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Montag November 20, 2017
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Mattias Eklundh ("Freak <br> Kitchen") im Gespräch

Mit der CD „Move“ hat die schwedische Band „Freak Kitchen“ ihr wohl bestes Album vorgelegt. Über seine Vorliebe zu Ace Frehley, Frank Zappa, schwedische CD-Preise und warum „Freak Kitchen“ sich fast aufgelöst hätten, sprachen wir mit Mastermind, Gitarrist und Sänger Mattias IA Eklundh.

„Viele Leute sehen Freak Kitchen als deine One-Man-Show. Da erstaunt es, dass du beinahe die Band aufgelöst hättest, nachdem mit Christian und Joakim deine Sidemen die Gruppe verlassen habe. Wieso war es so schwer ohne die beiden weiterzumachen?“
ME: „Ich hoffe nicht, dass das eine One-Man-Show ist. Ich habe Freak Kitchen immer als echte Band gesehen. Natürlich ist es schon so, dass ich die Platten produziere, die Songs schreibe, Gitarre spiele und singe. Aber es war immer eine Band, eine richtige Demokratie. Ich bin vielleicht so etwas wie die treibene Kraft. In einem Interview kurz bevor Joakim und Christian die Band verlassen haben, sagte ich noch, dass, wenn einer geht, es das war mit Freak Kitchen. Jeder einzelne war sehr wichtig für unseren Sound. Als sie also gingen, war ich sehr niedergeschlagen, denn ich wollte nicht solo weitermachen. Ich habe schließlich schon eine Art Solo-Karriere mit meinem Instrumental-Projekt Freak Guitar. Ich war immer schon ein Band-Typ und ich sprach mit Joakim und Christian und sie sagten ‘Hey natürlich kannst du dir zwei andere Leute suchen und weitermachen’. Da dachte ich dann, ok fuck it, es ist mein Leben und ich will weitermachen, bin stolz auf Freak Kitchen. Dann fand ich Bassist Christer Örtefors sowie Drummer Björn Fryklund und sie haben mich weggeblasen. Sie geben mir sehr viel Raum, als Trio muss jedes Instrument musikalisch eine Menge Raum ausfüllen. Ich wollte nie Bandmitglieder austauschen, aber jetzt ist Freak Kitchen sogar noch besser geworden.“

„Wie muss man sich denn dann den kreativen Prozess des Songwriting vorstellen? Kommst du mit deinen Ideen in den Probenraum, also hast schon eine feste Vorstellung, wie etwas klingen soll oder erarbeitet ihr neues Material gemeinsam?“
ME: (lachend) „Da ich mit meiner Freundin, zwei Hunden und drei Katzen in den Wäldern in Schweden lebe, gibt es eine Menge Individuen, die sich die Zähne putzen müssen, bevor es ins Bett geht. Dann sitze ich meist in meinem Studio, schnappe mir die Gitarre und probiere ein wenig rum. Wenn ich mich am nächsten Morgen dann noch an eine Idee erinnern kann, arbeite ich weiter dran und erschaffe ein Grundgerüst des Songs. Doch, wenn es dann in den Probenraum geht, ändert sich der Song meistens noch stark, da alle Bandmitglieder starke Persönlichkeiten sind. Das ist eine gute Sache.“

„Was entsteht denn als erstes? Die Musik oder deine oft bissigen Texte?“
ME: „Es dauert immer sehr lange bis ich einen Text fertig habe. Meist habe ich eine Idee für einen Titel oder auch nur eine Phrase, die mir bei meinen Spaziergängen mit meinen Hunden durch die Wälder einfällt, und die notiere ich dann in meinem kleinen schwarzen Buch. Generell sind die Akkorde zuerst da oder eine Melodie.“

„Ihr habt ja schon einmal mit Pink Cream 69 und Thunderhead in Deutschland getourt. Ist eine weitere Deutschland-Tour in Planung?“
ME: „Definitiv. Im Mai werden wir einige Gigs bei euch spielen. Es ist eine verdammte Schande, dass wir bislang keinen gescheiten Vertrieb für Deutschland hatten, zumal es in den anderen Ländern wirklich gut läuft für Freak Kitchen. In Frankreich, Holland oder Taiwan zum Beispiel. Gerade Frankreich hält man ja eigentlich nicht für ein Heavy Metal-Land, trotzdem nehmen uns die Fans dort super auf. Überhaupt schrumpft der Planet, es gibt kaum Unterschiede mehr zwischen den einzelnen Ländern, was ihre Fans betrifft. Ich bin sehr glücklich auf der Bühne, die Freak Kitchen-Fans sind eine tolle Gemeinschaft, sehr gemischt. Du musst kein Professor sein, um Freak Kitchen zu mögen, auch wenn wir frickelige Gitarrenparts in den Songs haben.“

„Du spielst außerdem bei einer Band, die Zappa Cliniquez heisst. Was hat es damit auf sich?“
ME: „Wir sind alles Die Hard-Frank Zappa-Fans. Ursprünglich waren sie ein Trio, bevor ich hinzukam. Mit Zappa Cliniquez spielen wir die ganz gemeinen Zappa-Songs, das ganze komplizierte Zeugs, hauptsächlich instrumental. Ich habe geübt wie ein Wahnsinniger, um mir das draufzuschaffen. Derzeit ist es aber schwierig die Zeit zu finden für die Band, aber immer mal wieder proben wir und gehen auf die Bühne, um den Kids Franks Musik näherzubringen. Viele kennen Zappa gar nicht mehr und ich glaube, dass es für die mentale Gesundheit des Planeten gut ist, wenn man Franks Musik kennt.“

„In deiner Musik finden sich jazzige Einflüsse genauso wie das harte Brett. Wer sind die Musiker, die dich dazu brachten, das Gitarrespielen zu lernen?“
ME: „Schwer zu sagen, aber sicher ist Ace Frehley von Kiss dabei und Zappa auch. Vor rund 20 Jahren habe ich eine Radiosendung heört, die sich mit musikalischer Polarität beschäftigt hat und da wurde gesagt, man könne nicht Kiss und Zappa gleichzeitig gut finden und ich dachte nur ‘fuck it, das sind meine Lieblingsbands’. Man muss nicht super intellektuell sein, um Franks Musik zu mögen. Und man muss auch kein kompletter Idiot sein, um Kiss zu hören. Vielleicht bin ich beides. Es fing an mit Ace Frehley, dann kamen die Tubes und dann war ich ein großer Nina Hagen-Fan, weil sie den Tubes-Song ‘White punks on dope’ gecovert hat. Mit zehn war ich auf meinem ersten Nina Hagen-Konzert. Seitdem hat sich mein Geschmack natürlich verändert. Ich höre Miles Davis, Django Rheinhardt, Slayer, Pantera. Es gibt doch nur gute oder schlechte Musik, egal, wer sie macht.“

„Hast du schon mal dran gedacht der Steve Vai in Whitesnake zu sein, also einer wirklich großen Band beizutreten oder bevorzugst du deinen eigenen Weg?“
ME: „Ich kann nichts gegen Steve Vai sagen, er ist einer meiner Alltime-Heros und hat meine Soloplatte herausgebracht, doch ich möchte meinen eigenen Weg gehen. Ich wollte nie ein „hired guy“ sein und denke, dass es nicht der richtige Weg ist, das fürs schnelle Geld zu machen. Mit Freak Kitchen laufen die Dinge aber auch wirklich gut. Ich habe ein Haus in den Wäldern Schwedens, ein kleines Studio, ein schönes deutsches Auto, meine Hunde - ich kann mich also nicht beklagen. Sogar eine eigene Gitarre, die Apple Horn trägt meinen Namen. Das ist doch toll. Ich will das für den Rest meines Lebens machen, ich möchte mein eigenes freaky Universum kreieren.“

„Viele Bands klagen über MP3-Downloads. Hast du auch Angst davor?“
ME: „Auf keinen Fall. Ich denke, dass das Internet ein Segen für Freak Kitchen war und ist. Es gab viele Leute, die noch nie etwas von Freak Kitchen gehört hatten und durch das Internet auf uns aufmerksam geworden sind. Natürlich gibt es auch viele Piraten, aber wer hat nicht eine Kopie von irgendetwas? Früher wurden Kassetten aufgenommen, heute sind es MP3. Durch Dinge wie Napster oder Kazaa haben wir mehr Platten verkauft. In Schweden ist es sogar verboten vom Radio etwas aufzunehmen, das ist doch Blödsinn. Wenn ich eine Kopie einer richtig guten Platte habe, werde ich sie mir auch kaufen. Und bei uns in Schweden sind die CD’s auch gar nicht so teuer im Vergleich zu Frankreich zum Beispiel. Eine CD kostet hier um die 17 Euro.“

„In Deutschland beschweren sich viele über die hohen CD-Preise. Deine Solo-CD findet man auch kaum unter 16 Euro. Apropos: Wird es eine weitere Solo-Platte geben?“
ME: „Auf jeden Fall. Es ist schwer die Zeit dafür zu finden, aber ich schreibe ständig Songs dafür. Acht habe ich schon beisammen.“

„Werden darunter auch wieder Coversongs wie das superbe ‘Detroit Rock City’ von dir sein?“
ME: „Das kann schon sein, aber ich plane so etwas nicht. Wenn ich ein Cover mache, muss ich wirklich Lust dazu haben. Bislang habe ich keins geplant, aber mal abwarten.“
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