rrrlogo

 

Oldschool journalism with modern attitude - since 2005

Freitag August 17, 2018
Home

237 items tagged "Review"

Ergebnisse 181 - 200 von 237

Classics: At Budokan / Cheap Trick

AtBudokanCheapTrickEnde der 1970er bis Anfang der 1980er waren Cheap Trick für viele Musikfans die beste Rockband aller Zeiten. Trotz Kiss. Schließlich hatte der Powerpop-Vierer um Frontmann und Mädchenschwarm Robin Zander und Gitarren-Nerd Rick Nielsen 1978 mit At Budokan einen wahren Livealbum-Geniestreich hingelegt. Zehntausend kreischende japanische Girls (wie zuvor wohl nur bei den Beatles) sowie das clevere und selbst heute noch höchst ansteckende Drum-Intro zum transkontinentalen Hit "I Want You To Want Me" waren dabei die Wegbereiter für den beträchtlichen Erfolg des Albums. Denn die reichlich rockende Live-Überversion des bereits im Vorjahr auf In Color erschienenen (dort aber nur mittelprächtig rockenden) Songs katapultierte die Paradiesvögel aus Rockford im US-Bundesstaat Illinois mit Lichtgeschwindigkeit in die Charts. Außerdem war die Scheibe in puncto Atmosphäre und Soundqualität ein echter Meilenstein.

Dabei hatte Nielsen das Liedchen nach dem kommerziellen Misserfolg des noch etwas sperrigen, aber von der Fachpresse gelobten Debüts Cheap Trick (1977) eigentlich als augenzwinkernde Antwort auf den eher simplen Pop-Sound von Abba geschrieben – damit jedoch ganz offensichtlich den Nerv der Zeit getroffen. Einer Zeit, in der Bands wie Blondie, Buzzcoks und Undertones gerade eine neue Nische besetzten, die sich infolge der musikalischen Kataklysmen der 1970er aufgetan hatte und in der Rock, Pop und Punk gerade zum Powerpop verschmolzen. Nicht alle hatten damals Lust auf die verkopfte Musik von Bowie, Pink Floyd oder Kraftwerk, sondern der Moment war gekommen für einen modernen und vom Punk beschleunigten Rocksound mit Pop-Appeal. Das war neu und aufregend, und Cheap Trick konnten sofort liefern.

vinyl-record-iconDieser frische Wind ist bis heute auf At Budokan zu spüren: Vom energischen Opener "Hello There" über den All-Time-Favourite "Surrender" (mit Kiss-Referenz) bis hin zum markanten Schlusspunkt "Clock Strikes Ten" wird munter und in absoluter Ohrwurmtauglichkeit drauflos gerockt. Überwiegend im Mid- und Up-Tempo und selbstverständlich immer wieder mit mitreißenden Hooklines und teils sehr schrägen Gitarrensoli. Zehn clevere (und nicht selten selbstironische) "Poprocksongs" für die Ewigkeit – und mittendrin mit "I Want You To Want Me" der Signature Tune des Quartetts.

Im Jahr darauf veröffentlichten Cheap Trick dann ihr bis heute bestverkauftes Studioalbum Dream Police. Dieses fiel deutlich experimenteller aus und läutete den langsamen Abstieg der Band ein. Denn Ambition verkauft sich nun einmal weitaus schlechter als Kommerz. So ist das nun mal. Aber im Pantheon der Rockmusik haben Cheap Trick dennoch ihren Platz. Seit 1978.

 

 

Review: Rise of the Hero / Iron Savior

Iron Savior Rise Of The Hero 8a00acfa90Erwartet man von einer Band, die sich Iron Savior nennt, ein innovatives Album? Nein – und das ist auch gut so! Zugegeben, es gibt kaum etwas auf „Rise Of The Hero“, was man so vorher noch nie gehört hätte. Aber auch das macht nichts, denn man bekommt genau das, was man erwartet: ein Power Metal Glanzstück allererster Güte! Nach einem kurzen stimmungsvollen Intro wird sofort losgeballert.

Schnell, präzise, melodiös und mit förmlich spürbarer Lust und Spielfreude werden die Songs losgefeuert. Hart, melodiös und unheimlich eingängig sind die Tracks oder eigentlich eher die Hymnen auf dem mittlerweile achten Longplayer der Band. Anspieltipps brauchen gar nicht genannt zu werden, denn alle Songs stehen qualitativ auf einer Höhe. Der einzige Titel, der aus der Reihe fällt ist die Coverversion von Mando Diaos Hit „Dance With Somebody“ - der will irgendwie nicht so hundertprozentig zu den anderen Songs passen, ist aber letzten Endes eine tolle Partyrocknummer. Mastermind Piet Sielck versteht sein Handwerk, er und seine Band haben sich seit dem letzten Album ordentlich Zeit gelassen (immerhin stammt „The Landing“ aus dem Jahr 2011) und das merkt man. Das ganze Werk wirkt sehr stimmig und ausgefeilt.

FAZIT: „Rise Of The Hero“ ist ein exzellentes Power Metal Album, welches Lust macht, immer und immer wieder gehört zu werden.

Picture

Review: Vandenberg's Moonkings

vandenbergs moonkings coverWenn man liest, dass Holland einstiges Gitarrenwunderkind Adrian Vandenberg im Jahr 1998 ein letztes Lebenszeichen in Form von Musik auf einem Tonträger abgegeben hat, muss man erst einmal tief durchatmen. 1998?? Vandenberg war für einige besondere Momente in der Rockgeschichte zu haben. So kam der "Flying Dutchman" als David Coverdales Sideman bei Whitesnake ganz groß raus - vor allem mit einer Scheibe, auf der er gar nicht zu hören war. "Slip of the Tongue" schrieb der mittlerweile 60-Jährige mit dem Frontmann zusammen, auf der CD spielen musste und durfte jedoch Gitarrengott Steve Vai, denn Adrian Vandenberg verletzte sich kurz vor den Aufnahmen schwer an der Hand. Danach stellte er mit "Manic Eden" ein recht erfolgloses, aber grandioses Bandprojekt auf die Beine, bevor er plötzlich von der großen Musikbühne verschwand. Fortan widmete er sich der Malerei und dem Airbrushen, sehr erfolgreich übrigens.

Nun will er es als Gitarrist mit eigener Band aber noch einmal wissen: Vandenberg's MoonKings bestehen aus dem Meister an der Gitarre und Jan Hoving (Vocals), Mart Nijen-Es (Drums) sowie Sem Christoffel (Bass). Das vorligende Debüt der Band wird Fans der bluesigeren und weniger metalbehafteten Whitesnake mehr als gefallen.

Ob beim Opener "Lust and Lies", auf dem Hoving im Stile Coverdales alles gibt oder dem folgenden "Close to you", der auch auf "Slide it in" hätte stehen können (und zudem an Led Zeppelin erinnert) - die Mondkönige machen vieles richtig. Sänger Jan Hoving klingt wie ein jüngerer Bruder David Coverdales mit hellerem Timbre, Vandenberg spielt einige grandiose Soli und der Rest der Band grooved solide bis exzellent vor sich her. Klar, dass im Zeichen der weißen Schlange auch einige schmalztriefende Töne nicht fehlen dürften. "Breathing" klingt wie eine (schwache) Whitesnake-Ballade und ist ein klarer Streichkandidat. "Out of reach" macht es mit seinen dezenten Streicherparts da später deutlich besser (weil bluesiger), während eine weitere Schmusenummer mit "One step behind" zwar einen bockstarken Refrain aufweisen kann, in den Strophen aber langweilt.

Überhaupt: Wenn die MoonKings rocken, sind sie deutlich stärker, wie das treibende "Nothing touches" und das tolle "Leave this town" beweisen. Beschlossen wird die Scheibe mit einem alten Bekannten: "Sailing ships" befindet sich mittlerweile auf einigen Whitesnake-Tonträgern ("Slip of the Tongue" mit Vai, "Starkers in Tokyo" mit Vandenberg, "Live at Donington" mit beiden Gitarristen), doch Adrian scheint zurecht sehr stolz auf diese Übernummer zu sein und spendiert uns hier eine erneute Version mit Coverdale an den Vocals. Das ist ein natürlich inkonsequent, eine Fassung mit Jan Hoving wäre folgerichtiger gewesen, was an der Qualität des vielleicht besten Songs in seiner Karriere rein gar nix ändert.

 

Fazit: Prima Scheibe für Whitesnake-Fans der bluesigeren Ära, trotz balladesker Ausfälle. Mehr davon, Adrian!

 

Picture

Review: A Day in Nashville / Robben Ford

robbenford14Nach "Bringing it back home" aus dem vergangenen Jahr musste einem Angst und Bange um Gitarrengenie Robben Ford werden, so lustlos und uninspiriert kam dieses Werk daher. "A day in Nashville" ist zum Glück keine solche Langeweile-Veranstaltung, was vielleicht auch am mittlerweile selten gewordenem Aufnahmeritual liegt: Die CD wurde nämlich einfach komplett an einem Tag eingespielt.

Viel mehr Old School geht dann eben doch auch nicht. Neun Songs an einem Tag, das ist eine Leistung, vor allem, wenn sich der flotte Neuner als durchaus homogenes Werk zwischen Jazz, Blues und Soul entpuppt. Für sein besonderes Projekt hat Robben Ford aber auch eine Auswahl der Allerbesten mit ins Boot genommen: Audley Freed (Gitarre; Black Crowes), Ricky Peterson (Keyboards; David Sanborn), Brian Allen (Bass; Jason Isbell), Wes Little (Schlagzeug; Sting) und Barry Green (Posaune; Tony Bennett) verstärken den Meister und sorgen für exzellente Momente. Vor allem "Green Grass Rainwater" und "Different People" sind absolute Volltreffer, während "Ain't drinkin beer no more" etwas beliebig dahingeklatscht erscheint.

Die kurze Spielzeit ist ein Kriitkpunkt, die immer wieder bemängelte glatte Politur der Produktion hingegen nicht. Das macht Ford schließlich seit jeher. Ein krachender Bluesrocker wie Bonamass wird aus ihm einfach nicht mehr - und das muss auch nicht sein. 

 

 

Fazit: Schnellschuss mit Spaßfaktor

Picture

 

Review: D:REI / Black Space Riders

BSR-Cover-DREI-300x269Ambitioniert sind sie, die Black Space Riders aus Münster. Ein knapp 80-minütiges Konzeptalbum haben sie vorgelegt. Dieses Vierteilige Epos beschreibt „Eine Reise ins tiefste Innere, in eine Galaxie der Innerlichkeit, den so genannten "inneren Raum": Frieden, Freiheit, Depression und tiefste Isolation.“ Sowohl inhaltlich, als auch musikalisch keine leichte Kost. Es gibt Platten, die hört man so nebenbei - und es gibt welche, für die muß man sich Zeit nehmen. „D:REI“ ist so ein Werk, es entfaltet seine volle Blüte wirklich erst dann, wenn man in Ruhe zuhört.

Wie zu erwarten, sind die musikalischen Grundelemente eine große Portion Stonerrock, gemischt mit gehörigen Space- und Doomanteilen. Allerdings hört man auch immer wieder, dass die Band auch über diesen Tellerrand hinausblickt und ihre Inspiration auch woanders hernimmt. Der großartige Opener „Stare At The Water“ oder auch „Way To Me“ erinnern durch ihre doppelläuffigen Gitarrenharmonien durchaus an Wishbone Ash oder Thin Lizzy. „The GOD-Survivor“, der für mich mich herausragende Song steigert sich im instrumentalen Schlussteil in eine düstere Version von Deep Purples „Perfect Strangers“. Der Stampfer „Give Gravitation To The People“ weckt bei mir sogar Sisters Of Mercy-Assoziationen. Darüber hinaus sind natürlich Kyuss immer wieder eine Referenz, was an sich aber nicht wirklich überrascht. Die CD benötigt eventuell ein paar Durchläufe, aber sie wächst und wächst bei jedem Hörgang. Die Story ist interessant und lässt Bilder im Kopf entstehen, die hervorragend mit der Musik korrespondieren.

 

Fazit: Eine wirklich spannende Platte, die von ihrem Hörer vor allem eins verlangt: Geduld. 

 

Picture

Classics: Kid A / Radiohead

Radiohead.kida.albumart

Alle Nostalgiker, die The Bends von 1995 noch immer für das Meisterwerk von Radiohead halten, täuschen sich möglicherweise ebenso sehr wie diejenigen, die zwei Jahre später OK Computer zum Opus magnum in der Karriere der einstigen Gitarrensound-Frickler aus dem britischen Oxfordshire ausgerufen haben. Wirklich miteinander vergleichbar sind diese beiden Alben ohnehin nicht. Vielmehr zeichnet sich auf diesen durch den mutigen Schritt vom ziselierten Brit-Pop der frühen Jahre hin zum ambitionierten Art-Rock bereits die radikale künstlerische Emanzipation vom musikalischen Mainstream ab, die dann im Jahr 2000 auf Kid A ihren eigentlichen Höhepunkt finden wird - einem bedrohlich dräuenden Jahrtausendwende-Album, das noch weniger mit den beiden Vorgängern vergleichbar ist als diese untereinander. Und das nicht wenige Fans und Kritiker zunächst einmal ebenso verstört wie rund 15 Jahre zuvor die urplötzliche Wandlung von Talk Talk von einer Chart-Band zu den Wegbereitern des Post-Rock.

So verweigern Radiohead im gesamten ersten Drittel von Kid A ihren Zuhörern etwa jeglichen Gitarrensound. Auch von Pop fehlt nun jede Spur. Stattdessen klingen der grandios melancholisch-warmherzige Opener "Everything In Its Right Place" und der darauffolgende Titelsong wie eine perfekte Amalgamierung elektronischer Sounds, Samples und repetitiver Rhythmen stilprägender Nischen-Bands wie Can, Kraftwerk oder Boards Of Canada mit dem "typischen" Radiohead-Sound. Nur wenigen Bands zuvor ist es gelungen, nach einem solchen Schnitt gleichermaßen aufregend neu und dennoch vertraut zu klingen. Ohne es den Fans zu leicht zu machen.

Denn auch der dritte Song des Albums, das brachiale und überaus beunruhigende "The National Anthem", schert sich einen Dreck um Hörererwartungen, indem nahezu alles Sechssaitige durch ein treibendes, fast schon brutales Bass-Riff und eine aggressive Bläser-Sektion ersetzt wird. Jazzcore, wenn man so will. Erst im wunderbar verschleppten und seltsam verpeilten "How To Disappear Completely" kommen (neben allerlei anderen Soundspielereien, darunter eine zwischenzeitlich völlig ins Disharmonische abdriftende Streicherabteilung) Gitarren zum Einsatz.Vornehmlich akustische. PictureUnd auf dem zynisch betitelten Untergangsrocker "Optimistic" dann sogar elektrische - die dann aber später beim heimlichen Hit des Albums, dem unheilvoll und rein elektronisch drauflos pumpenden "Idiotheque", wieder ebenso fehlen wie Bass und Schlagzeug. "Women and children first" heißt es dort nicht von ungefähr. Auf dem Höhepunkt ihres Ruhms konnten sich Radiohead endlich solche Extravaganzen leisten - und das ist auch gut so, da nur auf diese Weise wahrhaftige Kunst die Massen erreichen kann. Früher oder später zumindest. 

Kurzum, Kid A zieht seine musikhistorische Bedeutung aus der ganz und gar eigensinnigen und glücklicherweise rundum gelungenen Harmonisierung klassischer, experimenteller und dezent rockistischer Elemente auf durchgehend hohem Niveau - ohne dabei schnöder Prog-Rock oder gar Schlimmeres zu sein. Dafür ist dieses bis heute teils noch missverstandene Meisterwerk zu zeitlos. Zu relevant. Vor allem Thom Yorkes' virtuoser, jenseitiger und auf alle musikalischen Stimmungen exakt abgepasster Gesang voller verschwurbelter Lyrics, mit denen man sich wahrlich nicht jeden Tag beschäftigen möchte, hält das in seiner düsteren Grundstimmung konsistente Album dabei nach wie vor bestens zusammen. Kopfmusik, die ganz und gar party- und badeseeuntauglich ist. Doch dazu wurde sie ja auch nicht geschaffen.

 

 

Picture

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Classics: Closing Time / Tom Waits

220px-Tom Waits - Closing TimeEs sind magische Scheiben, die uns prägen. "Closing Time" von Tom Waits ist so eine magische Scheibe. Es ist vielleicht Tom Waits Meisterwerk, wenn man ein wenig auf Massenkompatibilität schielt, obwohl die große Masse diese Platte (und ich sage Platte, weil sie auf CD deutlich an Magie verliert) nicht zuckersüß genug finden wird. Beinharte Tom-Waits-Fans hingegen finden den Gesang auf "Closing Time" dann wiederum fast zu lieblich. Diese Debüt-Scheibe entstand nämlich zu der Zeit (1973), als Waits' Gesang noch zahm war.

 

Missverstanden wurde "Closing Time" damals dennoch. Das "Rolling Stone"-Magazine beispielsweise verglich Waits' Debüt-Album mit Randy Newman. Weiter weg konnten sie nicht sein. Die Platte ist eher eine pianogeschwängerte Ode an die Liebe, den Jazz und den Sonnenaufgang. Mit "Ol'55" als erstem Track (und auch als Singleauskopplung) setzt Waits, der sein Album vom ehemaligen "Lovin' Spoonful"-Mitglied Herry Yester hat produzieren lassen, eine Marke für den Rest des Werkes. Laid back and lovely geht es zu, meist balladesk, immer voller Leidenschaft.

Das Midtempo wird bis auf "Ice Cream Man" kurz vor Schluss niemals überschritten, "I Hope That I Don't Fall in Love with You", "Rosie" oder "Martha" sind sogar grandiose Schmachtfetzen. Musik, die heute so nicht mehr gemacht wird und Waits danach auch nicht mehr wirklich oft abliefern konnte. 

 

Die Platte hat einen wunderbaren Spannungsbogen, auch eine Eigenschaft, die zu Shuffle-Ipod-Zeiten zu vernachlässigen ist. Wunderschöne leidenschaftliche Songs geben sich die Klinke in die Hand bis Waits kulminierenderweise die Nacht, die Träume und Sehnsüchte beendet, um über "Little Trip to Heaven (On the Wings of Your Love)" und "Grapefruit Moon" zur "Closing Time" zu gelangen. Ein Instrumental, welches selbst den tumbesten Hörer überdeutlich vermittelt, dass dieses Erlebnis zu Ende ist.

 

Wie wichtig dieses Debütalbum war, zeigen auch die Coverversionen von Tim Buckley (Martha - hübsch), Meat Loaf (Martha - sehr schlimm!), Sarah McLachlan (Ol' 55 - ok) oder den Eagles (Ol' 55 - too much fucking Country). "I Hope That I Don't Fall in Love with You" wurde dann leider auch noch von Bon Jovi in einer Episode von Ally McBeal verhunzt.

 

Sollten einmal mordlüsterne Aliens auf der Erde landen und in Eurem Plattenschrank "Closing Time" finden, ist Euer Überleben gesichert. Wer solche eine Scheibe besitzt, kann kein schlechter Mensch sein...

 

Picture

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Obwohl diese Scheibe auf Vinyl mehr Zauber entfacht, gibt es HIER den Spotify-Link!

Review: Motorjesus - Electric Revelation

motorjesus14Genau 15 Sekunden brauchen die Mönchengladbacher Motorjesus - dann ist man als Hörer fast schon zufrieden. Die ersten 15 Sekunden des ersten Songs (davor gibt es noch ein Intro) sagen eine Menge über die Band aus: Detroit Rock City, Motorhead, Slave to the grind, Motor discipline - das sind die Zutaten zum Start von "Trouble in Motor City", einem der besten Tracks des Albums.

Sänger Chris Birx singt leidenschaftlich aus ganzem Herzen, die längere Pause hat ihm nicht geschadet. Im Gegenteil: So vielschichtig wie auf "Electric Revelation" hat er seine Stimme noch nie eingesetzt. Anspieltipp ist hier die Halbballade "Rust".

Generell ist die Band tighter denn je, die Produktion fett und Motorjesus sind kompositorisch mittlerweile ziemlich ausgereift. Da wird sogar in "The Run" ein Nickelback'scher Pre-Chorus nicht zum Rohrkrepierer, sondern passt perfekt in den Song. Trotz zahlreicher Referenzen (etwa das 1a-Thin Lizzy-Twingitarren-Intro im großartigen "Back in the Action Car"), ist der eigene Stil der Band immer zu erkennen. 

Es bleibt unverständlich, warum da immer noch nicht die ganz großen Bühnen für Chris Birx, Guido Reuss (git.), Andreas Peters (git.), Roman Jasiczak (Bass) und Oliver Beck (drums) bereit stehen. Vielleicht ändert "Electric Revelation" das ja. Das Album ist fast in Gänze bockstark, heavy und eigenständig. Zu kritisieren gibt es wenig, etwas Luft nach oben bleibt aber zumindest: Der Titeltrack ist vielleicht eine Spur zu schwach für den Rest des Albums, "The Warning" zitiert vielleicht eine Spur zu häufig den eigenen Backkatalog, einige Refrains sind manchmal vielleicht eine Spur zu ähnlich, doch dies sind Marginalien und ein Meckern auf höchstem Niveau. Der Rausschmeißer "The right hand of the devil" hat auf den Hörer dann auch gleichen Effekt wie das Intro! Das Gesicht verzieht sich zu einem breiten Grinsen.

 

 

Motorjesus halten internationalen Maßstäben Stand und haben mit "Electric Revelation" ihr bisher ausgereiftetes Gesamtpaket abgeliefert.

 

Picture

Review: Primal Fear - Delivering the Black

primalfeardeliveringcdcover"King for Day" - so beginnt Primal Fears elftes Album "Delivering the Black" und wie ein König, ein Heavy Metal-König mit metallischem Herzen und übermenschlichen Kräften, fühlt sich der Hörer danach. Der bockstarke Opener schwingt die Metal-Keule so kompromisslos zwischen Judas Priest und Helloween ohne dabei die mittlerweile stark herausgearbeiteten Eigeningredienzien zu vernachlässigen, dass man den Stahl vom Amboss platzen sieht.

 

Der Fuß bleibt auf dem Pedal, es geht mit Vollgas weiter zu "Rebel Faction", wo epische Chöre Scheepers sensationelles Organ unterstützen. Hier beweist der imposante Frontmann, dass er mittlerweile neben Ur-Vater Michael Kiske der beste deutsche Classic-Metal-Shouter ist. Der Titeltrack begeistert mit 1a-Helloween-Gitarrensolo und großartigem Refrain, während die Band in "One Night in December" einen hübschen Spagat zwischen balladesken Tönen und Riff-Dominanz schafft.

 

Auf neun Songs knallen Primal Fear eines der besten Metal-Alben der letzten paar Jahr durch die Lautsprecher, lediglich "Born with a broken Heart", eine echte Power-Ballade im 80er Stil, stößt ab. Diese Melodie, diese Gitarrenakkorde hat man dann doch ungefähr zehn Mal zu oft gehört. 

Der letzte Song "Inseminoid" tröstet dann über den Schmalzanfall schnell hinweg und ist sicherlich der beste Helloween-Song seit mehr als zehn Jahren. Auch, wenn Primal Fear diesen Vergleich sicher nicht mehr hören können, schwebt die Mutter aller deutschen Metalbands seit jeher über Scheepers und Bassist Matt Sinner.

 

Immerhin können sie von sich behaupten, Album für Album eine Qualität aus den Gitarren schießen zu lassen, die in Deutschland ihresgleichen sucht und vor allem von Helloween seit ewigen Zeiten nicht mehr erreicht wird.

 

Fazit: Mehr Metal geht nicht! 

 

Picture

 

Review: Transatlantic - Kaleidoscope

transatlanticMit "SMTPe" (2000) und "Bridge across Forever" (2001) haben Neal Morse (Ex-Spock's Beard), Mike Portnoy (Ex-Dream Theater), Roine Stolt (Flowerkings) und Marillion-Bassist Pete Trewavas Prog-Geschichte geschrieben. Lange hatte man nicht so wunderschöne Melodien in ausufernden Arrangements und technischer Perfektion auf die abenteuerliche Reise durch die Lautsprecher schicken dürfen. Mit dem 2009er Album "Whirlwind" leisteten sich die vier Virtuosen einen ersten kompositorischen Knick, zu gewollt, zu gewohnt klang dieses Werk. Mit "Kaleidoscope" sollte alles besser werden und "Transatlantic" versuchen hier vor allem an ihr Debütalbum anzuknüpfen.

 

"Into the Blue" ist da schon fast der Standardeinstieg für diese Band, mit 25 Minuten Länge bietet er eine Vielzahl verschachtelter Songstrukturen ohne jedoch auf wiederkehrende Melodien verzichten zu müssen. Ein fast genialer Einstieg und die Hoffnung, dass ein neues Meisterwerk aus den Fingern von Morse, Portnoy, Stoilt und Trewavas fließen könnte. Die Ernüchterung folgt dann jedoch relativ schnell, denn man ertappt sich im Gegensatz zur Offenbarung vor über zehn Jahren dabei, dass die Gedanken abschweifen, die Tracks nicht richtig zu fesseln in der Lage sind und  - was am schlimmsten ist - zu langweilen beginnen.

Danach versprüht "Shine" den spröden Charme einer in den Archiven zurecht schlummernden B-Seite mit den üblichen Beatles-Anleihen und Morse-Akkustikversatzstücken, während das treibende "Black the Sky" anschließend wieder wunderbar packend und lediglich mit rund sechs Minuten zu kurz erscheint. Die Keyboard-Bridge ist so grandios, dass man sich mehr gewünscht hätte. "Beyond the Sun" langweilt danach auf der ganzen Linie und ist ein schwacher, sehr schwacher Abklatsch im "We all need some Light"-Stil vom überragenden Debütalbum.

 

Noch ist die Band im grünen Bereich, denn das 31-minütige Titelstück zum Abschluss der CD kann aus einer ordentlichen eine sehr gute Veröffentlichung machen. Doch leider erreicht der Prog-Vierer hier das Ziel nicht. Der Song ist an Reißbrettartigkeit kaum zu überbieten, wenn man denn die vorherigen CDs von "Transatlantic" kennt und liebt. Alles ist gewohnt und vertraut, genau hier liegt das Problem. Bis auf den Gänsehautmittelteil ab Minute neun wird hier lediglich ein Nebenbei-Hören statt eines aktiven Musikerlebens in die Rillen gezupft. Wer noch nie einen Song der Band gehört hat, könnte beeindruckt und ergriffen sein, Fans graust die eigene Zitier-, nein eher Kopierfreudigkeit der Amis. In dieser Form brauchen Prog-Fans Transatlantic nicht mehr.

 

Besser als "Whirlwind", doch die Zeit von Transatlantic scheint vorüber. Die Band kann keine Impulse mehr setzen, sondern verlässt sich auf ihren Progrock-Baukasten. Schade!

 

Picture

 

Review: Protest the Hero - Volition

gfx 1ve84k5l19yoyqge9lps9ar996dt6ymitep9psk0pq8csfelhc9yvbr6wmqvqi61Protest the Hero aus Kanada haben ein Problem: Sie haben mit "Scurrilious" das vielleicht beste Album der letzten zehn Jahre im progressiven Metalsektor abgeliefert. Warum das ein Problem ist? Weil die Erwartungshaltung an "Volition", dem Nachfolgewerk, enorm ist.

 

Doch neben den wahnwitzigen technischen Skills der fünf Jungs aus Ontario hat auch "Volition" wieder vor allem eins: Melodien ohne Ende, dazu brachiale Härte, die nie zum Selbstzweck verkommt und sensationelle Abwechslung innerhalb der Songs.

Wie es sein kann, dass derart abgefahrene Strukturen Ohrwürmer gebähren, erschließt sich mir nicht, doch bereits nach einem Durchgang der nicht immer einfachen CD lechzt man nach mehr, viel mehr. Wenn es mit "Clarity" losgeht, kommt man nach 30 Sekunden nicht mehr aus dem Bann von Protest the Hero, was ein Beginn.

 

Und es katapultiert den Hörer in noch höhere Sphären: "Tilting against Windmills" könnte der Höhepunkt des Albums sein, wäre es möglich, sich für einen zu entscheiden. Selbst das (zu?) eingängige "Mist" ist ein scheinender Diamant. Mit "Skies" beenden Protest the Hero das bisher beste Album des Jahres und lassen den verdutzten Hörer mit nur einer Frage stehen: Wann gibt es "endlich" das Nachfolgealbum von "Volition"?

 

Fazit: Atemberaubende Scheibe und ein würdiger Nachfolger zu "Scurrillios" mit einer Menge WTF-Momente!

 

 

 

 


 

 Am 31. Januar spielt die Band in Köln. Einzelheiten gibt es HIER!

 

 

Review: Iced Earth - Plagues of Babylon

IcedEarth-PlaguesOfBabylonIced Earth legen mit "Plagues of Babylon" das zweite Werk mit dem neuen Sänger Stu Block vor. Auf "Dystopia", Blocks Erstling lieferte er mit der Band den Beweis ab, dass sie noch lange nicht am Ende sind. Und auch "Plagues of Babylon" es ist keine schlechte Platte geworden, eine überragend gute dann aber leider auch nicht. 


Was hören wir? Einen absolut fehlerfreien, guten, bis sehr guten aber nie herausragenden Power-Metal-Sänger, der vor allem live ein echter Gewinn für die Band ist (Fotos). Desweitern finden wir da mit Jon Schaffer einen Songwriter, der seinen (und Deinen) Metal aus dem Eff-Eff kennt. Hier etwas Maiden (z.B. im Intro von "The end?"), da eine Prise Queensryche zu "Hear in the Now Frontier "-Zeiten (erneut ein Intro bei "The living dead"), dazu noch einen Happen Manowar ("Resistance") - das geschulte Metal-Gehör freut sich über die vielen vertrauten Ideen.
Die Freude wird größer, wenn man aber endlich echte alte Iced Earth-Tugenden serviert bekommt. Der bombastisch-gute Titeltrack (mit zu langem Intro) zum Start der CD macht Hunger auf mehr solche Mahlzeiten.
"Democide" (mit langen Intro) bekommt da noch gerade die Kurve und überzeugt unterm Strich, während "The Culling" ziemlich schwach, "Among the living Dead" (did I mention the long intro?) ein solider Schmeißer mit Anthrax-Anleihen und "Resistance" einfach langweilig ist.
Zwei weitere Kritikpunkte: Die Produktion ist - außer für Drummer vielleicht - deutlich zu Trommellastig, da gehen manchmal selbst Chef Schaffers Soli im Schlagzeuggewitter unter. Ob's daran liegt, dass ausnahmsweise nicht im Morrisound Studio in Florida gemixt wurde, sondern dies in Deutschland geschah?
Auch erschließt sich der fast immergleiche Songaufbau nur schwerlich. Lange Einleitung, anschließend ein Powerriff, das zur Strophe leitet, später ein aus schnellen Läufen plus stehenden Bendings bestehendes Solo - manche nennen es Stil, ich bin zu oft gelangweilt von der Reißbrettartigkeit der Tracks. 
 
Doch "Plagues of Babylon" ist mitnichten ein schwache Scheibe: Nach dem starken Opener, der mit einigen hübschen orientalisch anmutenden Skalen Lust aufs Album macht, verdienen vor allem die Hymne "If I could see you", das epischen "Cthulhu" und die von Schaffers "Sons of Liberty" gecovert Powerballade (jaaa, ich weiß, böses Schimpfwort, aber lieb gemeint) "Spirit of the Times" das Markensiegel Iced Earth. So muss die Band klingen, denn eigenständig genug ist sie. Das Country-Cover "Highwayman" mit den Gästen Russell Allen (Symphony X) und Michael Poulsen (Volbeat) lässt den Rezensenten schließlich doch noch mit einem recht versöhnlichen Eindruck den Ipod ausschalten.
 
Fazit: Mehr Licht als Schatten, ob dieses Iced Earth-Album den "Test of Time" überstehen wird, ist dennoch fraglich
 
 
Anspieltipps: "If I could see you", "Plagues of Babylon"
 
Picture

Review: Red Dragon Cartel

reddragon"Red Dragon Cartel" - das klingt erst mal nach dem neuesten Jet Li-Streifen. In der Tat verbirgt sich aber hinter dieser neuen Band Ozzys Ex-Saitenwirbler Jake E. Lee. Der war eine Weile weg vom Fenster, hat nun aber wieder Spaß an hochqualitativem Hardrock gefunden. "Red Dragon Cartel" sind dem Vernehmen nach eine "echte" Band, bestehend aus Jake E. Lee (Guitars), Ronnie Mancuso (Bass), D.J Smith (Vocals) und Jonas Fairley (Drums).

Die großen Name sucht man neben Lee vergeblich, vielleicht ist das auch ein Grund, warum er das Debüt-Album mit lauter Gaststars vollgestopft hat. Das Ergebnis ist aber ziemlich überzeugend, weshalb man Jake das nicht übel nehmen kann. Mit zwei furiosen Nummern geht es los: Auf "Deceiever" und "Shout it out" zündet das Kartell so ziemlich alle Kerzen an. Gerade auf diesen Songs erinnert die Band ein wenig an Mötley Crüe mit John Corabi. Als Gast hat hier Cheap Trick-Schreihals Robin Zander das Mikro angeschlossen.

Mit "Feeder" und "Fall from the sky" wird es ruhiger und qualitativ etwas schwächer, bevor das "Red Dragon Cartel" mit dem ollen Paul Di'Anno (Ex-Iron Maiden) auf "Wasted" stark an "Rage" erinnert. Den Vogel schießt "Big Mouth" mit Gastsängerin Maria Brink ab. Sie schreit, singt, ächzt sich durch die Nummer, dass es eine wahre Wonne ist. Der beste Song des Albums!

Auf "Slave" darf sie noch mal ran und auch das überzeugt, bevor mit "War Machine" (mit Sass Jordan) ein veritables Medley aus den besten Black Sabbath-Riffs abgefeuert wird. Jake E. Lee selber beweist mit sehr stilvollen Soli, dass er das Gitarrespielen nicht als Selbstzweck versteht, sondern stets songdienlich einsetzt. 

Abgeschlossen wird dieses sehr runde Werk mit einer Piano-Nummer (!) - ein toller Schachzug, denn bis dahin haben "Red Dragon Cartel" bereits alle Register des Hardrocks beeindruckend gezogen. 

Fazit: Klasse Debüt-Album! Abwechslungsreich und spannend.

Picture

 

Review: Ring of Fire - Battle of Leningrad

Ring of FireNein, "Ring of Fire" ist keine Countryband und nein, "Ring of Fire" hinterlassen auch nicht den brennenden Wunsch, noch mehr von ihnen zu hören. Die Formation, bestehend aus Sänger Mark Boals (Ex-Malmsteen), Gitarrist Tony MacAlpine (u.a. Steve Vai), Keyboarder Vitalij Kuprij, wird auf ihrem bereits vierten Longplayer von Timo Tolkki am Bass und Jami Huovinen am Schlagzeug unterstützt.

Das klingt alles nach großer Kunst und handwerklich ist der Band auch rein gar nicht vorzuwerfen. Allein sind "Ring of Fire", die oft wie eine Mischung aus Yngwie Malmsteen und Symphony X klingen, von einer Krankheit befallen, die der schwedische Ausnahmegitarrist, bei dem Boals einst ins Rampenlicht stapfte, ebenfalls nicht kuriert bekommt: Sie äußert sich in mittelmäßigem Songwriting und kann starke Langeweile auslösen. "Ring of Fire" legen auf ihrem Konzeptalbum um die Schlacht um Leningrad mit "Mother Russia" ziemlich gut los, dann folgt die Ernüchterung aber auf dem Fuße.

Während Boals gewohnt gut singt, MacAlpine soliert wie ein Wahnsinniger und Kuprij gekonnt in die Tasten haut, fehlt eben jene Essenz, die aus einer guten Band, eine Band macht, die relevant ist. Bis zum nächsten Höhepunkt des Albums, dem Titeltrack, zu gelangen, muss man schon eine Menge Langmut aufbringen. Refrains, Melodien, Songstrukturen - das alles hat man so oder ähnlich schon besser gehört. Immerhin versöhnt das sehr gute "Rain" zum Abschluss der CD ein wenig. Die Frage bleibt: Wer soll das kaufen?

Fazit: Saugeile Musiker langweilen mit mäßigem Songmaterial

Picture

Review: Dream Theater - live at Luna Park

dtlunaDie erste Konzertreise mit einem neuen Bandmitglied kann eine Offenbarung sein. So sieht es offensichtlich bei den ProgRock-Göttern aus den USA, Dream Theater, aus. Mike Mangini ersetzte in einem Seifenoperreifen Drama Ur-Drummer Mike Portnoy und ist nun sogar schon seit zwei (sehr guten) CDs an Bord. "Live at Luna Park" dokumentiert an zwei Abenden in Argentinien die neue, frische Chemie der Bandmitglieder untereinander.

In 26 Songs, schön durchmischt bestehend aus alten Klassikern und neuen Songs, haben die Musiker Spaß, wie man es zum letzten Mal vor mehr als zehn Jahren mit Portnoy erlebt hat. Mike Mangini trommelt ohnehin überirdisch, so dass musikalisch kaum ein Unterschied zu Portnoy besteht. Noch besser: man muss nun seine schlimmen Backingvocals nicht mehr ertragen. Der akustische Teil des Konzerts mit "Silent Man" und "Beneath the Surface" ist zudem eine nette Abwechslung. 

Technisch ist das BluRay-Bild der Scheibe überragend, die Kamerawechsel erscheinen manchmal etwas hektisch, die Stimmung im Luna Park tröpfelt sensationell aus dem Player. Allein der Sound macht etwas Sorge, ist doch das Keyboard von Jordan Rudess etwas unterpräsentiert, wohingegen Petruccis Gitarre hübsch durch Gebälk brettert. Soundfetischisten wird das stören, zumal das Keyboard ein wirklich wichtiger Bestandteil der Progger aus New York sind. Auch der Bass dürfte etwas fetter sein, aber das ist noch im Rahmen.

Die Extras hingegen sind fett und prima ausgewählt: Behind the scene, Documentary oder das Cartoon Intro bilden einen tollen Mehrwert. Den würden auch mehr Multi-Angle-Momente erzeugen. Leider gibt es lediglich "Outcry" aus verschiedenen Kamerawinkeln zu sehen. Schade.

 

Alles in allem ist "Live at Luna Park" jedoch für Fans eine Pflichtanschaffung und, wer einmal sehen will, wie belebend ein neuer Mann an den Fellen sein kann, sollte hier ebenfalls zuschlagen.

Picture

 

 

 

 

 

HIER geht es zu Live-Fotos von DREAM THEATER, die man sich am 18. Februar 2014 in Düsseldorf live anschauen kann.

Die Tracklist der BluRay:


01 Bridges In The Sky
02 6:00
03 The Dark Eternal Night
04 This Is The Life
05 The Root Of All Evil
06 Lost Not Forgotten
07 Drum Solo
08 A Fortune In Lies
09 The Silent Man
10 Beneath The Surface
11 Outcry
12 Piano Solo
13 Surrounded
14 On The Backs Of Angels
15 War Inside My Head
16 The Test That Stumped Them All
17 Guitar Solo
18 The Spirit Carries On
19 Breaking All Illusions
20 Metropolis Pt. 1
21 These Walls
22 Build Me Up, Break Me Down
23 Caught In A Web
24 Wait For Sleep
25 Far From Heaven
26 Pull Me Under

 

Review: Rocksmith 2014 (PS3)

rocksmith-2014-edition-ps3Als geübte und erfahrene Gitarristen habe ich ja schon einiges an der PS3 probiert. Dummes Rumgegklicke auf der Plastikklampfe bei GuitarHero oder Rockstar zum Beispiel. Rocksmith von Ubisoft hat da ein anderes und weitaus interessanteres Konzept - wenn auch nicht für Leute, die keine Gitarre in den eigenen vier Wänden rumstehen haben. Mittels eines USB-Klinkenkabels wird die eigene Gitarre mit der Station verbunden und dann kann es auch schon losgehen. Rocksmith 2014 ist der neuste Streich und in vielen Punkten gegenüber dem innovativen Vorgänger verbessert worden. Doch, kann man so wirklich Gitarre lernen? Und macht es auch als erfahrener Gitarrist Spaß?

Nein, einen Gitarrenlehrer ersetzt das virtuelle Geklimper nicht, dafür sorgt schon die (für Gitarristen) recht seltsame Ansicht. Ist man es nämlich gewohnt Tabulaturen so zu lesen, dass Töne auf der dicken E-Saite unten auf dem Blatt angezeigt werden, hat Ubisoft sich dafür entschieden, uns eine Sichtweise zu spendieren als würde man durch einen transparenten Gitarrenhals von hinten durchschauen. Die dicke/tiefe E-Saite ist also oben! Das irritiert echte Gitarristen für einige Stunden und sorgt für viel Ärger am Anfang. Hat man sich aber einmal eingegrooved und akzeptiert, dass es sich hier eben doch "nur" um ein Spiel handelt, fluppt es immer besser. Kurzum: Gitarristen können auch ihren Spaß an Rocksmith haben. 

Über 50 Hits der unterschiedlichsten Genres stehen im Spiel zur Auswahl, darunter Alternative Rock, Heavy Metal, Classic Rock und mehr. Lieblings-Songs werden Schritt für Schritt und Note für Note erlernt, gestützt durch eingestreute Übungen. Die Auswahl ist natürlich Geschmacksache, kann aber mittels Euroeinsatz erweitert werden. 

Prima sind die viele verschiedenen Spielchen und Übungsoptionen. Der Riff-Repeater etwa erlaubt es, Lektionen, Schwierigkeitsgrad und Tempo anzupassen. Wunderbar schräg ist die Guitarcade. Dort gibt es elf Retro-Minigames, mit denen man neue Techniken spielerisch erlernen kann. 

Besonders wichtig im Vergleich zum Vorgänger: die technische Seite! Hier wurde nahezu alles optimiert und angefallene Kritikpunkte konnten fast gänzlich ausgelöscht werden. Ein Problem gibt es immer noch auf verschiedenen Fernsehern. Da kommt der Ton leicht zeitversetzt, was ein gescheites Spielen nicht möglich macht. Deshalb liegt Rocksmith 2014 eine Anleitung bei, wie man diese Probleme beheben kann. Die Ideallösung ist den optischen Ausgang der PS3 mit aktiven Boxen zu verbinden. 

Fazit: Der Gitarrenlehrer darf seinen Job behalten und sogar selber einmal mitspielen. Spaß werden sowohl Schüler als auch Profis an den sechs (oder vier Bass-) Saiten haben.

Picture

 

 

 

 

 


 

Die Tracklist:
Aerosmith - Walk This Way
Alice Cooper - No More Mr. Nice Guy
Alice In Chains - Stone
Arctic Monkeys - R U Mine?
Avenged Sevenfold - Bat Country
Bob Dylan - Knockin' On Heaven's Door
Boston - Peace Of Mind
Bush - Machinehead
B'z - ultra soul
Def Leppard - Pour Some Sugar On Me (2012)
Deftones - My Own Summer (Shove It)
EarlyRise - Wasteland
Fang Island - Chompers
Foo Fighters - Everlong
Gold Motel - Brand New Kind Of Blue
Green Day - X-Kid
Iron Maiden - The Trooper
Jack White - Sixteen Saltines
JAWS - Stay In
Joe Satriani - Satch Boogie
Kiss - Rock And Roll All Nite
La Sera - Love That's Gone
Magic Wands - Black Magic
Mastodon - Blood and Thunder
Minus The Bear - Cold Company
Monster Truck - Sweet Mountain River
Muse - Knights Of Cydonia
Nirvana - Heart Shaped Box
Oasis - Don't Look Back In Anger
Pantera - Cemetery Gates
Paramore - Now
PAWS - Sore Tummy
Queen - We Are The Champions
Radiohead - Paranoid Android
Ramones - Blitzkrieg Bop
Ratt - Round And Round
Red Fang - Wires
R.E.M. - Losing My Religion
Rise Against - Savior
Rush - The Spirit Of Radio
Screaming Females - Rotten Apple
Slayer - War Ensemble
Splashh - All I Wanna Do
System Of A Down - Hypnotize
Tak Matsumoto - GO FURTHER
The Dear Hunter - Stuck On A Wire Out On A Fence
The Kinks - You Really Got Me
The Police - Every Breath You Take
The Rolling Stones - Paint It Black
The Shins - For A Fool
The Smashing Pumpkins - The Chimera
The Who - My Generation
Tom Petty And The Heartbreakers - Mary Jane's Last Dance
Weezer - Say It Ain't So
White Zombie - Thunder Kiss '65

 

Review: Robert Pehrsson's Humbucker

Robert Pehrsson COVER-1024x1024Robert Pehrsson's Humbucker - ein Name, der schon eine Menge ausplaudert. Nämlich, dass der alte Schwede Robert keine Stratocasters mit Einspulern spielt, sondern doppelspurige Tonabnehmer (Humbucker eben) eingebaut in hübsche Gibsons. Soviel zur Technik, kommen wir zur Musik.

Pehrsson und seine Band, bestehend aus Ex-Hellacopters, Entombed und Enforcer-Zocker, liefern kurz vor der Zielgerade eine der wundervollsten Rock-Scheiben des Jahres ab. Irgendwo zwischen den 70er Thin Lizzy ("Haunt my mind"), den 80er Kiss ("Running for Shelter") und den jungen Hellacopters ("Keep me in your heart") beeindruckt Robert Pehrsson mit tollem Songwriting, Twin-Gitarrenlicks ohne Ende und hitverdächtigen aber nie käsigen Melodien.

Die Humbucker als Double-Headliner-Tour mit den Black Star Riders könnte man sich gut vorstellen. Die Band pflügt mit einer spielerischen Leichtigkeit durch die 9 Songs, von denen "Who else is on your mind" zwar heraussticht, Ausfälle aber absolut nicht zu entdecken sind. Besonders beeindruckt die luftige Produktion der CD, die eine wahre Wohltat in den Ohren ist. Weit weg von überproduzierten Werken vieler anderer neuer Bands, wo es nur um fetter, härter, lauter zu gehen scheint, ist Robert Pehrsson's Humbucker als echter Ohrgasmus zu bezeichnen.

6von6

 

 

 

 

 

Tracklist:

1.Haunt My Mind
2.Serious
3.Keep Me In Your Heart
4.Can't Change
5.Running For Shelter
6.Wasted Time
7.Mesmerizing Shadows
8.Who Else Is On Your Mind
9.Falling Into Darkness

Hier geht es zu Spotify:

PS4-Review: Call of Duty - Ghosts

Call-Of-Duty-Ghosts-Cover-237x300Dass immer so Rivalenkämpfe im Spielesektor entstehen müssen: Die Call of Duty (COD)-Serie kämpft stets gegen Battlefield - so auch zum Start der PS4 (unseren Battlefield-Test lest Ihr HIER). Mit COD - Ghosts kommt die neue Ballerorgie von Activison auf allen relevanten Plattformen heraus, so auch mit aufgehübschter Grafik für Next-Gen-Freaks. Geboten wird Gewohntes.

Die Story ist gut, hat keine großen Logiklöcher und dauert nicht allzu lange. Der Multiplayer-Teil glänzt wieder durch viel Variationen, einzig und allein das Leveldesign der Maps ist gähnend langweilig. Wenn man sich da mal an Maps zu Unreal-Zeiten erinnert, glaubt man, dass früher vielleicht doch vieles besser war. Die Grafik allerdings nicht, denn COD sieht fantastisch aus, das Spieldesign mit allerlei zerstörbarem Inventar der virtuellen Welten ist toll und eine kleine Neuheit gibt es dann doch: ein Hund! Ja, richtig gelesen! Riley ist in einer Mission sogar steuerbar und zudem der einzige Charakter, der einem irgendwie etwas gibt emotional. Denn die Marines in der Story, die gegen das aufstrebende Lateinamerika für die USA antreten, sind so blass wie ein vergilbtes Lanzerheftchen. 

COD: Ghosts ist ein solider Kracher, der langsam etwas Innovation vertragen könnte (wie auch Battlefield). Vielleicht ist das auch ein Grund für die deutlich schwächeren Verkaufszahlen gegenüber dem Vorgänger.

Picture

PS4-Review: Lego Marvel Super Heroes

1020107932Man muss den virtuellen Lego-Quatsch schon mögen, um immer und immer wieder zugreifen zu wollen: Nach Batman, Indy Jones oder Harry Potter gibt es nun auch die Marvel-Helden (und Schurken) als Klotzköpfe - sogar für die PS4! Im Laufe des Spiels begegnen einem über 100 Marvel-Figuren, insgesamt 15 Missionen gilt es mit Hulk, Spidey und Co zu absolvieren.

Die unterscheiden sich nicht wesentlich von den üblichen lego-Games: Steinchen durch die Gegend werfen, Schläge austeilen, Geräte zusammenbauen - aufregend geht anders. Viel charmanter aber nicht, denn die Legoane zu steuern macht - vor allem, wenn man etwas für die Marvel-Comics übrig hat - riesigen Spaß. Klar, dass jeder Held seine speziellen Fähigkeiten an Bord hat, so dass das Spiel nicht zu eintönig rüber kommt, selbst, wenn prinzipiell der Spielaufbau stets gleich ist.

Der Clou aber ist, dass man zwischen den Missionen Manhatten  frei erkunden darf. Da staunt man oft den ein oder anderen Bauklotz. Grafisch wird die Power der PS4 nicht einmal angekratzt, der Unterschied zur PS3-Fassung ist marginal. Ein nettes kleines Spiel für Zwischendurch (das man auch im Coop-Modus an einer Konsole spielen kann).

Picture

PS4-Review: NBA2K14

859905 725930120752033 1635222970 o

"This is for the Players", sagt die Playstation4-Werbung, doch die großen Aha-Momente fehlen bislang aufgrund mäßiger Launchtitel. Halt! 2K hat da etwas für alle, die sehen wollen, warum man unbedingt eine PS4 braucht: NBA2K14 ist der erwartete Hingucker geworden und legt einen fetten Dunk in den Spielekorb. Was hier grafisch geboten wird, lässt die Kinnlade gar nicht mehr zuklappen.

Klar, NBA2k sah auch auf der Current Gen-Konsole bereits stark aus, aber jetzt sind in vielen Momenten die Korbjäger auf dem virtuellen Hallenboden nicht von ihren realen Alter Egos zu unterscheiden. NBA2K14 glänzt optisch derart, dass man (verzweifelt) nach Patzern sucht. Aber nix da: Spielmodi spitze, Steuerung überragend, Sound sensationell. Sogar der Karrieremodus wurde richtig aufgebohrt, vor allem das Rahmenprogramm einer Laufbahn lässt den Konsolenbasketballer sabbern. Da wird mit Beratern gefeilt, mit Mitspielern gefeixt oder mit Clubbesitzern palavert. Näher dran geht es fast nicht. Was im Vergleich dazu EA Sports mit ihrer krampfhaften Neuauflage von NBA Live bietet, sieht dagegen aus wie ein Dos-Spiel der C64-Ära.

Das Ambiente ist so toll, dass man eigentlich nur zuschauen will. Neben Kommentator und seinem Co in der virtuellen Sprecherkabine werden zudem "O-Töne" vom Spielfeldrand einer Fieldreporterin eingespielt, Interviews mit den Korbriesen als Originalsamples gibt es nach dem Spiel auch noch. Ich bin platt. So muss Next Gen aussehen! Das bislang beste Spiel für die PS4! 

j6von6