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Sonntag August 19, 2018
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Paranormal Activity

Natürlich, wer aus Minimalbudget (15.000 Dollar) völlig unerwartet einen Kassenschlager zaubert, sollte gelobt werden. Und das tut die Presse im Falle von „Paranormal Activity“, das Werk des israelischen Regie-Debütanten Oren Pelis, auch nicht zu knapp. Leider zu meiner Verwunderung. Denn wenn das frisch zusammen gezogene Liebespärchen Micah (Micah Sloat) und Katie (Katie Featherston) per Videokamera (á la „The Blair Witch Project“) einem unsichtbaren Dämon mit Fußabdrücken und Körperschatten auf der Spur ist, treibt es mir statt Schauer über den Rücken nur Gähnen über die Lippen. Zwar steigern sich die Ereignisse geschickt von Minimalerscheinungen wie einer von Geisterhand bewegten Tür bishin dazu, dass Katie brutal aus ihrem Bett verschleppt wird, allerdings erschließt sich mir nicht die Logik, wenn die vom Dämon Verfolgte schon bei den ersten lauteren Geräuschen behauptet, so schlimm sei es zuvor nie gewesen, nachdem sie dem herangezogenen Parapsychologen aber berichtete, im Alter von acht Jahren schon habe das Wesen sichtbar nachts vor ihrem Bett gestanden. Auch die Fiktion der Dokumentation auf wahrer Begebenheit – eine aktuelle Modeerscheinung – ist vollkommen unglaubwürdig und die Unschärfe der Kamerabilder (nicht nur einmal prüfte ich automatisch das Vorhandensein meiner Kontaktlinsen) nervt mich statt den Doku-Realismus zu stützen. Zu aller Enttäuschung war das Ende der Geschichte nicht nur für mich vollkommen absehbar (die Hintergründe der Geschehnisse dagegen bleiben im Dunkeln) und die Kinogänger sind nicht, wie angeblich selbst Steven Spielberg höchstpersönlich, aus Angst dem Saal entflohen sondern aus Langeweile. Ich, Hasenfuß in Person, habe mich jedenfalls kein einziges Mal erschreckt und in der folgenden Nacht friedlich durchgeschlafen, ganz ohne beunruhigende Schrittgeräusche oder fremden Atem auf meinem Gesicht. Einzig zu loben bleibt mir deshalb die gute und glaubhafte Darstellung der beiden Hauptakteure; und der lobenswerte Ansatz, Kino jenseits der Millionendimensionen zu produzieren.

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