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Montag Juni 25, 2018
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Review: Infinite Entanglement / Blaze Bayley

Blazeblaze-bayley-infinite Bayley die "Schuld" an den schwachen Verkäufen seiner beiden Gastspiele bei Iron Maiden zu geben, ist einfach und verkennt einige Wahrheiten. Eine ist, dass auch auf "Virtual XI" und "The X Factor" einige Klassiker der Maiden-Historie zu finden sind (The Clansman, Futureal, Sign of The Cross). Eine andere ist die, dass der Brite vor allem in der Anfangsphase seit seiner Emission bei der besten Band der Welt zwei herausragende Metalalben veröffentlicht hat. Warum auch diese nicht aus einer Nische kamen, bleibt rätselhaft, sind doch "Tenth Dimension" (2002) und "Silicon Messiah" (2000) zwei hervorragende Werke.
Danach verlor der 53-Jährige sich ein wenig, auch gebeutelt von massiven privaten Schicksalsschlägen, bewies aber immer wieder auf einzelnen Tracks seiner CDs, welch guter Songwriter er ist ("Soundtrack of life", "The man who will not die").
Nun kann man mit Fug und Recht behaupten, dass Blaze Bayley zurück ist und mit "Infinite Entanglement" eine der besten klassischen Metalscheiben der letzten Jahre geschrieben hat.
Und ja, Blaze fliegt mit uns wieder in die Zukunft, hat ein inhaltlich nicht zu komplexes (Hallo Dream Theater), aber auch nicht zu plattes Konzept geschnürt.

Die Geschichte, um die erste große Reise zu fernen Planeten, die den Hauptdarsteller 1000 Jahr leben und im Unklaren lässt, ob er Mensch oder Maschine ist, reicht, um einer Metalplatte einen schönen inhaltlichen Rahmen zu geben.
Wichtig ist aber bekanntlich auf dem Platz, sprich was hier musikalisch geboten wird. Und da überzeugt Blaze mit tollem Songwriting, überraschenden Ideen ("What will come"), großartigen Chören in bester Maiden-Manier ("Calling you home"), starken Twingitarren und auf den Punkt kommenden Arrangements. Und genau das ist es, was alte Maiden-Fans besonders anfixen wird: Blaze hält sich nicht mit ausufernden Songideen auf, was nicht heißt, dass die Songs auf "Infinite Entanglement" Schnellschüsse oder eindimensional sind. Er bedient aber genau die Fraktion der Maiden-Fans, denen die Band auf eine Art zu langatmig und verkopft geworden ist. Insofern ist die CD eine Art Gegenentwurf zu Maidens "Book of Souls", wenngleich Bayley niemals seine Vergangenheit beim britischen Metalschlachtschiff verleugnet, sondern eine wunderbar Symbiose herstellt zwischen der dunkleren Atmosphäre seiner Soloarbeit und den etwas helleren Tönen seiner Ex-Band.
Die ersten acht (!) Songs sind allesamt Weltklasse, erst "Dark Energy 256" hat eine schwächere DNA, ist zu beliebig und vorhersehbar. Zuvor erleben wir Blaze in Bestform - sowohl stimmlich, als auch kompositorisch, die Band ist megatight, der Grundsound etwas moderner als man es von Maiden gewöhnt ist, geht eher in die Dickinson Solo-Richtung.
Nach dem schwächeren "Energy" haut Blaze wieder richtig raus und steuert das (Raum-) Schiff nicht nur in einen sicheren Hafen, sondern in die Metalgeschichtsbücher. Neben "Book of Souls" ist das die beste Veröffentlichung im klassischen Metal seit Jahren. Welcome back, Blaze.

 

Fazit: Beste Blaze-Scheibe seit 2002 - ein Meisterwerk des klassischen Metal

 

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Review: Mirror's Edge Catalyst (PS4)

mirrors edge catalyst boxart ps4 1Ist es wirklich schon sieben (!) Jahre her, als EA Games mit "Mirror's Edge" ein wirklich richtig frisches Szenario auf den Markt warf? Parcourläuferin Faith hüpfte da in rasanter Ego-Perspektive Dächer, Zäune und Vorsprünge. Das war starl - kommerziell aber nicht erfolgreich.Trotzdem wagt man sich nun an einen zweiten Teil, der aber mit dem ersten in Sachen Storyline nichts zu tun hat, obwohl Faith wieder die Hauptperson ist. Klingt komisch, ist aber so. Gleich zum Start wird Hauptdarstellerin Faith aus dem Gefängnis entlassen. Warum sie einsaß?Man weiß es nicht, denn diese Info gibt es nur im kostenpflichtigen Comic Exordination. Das ist schon einmal ein fetter Minuspunkt. Faith schließt sich einer Runner-Gruppe um Noah an, die in der Stadt Glass Kurierläufe erledigt und der allmächtigen KrugerSec-Sicherheitsfirma in die Suppe spuckt. Während man vor sieben Jahren noch durch Schlauchlevel eilte, ist das Konzept dieses Mal eine Open World-Stadt, die man aber zumeist nur über die Dächer durchstreifen kann. Insgesamt ist hier Open World auch ein zu großes Wort, denn die Geschichte ist doch arg linear. 

Das war schon ein wenig viel Gemecker, denn (spiel-) technisch macht EA hier Einiges absolut richtig. Die Ego-Perspektive ist und bleibt beim Parcourslaufen atemberaubend, die Handlung ist packend, die Grafik etwas quietschbunt aber dennoch gelungen. Ob Wallruns oder Sprünge über enorme Abgründe - man ist wirklich mittendrin und zittert so vor mancher Aufgabe. Dass Faith immer mal wieder leicht aus dem Gleichgewicht kommt und die Kamera dies schön vermittelt, tut sein Übriges. Kein Spaß machen die Kämpfe gegen die Security-Heinis. Erst einmal sind die strunzdumm und außerdem ist das Kampfrepertoire mit einigen wenigen Moves viel zu gering. Online hingegen ist wieder alles gut: Die selbst erstellbaren Communityruns beispielsweise sind ein Riesenspaß. Achtung: Um seine Talente zu verpflegen muss man Punkte verteilen. Denkt man, dass die Kämpfe es eh nicht wert sind, hochgelevelt zu werden, könnte man am Ende dumm dastehen. Dann wird es nämlich richtig knackig und ohne Kampfkunst sieht es düster aus. Ob Mirror's Edge dieses Mal ein großer Verkaufsschlager wird? Ich kann es mir nicht vorstellen, Spaß macht es auf jeden Fall.

 

Fazit: Gelungene Fortsetzung mit einigen Mägeln

 

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Review: Homefront - The Revolution (Xbox one)

homefrontDie Story von Homefront - The Revolution ist bombe: Die Amis haben in ihrer Shoppingsucht einfach alles von der nordkoreanischen Firma Apex gekauft: Toaster, Waffen, Handys, Flugzeugträger. Dann kollabiert die amerikanische Wirtschaft und die Koreaner schalten alle Geräte einfach ab - per Killswitch. Nun begann die Unterwerfung der USA. Klar, dass der Spieler zum Untergrund gehört und gegen die Invasoren kämpft. 

Homefrot setzt auf ein OpenWorld-Gameplay mit Ego-Shooter-Elemente.

Für gelungene Grafik soll die bekannte Cryengine sorgen. Das klappt immer mal wieder und manchmal überhaupt nicht. Homefront sieht recht ordentlich aus, es kommt jedoch immer mal wieder zu Lags und einem langsamen Bildaufbau. Das ist allerdings relativ undramatisch und würde nicht stören, wenn das Game ein Lustbrocken wäre. Aber mitnichten: Die ziemlich coole Hintergrundstory wird torpediert durch eine sehr sehr schwammige und ungeschickte Steuerung. Apropos nervig: Die KI ist grottig. 

Dennoch: Das Spiel hat eine gewisse Faszination, die vor allem durch die dichte Atmosphäre angerührt wird, und man erwischt sich immer wieder dabei, über die verpasste Chance zu jammern, denn Homefront - The Revolution hätte ein echter Knaller werden können.

Im Gegensatz zum Vorgänger ist bei The Revolution eher das Erkunden, Schleichen und Kombinieren Trumpf, was beide Spiele schon arg unterscheidet. 

Das Schleichen ist auch die beste Vorgehensweise, denn die direkte Konfrontationen mit den Soldaten Nordkoreas endet wegen ewiger Munitionsknappheit und schlechter Kugelresistenz des eigenen Charakters fast immer mit dem Tod. 

Homefront wäre kein richtiger Open World-Titel, wenn es abseits der Wege nicht eine Menge zu tun gäbe. So sucht man überall in Philadelphia nach Widerstandsposten und Sendemasten. Leider ähnel sich diese Aufgaben sehr. Die eigentliche Kampagne ist nach 14 Stunden spätestens beendet. Im Multiplayermodus gibt es ebenfalls Licht und Schatten und spiegelt das Game perfekt wieder: Absoluter Durchschnitt.

 

Fazit: Durchschnittlicher Open-World-Titel 

 

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Review: We built this mountain... / Spencer

SPENCER We Built"We built this mountain just to see the sunrise" ist ein wirklich wunderbarer Titel. Für einen Song. Als LP-Name ist er natürlich äußerst ungeschickt, weil viel zu lang. Spencer scheint das egal. Spencer? Hallo Spencer? Nein. Spencer ist eine Schweizer Indie-Band, die mit dem aktuellen Werk bereits CD Nummer vier vorlegt. Spencer klingen wie eine leichte Mischung aus den Editors oder den Arctic Monkeys, dabei rühren sie aber immer mal wieder rockigere Zutaten in den Soundtopf.

Ab und an weht gar ein Hauch The Cure oder Depeche Mode durch die Songküche. Gitarristische Anleihen an The Edge von U2 entdeckt man ebenfalls immer wieder.

Das klingt nun als würden sich Spencer durch den Musikwald klauen, doch sie holzen nur beste Stücke ab und pflanzen sie neu an, um ein durchaus eigenes Gärtchen zu erschaffen. Irgendwo zwischen Britpop, Shoegaze und Pop (die Ballade "Saturday Shoes" kann ziemlich was, vielleicht auch das Radio erreichen) ordnen sich Spencer ein und sind so ein nicht zu schwergewichtiges Bonbon für den Sommer.

 

Fazit: Eigenständig gut geklauter Indierock

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Review: Doom

91swNVWHAVL. SL1500 DOOOOOOOM. Ist zurück. Die Mutter aller Shooter erblickte 1993 das Licht der Welt und mal ganz ehrlich: Was gibt und gab es geileres als ein wenig stumpf vor sich hin zu metzeln? 23 (!) Jahre später ist genau dieses Spielprinzip antiquiert, moderne Shooter haben jede Menge Schnick-Schnack, man muss auf allerlei achten und oft sogar taktisch vorgehen. Und genau hier setzt Doom für die PS4 an: Das Game ist so schön Old-School, dass es spritzt (vor Blut). 

Die Forschungseinrichtung der Union Aerospace Corporation auf dem Mars wird von grauen erregenden, mächtigen Dämonen überwältigt und nur ein einzelner Mann kann das Dilemma lösen. Klar, ich bin es! Oder Ihr. 

Ducken? Nicht nötig. Rennen, schießen, splattern - und sammeln. Easter Eggs und so'n Kram. Kurzum: Doom ist 90er und das ist auch gut so. Ein wenig fehlt das Horrorflair der Uralt-Teile, dafür gibt es noch mehr Blut. Kein Wunder, denn ein gutes Doom ist per se ab 18. 

Während das Solospiel kompromisslos und begeisternd ist, stinkt ausgerechnet der Multiplayerteil - eigentlich eine Stärke der Originale - ein wenig ab. Immerhin kann man sogar auf der PS4 eigene Level erstellen, was ein echter Pluspunkt ist. Doom 2016 sieht saugeil aus, ist enorm schnell und macht eine Menge Spaß. Endlich einmal wieder ein Shooter, den man auch mal nur für 20 Minuten zwischendurch einlegen kann. So wie früher...

 

Fazit: Zurück in die 90er - Doom ist der Ego-König

 

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Review: Paul Gilbert - I can destroy

paul gilbert i can destroy dcbc9b1468Paul Gilbert, bekanntermaßen Gitarrist von Mr. Big, ist bekannt für seine aberwitzige Technik, aber auch sein Songwriting und seinen Humor. Im Gegensatz zu vielen seiner Mit-Shredder aus den 90ern hat Gilbert irgendwann den Fokus auf einfaches Songwriting, gepaart mit tollen Hooks und unfassbaren Soli gelegt. Während Steve Vai immer mehr in Richtung Zappa zurückdriftet, Joe Satriani seit Jahren das gleiche Album herauszubringen scheint und Malmsteen... Egal. Paul jedenfalls hat immer großen Wert auf Variabilität in seinen Outputs gesorgt, die Guitarhero-Scheiben, reine Frickeleien also, wurden immer spärlicher. Mit "I can destroy" schlägt er nach zwei etwas langatmigeren Scheiben nun wieder in die Kerbe seinern ersten Solo-Outputs. Es ist bereits sein 18. Solo-Album und der Rundling hat 13 völlig unterschiedliche Songs in Petto. Das reicht über beinharten Bluesrock ("Blues Just Saving My Life"), klassischem Shredding (" I can destroy") bis hin zu New Yorker Soulfunk ("I will be remembered"). Dass sein Gesang eher im Bereich "kann man ertragen" einzuordnen ist, stört Gilbert-Jünger nicht. Zur Verstärkung hat er aber auch immer mal wieder den begnadeten Vokalisten Freddie Nelson an Bord. Der Humor bleibt bei Gilbert nie auf der Strecke. Wer sonst würde einen Song darüber schreiben, dass man gefälligst den Blinker seiner Autos beim Abbiegen benutzen sollte? Das Video ist auch witzig (siehe unten) - und erst die Gitarrenarbeit...Produziert hat das Ganze Kevin Shirley, der scheinbar überall außer bei Maiden einen guten Job macht. 

 

Fazit: Gilbert, wie man ihn liebt

 

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Review: Uncharted 4

91QLC0IylAL. SL1500 Machen wir uns nichts vor, die Uncharted-Reihe hat viele ihrer konzeptionellen Elemente aus Klassikern wie Indiana Jones und Lara Croft geliehen. In den vergangene Jahren überzeugte die Reihe fast immer, auch, wenn die Storys manchmal etwas seicht gerieten. Doch machen wir uns auch nichts vor: Die Umsetzung konnte immer begeistern. Mit Uncharted 4: A Thief's End steht nun der letzte Teil der Saga exklusiv für die PS4 in den Regalen. Der ehemalige Schatzjäger Nathan Drake kehrt in die Welt der Diebe zurück.

Aus Gründen, die persönlicher sind als je zuvor, reist Drake um den Globus, um eine historische Verschwörung rund um einen sagenumwobenen Piratenschatz aufzudecken.Doch jeder Schatz hat seinen Preis: Dieses Abenteuer bringt Drake an seine körperlichen Grenzen, stellt seine Entschlossenheit auf die Probe und ihn selbst letztendlich vor die Entscheidung, wie viel er opfern würde, um diejenigen zu retten, die er liebt.

So weit, so der Klappentext. Was dann auf der Glotze abgezogen wird, ist allerallererste Sahne. Wer die Verfolgungsjagd durch Madagaskar erlebt hat, wird nichts anderes sagen können. Doch mehr wird hier nicht gespoilert.

Hollywood wäre stolz auf einen solchen Film. Hier stimmt einfach alles: Die Grafik ist ziemlich nahe an der Referenz für die PS4, der Sound ist opulent und nervt niemals. Die Steuerung fast immer sehr präzise, die Charaktere liebevoll gezeichnet. Das Spielerlebnis ist sehr linear, abseits der Wege a la Fallout ist hier nix. Das stört jedoch zu keiner Zeit, denn die rund 15 Stunden, die man für Uncharted 4 benötigt, sind mit die besten 15 Stunden, die man bisher an der PS4 verbringen durfte. Die Rätsel bewegen sich von kinderleicht bis ganz schön knackig, verzweifeln muss man jedoch nie, da nach einer Weile immer ein gut gemeinter Tipp für Hilfe sorgt. Zwischen der ganzen Rätselei wird immer mal wieder geballert, gilt es verschiedene Waffen auszuprobieren und Punkte zu sammeln, um in einem zweiten Spieldurchgang oder online Nathan in ein anderes Kostüm zu stecken. Ein Haar in der Suppe? Nur eins: Dass es der letzte Teil der Saga ist.

 

Fazit: Bombastischer Blockbustertitel

 

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Review: Deponia Doomsday

Packshot Deponia DoomsdayNix kann Rufus richtig machen... noch nichtmals sterben! Und dann den ollen Trick aus der Mottenkiste holen „Hups, ich hab alles nur geträumt“, ging ja schon damals beim hübschen Bobby Ewing in Dallas so toll. Und wir haben den Salat und können wieder mit dem verschusselten Deponier gucken, wie wir die Welt retten...

Aber eigentlich sind wir ja doch froh, dass wir nach der vermeintlich abgeschlossenen Trilogie noch einen Nachfolger aufgedrückt bekommen. „Deponia Doomsday“ ist nunmehr das vierte „Müllplanet“ Adventure aus dem Hause Daedalic. Angestachelt von moppernden Fans, die wohl nicht ganz so zufriedem mit dem Ende der Trilogie waren, haben die Macher kurzerhand einen unerwarteten Nachfolger entwickelt, der die bösen Fehler ausmerzen soll. Mal sehen, ob das auch geschafft wurde.
Spieltechnisch geht’s natürlich nahtlos weiter wie bisher. Wer die Vorgänger aber nicht gespielt hat, kann anhand des Tutorials erstmal erproben, wie man sich durch die Müllberge bewegt. Wir sind alte Hasen und können sofort starten. Rufus erwacht aus einem bösen Traum, in dem er zuletzt als alter Mann die Sprengung seines Heimatplanetens selber auslösen wollte. Man weiß aber nicht, was ihn mehr trifft, die Tatsache, einen ganzen Planeten zu sprengen oder mit betagten Jahren einen Schnurrbart zu tragen. Wir wissen auch nicht was schlimmer ist... egal, nicht viele Gedanken machen und in der Gegenwart für Chaos sorgen.
Der Plan unseres egozentrischen Heldens ist wie gehabt: Eine Möglichkeit zu finden, um nach Elysium zu starten, der Planet, der quasi über allem schwebt und eine bessere Zukunft zu bringen scheint. (das ist auch leicht getan wenn die Zukunft des eigenen Planetens mit einem großen Knall enden wird...)

Rufus läuft also durch die düstere Gegend und versucht sein „Raumschiff“ startklar zu bekommen um mit seiner cholerischen Freundin Toni endlich abheben zu können. Bis es so weit ist, läuft natürlich allerhand schief. Was baut Toni auch ihre guten Kristallgläser mitten auf der Straße als Pyramide auf? Klar, dass Rufus da nicht einfach vorbeigehen kann. Gut, dass sein neuer Bekannter Mc Chronicle eine Zeitmaschine erfunden hat. Mit dieser kann Rufus nun versuchen, seine Taten ungeschehen zu machen und vieles besser zu machen. 
„Deponia Doomsday“ ist das bisher längste Spiel der Müllplanetsaga und kommt mit gut 20 Spielstunden daher. Diese werden auch nicht zu lang und man wird mit dem gewohnt bizarren Humor und gut zu lösenden Rätseln (wenn man ein wenig um die "Ecke" denken kann) belohnt. Für Deponianeulinge ist das Spiel auch etwas, den endgültigen Spielspaß erfährt man aber wohl besser, wenn man auch die Vorgänger gespielt hat. Schön, Rufus und die alten Bekannten wieder getroffen zu haben!

 

Fazit: Sehr gelungene Traumverarbeitung

 

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Review: Basar der bösen Träume / Stephen King

basar der boesen traeumeDer "Basar der bösen Träume" ist eine Kurzgeschichtensammlung von Gruselmeister Stephen King im Hörbuchformat. King ist mittlerweile aus der stets gerne der literarischen Schmuddelecke zugeordneten Horrorkategorie herausgetreten und zu einem der ganz großen amerikanischen Erzähler geworden. Zwar hat der heute 68-Jährige immer mal über den Tellerrand geblickt, doch Mitte der 2000er Jahre findet sich eine neue Qualität in seinen Geschichten. "Der Anschlag", "Joyland" oder "Mr. Mercedes" sind Paradebeispiele für den nicht mehr ausschließlich blutigen Stephen King.

Diese Sammlung an Geschichten schwankt in der Qualität, alle 20 werden aber erneut vom Berliner David Nathan - mittlerweile DIE Stimme Stephen Kings in Deutschland - formidabel eingelesen. Während eine Story wie "Raststätte Mile 81" (mitten in einen unauffälligen Frühlingstag im April hält ein unidentifzierbarer Kombi auf einem verlassenen Rastplatz inmitten von Maine. Er wird zur grässlichen Todesfalle für alle, die nur helfen wollen) stark an Christine erinnert und den frühren King darstellt, ist "Die Düne" (Der pensionierte Richter Harvey Beecher ist süchtig nach einer Düne auf einer kleinen Insel vor der Küste Floridas. Denn diese scheint nicht nur unbeweglich zu sein, sie kann auch Tote voraussagen. Der letzte Name ist jedoch etwas ganz Besonderes) perfide und hintergründig. Manche der Geschichten sind etwas seicht und eher ideenlos (Die Knochenkirche) oder klammern sich stark an bereits benutzten Ideen und Motiven des Meisters (Premium Harmony).

Alles in allem bekommt der Hörer aber ein ziemlich gutes Bild davon, wie King arbeitet, wozu auch die Texte zwischen den Geschichten beitragen. Hier lässt sich der Autor stark auf die Finger gucken, verrät Hintergründe zu Geschichten und seinem Leben. Spannend. 

Einige Geschichten stechen heraus: Das wäre einmal "Ur", in der Englischlehrer Wesley Smith von seiner neuesten technischen Errungenschaft, einem kindle, begeistert ist. Das Gerät zeigt ihm Werke und Nachrichten aus anderen Welten und zu anderen Zeiten. Ebenfalls richtig genial: "Nachrufe" (Das Internet schläft nie ist das Motto von Neon Circus, einem kreischend lauten wie bunten Onlinemagazins. Mike Anderson schreibt Nachrufe auf Verstorbene, bis er entdeckt, dass er mit diesen üblen Zeilen eine ganz besondere Macht bekommen hat" und Feuerwerksrausch". Letztere Geschichte beweist vor allem, dass King auch ohne den Touch Horror ein toller Erzähler ist. Zum Abschluss der Sammlung wird es mit "Sommerdonner" apokalyptisch und ziemlich traurig. 

Eine Hörprobe gibt es HIER!

 

Fazit: Ziemlich starke Kurzgeschichtensammlung, formidabel von David Nathan vorgetragen

 

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Review: Fallout 4 - Automatron (DLC)

FO4 Add-On Pack v8-auto 1000

Fallout 4 ist ein Epos von einem Spiel. Unseren Kurztest dazu lest Ihr HIER! Mit den Erweiterungen Automatron, Wasteland Workshop und Far Harbor hat Bethesda nun den ersten Nachschlag im Visier. Automatron ist bereits im Handel und kostet 9,99 Euro. Der geheimnisvolle Mechanist hat eine Horde übler Roboter ins Commonwealth geschickt, darunter auch das hinterhältige Robohirn. Die Robis gilt es also nun zu jagen und deren Bauteile zu stibitzen, um eigene Roboter-Begleiter und Mods zu erschaffen. Wählen kann man aus Hunderten Mods, unterschiedlichen Körperteilen, Rüstungen, Fähigkeiten und Waffen wie beispielsweise der brandneuen Blitzwaffe. Mann kann sogar ihre Farben anpassen und ihre Stimmen auswählen.

Automatron ist kein erzählerisches Meisterstück, wirft einen aber sofort zurück ins Wasteland und damit in den Bann des Spiels. Erfahrene Spieler könnten das Add-on nach zwei bis drei Stunden schon durchgezockt haben, die knapp zehn Euro ist es aber dennoch wert. Alleine die kreativen Momente, in denen man sich seinen eigenen Begleiter baut, erweitern das Hauptspiel um eine starke Komponente. Probleme gibt es aber auch: So haben Spieler, die das Hauptspiel durchgezockt haben, in der Regel einen Charakter mit einem Level 40 oder drüber. Für die meisten Gegner in Automatron ist das zu hoch, die Kämpfe sind relativ leicht zu bewältigen. Lediglich der Bosskampf ist knackiger. Dennoch: Automatron macht riesigen Spaß und animiert dann auch wieder, eventuell noch fehlende Missionen des Hauptspiels anzugehen. Einmal wieder im Wasteland und die Sucht kehrt zurück.

Im Mai kommt dann "Far Harbour" und dieses DLC klingt jetzt schon sehr fett: In einem neuen Fall der Detektei Valentine begibt man sich auf die Suche nach einer jungen Frau und einer geheimen Synth-Kolonie. Man reist von der Küste Maines zur geheimnisvollen Insel Far Harbor, wo höhere Strahlungswerte eine noch sehr viel bedrohlichere Welt geschaffen haben. Der wachsende Konflikt zwischen Synths, den Kindern des Atoms und den Bewohnern der Stadt kommt hier zum Tragen. Far Harbor hat die größte Landmasse aller Add-on-Inhalte, die Bethesda je erstellt hat, und bietet neue Quests für die Fraktionen, Siedlungen, tödliche Kreaturen und Dungeons. Sabber...

 

Gutes Add-On - das Warten auf den großen DLC "Far Harbour" schmerzt da schon wieder

 

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Fotos: Avantasia

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Fast ausschließlich volle Hallen, jede Menge Stars auf der Bühne (etwa Michael Kiske, Jorn Lande, Ronnie Atkins), eine tolle Show - Tobias Sammet's Avantasia macht vieles richtig in diesen Tagen (vom unnützen Versuch zum Eurovision Songcontest zu gelangen vielleicht einmal abgesehen). Das bewährte Avantasia-Konzept wurde mit der aktuellen Scheibe "Ghostlights" weiter ausgebaut und in der Oberhausenen Turbinenhalle gab es live knapp drei Stunden feinsten Bombastmetal mit dem gewohnt enormen Schunkelanteil.

 

Wir haben Fotos von:

 

AVANTASIA

 

All pics: Thorsten Seiffert - no use without prior written permission.

Review: Unravel (Xbox one)

1031469 LB 231x326 en US  2015-06-08-12-38-28 34137b019ffbf482edfea4910a792707153fea75Yarny ist aus Wolle und zehn Zentimeter klein. Je weiter er läuft, desto mehr wickelt er sich ab. Das ist dumm, schließlich gilt es ausladende Landschaften zu erkunden. Zum Glück findet Yarni auf seinem Weg immer wieder Wollfäden, die er sich einverleiben kann, mit denen er seine Wege verlängern kann. "Unravel" ist ein Independentgame auf Downloadbasis, welches von EA Games vertrieben wird. Die schwedischen Entwickler von Coldwood haben ein Physik-Jump & Run erschaffen, dass in seinen besten Moment an "Little Big Planet" erinnert, in seinem dann aber doch häufig zu linearen Gameplay nicht an den Premiumtitel herankommt.

Dafür ist Yarny aber ein günstiger Geselle und schon für 20 Euro zu haben. Man bekommt eine zu vernachlässigende Hintergrundstory, wunderschön gestaltete Landschaften und einige knackige Jump & Run-Aktionen, bei denen Yarny gar nicht mal selten böse abstürzt oder in irgendwelchen Pfützen ertrinkt.

Die Niedlichkeit von Yarny ist dabei wirklich kaum zu toppen, die Aktionen jedoch, die man ausführen muss, um voran zu kommen (Seil werfen, Schwingen, Springen, Wollbrücken bauen), wiederholen sich recht schnell. Vor allem das Springen ist zu Beginn sehr tricky. Schnell hat man aber die Muster der Rätsel durchschaut. Auch sind die Save-Checkpunkte häufig schlecht gesetzt, so dass man viel zu weit zurück geworfen wird. 

Trotz dieser Kritikpunkte macht Unravel Spaß und versprüht eine wunderbare Atmosphäre, die einen dann doch immer wieder zum Gamepad greifen lässt.

 

Fazit: Wunderschöne Optik, tolle Hauptfigur, leider oft problematische Spielmechanik 

 

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Review: Bowie / Marc Spitz

bowieSein Tod hat die Rockwelt erschüttert: Kurz nach der Veröffentlichung seines neuem Albums hat David Bowie das Zeitliche gesegnet. Musiker, Schauspieler, Pop-Chamäleon, Rock-Ikone - David Bowie war all das und für viele noch unendlich mehr. Eine bereits ältere Biografie wurde nun in aktualisierter Form neu herausgebracht: "Bowie" von Marc Spitz ist nach wie vor das aktuellste und umfangreichste Werk über einen der einflussreichsten Künstler des 20. Jahrhunderts und die einzige derart umfassende Bowie-Biografie auf dem deutschen Markt. Der Autor und Musikjournalist Marc Spitz lässt darin zahlreiche Bowie-Begleiter wie Ex-Frau Angie Bowie, den früheren Manager Kenneth Pitt und Musikerin Siouxie Sioux zu Wort kommen. Die Biografie vermittelt einen Einblick in die Kultur im Nachkriegsengland, in die Mode- und Hippie-Szene des Londons der Swinging Sixties und in das von Sex und Drogen aufgeheizte Milieu der frühen 70er-Jahre, in dem Bowies Kunstfigur Ziggy Stardust das Licht der Welt erblickte. Ergänzt durch zahlreiche Fotografien aus Bowies Leben, wird sein Aufstieg zum internationalen Superstar in den 80er-Jahren spannend nachgezeichnet. Marc Spitz beleuchtet zudem Bowies Status als Ikone der alternativen Kunst- und Kulturszene, erforscht sein Verhältnis zu Themen wie Kunst, Kommerz, Buddhismus und Okkultismus und befasst sich mit seinem komplizierten Familienleben. Marc Spitz, geboren 1969 in New York, ist Musikjournalist, Schriftsteller und Dramatiker. Bekannt wurde er durch Beiträge für Magazine und Zeitschriften wie Spin, Maxim, New York Timesund Nylon. In "Bowie" zieht er alle Register seines Könnens, das Werk ist packend und spannend, obwohl man meint, schon alles über David Bowie zu wissen. Mitnichten. Das Buch schreit geradezu danach, anschließend (oder währenddessen) Youtube nach den vielen geschilderten seltsamen Momenten in Bowies Leben zu durchsuchen. 

Dennoch gibt es auch Kritik: Spitz hat David nie getroffen, dieser lehnte jedwede Zusammenarbeit mit einem Co-Autor einer Biographie zu Lebzeiten ab. Und so kommt "Bowie" manchmal eher wie ein riesengroßes Essay mit zahlreichen persönlichen Sichtweisen des Autors daher.  Das ist nicht immer problemfrei, denn es resultiert in zahlreichen sehr subjektiven Seiten. Auch fehlt völlig unverständlicherweise eine gescheite Discographie. Gerade bei den vielen Querverweisen wäre das beim anschließenden garantierten Youtube-Studium des Lesers absolut notwendig gewesen. Immerhin: Zahlreiche Patzer der Originalausgabe (fehlerhafte Jahreszahlen und Details) wurde ausgemerzt. 

 

Fazit: Guter, wenngleich oft sehr subjektiver Einblick, in das Lebenswerk eines der größten Musikers aller Zeiten

 

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Marc Spitz:
David Bowie – Die Biografie
Aktualisierte Neuauflage, mit einem Vorwort von Hollow Skai
560 Seiten, Broschur, mit zahlreichen Abbildungen
Format 13,5 x 21 cm
€ 14,95 (D) / € 15,40 (A)
ISBN 978-3-8419-0461-4
Auch als E-Book erhältlich

 

 

Review: Die Unantastbaren - Richard Price

die unantastbarenEin ziemliches Bohei wird gerade um "Die Unantastbaren" von Richard Price veranstaltet. Gnadenlos gut, eine Studie der amerikanischen Polizei, ein spannender Krimi - liest und hört es man im Medienschungel rascheln. Das sind ja gleich drei Dinge auf einmal, wir sind hier doch nicht im Ü-Ei-Land. Oder etwa doch?

Richard Price ist so etwas, wie der Shootingstar der Kirmiszene. Bisher hat er neun Romane veröffentlicht, darunter das wochenlang auf der Bestsellerliste ganz oben stehende "Cash". Darüberhinaus ist Price ein veritabler und geschätzter Drehbuchautor. Den Edgar Award heimste er für seine Arbeit an der hoch gelobten TV-Serie "The Wire", für die er monatelang bei der Polizei recherchierte, ein.

Der Mann weiß also, was bei der Big Apple-Police abgeht und das merkt man seiner Arbeit stets auch an. In "Die Unantastbaren" geht es um Billy Graves, einem Cop in New York City. Energy-Drinks und Zigaretten halten ihn wach, während er in den frühen Morgenstunden die Blocks abfährt. Wie seine vier Kollegen hat auch er einen "Unantastbare"«, einen skrupellosen Mörder, den er nie dingfest machen konnte. Als einer der "Unantastbaren" tot aufgefunden wird, beginnt Billy, seine engsten Vertrauten zu verdächtigen. So weit, so spannend. Zumindest klingt es so. In der Tat verliert sich die Geschichte, die in der hier vorliegenden Hörbuchfassung von David Nathan und Oliver Rohrbeck im Wechsel gelesen wird, in losen Enden und verliert immer, wenn sie in Fahrt kommt an Spannung.

Ja, Price ist ein Meister darin, den Alltag der echten Cops zu skizzieren, das tut er auch in diesem Buch.

Doch irgendwo auf dem Weg hat er den Biss verloren, dies mit Hochspannung zu verweben. Auch erschließt sich der stete Wechsel der beiden Sprecher nur schwer, denn auch hier gilt: Rollt der Zug einmal, aktiviert der zweite Sprecher schnell die Handbremse. Krimi-Coitus interruptus könnte man das nennen. Eine verpasste Chance, denn zwei der allerbesten Hörbuchsprecher Deutschlands mühen sich hier vergebloch. "Cash" war fesselnd, "Die Unantastbaren" ist zu langatmig (obwohl das neunstündige Hörbuch gekürzt wurde - oder gerade deshalb?) und enttäuscht durch farblose Charaktere. Ü-Ei-Land ist abgebrannt...

 

Fazit: Zu viele lose Enden, außerdem gekürzt. Schade um die tollen Sprecher

 

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Review: Just Cause 3 (Xbox One)

Just Cause 3 cover artJust Cause 3 ist so eine Art Tropico meets GTA. Nach er sich jahrelang im Einsatz diverser Geheimdienste (Just Cause 2 von 2010) rumgetrieben hat, kehrt Rico Rodriguez auf seine Heimatzinsel zurück. Doch auf Medici herrscht der skrupellose Diktator Sebastiano Di Ravello. Rico - Nationalheld, der er ist - greift ein und hilft den Rebellen Di Ravello zu stürzen. Die Handlungsfreiheit in Just Caus 3 ähnelt stark der von GTA: Ob Rico Autos, Hubschrauber oder Boote klaut, Außenposten des Regimes vernichtet oder die Statuen des Diktator zu Fall bringt - wie Ihr vorgeht, ist eigentlich Eure Sache.

Natürlich gibt es zahlreiche Missionen, die dabei helfen, die Geschichte voranzutreiben. Die Nase vorn gegenüber GTA hat Just Cause 3 in Sachen Zerstörungswut. Nahezu alles kann dem Garaus gemacht werden und das macht Riesenspaß. Weniger Spaß macht die nicht immer direkt Steuerung (vor allem bei Fahrzeugen). Da saust man schon einmal aus Versehen mit seinem Vehikel den Hang herunter oder durch wunderbar aussehende Kornblumenfelder.

Weit über 100 Städte gilt es zurückzuerobern und der Einsatz für das Volks endet stets damit, dass man die Fahne der Rebellen hisst und ein Feuerwerk ausbricht.

Der Che in uns erwacht. Die Missionen sind nicht immer spannend: So nervt beispielsweise die Hatz über die Dächer, um in einer bestimmten Zeit alle Überwachungskameras auszuschalten. Die fehlende manuelle Speicherfunktion ist eine Katastrophe. Es gleicht oft einem Ratespiel, wann denn das Game einen Speicherstand angelegt hat. Angeblich soll dies immer Geschehen, wenn man aus dem Spiel ins Hauptmenü wechselt, doch zuverlässig funktioniert das nicht.Aufgelockert wird die Hollywoodreife Ballerei immer mal wieder durch Spezialeinsätze, etwa der Entführung eines Gasts der Regierung oder die Befreiung einer Geisel. Unterm Strich bleibt eine gandenlose Actionorgie mit kleiner Story und einer wunderschönen Inselwelt. 

 

Fazit: Riesenspaß für Zwischendurch, aber (erneut) kein GTA-Killer

 

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Review: Dream Theater - The Astonishing

DreamTheaterTheAstonishingDie neue Dream Theater-CD "The Astonishing" spaltet die (Musik-) Welt. Diesen Anschein hat man zumindest, wenn man in die einschlägigen Gazetten schaut. Während die Bravo-Fraktion im Metal das Werk der Amerikaner als das "The Wall" der Metal-Generation feiert (was natürlich Unfug ist, da es die Metalmauer schon gibt und "Operation Mindcrime" heißt), weisen die Kritiker am anderen Ende der Skala diese CD als das schlechteste Werk des Traumtheater aus. Die Wahrheit liegt da fast logischerweise in der Mitte, und der RocknRoll Reporter will euch (seine) Wahrheit verkünden.

Wenn man es objektiv betrachtet, liegt das letzte zu 100 Prozent begeisternde und in Gänze überzeugende Opus der Band lange zurück. Im Jahr 1999 beeindruckten Petrucci und Co mit "Scenes from a memorey", einem fast 80 Minuten langen Konzeptalbum, das vor mitreißenden Melodien, ein wenig Kitsch und harten Progmetalklängen nahe an den Genrekönig von Queensryche herankam.

Seitdem kamen viele gute aber wenige überragende CDs heraus, vor allem die Scheiben aus der Endphase von Ex-Drummer Mike Portnoy ärgerten mit tumben New Metal- Einlagen. Härter als zu "Images and Words"-Zeiten braucht die Metalwelt Dream Theater nun wirklich nicht.

"Scenes" war ein mitreißendes Konzeptalbum und - oh Wunder - mit "The Astonishing" geht die Gruppe an die Wurzeln des Meisterwerks zurück. Die neue CD ist ebenfalls ein Konzeptalbum, ebenfalls lang (in der Tat noch viel länger) und hat viel Dramatik (und Kitsch) zu bieten.

Konzeptalbum - das klingt immer toll, denn es heißt, dass eine ganze Scheibe ein Thema, eine Geschichte hat. Weniger toll daran ist allerdings in diesem Fall, dass die Story sich in zwei Sätzen zusammenfassen lässt (Gute Rebellen gegen böse Regierung, Musik als Heilsbringer etc pp). Das ist dünn, sehr dünn, was bei einer musikalischen Spielzeit von mehr als zweieinhalb Stunden ein echtes Problem darstellt. Diese Diskrepanz sollte sogar ein AfD-Wähler erkennen. 

Dennoch: musikalisch machen Dream Theater hier vieles richtig, denn sie bewegen sich. Und zwar weg vom eher stumpfharten "Train of Thoughts"-Metal, hin zu ganz gaaaanz (sagt, ich schon ganz?) großen Melodien. Das wird häufig kitschig, aber ich kann beruhigen: Es handelt sich hier (fast immer) um den guten alten, hochwertigen Kitsch. Den Casablanca-Kitsch und nicht den Schlaflos in Seattle-Kitsch. Apropos Hollywood: Viele Einlagen (vor allem von Keyboard-Magier Jordan Rudess) übertreten die Schwelle zur Filmmusik deutlich. Das äußert sich in vielen Zwischenpassagen, von denen manche Sinn ergeben (etwa das lange Marsch-Intro von "Brother can you hear me" nach der grandiosen Nummer "Three days" ), manche eher überflüssig sind.

34 Tracks, das ist eine ganze Menge Holz und so zündet nicht jeder Funken gleich gut. Vor allem das zweite Drittel der CD jedoch ist absolut erstklassig, zum Ende hin hätte man sich indessen etwas weniger Pomp und mehr schlüssiges Auflösen der Story (*hüstel) gewünscht. So findet sich viel Pathos ("Hymn of a thousand voices"), der musikalisch nicht immer das liefert, was man sich von Dream Theater erhofft. 

Auch wird an manchen Stellen Potential verschenkt. "A life left behind" beeindruckt eine Minute lang mit allerfeinstem Pop-Prog europäischer Prägung, bevor James La Bries Melodielinien aus dem genialen Anfang eine Durchschnittsballade machen. Schade.

Apropos Melodien: Loben muss man Gitarrist John Petrucci zwar nicht für seine leichtmatrosige Hintergrundgeschichte, aber durchaus für seine Soloarbeit an den sechs und sieben Saiten. Petrucci spielt die schönsten und schlüssigsten Soli seit "Scenes from a Memory". Und auch noch ein Wort zu La Brie: Ein wenig vokale Abwechslung hätte dem Album gut getan. Während das sensationell starke Arjen Lucassen Album "The Human Equation" mit James La Brie als Hauptsänger deshalb so geil ist, weil der Barde viele weitere starke Charaktere an seiner Seite hat (Devin Townsend zB), leidet "The Astonishing" ein wenig unter Eindimensionalität, auch wenn Petrucci La Brie durch sein Songwriting immer wieder versucht aus der Komfortzone zu locken. Das gelingt ab und an ziemlich gut (wieder "Three days"), leider haben La Bries zweite und dritte Stimmfarbe immer noch deutlich zu wenig Spielanteile. Nach Abpfiff des Mega-Werkes bleibt man als Zuhörer deshalb kurz ratlos, bevor man wieder von vorne anfängt und neue Perlen findet. Eine CD, die wächst, die aber durchaus 30 Minuten kürzer hätte sein müssen. 

Nach runden sechs Durchgängen würde ich diese Scheibe zu den besten fünf Dream Theater Outputs zählen (nach Images & Words, Scenes, Awake und When dream and day unite) - trotz aller Kritikpunkte.

 

Fazit: Zu langes aber enorm spannend-kitschiges Melodiemassaker

 

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Review: Danko Jones - Live at Wacken

dankoSeit 20 Jahren gibt Danko Jones mit seiner Band schon den Rockn 'n' Roll-Entertainer. Seine Live-Konzerte haben einen hohen Textanteil und bieten eine Menge Rock. Jetzt hat der Kanadier seinen Wacken-Auftritt von 2015 in Rillen pressen lassen - sowohl zum Sehen als auch zum Hören. "„Live At Wacken“ beinhaltet das 18 Tracks umfassenden 2015er Set und je nach Edition verschiedene Bonunsinhalte. Auf der DVD findet sich etwa sowohl das Konzert in seiner Rohfassung als auch mit einem interessanten Track-by-Track Kommentar.

Dazu gibt es ein Backstage-Interview und Jone's Spoken Words-Show von Wacken 2012 (HIER gibt es unser Interview vom W:O:A: 12). Am Sound gibt es nicht viel auszusetzen, die Bildqualität ist gut aber nicht überragend.

Wer auf Labertasche Danko steht, kommt an dem Mitschnitt (vor allem der Spoken Words-Performance) nicht vorbei.

Musikalisch haben Danko und seine beiden Mitstreiter John ‘JC’ Calabrese (bass guitar) und Rich Knox (drums) ohnehin alles im Griff und so bekommt der Hörer und Zuschauer die volle Breitseite Rock 'n' Roll.

 

Fazit: Für Fans ein guter Fang

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Die Tracklist:

 

1. The Rules
2. Play the Blues
3. Sugar Chocolate
4. The Twisting Knife
5. Forget My Name
6. Do You Wanna Rock
7. Had Enough
8. First Date
9. Watch You Slide
10. Full Of Regret
11. Code of the Road
12. Legs
13. Invisible
14. Sugar High
15. Cadillac
16. Lovercall
17. Gonna Be A Fight Tonight
18. Mountain

 

Review: Roger Waters - The Wall

91kqIRIBXBL. SL1500 Schon wieder ein Mitschnitt von "The Wall"? Mittlerweile kann man sich eine kleine Sammlung aus Varianten des epochalen Pink Floyd-Werkes in den Schrank stellen. Dennoch ist diese BluRay ganz anders: Roger Waters "The Wall" ist viel mehr als ein reiner Konzertfilm. Die Scheibe kombiniert auf ziemlich raffinierte und unterhaltsame Art Konzertaufnahmen mit dokumentarischen Versatzstücken. Während natürlich auch die starke Show in exzellenter Ton- und Bildqualität auf die Mattscheibe flackert, gibt es eine Art "Rahmenhandlung", zumeist biographischer Natur.

Hier geht um Spurensuche, denn Waters verschlägt es darin etwa nach Italien und Frankreich, um eine kleine Zeitreise zu den Orten zu unternehmen, an denen seine Vorfahren den Weltkriegen zum Opfer fielen. Die Sorge, dass die genialen Songs von "The Wall" dieser Story nachstehen müssen, ist unbegründet.

Alle Tracks werden komplett ausgespielt, die Schnitte und Überbelndungen sind exzellent und stören nur selten das Live-Erlebnis.

Insgesamt ist "The Wall" ein herausragendes Film- und Musikerlebnis. Die Höchstpunktzahl wäre erreicht worden, wenn das Konzert auch noch einzeln, also am Stück ohne die Doku-Schnippsel, anwählbar gewesen wäre.

 

Fazit: Starker Doku-Live-Mashup 

 

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Review: Star Wars Battlefront (PS4)

81LFs9qVbZL. SL1500 Star Wars - ein Name voller Faszination. Die Reihe punktet auf fast allen Feldern, nun soll mit Star Wars Battleground auch die Konsole (zurück-) erobert werden. Die Erwartungshaltung war dementsprechend gewaltig. Und genau daran zerbricht am Ende ein Spiel, das voller atmosphärischer Höhepunkte steckt. Wenn man in einer Eishöhle auf Hoth das unheilvolle Stampfen eines AT-AT spürt, macht man sich als Gamer fast in die Hose. Der Sound stimmt, die Grafik ist genial - und dennoch schafft es Star Wars Battlefront nicht mehr als nur ein Pausenfüller zwischen spielerischen Granaten wie Fallout 4 oder The Witcher 3 zu sein. Was ist das Problem? In erster Linie handelt es sich bei Star Wars Battlefront um einen reinen Multiplayertitel. Eine echte Single-Player-Kampagne gibt es nicht, lediglich einige Trainingsmissionen gegen schwache KI-Gegner können absolviert werden. Das war vorher bekannt und wäre auch nicht allzu tragisch, wenn denn der Multiplayerteil rundum gelungen wäre. Ist er aber nicht. Die Maps sind schwach und langweilen vom ersten Moment an. Dass man bei einem Vollpreistitel noch einen Seasonpass (rund 50 Euro!) kaufen soll, um Zugriff auf mehr Areale zu bekommen, ist schlichtweg lächerlich und unverschämt. 

Dazu gibt es spielerische Probleme: Die Maps sind lieblos (allein grafisch bombastisch) gestaltet, von Taktik muss man gar nicht erst reden, denn im Prinzip ist dies hier ein wildes Umhergeballere ohne Sinn und Verstand. Hätte dieses Spiel nicht das Star Wars-Label auf der Stirn kleben, wäre es sicher kein Topseller geworden (das es trotz der enorm schlechten Bewertungen ist). 

Das Schlimmste ist, wie verschenkt hier das riesige Potential des Franchise aber auch der genialen Grafikengine und der tollen Sounduntermalung ist. Das hätte ein richtiges Feuerwerk werden können, so ist Star Wars Battlefront lediglich eine Fehlzündung.

 

Fazit: Tolle Grafik, super Sound, mega Atmosphäre - aber wo ist das Spiel?

 

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Review: Fallout 4 (PS4)

81QYIG9wfL. SL1500 Was Bethesda anfasst, ist fast immer episch. Fallout 3 ist eines meiner Alltime-Favourites und wurde danach noch von Skyrim übertroffen. Insofern waren die Erwartungen bei Eintreffen des Musters von Fallout 4 nahe zu unermesslich hoch. Die ersten Minuten sind dann auch wie ein Deja-Vu: Fallout 3-Freaks fühlen sich sofort in die Zeit zurückversetzt, die Magie des postapokalyptischen Ödlandes mit einer großen Menge 50er Jahre-Charme ist sofort wieder da. Die große Freiheit zu tun, was immer man auch will, ist zu Beginn etwas überfordernd, wird dann aber zu einer der Stärken des Games. Sobald man aus Vault 111 herausschreitet, ist man allein. Idealerweise führt der erste Weg zurück in das Heimatdorf Sanctuary. Nun gilt es eine Menge Abenteuer zu bestehen, Freunde zu finden, Feinde zu töten, Bündnisse zu schmieden, Häuser zu bauen. Alles getragen vom sensationellem Flair des Spiels. 

Fallout-Neulinge könnten die etwas zähe Menüführung bemängeln. Es gibt zu lange Wege bis man an eine Option im sagenumwobenen Pip-Boy gelangt. Das wirkt ein wenig altbacken. Auch die Grafik ist nicht auf dem neusten Stand der Technik, sondern lediglich eine leichte Weiterentwicklung des PS3-Skyrim-Grafik. Das ist enttäuschend - zu Beginn. Steckt man erst einmal knietief in den Missionen, passiert etwas, was bei Fallout 3 schon eingetreten ist: Sucht. Plötzlich ist die Grafik egal und auch die vorhandenen technischen Probleme (etwa zahlreiche Clippingfehler) treten in den Hintergrund. Mindestens 100 Stunden - wahrscheinlich sogar deutlich mehr, wird man investieren können, bis Fallout langweilt. Die Kämpfe sind zum Teil sehr fordernd, selbst auf der leichtesten Stufe. Hat man aber einmal zarte Bande mit einem Supermutanten geknüpft, folgt er einem durch das Ödland. Und "Strong", so sein werter Name, räumt ordentlich was weg (Foto unten). Nur eine Sache nervt wirklich gewaltig: Um an die Karte zu kommen, muss man immer durch die Tiefen des Pip-Boys. Ansonsten: Das Spiel des Jahres!

 

Fazit: Grandioses Spiel mit einigen wenigen technischen Unzulänglichkeiten

 

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