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Dienstag November 21, 2017
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Harveys neue Augen

Und wieder einmal wurde bewiesen: man muss nicht immer viel reden um was zu sagen. Manchmal sind weniger Worte einfach mehr. Ok, manchmal ist es auch so, dass einen die Leute nie ausreden lassen aber was soll´s, wenn man doch trotzdem die Antworten bekommt die man möchte? So geht es auf jeden Fall auch Lilli, dem „bravsten Mädchen auf der Welt“. Sie lebt in einer Klosterschule, geführt von einer Nonne, die Kinder hasst und Lilli ganz besonders, und sie deshalb gerne mit anstrengenden Aufgaben bombardiert. Liebe Kinder erfüllen diese Aufgaben natürlich gerne und widerspruchslos, so auch Lilli. Dumm nur, dass die anderen Kinder davon nicht begeistert sind und Lilli mobben wo es nur geht. Gut, dass wenigstens ein Mädchen zu Lilli steht. Wir treffen eine alte Bekannte wieder: Edna aus „Edna bricht aus“ ist nicht nur Mitbewohnerin von Lilli sondern auch ihre beste Freundin.
Und beste Freunde helfen sich, wo es nur geht! Edna kriegt panik, als die Oberin den Besuch von Dr. Marcell ankündigt. Dieser Doktor hasst Kinder noch mehr als die Oberin und hat sich auf die Fahne geschrieben, die ausgebrochene Edna zurück- oder vielleicht doch lieber umzubringen. Das mit dem Umbringen ist aber auch so eine Sache, das passiert einfach ab und an. Selbst Lilli, die ja nur immer das Beste tun will und sich bemüht alles richtig zu machen, passieren seltsame Dinge ohne zu wissen was sie damit auslöst. Im Lauf des Spiels verschwinden immer mehr Leute durch ein „Versehen“ von Lilli. Aber, sind das wirklich nur Versehen oder steckt böswillige Absicht dahinter? Es sind ja immer die harmlosen Leute, die es faustdick hinter den Ohren haben. So ganz durchschaubar ist es anfangs nicht, wirkt das blondzöpfige Mädchen doch so harmlos. Da lassen wir uns auch nicht von dem Erzähler des Abenteuers irritieren der uns erzählen will, dass Lilli nachts tote Clowns am Fenster sieht oder dass sie in Verbindung mit den kleinen Trollen steht, die immer rosa Farbe über die „Unglücksorte“ pinseln um zu vertuschen, was es zu vertuschen gibt. Lilli ist doch so ein braves Mädchen das immer nur das richtige tun will.
So läuft Lilli munter durch die Gegend, erfüllt die Aufgaben der Oberin und hilft ihrer Freundin aus dem Kloster zu flüchten um dem verrückten Dr. zu entkommen. Recht schnell bemerkt sie aber, dass sie nicht wirklich weiterkommt weil sie doch so ein braves Mädchen ist und die ihr eingedrückten Verbote nicht so einfach brechen kann. Was macht man denn da? Gut, dass ihr der Inkognitoermittler des Jugendschutzes erklärt, dass sie durch Hypnose dazu gebracht wurde die Verbote einzuhalten und dass sie auch durch Hypnose diese wieder abstellen kann. Klingt ja simpel. Lilli muss sich also wohl oder übel selbst hypnotisieren und in Trance gegen ihre Blockaden wie z.B. der Vorschrift „du sollst nicht lügen“ oder „du sollst keinen Alkohol trinken“  (wer sagt denn so was???) ankämpfen. Sofern ihr das gelingt, kann sie im richtigen Leben ihr aufgelöstes Verbot einsetzen und somit endlich Dinge tun um Edna zu helfen.

Harveys neue Augen ist wieder mal ein absolut bizarres und abgefahrenes Spiel der Daedalic-Gemeinde. Wie schon in den Vorgängerspielen wie „Edna bricht aus“ oder „The whispered Word“ kennen gelernt, herrscht auch in „Harveys neue Augen“ eine total verrückte Grundstimmung. Die Dialoge führen nicht nur einmal zu unkontrollierten Lachausbrüchen vorm PC und der Sarkasmus und schwarze Humor sucht seines gleichen. Es drängt sich die Frage auf, welch schlimmen Erlebnisse die Macher in ihrer Kindheit hatten und ob man mal ein Bier mit ihnen trinken möchte oder doch lieber die Straßenseite wechseln sollte.
Die Aufgaben und Rätsel sind nicht arg anspruchsvoll aber das schmälert den Spielspass keineswegs. 
Zusammengefasst bedeutet das: „Harveys neue Augen“ ist ein absolutes Muss für Adventurefans denen gute Dialoge, eine gehörige Portion (schwarzer) Humor, abgefahrene Geschichten und hübsch gezeichnete Szenen wichtig sind.

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