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Montag November 20, 2017
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Seit 45 Jahren on the Road: Andy Bown im Interview





„Gut Ding will Weile haben“. Selten zuvor traf eine alte Volksweisheit derart zu, wie bei Multi-Instrumentalist Andy Bown, der 33 Jahre (!) nach seinem letzten Soloalbum mit „Unfinished Business“ gerade sein neues Werk veröffentlicht hat. Und wenn Sie sich fragen, ob die Welt ein Soloalbum des Keyboarders von Status Quo braucht, dann lautet die klare Antwort: Ja!
Im Interview gibt der 65-jährige Topp-Musiker Aufschluss darüber, warum das so ist.

 

Was ist das Besondere an Deinem neuen Album „Unfinished Business“ und warum sollten es sich die Menschen kaufen?


AB: Es ist das Beste, was ich je gemacht habe. Jeder, wirklich jeder sollte sich “Unfinished Business” anhören, weil es sich auf die unerledigten Geschäfte eines Jeden bezieht. Es handelt von unerwiderter Liebe, verlorener Liebe, sexuellen Fantasien, zeigt mit dem Finger auf böse Leute, ist eine totale Liebeserklärung an den Blues – und er rockt, es rockt richtig. Wo sonst erhält man das alles für 10 Euro?

 

Wie kommt es, dass 33 Jahre zwischen Deinem 5. und jetzt 6. Soloalbum liegen?

 

AB: Allen voran, war es ein Zeitproblem. Die Arbeit bei Status Quo ist sehr aufwendig, 120 Gigs im Jahr, dazu Proben, Plattenaufnahmen, TV-Shows. „Unfinished Business“ mussten wir deshalb auch in zwei Schüben aufnehmen: im September 2009 und im September 2010. Dennoch klingt das Album wie aus einem Guss. Als ich mir über die Richtung des Albums  im Klaren war, sprudelten die neuen Songs nur so aus mir heraus – fünf Stück in fünf Tagen, darunter die erste Single „Rubber Gloves“.

 

„Unfinished Business“ ist definitiv kein Quo-Album, wie würdest Du es beschreiben?

 

AB: In einem Begriff zusammengefasst würde ich sagen: Country Blues - hier und da mit einem Spritzer Dire Straits, Leonard Cohen und Led Zeppelin.

 

Der Song “When The Lights Went On“ beschreibt den Opener-Auftritt mit Status Quo bei Live Aid 1985 und auch die “The Wall“- Worldtour” mit Pink Floyd 1980/81, also die Highlights Deines langen Musikerlebens. Das ist eine musikalisch sehr große Bandbreite. Was macht da mehr Spaß: „Whatever You Want“ oder „Wish You Were Here“? 

 

AB: Bei Pink Floyd´s “The Wall”-Projekt dabei zu sein, war zweifellos ein echtes musikalisches und künstlerisches Karriere-Highlight. Aber ich habe definitiv sehr, sehr viel Spaß mit Status Quo und würde das alles niemals eintauschen wollen.

 


Du hast in Deiner Karriere mit so ziemlich allen Größen des Musikbusiness zusammen gearbeitet. Am Ende des Songs zählst Du über 60 von ihnen auf. Von den Stones und den Beatles über Jeff Beck und Jimmy Hendrix bis hin zu Celine Dion und Michael Jackson. Wer hat Dich am meisten beeindruckt und warum?

 

AB: In meinen Anfangsjahren jammte ich einmal gemeinsam in einer Künstlergarderobe mit John Lee Hooker und war tief beeindruckt von der Tatsache, dass er sich einen Dreck darum scherte, wie viele Takte sein Blues hatte. Das war eine sehr nützliche Lektion in jungen Jahren für mich.

 

Andere Musiker scheinen Dich über alle Maßen zu schätzen. In der breiten Öffentlichkeit aber bist Du weitgehend unbekannt. Bist Du der vielleicht am meisten unterschätzte Musiker der Welt?

 

AB: Nein, das sehe nicht so. Ich werde nicht unterschätzt. Ich spiele einfach nur viele Instrumente sehr schlecht J.

 

Was ist das Erfolgsgeheimnis von Status Quo? Du musst es wissen, Du bist schließlich bereits seit 1977 ein festes Mitglied dieser Kultband.

 

AB: Jeder Song verfügt über eine anständige Melodie. Immer!

 

Was ist Dein absoluter Lieblingssong aller Zeiten?   

 

AB: Diese Frage kann man unmöglich beantworten. Es gibt einfach zu viele fantastische Songs. „Still Crazy After All These Years“ von Paul Simon wäre vielleicht ein guter Anfang.

 

Und was ist der beste Song, den Du jemals geschrieben hast?

 

AB: Alles in Allem ist das wohl „Whatever You Want“. Das Lied war wirklich sehr erfolgreich. Das Quo-Album wurde 1979 danach benannt und die Tour auch. Der Song hat eine hübsche Summe auf mein Konto gespült – und wir spielen ihn immer noch jeden Abend. Aber ich bin auch ziemlich stolz auf „A Matter Of Time“ von meinem neuen Album „Unfinishes Business“.

 

Du bist seit über 45 Jahren „on the road“. Was waren die lustigsten, aufregendsten, schönsten und schlimmsten Dinge, die Du auf Deinen unzähligen Tourneen erlebt hast?

 

AB: Permanent lustig ging es in den 70er Jahren bei den Touren durch die USA zu – das war wirklich wild und frei und schräg. Das aufregendste Erlebnis war die „Wall-Tour“ mit Pink Floyd. Wunderbar war ein Segelflug entlang der norwegischen Küste. Und das Schlimmste war, als ich einmal in einem Lieferwagen, bei dem nur noch der 3. Gang funktionierte, 700 Kilometer von London nach Glasgow gefahren bin. Wir haben unser Equipment aufgebaut, den Gig gespielt, wieder abgebaut, sind dann noch von irgendwelchen örtlichen Halbstarken verprügelt worden und wieder zurück nach London gezuckelt…Horror. 

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