rrrlogo

 

Oldschool journalism with modern attitude - since 2005

Montag November 20, 2017
Home  //  REPORTS  //  INTERVIEWS  //  "Möchte jeden Abend besser sein." Interview mit Paul Stanley

"Möchte jeden Abend besser sein." Interview mit Paul Stanley

Paul, das ist deine zweite Solo-Scheibe seit 1978. Warum hast du entschieden, dass nun der richtige Zeitpunkt für eine weitere ist?

"Ich finde alle 18 Jahre sollte man ein Solo-Album machen. Nein, es ist so, dass die Frage sich selbst beantwortet. Denn nach 1978 ist es einfach an der Zeit gewesen ein weiteres Solo-Album zu machen. Ich habe mich immer als eine Art Platzwart bei Kiss gesehen. Alle haben immer neue Straßen beschritten, Projekte in Angriff genommen und ich hatte schon bei einem kurzen Urlaub das Gefühl, als würde das Schiff Kiss auf dem Grund liegen, wenn ich zurückkehre. Aber jetzt dachte ich, dass ich es mir selbst schulde, ein Solo-Album zu machen - ohne auf jemand anderen achten zu müssen, ohne Kompromisse eingehen zu müssen."

Siehst du denn irgendwelche Ähnlichkeiten zwischen den beiden CD's? Immerhin liegen fast 30 Jahre dazwischen.

livetoewin "Oh, jetzt wo wir drüber reden stelle ich fest, dass Mathematik nicht so meine Stärke ist. Es sind ja gar keine 18 Jahre zwischen den CDs, ich wünscht, es wäre so. Gibt es Ähnlichkeiten? Naja, die Sichtweise, die Herangehensweise ans Songwriting ist die gleiche. Es geht immer über Melodie und Hooks und Refrains. Das ist die Schule, durch die ich gegangen bin. Weißt du, all die großen Schreiber, die ich bevorzuge, schreiben keine 20-Minuten-Songs. Denn, das was einen Song hoffentlich erinnerungswürdig macht ist, dass, wenn du zum ersten Refrain gekommen bist, ihn beim zweiten Mal schon kennst. Das sind also einige Ähnlichkeiten, aber ob es nun  die Technik oder meine Fähigkeiten sind, das hier reflektiert, wo ich jetzt angekommen bin. In vielen Dingen ist es ähnlich, aber es gibt keinen Zweifel: Ich bin nicht mehr der, der ich damals war."

Kiss haben immer mit Produzenten wie Bob Ezrin gearbeitet. Warum hast du dich entschieden, Live to win allein zu produzieren?

"Mit Produzenten zu arbeiten kann eine erhellende Erfahrung oder eine echte Qual sein. In den letzten Jahren wurde es aber immer eher eine Qual. Zu einem der letzten Kiss-Produzenten sagte ich: 'Das ist deine erste Kiss-Produktion, es ist meine 31. Ich bin nicht so interessiert in das, was du sagst, weil, wenn du mit diesem Album fertig bist, gehst du zu einer anderen Band.' Mit Produzenten zu arbeiten kann eine Ablenkung sein und ich wollte keine Ablenkung bei diesem Album, ich wollte ins Studio gehen und wissen, dass niemand das Album gehört hat bis es fertig ist. Ich habe niemandem erlaubt im Studio vorbeizuschauen und ich war nie an Meinungen interessiert. Ich wollte eine klare Vision, von dem produzieren, was ich in meinem Kopf hörte. Möglicherweise wird es beim nächsten Mal schon wieder anders sein, wenn ein Produzent mir über den Weg läuft und es zu dem Zeitpunkt sich richtig anfühlt."

Wenn du mit anderen Songschreibern zusammenarbeitest, wie geht das dann vonstatten? Bringst du immer schon eine Grundidee mit?

"Das kommt immer drauf an, mit wem man zusammenarbeitet. Manchmal komme ich rein und sage 'Lass uns etwas im Uptempo machen oder etwas langsames'. Davon ab kann es so einfach sein, wie mit einem Albumtitel anzukommen. Ich erinnere mich, dass ich mit Desmond (Child, Co-Autor viele Stanley-Songs - red) und Andreas (Carlsson, Songwriter -red.) zusammensaß und er fragte mich, wie es mit einem Titel aussehe. Ich sagte: 'Was ist mit Live to win?' Das war unser Anfangspunkt und auf eine Art ist das auch das Mantra meines Lebens, Dinge zu tun mit der Gewissheit erfolgreich zu sein, nichts dazwischen kommen zu lassen."

"Live to win" ist der Albumtitel und auch der Song, der das Album startet. Erzähl uns was über die Inspiration, die hinter dem Track steckt und warum du ihn in den Fokus gerückt hast.

"Ich wollte schon immer ein Album mit einem Song beginnen, der den Ton der CD angibt.  Ein Song, der verdeutlicht, was die Philosophie des Albums ist. Und da 'Live to win' mein Soloalbum ist, sehe ich das als eine Art Mantra an, das alles möglich macht. Ich hätte nie ein Soloalbum zu diesem Zeitpunkt aufgenommen, wenn ich nicht gelebt hätte, um zu gewinnen. Ich mache nichts halbherzig oder verbinde mich mit Dingen, die keinen Erfolg haben. Der Unterschied zwischen Erfolg und Misserfolg ist nur der, wieviel Arbeit du rein steckst und wieviel Hingabe du dafür aufbringst. 'Live to win' ist meine Antwort auf die Fragen, die man mir stellt, wie ich denn an diesen Punkt gelangt bin. Es ist so einfach, es hört sich fast an wie eine Lüge. Verschreibe dich völlig einer Sache und lass niemanden zwischen euch treten. Hindernisse sind das, was du siehst, wenn du deinen Weg verlässt und ich lasse nichts oder niemanden mir in den Weg geraten."

Wirst du auch außerhalb der USA touren?

"Wenn wir erst einmal 18 Shows in den Staaten gespielt haben, werden wir entscheiden, wann und wo wir außerhalb der USA spielen. Ich spiele gerne. Wie ich schon sagte, ich bin nicht halbherzig. Ich mag es da draußen zu sein. Ich mag das Publikum und die Fans. Ich mag es meine Limits auszuweiten und die Ziele hoch genug anzusiedeln, dass ich mich danach strecken muss. Ich möchte jeden Abend besser sein als am Vorabend. Und auch, wenn das nicht immer klappt, ist das die Grundidee, die dahinter steckt. Wir wollen einfach spielen. Die Band ist toll und ich bin nicht nur in der Band, ich bin ein Fan." 

Was für eine Musik hörst du zur Zeit?

"Oh, jeder fragt mich das. Ich mag die Killers, ich mag ihr erstes Album sehr, aber auch das neue Material ist gut. Ich mag auch Radiohead. Es ist witzig, immer, wenn ich etwas höre, was mir gefällt, erinnert es mich an etwas. Warum sind die Killers toll? Weil sie mich an etwas erinnern, was andere Bands vor 20 Jahren gemacht haben. Wenn du dir irgendeine Hardrockband anhörst und sie magst,  ist das so, weil du Zeppelin, Sabbath oder The Who magst. Alles basiert auf etwas anderem. Da gibt es viele gute Musik, aber ich komme immer wieder zu den Wurzeln zurück. Alles basiert irgendwie auf den Stones, den Beatles und Zeppelin oder Bob Dylan. Und gehst du dann weiter zurück sind es Muddy Waters, Chuck Berry, Woody Guthrie, The everly Brothers... Alles basiert auf Dingen, die es vorher schon gab. Deshalb tendiere ich dazu, alte Sachen zu hören, die sind weniger verdünnt. Aber es gibt viele gute Musik da draußen."

Zur Plattenkritik geht es HIER  

Share on Facebook

Konzert-Tipps

Translate