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Mittwoch November 22, 2017
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"Kiss and Make up" enthüllt nicht viel

„Ich war noch nie betrunken in meinem Leben.“ Der Autor dieses Bekenntnisses ist ein Rock-Star, man glaubt es kaum. Gene Simmons beschreibt in seiner Biographie „Kiss and Make-Up“ den Aufstieg der New Yorker Schmink-Rocker von KISS und seinen eigenen Werdegang.

Wer jetzt denkt, dass diesem Buch aufgrund des ungewöhnlichen Anti-Alkohol-Geständnisses die notwenige Prise „Rock ‘n Roll“ fehlt, kann beruhigt werden: „Was für die anderen die Drogen waren, waren für mich die Frauen“, sagt Simmons nämlich auch. 4600 Liasons - alle Frauen auf Polaroids festgehalten - sprechen eine deutliche Sprache. Die Biographie des Bassisten und Bandleaders der wohl profitgeilsten Band der Welt liest sich nicht so spannend wie „The Dirt“ von Mötley Crüe, doch Kiss-Fans können auf jeden Fall ungesehen zugreifen. Sensationslüsterne suchen aber vergebens nach interessanten, schmutzigen Details. Simmons ist bei den meisten Episoden ganz Gentleman. Vielmehr wird deutlich, wie stark die Vision „Kiss“ in seinem Kopf von Anfang an war und wer die kreativen Köpfe in der Band waren. Paul Stanley (git.) und Gene Simmons! Immer, wenn es darum geht, dass die Band ein neues Projekt anfassen wollte, bemerkt Simmons, dass Peter (Criss, dr.) aufgrund seiner Drogenprobleme nicht in der Lage war, mitzuhelfen und Ace (Frehley, git.) einfach kein Interesse zeigte. Nicht nur einmal fällt dann auch folgerichtig der Satz „...and Ace did nothing.“ Gerade an dem Leadgitarristen wird kaum ein gutes Haar gelassen. Was sich nach einseitiger Perspektive anhört, wird jedoch in einigen anderen Publikationen (etwa „Kiss & Tell“ von Ace Frehleys ehemals bestem Freund) durchweg bestätigt. Der gute Mann scheint einfach ein charakterlicher Looser zu sein. Auch Simmons kommt in seinen eigenen Geschichten nicht immer gut weg und wer zwischen den Zeilen liest, muss den Eindruck haben, dass ihm außer dem Geldverdienen und den „Chicks“ an nicht viel anderem etwas gelegen hat. Trotzdem: Unter dem Strich bleibt eine durchaus lesenswerte Biographie nicht nur für Kiss-Fans.

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