dem vielleicht am Nächsten, was ein Scherben-Konzert sein konnte: ein Happening, ein gemeinsames Musik leben, ein Zusammenkommen von Freunden und gerne auch Feinden. Deshalb ist es nur logisch, dass diese Tour unter dem Namen Ton Steine Scherben stattfinden wird.
„Wir proben gerade in einem alten Heizungskeller in Kreuzberg - ist also fast wie damals", sagt Lanrue, der zum ersten Mal an einer Tour dieser Art teilnimmt. „Wir" heißt in diesem Fall ein Zusammenschluss aus Freunden und Familienmitgliedern. Neben Lanrue und den Ur-Scherben Funky K. Götzner am Schlagzeug sowie Bassist Kai Sichtermann werden dabei sein: Nicolo Rovera (Gitarre, Gesang), Ella Josephine Ebsen (Gitarre und Gesang), Maxime S.P. (Percussion, Schlagzeug), Lukas McNally (Piano), Elfie-Esther Steitz (Gesang) und AnayanA (Chorgesang, Percussion).
Die Zusammenstellung verrät schon, dass man hier keine Nostalgie-Revue erwarten muss, sondern ein neues Aufleben zeitloser Songs. Oder wie die Scherben schreiben: Sie spielen ihre Songs so, wie sie heute klingen. Rovera zum Beispiel verblüffte schon mit seinem Gastauftritt beim Teddy Award im Jahr 2011, wo er mit den Scherben „Mein Name ist Mensch" sang und mit seinen damals 14 Jahren ähnlich lebensvoll und kämpferisch klang wie einst Rio Reiser. Ein schöner Gegenpol zur weichen Stimme von Ella Josephine Ebsen, die vor allem den melancholischen Stücken der Scherben eine ganze eigene Atmosphäre verleiht.
Es sind aber zu allererst die Lieder der Scherben, denen wir diese Tour zu verdanken haben. Lanrue „juckte es in den Fingern", er sagt: „diese Lieder wollen irgendwie raus, wollen wieder gespielt werden. Vielleicht liegt es daran, dass sie mir immer noch sehr aktuell erscheinen, obwohl sie teilweise 40 Jahre lang nicht live gesungen wurden. ‚Mach kaputt was euch kaputt macht' zum Beispiel haben wir seit 1971 nicht mehr aufgeführt." Und trotzdem kennt wohl jeder diesen Wunsch nach Befreiung, den diese so simplen, so starken Zeilen in einem explodieren lassen: „Radios laufen, Platten laufen / Filme laufen, TV's laufen, / Reisen kaufen, Autos kaufen, /Häuser kaufen, Möbel kaufen. / Wofür?" Ja, wofür eigentlich? Und wie war das noch mit „Keine Macht für Niemand"? Sollten wir uns diesen Slogan nicht mal wieder in Erinnerung rufen, wo wir unsere Kinderfotos in Facebooks „Obhut" geben, unsere geheimsten Interessen „Google" mitteilen und beim Späti den Schokoriegel eines Weltkonzerns kaufen, der sogar Trinkwasser patentieren lässt?

Nach dem Kölner Konzert (Fotos HIER) spielt die Band Anfang des Jahres im Dortmunder FZW und zwar am Sonntag, 18. Januar. Einlass: 19 Uhr / Beginn: 20 Uhr Eintritt: VVK: 25,00 EUR zzgl. Gebühren. Tickets gibt es HIER!

Share on Facebook

Konzert-Tipps

Translate