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Freitag November 24, 2017
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Mötley Crüe: The Dirt

dirther Nachdem das Buch "The Dirt", die Biographie der Skandalrocker von [[Mötley Crüe]] eingeschlagen ist, wie eine Bombe (und auch von den  RnR-Reporter für gut befunden wurde), war es nur eine Frage der Zeit bis die aufsehenerregende Geschichte rund um den Aufstieg und Fall der Band, Drogen und Sex, Tod und Verderben auch als deutsches Hörbuch aufgelegt wurde. Und die Vorankündigung, dass Schauspieler [[Ralf Richter]] (u.a. "Was nicht passt, wird passend gemacht") das Ganze lesen würde, sorgte schon für orgiastische Vorfreude. Doch das Ergebnis ist nüchtern betrachtet niederschmetternd und enttäuschend. Zwar passt Richters rauchig-versoffene Stimme wie die Faust auf Mötleys Augen, doch das Ärgernis beginnt schon bei der Länge des Hörbuchs. Auf gerade einmal zwei CDs wird "The Dirt" auszugsweise abgehandelt. Natürlich sind hier dann auch fast ausschließlich die skandalträchtigsten Kapitel angelesen. So darf nicht fehlen, dass Tommy Lees damalige Freundin ihn und seine Freunde im Pool mehrfach oral bediente oder, dass Ozzy sich statt Kokain Ameisen in die Nase schnupfte. Das Hörbuch ist völlig zusammenhanglos und immer, wenn es im Originalwerk tiefer in die Materie geht (z.B. die musikalische Seite von Mötley beleuchtet wird), muss die Hörfassung passen. Im Grunde sind die zwei CDs mit ihren rund drei Stunden Spielzeit nichts anderes als eine Bildzeitungsversion des Buches. Es wird verkürzt, aus dem Zusammenhang gerissen, hauptsache die Schlagzeile ist reißerisch. Dies führt zu Problemen im Verständnis. So wird beispielsweise mitten auf CD Nummer eins Tommy Lees Ex-Freundin "Bullwinkle" erwähnt. Die kam vorher nicht einmal vor, keiner weiß, warum sie diesen Spitznamen hat - totaler Unfug also.

Die guten Herren des Publishers Nuclear Blast werden nun sagen: "Das ist ja auch für Fans des Buches gedacht", aber genau für die ist das Hörbuch ein Schuss in den Ofen. Ärgerlich, wie schludrig die Geschichte erzählt wird, so dass es am Ende gar keine Geschichte mehr ist. Den Eindruck der Lieblosigkeit verdeutlichen die maximal 30 Sekunden langen Tonschnipsel aus einigen Mötley-Songs. Da hätte man die besser gleich weggelassen.

Für wen also ist das vorliegende Tonprodukt dann überhaupt gedacht? Fans der Band werden es lächerlich finden, wenn sie das Hardcoverbuch kennen. Fans der Buchvorlage (die nicht unbedingt Fans der Band sein müssen, wie der Autor dieser Zeilen beweist) ärgern sich darüber, dass die durchaus vorhandene feinsinnige Selbstkritik der Bandmitglieder flöten geht. Vielleicht ist das Buch etwas für Ralf Richter-Fans, aber da kann man sich besser einen seiner Filme anschauen.

Fazit: Geil gelesen, trotzdem glatte 0 Punkte!

k0von6

 

 

 

 

 


 Hinweis der Redaktion: Eigentlich finden sich auf www.rocknroll-reporter.de kaum Verrisse, weil wir weder Zeit, noch Muße in schlechte Produkte investieren wollen. Bei von uns mit Spannung erwarteten Spielen, CDs oder DVDs kann und muss aber eine Ausnahme gemacht werden.

 

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