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Montag Juni 25, 2018
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Review: California Breed

imageDas Debut Album von CALIFORNIA BREED beweist schon nach wenigen Sekunden, dass Glenn Hughes eine absolute Ausnahmeerscheinung ist. Während andere Rockheroen der 70er entweder nur noch fade bis mittelprächtige Alben aufnehmen, sich im Glanze der Vergangenheiten sonnen oder es einfach nicht mehr können, scheint der mittlerweile fast 63 Jahre alte Hughes immer besser zu werden.

Nach fast zwei Jahrzehnten im quasi unproduktiven Drogennebel veröffentlicht der ehemalige Deep Purple Sänger und Bassist seit mitte der Neunziger ständig neue Alben – stets auf hohem bis sehr hohem Niveau.

Nachdem Joe Bonamassa auf das erfolgreiche Black Country Communion Bandprojekt keine Lust mehr hatte, entschied sich Hughes kurzerhand dafür eine neue Gruppe zu gründen. Wieder mit von der Partie ist Jason Bonham am Schlagzeug, sowie der erst 23-jährige Gitarrist Andrew Watt. Nur wenige Monate nach Gründung von California Breed liegt jetzt schon das erste Album vor.

Schon nach wenigen Sekunden ist klar, was hier angesagt ist: R-O-C-K!!!

Im Opener „The Way“ ballert es gewaltig. Anders, als man es von Hughes gewohnt ist, der manchmal dazu tendiert, schon fast zu perfekt produzierte Alben abzuliefern, rumpelt und dröhnt es so richtig schön rauh und scheppernd. Den Namen „The Voice Of Rock“ trägt er übrigens immer noch zu Recht. Meine Fresse, kann der schreien und mit welch einer Leidenschaft singen. Bonham hat einen Wumms und einen Drumsound, der dem seines Vaters sehr ähnlich ist. So laut kann man die Anlage gar nicht drehen, wie es dieser Song verlangt.

Die Intensenität wird auch beim zweiten Titel nicht weniger, ganz im Gegenteil. „Sweet Tea“ ist ein absoluter Hit. Dreckige, rotzige Riffs die gepaart mit den Vocals sich ins Hirn brennen. Wow!

Ein weiteres Großkaliber liegt mit „Midnight Oil“ vor, der Track ist heavy, funky und voller Soul. Glenn Hughes at his best.

Darüber hinaus gibt es auch immer wieder Referenzen an seine Zusammenarbeit mit Tony Iommi. „Days They Come“ und „Invinsible“ hätten so oder in ähnlicher Form auf deren „Fused“-Album gepasst.

Das absolute Highlight ist der Titel „All Falls Down“. Eine Powerballade so voller Gefühl und Energie, ein Ohrwurm sondergleichen, ein Lied für die Ewigkeit.

 

Fazit: Alte Helden müssen nicht zwangsläufig angestaubt klingen. Wer auch nur einen Funken Rock`n`Roll in sich trägt muss dieses Album lieben.

 

 

 

Review: Dio - Live in London

dio2Dio-Liveaufnahmen kann man eigentlich ja nie genug haben. Die neueste ist "Live in London" und wurde am 12. Dezember 1993 im Londoner Hammersmith Apollo aufgezeichnet. Bislang war dieses Konzert unveröffentlicht, die Qualität der Performance der Band um den formidablen Metal-Zwerg ist sicher nicht der Grund dafür gewesen.

Für Dio-Fans ist es eine besondere Show, weil es das leicht gefloppte (aber dennoch spannende) "Strange Highway"-Album featured. Mit Vinny Appice an den Fellen, Jeff Bilson am Bass und Tracy G an den sechs Saiten wird hier das Scheinwerferlicht auf eine nicht so häufig in Erscheinung getretene Bandformation gedreht.

Auch die Songauswahl ist etwas Besonderes, werden doch Klassiker mit (damals) neuen Dio-Songs gemischt, die der Gute nicht so häufig danach mehr gespielt hat ("Evilution"). Die Bildqualität ist in Ordnung, mehr nicht, deutlich kein HD (worauf aber auch hingewiesen wird), das Format leider nur 4:3. Dafür kann der Ton überzeugen.

 

 

Das Tracklisting:
01 Stand Up And Shout
02 Strange Highways
03 Don't Talk To Strangers
04 Evilution
05 Pain
06 The Mob Rules
07 Children Of The Sea
08 Holy Diver
09 Heaven And Hell
10 Man On The Silver Mountain
11 Drum Solo
12 Heaven And Hell (reprise)
13 Jesus, Mary & The Holy Ghost
14 Hollywood Black
15 The Last In Line
16 Rainbow In The Dark
17 We Rock
18 Here's To You

 

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Review: Pre/Verse - Obstacles

preverse obstacles coverDrei Jahre hat es gedauert bis Pre/Verse ihr Debütalbum "Obstacles" in die Rillen tackern konnten. Die Band besteht aus dem Straftanz-Sänger Kai Schwenkler, Drummer Andreas Schmitz, Gitarrist Hilger Tintel, Keyboarderin Dae Joon und Bassistin Neila Fynn. Das schick durchgestylte Artwork der CD erstrahlt im hübschen Pink - zuckersüß ist die Band aber (zum Glück) nicht. Produziert wurde mit José Alvarez-Brill (u.a. Wolfsheim, Witt, Peter Heppner) sowie Krischan Jan-Eric Wesenberg (u.a. Rotersand) und mit diesen Referenzen wird der musikalische Rahmen schon recht gut abgesteckt.

Pre/Verse bewegen sich charmant im elektronischen Raum zwischen ganz alten Depeche Mode ("Bringing me Home") und der zarten Seite des sonst eher räudigen Gothik-Genre ("Rubbertears" etwa beginnt recht Manson-esk, kulminiert dann aber in einem Pop-Refrain mit Ohrwurmgefahr). Schwenklers variabler Gesang zwischen fast flüsternden Strophen und kraftvollen Refrains tönt genauso gut, wie die elegant gewählten Synthiesounds, die nie billig nach Kirmes klingen. Immer wieder gibt es hübsche Versatzstücke zu entdecken (etwa die orientalischen Skalen, die "No faith in my god" ein ganz besonderes Flair verleihen) und so ist "Obstacles" eine runde Sache geworden.

Was (mir) auffällt: "Truth hurts" ist ein toller Song, der durch den ans Ende der CD gestellten Bonustrack im Rotersand-Remix deutlich an Wirkung verliert als in der unremixten Version im vorderen Bereich der Scheibe. Nicht alle Songs zünden aufs erste Hören ("World of Lemons"), dennoch dürften Pre/Verse sich ihre eigene Nische schaffen können. Die CD ist erschienen bei nyx-records.

 

Fazit: Gelungenes Debüt in Pink

 

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Review: 21 Octayne - Into the Open

21ocMit der Single "The Heart (Save me)" deuteten 21 Octayne bereits an, dass hier etwas ganz Großes auf uns zukommt. Nun liegt dem RocknRoll Reporter die bei AFM erscheinende Debüt-CD "Into the open" vor. Kann die Band, bestehend aus Hagen Grohe (The Joe Perry Project), Marco Wriedt (Axxis), Andrew “The Bullet” Lauer (Paul Gilbert) und Alex Landenburg (Rhapsody), auf 55 Minuten das exzellente Niveau der Single halten?

Mit "She's killing me" geht es perfekt los. Ein Schrei, ein Groove, ein Riff - 21 Octayne packen den Hörer direkt bei den Eiern und überzeugt mit Mr. Big'schen Unisono-Läufen, einer grandiosen Hookline und exzellenter Rhythmusarbeit. Dass Marco Wriedts Soli ohnehin über jeden Zweifel erhaben sind, ist klar wie Kloßbrühe, doch der Flitzefinger ist sich gleich im ersten Track nicht zu schade, einmal alles auszupacken. Der Clou: Musiker werden feuchte Höschen bei "She's killing me" bekommen und im Gleichklang mit ihren Freundinnen den Refrain singen. Überhaupt ist dies das Credo von 21 Octayne: Packende, musikalisch höchst anspruchsvolle Songs zu erschaffen, die dennoch im Radio laufen könnten - ohne im Schmalz zu versinken.

Wenn ein Ohrwurm sich verschleicht, dann nur, weil im nächsten Song ein weiterer wartet. "Dear Friend" hat wieder so einen und dieser Song zeigt im Wechselspiel seiner ruhigen und heftigen Passagen eine andere Facette von 21 Octayne. Alter Bridge könnte hier als Referenz genannt werden, ohne, dass man der Band die absolute Eigenständigkeit absprechen kann.

Bei "Turn the world" wird es poppiger. Die Halbballade kommt im Stil einer Band wie "Bad English" mit John Waite daher und begeistert unter anderem mit einem wunderschönen Twin-Gitarrensolo. "Don't turn away" featured schnell die Bassisten-Skills, danach kommt ein heißer Stilmix aus Led Zeppelin und Modern-Metal. Überhaupt ist die Variabilität eine große Stärke der Band. Der Titeltrack "Into the Open" ist ein episches Stück, während "Me myself and I" schlichtweg den stärksten Refrain hat, den ich bei einer deutschen Band seit Jahrzehnten gehört habe. Die Strophen bauen sich hingegen langsam auf, damit die Band im Refrain explodieren kann. Exzellent. So geht es über fast die gesamte Spielzeit der brillant klingenden CD munter weiter: "Your life", "My Teddy Bear", "Leave my head", "Come Alive" - Ausfälle sucht man vergebens. Wenn es überhaupt etwas zu meckern gibt, dann vielleicht, dass die Ballade "I will always be right there"  zu beliebig rüber kommt und auf 4 Minuten etwas zu sehr plätschert. Ansonsten bieten 21 Octayne perfekte Rockmusik. Wenn die Welt gerecht ist, sehen wir die Band demnächst im Konzert der ganz Großen - auf der Headlinerposition.

 

Fazit: The next big thing? 21 Octayne

 

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Review: Toto 35th Anniversary Tour-Live in Poland

totoToto spielen und touren unermüdlich: Mit der BulRay zum 35-Jährigen hat sich die Band um Mastermind und Wunderklampfer Steve Lukather ein wunderschönes, scharfes und beeindruckendes Live-Denkmal gesetzt. In brillanter Bildqualität beweist die Band auf der CD live aus Polen, warum sie seit 35 Jahren die Menschen bewegt, riesige Fanmassen versammelt und auch Lieblinge der Kritiker ist. Technisch auf höchstem Niveau rocken, smoothen und poppen sich die Jungs durch ein umfangreiches Set, das alle Hits (etwa "Rosanna" oder "Africa") enthält, lassen aber nie die Leidenschaft in ihrem Bühnenacting vermissen. Kein Wunder, dass die Fans in der Halle komplett ausgerastet sind.

Gegründet wurde Toto 1976. Die beiden Gründungsmitglieder Jeff Porcaro und David Paich zockten dabei schon in einer High-School-Band und arbeiteten als Studiomucker in Los Angeles. Bei einem Engagement von Boz Scaggs entstand die Idee zur Gründung der Band, zu der Steve Lukather, Jeff Porcaros Bruder Steve, Bobby Kimball und David Hungate dazugeholt wurden. 

 

Neben dem tollen Konzert gibt es auf dieser BluRay einen interessanten 20-minütigen Blick hinter die Kulissen, indem sich Steve Lukather ein weniger sehr in den Vordergrund spielt. Dort wird auch immer wieder auf den leider früh verstorbenen Kult-Drummer Jeff Porcaro eingegangen. Ansonsten gibt es aber wirklich gar nix zu meckern. 

 

Tolles Live-Denkmal einer tollen Band

 

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Die Tracklist:


01. Intro
02. Medley: On The Run / Child’s Anthem / Goodbye Elenore
03. Goin’ Home
04. Hydra
05. St George And The Dragon
06. I’ll Be Over You
07. It’s A Feeling
08. Rosanna
09. Wings Of Time
10. Falling In Between
11. I Won’t Hold You Back
12. Pamela
13. 99
14. The Muse
15. White Sister
16. Better World
17. Africa
18. How Many Times
19. Stop Loving You
20. Hold The Line
21. Home Of The Brave

 

 

Review: Layment - Of Gods & Goats

laymentLayment kommen aus Herne und liefern mit "Of Gods & Goats" einen powermetallischen Stampfer besonderer Klasse ab. Eine Hymne jagt die andere, peinlich oder platt - wie in dem Genre gerne mal (Stichwort Sabaton) - wird es dabei aber nie. Ganz im Gegenteil: Variables Songwriting mit technischer Sonderklasse zu kombinieren, ist immer eine gute Idee. Wenn dazu noch ein facettenreicher Sänger das Ganze veredelt, braucht man einer Band wie Manowar keine Träne hinterher zu weinen. Dabei muss gesagt werden, dass Layment durchaus eigenständig zur Sache gehen und ihre Fanbase auch mit diesem dritten Album komplett zufrieden stellen (und hoffentlich Legionen weiterer Fans hinzugewinnen können). Mit "Another Road" geht es recht bedächtig los, möglicherweise hätte eine andere Songreihenfolge der CD noch besser getan. "The Covenant" etwa wäre mit seinem hymnischen zwei Minuten andauernden Instrumentalbeginn ein klasse Opener gewesen. An der Klasse der meisten Songs ändert die Reihenfolge aber rein gar nichts. Herausstechend sind "The Seafarer" mit seinen packenden Vocals, "To the Ravens" mit einem geilen nicht-kitschigen Ohrwurmrefrain sowie das Titelstück. Die Gitarrenarbeit ist durchweg hochwertig und ebenfalls sehr variantenreich. "Long Lost Forever" verpasst der CD den würdigen Abschluss. Diese Scheibe wird noch lang, wenn nicht für immer in meinem CD-Player rotieren.

 

Bockstarke Scheibe ohne Ausfälle. Lediglich der Drumsound ist etwas dünn, weshalb die Höchstnote knapp verpasst wird. 

 

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Tracklist:

Another Road
To The Ravens
The Seafarer
This Covenant
Beauty Beast
Rejected Son
I Am Kholossos
Of Gods And Goats
Homewards
Long Lost Forever

Fotos: Grand Magus / Audrey Horne / Zodiac / The Vintage Caravan

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Ein unglaublich fettes Package rockte das Essener Turock als gebe es kein Morgen: Grand Magus (Foto) mit bockstarker neuer Platte waren als Hauptact stark genug, um die grandiosen Audrey Horne, Zodac und The Vintage Caravan noch zu übertreffen. Kein Wunder, dass das Turock restlos ausverkauft war.

 

Wir haben Fotos von:

 

GRAND MAGUS

 

AUDREY HORNE

 

ZODIAC

 

THE VINTAGE CARAVAN

 

Für alle Fotos gilt: Copyright by Marcus Kösters -www.camslinger.de - . Jede Nutzung nur nach vorheriger Genehmigung!

PS4-Review: InFamous Second Son

91JQQYRvxL. SL1500 Exklusiv für die PS4 erscheint Infamous Second Son und setzt wie auch schon die Teile davor auf eine frei begehbare Welt. So richtig Open-World ist das Game hingegen nicht, da es kaum Sinn macht, sich außerhalb der Storyline zu bewegen. Diese hingegen ist kurz und knapp umrissen: Der 24-Jährige Delsin Rowe ist in einem Vorort von Seattle aufgewachsen, wo sein bedeutungsvolles Schicksal eher zufällig in sein Leben tritt: Nachdem er einige Leute aus einem brennenden Buswrack gerettet hat, bemerkt er, dass er die Fähigkeit besitzt, Rauch zu manipulieren, ihn zu bewegen oder sich sogar in ihn zu verwandeln. Das macht ihn zu einem "Bioterroristen" und das Abenteuer geht los. 

Sieben Jahre sind seit der letzten Episode mit Cole MacGrath vergangen und die Welt hat sich deutlich verändert. Jeder Bürger, der nur die geringsten Anzeichen von übernatürlichen Kräften zeigt wird als „Bio-Terrorist“ abgestempelt und sofort dem Department of Unified Protection (DUP) überstellt. Einer Regierungseinrichtung, die sicherstellen soll, dass sich die katastrophalen Ereignisse von Empire City und New Marais niemals wiederholen. So findet sich auch Delsin Rowe, der Autoritäten gegenüber noch nie sehr viel Respekt gezeigt hat, bald in den Fängen der DUP wieder. Infamous Second Son setzt auf die Möglichkeiten, die der neue PS4-Controller bietet: Toouchscreen und Bewegungsensoren werden optimal genutzt, die Steuerung ist das Highlight des Spiels. Die Moves und Spezialfähigkeiten von Delsin gehen dem Spieler schon bald in Fleisch und Blut über.

Die Grafik dagegen ist gut, aber noch nicht das, was man sich unter "NextGen" vorstellt. Da ist noch viel Platz nach Oben. Spielerisch gibt es gleich zu Beginn die Möglichkeit, sich für die gute oder die böse Seite zu entscheiden - Star Wars lässt grüßen. Die Wahl verändert den Spielablauf, so dass ein zweites Durchspielen des Games durchaus Spaß macht. Auch Infamous-Neueinsteiger ist Second Son geeignet, da die Vorgeschichte eigentlich nichts zur Sache tut.

 

Fazit: Das erste "Must Have" für die PS4

 

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Review: Brian May & Kerry Ellis - The Candlelight Concerts/Live At Montreux 2013

61qX0ecrKmL. SL1024 Kerry Ellis spielte einst im Queen-Musical We Will Rock You in der Londoner Originalbesetzung die Rolle der „Meat/Ozzy“ und ist auch ansonsten eine hochdekorierte Musical-Sängerin. Die vorliegende BluRay präsentiert einen fantastischen Abend an der Seite von Queen-Gitarrenlegende Brian May beim Montreux Jazz-Festival 2013.

"The Candlelight Concerts" wurden im Stravinski-Auditorium im Julia dargeboten. Kerry Ellis` sensationelle Stimme harmoniert mit dem grandiosen Spiel von Brian May wie einst Freddys Organ. Überwiegend betätigt May seine Akkustikgitarre, es hagelt Queen-Songs, Klassiker und Coverversionen (wie das wunderbare "Dust in the wind" von Kansas). Die BluRay transportiert das intime Konzerterlebnis hervorragend, Ton und Bild sind top und das Gesamtpaket stimmt auch, denn zum Lieferumfang gehört auch die CD „Acoustic By Candlelight”, die im Herbst 2012 auf dem englischen Abschnitt der Tournee aufgezeichnet wurde. Die Audio-CD ist zudem ein schönes Beispiel dafür, wie viel Spaß die beiden auf der Bühne haben. Das Bonusmaterial beinhaltet zudem eine Performance von „Nothing Really Has Changed” mit Virginia McKenna.

 

Fazit: Intimes Konzerterlebnis mit Gänsehautgarantie

 

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Review: Crippled Black Phoenix - White light generator

Crippled-Black-Phoenix-White-Light-Generator-200x200Wenn ein Sänger eine Band verlässt, ist das fast immer ein Beinbruch. Bei den Postrock-Göttern Crippled Black Phoenix um Justin Greaves sind hingegen Formationswechsel fast schon Pflicht. Mit Joe Volk ist zwar ein Gründungsmitglied verlustig gegangen, die Krüppel-Vögel hält das nicht auf. Im Gegenteil: Sie werden von Album zu Album größer.

"White light generator" ist in zwei Teile eingeteilt, einer weißen, hellen und einer schwarzen, düstereren Seite. Das Opus beginnt dabei ungewöhnlich mit "Sweater than you". Sehr ungewöhnlich, denn der Track, auf dem der neue Sänger Daniel Änghede zum ersten Mal seine Stimme erhebt, könnte glatt einem Tarantino-Roadmovie entsprungen sein. Danach schwimmen die Phönixe in bekanntere Gefilde und entfachen auf dem Rest der CD ein wahres Soundtrack-Feuerwerk, das seinesgleichen sucht.

Die metallischen Einflüsse sind zurückgeschraubt worden, lediglich bei  "Let's Have An Apocalypse Now!" wird es deutlich härter, aber nicht weniger hypnotisch. Apropos traumhaft: Daisy Chapman an Piano und Gesang ist zurück in der Band und verfeinert wieder einmal deren Sound. Erneut ziehen Crippled Black Phoenix alle, aber auch alle Register und ziehen den Hörer nach wenigen Minuten in ihren Bann. Ob Folkanleihen wie bei "A brighter tomorrow", Bläsersätze ("We Remember You") oder Rock-Riffs in "No!" - jede der über 70 Minuten dieser CD macht Sinn, ist ätherisch, wunderschön und macht süchtig. Kurzum: Bei Crippled Black Phoenix scheinen bis auf Greaves die Personen egal. Die Band ist divergent wie ein elfenhafter Koloss - unbezwingbar und wunderschön.

 

    Fazit: 70 Minuten pure Hypnose - alles andere als die Höchstnote wäre eine Frechheit!

 

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Crippled Black Phoenix Live:

 

06.05 GER, Hannover - Musikzentrum
07.05 GER, Essen - Turock
08.05 GER, Hamburg - Fabrik
09.05 GER, Berlin - Kesselhaus
14.05 GER, München - Backstage Werk
15.05 GER, Frankfurt - Batschkapp
16.05 GER, Köln - Kantine

 

 

Review: Underneath The Rainbow / Black Lips

black lips underneath the rainbowRetro...was heißt hier Retro? Die Black Lips gehen viel weiter. „Underneath The Rainbow“ ist eine echte Zeitreise!

 

Schon nach wenigen Sekunden fühlt man sich in die frühen 60er zurückversetzt. Es gibt viele Bands  die versuchen einen Vintagesound zu kreieren, aber so authentisch wie auf diesem Album hat es wohl seit Ewigkeiten keiner mehr geschafft. Ein dickes Dankeschön muß man hier wohl dem Produzenten Patrick Carney, seines Zeichens Drummer der Black Keys, aussprechen. Die Drums haben einen solchen (im positiven Sinne) Bollersound, dass man überhaupt nicht fassen kann, dass wir das Jahr 2014 schreiben. Die Gitarren kommen zum Teil in einem herrlich originalgetreuen Twang daher und die Backingvocals orientieren sich hier ebenfalls an den Beat- und Garagesound der 60er. Mit ihren ganzen Oooohs und Aaaahs bilden sie damit einen wichtigen Baustein im Gesamtgefüge.

Dabei sind es neben dem wirklich glaubwürdig historischen Sound aber auch die Kompositionen, die so, wie wir sie hier auf diesem Album hören, auch damals perfekt ins Swinging London gepasst hätten.

Es ist unglaublich, aber schon nach wenigen Sekunden hat man das Gefühl ins Jahr 1964 gebeamt worden zu sein. Die ganz frühen Rolling Stones („Drive-By Buddy“) und The Who („Make You Mine“) sind hier die Referenzen, die einem schlagartig in den Sinn kommen.

Etwas punkiger wird es bei „Dorner Party“, hier kann man hören, wie The Hives klingen könnten, wenn sie ähnlich konsequent wie die Black Lips vorgehen würden. „Justice After All“ wären, wenn man es wirklich vergleichen möchte, auf noch älter getrimmte The Strokes.

Man könnte sicherlich noch andere Interpreten aufzählen, an die die Musik erinnert, aber geht es darum nicht auch ein wenig? Bleiben wir mal bei diesem bösen Wort Retro. Eigentlich bedeutet es doch nur, sich rückwärtsgerichtet an alte Traditionen oder Merkmalen zu orientieren. Nichts anderes wollen und machen die Black Lips und natürlich hat man da gleich ganz viele Assoziationen im Kopf – und das ist auch das Tolle an „Underneath The Rainbow“: man hat unweigerlich ganz viele Bilder im Sinn, die einen selig grinsend zurücklassen. Das schaffen nicht viele Bands!

 

Wer will schon ein 80er-Revival, wenn er auch in das gute Jahrzehnt der Rockmusik fliehen kann? Den Black Lips ist es gelungen ein Album aufzunehmen, das uralt klingt und trotzdem ganz viel jugendlichen Charme versprüht.

5von6

PS4-Review: Metal Gear Solid V: Ground Zeroes

SnakeWas wurde schon im Vorfeld über Metal Gear Solid V: Ground Zeroes gemeckert: Kein richtiges Spiel, zu kurz, zu teuer. In der Tag ist das Spiel "nur" eine Mission. Diese fungiert als Prolog zu Metal Gear Solid V: The Phantom Pain, welches später in diesem Jahr erscheint. Wir übernehmen einmal mehr die Geschicke  des legendären Snake (a.k.a. Big Boss) und infiltrieren das kubanische Lager Camp Omega, wo seine Buddys Paz und Chico als Geiseln festgehalten werden. Wer einmal eines der Metal Gear-Games gezockt hat (etwa DIESES), ist sofort wieder im Bann der Story, das Fieber steigt direkt und man hetzt und / oder schleicht durch Kuba.

Die Grafik könnte für PS4-Verhältnisse besser sein, das war aber bereits so angekündigt, da der Prolog auf PS3 und PS4 erscheint. Stimmung, Steuerung, Sound (Kiefer Sutherland spricht Snake!) sind hingegen perfekt und machen heiß aufs Hauptspiel. Zur Länge - oder besser gesagt zur Kürze: Erfahrene Schlangen schleichen in 90 Minuten durch die Episode, danach wird man mit einigen weiteren Minispielchen belohnt, so dass man rund drei Stunden Spaß haben kann. Dafür sind 30 Euro natürlich happig, Fans werden trotzdem zugreifen. Das Spiel ist ein Volltreffer, aufgrund der Preispolitik vergebe ich aber nicht die Höchstwertung!

 

Fazit: Stimmungsvoller Heißmacher fürs Hauptspiel - leider zu teuer und zu kurz

 

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Review: Broken Crown Halo / Lacuna Coil

lacunaLacuna Coil sind wieder da und präsentieren uns mit „Broken Crown Halo“ ihr mittlerweile siebtes Studioalbum.

Produziert wurde dieses von Jay Baumgardner, der bereits mit Bands wie P.O.D., Papa Roach und Helmet zusammengearbeitet hat. In Puncto Sound gibt es auf diesem Album wirklich nichts zu meckern, es klingt alles sehr ausgewogen und druckvoll. Musikalisch spielt sich das alles im melodiösen Gothic-Metal-Bereich ab. Weitere Zutaten im Lacuna Coil Gebräu sind definitiv die NU Metal- und die poppigen Anteile.

Die Songs stehen alle im Spannungsfeld zwischen großer Eingängigkeit und Langeweile.Obwohl die Titel schön und stimmig arrangiert sind, hat man immer das Gefühl genau zu wissen, welcher Part auf den nächsten folgt.

Nicht falsch verstehen, Lacuna Coil spielen die Musik, die sie machen, auf einem hohen Level und man merkt ihnen die nun mittlerweile 20 Jahre Banderfahrung im routinierten Songwriting absolut an.Aber genau hier steckt vielleicht auch das Problem. Es wird zwischen einprägsamen, schönen melodischen und harten Passagen hin- und hergewechselt und alles passt perfekt, aber es fehlen einfach die Überraschungen, Highlights und Aha-momente.

Die Songs einzeln für sich genommen können aber durchaus gefallen. Der Opener „Nothing Stands In Our Way“ hat großen Wiedererkennungswert und ist für mich auch schon, ob seiner Dynamik und des Refrains auch der Hit des Albums. Auf „Die And Rise“ kann man hören wie gut die Stimmen und die Art des Gesangs von Christina Scabbia und Andrea Ferro harmonieren. Das passt schon alles richtig gut zusammen. Langatmig wird es aber immer, wenn das Tempo herausgenommen wird, wie z.B. bei „One Cold Day“, da können sich 6 Minuten anfühlen, wie eine halbe Ewigkeit.

 

Wer Within Temptation und Evanescence mag, der wird Lacuna Coil sicherlich auch kennen und gut finden. „Broken Crown Halo“ ist ein sehr solides Album, ohne wirklich herausragende Glanzlichter und Höhepunkte.

4von6

Review: This is your Life - Tribute to Dio

ronnie-james-dio-this-is-your-life-promo-cover-pic-2014Es war einer der genialsten Metalsänger des Planeten, dazu ein ausgesprochen netter Mensch: Ronnie James Dio hat mit seinem Tod eine echte Lücke hinterlassen. Auf dem Tribute-Album "This is your life" (benannt nach einem ebenfalls auf dem Album vertretenen Dio-Song) geben sich nun die Top-Stars der Branche die Klinke in die Hand, um den kleinen großen Mann des Metal zu ehren. Das klappt mal mehr, mal weniger gut. Anthrax machen den Anfang und eine prima Figur mit dem Black Sabbath-Heuler "Neon Knights". Gefolgt werden die Thrasher von Kyle Gas und Jack Black alias Tenacious D, die mit "The Last in Line" (inklusive Flötensolo !) einen der coolsten Tracks des Albums beisteuern. Dann kacken Adrenaline Mob bei "The Mob Rules" ab. Der überfette Sound tut dem Klassiker nicht gut, der Gesang ist überambitioniert und lässt den Hörer kalt.

"Rainbow in the Dark" von einer All-Star-Band rund um Stone Sour-Sänger Corey Taylor macht es da besser. Allein das cheesige Keyboard-Lick gitarristisch umzusetzen ist eine gute Idee und Corey singt ebenfalls sehr ordentlich. Ebenfalls überzeugend: "Straight through the heart" von Halestorm und "Starstruck" von Motorhead mit Biff Byford, der einige hervorragende Gesangslinien in die Rillen presst. Überflüssig: "Temple of the King" von den Scorpions und das schon allseits bekannte "Egypt" von Doro. "Holy Diver" von Killswitch Engage ist zwar geil, eine andere, vorher noch nicht bekannt Version DES Dio-Klassikers wäre aber eine clevere Idee für den Sampler gewesen. Da ist das Metallica-Medley schon eine andere Hausnummer und auch "I" mit Oni Logan überzeugt als schöne Überraschung. Keine Überraschung ist, dass Glenn Hughes auf "Catch the Rainbow" mit Simon Wright, Craig Goldy, Rudy Sarzo und Scott Warren an seiner Seite einen echten Album-Höhepunkt setzen kann. Ebenfalls ordentlich: "Man On The Silver Mountain" mit Rob Halford, Vinny Appice, Doug Aldrich, Jeff Pilson und Scott Warren. Unterm Strich bleibt ein exzellentes Album, das an manchen Stellen überraschender hätte sein dürfen. Da der Erlös an die Krebs-Stiftung "Ronnie James Dio Stand Up And Shout Cancer Fund" geht, sollte man nicht allzu kritisch sein.

 

Fazit: Dio-Tribut mit einigen echten Höhepunkten

 

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Emscherkurve 77 vs. Hounds & Harlots SpliT 12''

emscherkurze7splithh"Du bist meine Heimat, mein Herz, mein Strand, mein Glück." Emscherkurve 77 singen - natürlich - über das Ruhrgebiet. Auf einer 12'' Split-Scheibe von Sunny Bastard geben die Mann um Sänger Spiller ordentlich Gas und präsentieren mit "Bei uns im Revier" ein für die Band typisches, sehr schnelles Stück mit eingängigen Chören und melodischer Gitarrenarbeit, das den Pott so richtig hochleben lässt. Der zweite Song "Hör gar nicht hin" setzt den guten Eindruck fort, appelliert daran, sich nie beirren zu lassen und weckt die Vorfreude auf den nächsten Longplayer.

Auf der B-Seite werkeln "Hounds & Harlots" aus San Francisco und auch, wenn ihre zwei Stücke "Fight til the end" und "Say to you" soundmäßig den fetten Standard der Emscherkurven-Seite nicht halten kann, gefallen doch beide Songs mit einem eher klassischerem Einschlag und leichter Bad Religion-Breitseite. Auch hier ist man geneigt, mehr hören zu wollen. Der Clou ist natürlich die Supersound-Single im 12 Inch Maxi-Format mit freiem Download. Sowas macht einfach eine Menge her. Mehr davon.

 

Fazit: Gutes Punk-Doppel zwischen Deutschland und den USA in toller Aufmachung

 

 

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Review: Aria / VIZA

VIZA-AriaLiebe Leser,

bei den nun folgenden Zeilen handelt es sich nicht um einen Werbe- oder Pressetext der Plattenfirma, sondern spiegelt ausschließlich die Begeisterung des Rezensenten wider.

 

Wenn diese Welt perfekt wäre, dann würde „Aria“, VIZAs neues Studioalbum, rund um den Globus eine Spitzenposition in den Charts innehaben. Die 12 Songs sind überaus abwechslungsreich, perfekt durchkomponiert und bleiben allesamt im Kopf kleben. Dabei schaffen VIZA immer wieder den Spagat zwischen musikalischem Anspruch und melodiöser Eingängigkeit. Das alles wirkt nie aufgesetzt oder konstruiert, sondern wirkt natürlich und stringent. Die erste Assoziation beim Hören des Openers „Never Feel“ ist, alleine schon wegen der Gitarrenläufe, System Of A Down. Vielleicht nicht wirklich verwunderlich, hat doch ein großer Teil der Band ebenfalls armenische Wurzeln und hat bereits mit Serj Tankian zusammengearbeitet. Dennoch greift der Vergleich nicht ganz. VIZA haben ein noch größeres Gespür für Hooklines und wirken auch nicht so gehetzt, wie die möglichen Vorbilder.

Die Stimme des Sängers K'noup Tomopoulos ist sehr variabel. In den Strophen des Openers, aber auch bei “Quicksand” erinnert sein Timbre dem eines Morten Harket von a-ha, im nächsten Moment verwandelt sie sich aber in ein reissendes Biest und schreit und kreischt oder grummelt. Mit „Midnight Hour (Dingle Rock)“ haben VIZA eine Single im Gepäck, die den großen Hits von Billy Talent in nichts nachsteht, da kann man nur hoffen, dass hier etwas Airplay generiert werden kann.

Ganz deutlich werden im Song „Vanished“ auch endlich die mittelöstlichen Melodien und Rhythmen, die sich auf die Wurzeln der Band beziehen. Zu den eingesetzten Instrumenten zählen neben der typischen Rockbandausstattung auch orientalische Saitenintrumente wie die Oud, Tar und Saz. Diese werden durch den Einsatz von Effektgeräten so eingesetzt, dass sie nie wie ein Fremdkörper wirken.

Mit „Viktor`s Vanguard“ gibt es eine Nummer, die live wahrscheinlich jede Halle zum Kochen bringt. Aber Vorsicht: hier besteht die Gefahr, dass man auch im Bus oder in der Bahn anfangen muss zu springen, wenn man dieses Lied auf den Kopfhörern hat.

Um nur kurz darzustellen, was die Platte noch alles kann: „The Girl That Dosn`t Exist“ ist eine wunderschöne, bittersüsse Ballade, „Forward March“ klingt wie ein Kampflied einer keltischen Punkband, „C´est La Vie“ hat trotz sperrigen Strophen einen dermaßen eingängigen Hitchorus und „Alley In Tijuana“  bietet einen Nackenbrecher-Refrain, der mit Swingjazz Mittelteil überrascht. „Brunette“ verabschiedet das Album als großartige Singalong-Nummer.

 

Fazit: Viel mehr und schönere und buntere Musik kann man nicht auf eine CD pressen. Unbedingt und ohne Abstriche zu empfehlen. „Aria“ gehört schon jetzt zu den Top-Alben des Jahres 2014.

 

6von6

Review: Bigelf - Into the Maelstrom

bigelfCvrWir leben in einem Paralleluniversum: es ist 1970, die Beatles haben nach "Let it be" beschlossen, sich nicht aufzulösen, sondern lediglich zwei bis drei Jahre Pause zu machen. In der Zeit hören sie verstärkt das Schaffen ihrer härterrockenden Kollegen von Led Zeppelin, Queen oder gar Black Sabbath. Irgendwer findet den verrückten Frank Zappa auch richtig knorke. 1974 kommt darauf der ultimative Sgt. Peppers Nachfolger heraus. Und der liegt mir hier gerade vor.
Komisch, dass die Fab Four sich in Bigelf umbenannt haben, der silberne Rundling das Jahr 2014 als Erscheinungsdatum ausgibt und "Into the Maelstrom" heißt.
Werden wir ernsthaft: Was Bigelf hier abliefern, ist absolute Sahne. Die Paten aus der Vergangenheit habe ich bereits genannt, in der Jetztzeit gibt es noch Transatlantic und diverse Jazzrock-Anleihen, dazu eine einzige winzige Prise Monster Magnet. Der Sound ist so Old School, wie Old School man heutzutage sein kann, ohne dabei aber altbacken zu wirken.

Los geht es mit dem übergroßen Beatles-getränkten "Incredible Time Machine", einer Nummer, die wirklich gut und gerne auf einem der psychodelischeren Fab Four-Alben hätte stehen können. Tolle Harmonien, ein catchy Refrain, der perfekte Einstieg. Dann geraten Bigelf in den "Hypersleep" und verwischen die allzu deutlichen Pilzkopfsporen wieder. Der schnelle Rocker ist ein Beweis für die enorme stilistische Vielseitigkeit der Band um Damon Fox, Duffy Snowhill und Neu-Drummer Mike Portnoy. Das geht munter so weiter "Already gone" begeistert mit grandiosem mehrstimmigen Gesang und großer Hookline, das tolle "Alien Frequency" hat sogar ein zu stampfendem Doom verarbeitetes Nirvana-Gitarrenlick an Bord. Später wird es fulminant, wenn Bigelf etwa in "Mr. Harry McQuhae" beste Beatles-Traditionen mit Queen-Harmonien und -Gitarren kreuzt. Ein feuchter Traum eines jeden Classic Rock-Fans. "Controlfreak" haut ein veritables Jimmy Page-Riffing in die Rillen, bevor Gitarrist Damon Fox zum Ende hin den Zappa macht.

Insgesamt ist nicht ein einziger Ausfall auf "Into the Maelstrom" und das Beste halten sich Bigelf dann auch bis zum Schluss auf: "ITM", der Titeltrack powert in acht spannenden Minuten noch einmal alles aus dem Trio, was es ausmacht: mitreißende Melodien, brillanter mehrstimmiger Gesang, aufreibende Gitarren und den vielleicht besten Queen/The-Who-Bastard-Mittelteil (ab Minute 6) der Musikgeschichte.

Was nervt? Ein wenig das seelenlose Geklumpe von Ex-Dream Theater-Drummer Mike Portnoy an der ein oder anderen Stelle. Ein weniger aufdringlicher Trommler hätte mancherorten gut getan. Doch dies fällt nicht so sehr ins Gewicht, als dass es einen Punktabzug rechtfertigen würde. Man könnte der Band zwar vorwerfen, dass sie in fremden Wäldern wildert, doch Bigelf erschaffen durchaus eigene Gewänder aus alten Fetzen. Schöne obendrein.

 

Fazit: Eine, wenn nicht jetzt schon DIE Scheibe des Jahres

 

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PS4-Review: Thief

thiefNe, was hab ich den alten Dieb geliebt. 1998 hat "Thief" das Schleich-, tschuldigung "Stealth"-Genre quasi im Alleingang erfunden. Nun, in Zeiten der Playstation 4, kommt der Meisterdieb Garrett endlich zurück. Wir schleichen aus Garretts Perspektive durch schön gestaltete Mittelalterlevel. Weder Dächer, noch Fässer, manchmal sogar Wände halten uns auf.

Das gesamte Spiel ist ohne einen Menschen um die Ecke zu bringen lösbar, die ein oder andere Kopfnuss darf aber verteilt werden. Man bewegt sich im Schatten. Findet man keinen, sorgt man dafür, indem man Laternen ausschießt oder Lichtschalter umlegt. Kerzen und Kandelaber knallt man mit Wasser- und Erstickungspfeilen einfach ab. Besonders hübsch: Steht man im grellen Licht (und ist damit in Gefahr) leuchtet die Controller-Lightbar wie irre grell weiß. Die Grafik ist nicht absolut top, wenn man die Ressourcen der PS4 bedenkt, aber mittlerweile ist man ja überhaupt über Spielenachwuchs für diese Konsole froh.

Der Schwierigkeitsgrad kann individuell angepasst werden - ist aber leider nicht mehr veränderbar, wenn man sich für eine Stufe entschieden hat. Eine Neuheit ist mir zuwider: Warum muss Garrett wie in unzähligen anderen Spielen eine Art "siebten Sinn" haben, der durch den übermäßigen Verzehr von Mohn (!) stets aufgeladen werden kann? Per Tastendruck wird er aktiviert und blendet markante Punkte ein, etwa Leitern oder versteckte Seile. Das erinnert an die Batman-Spiele, ist hier aber völlig fehl am Platz. Wo wir gerade bei der Kritik sind: Die Ladezeiten zwischen den einzelnen Stadtteilen sind zu lang! Dafür punktet "Thief" aber bei der guten Steuerung, der packenden Story und dem tollen Sound. Unterm Strich ist Garretts Comeback mehr als gelungen!

 

Fazit: Gelungene Wiederbelebung der Thief-Reihe

 

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Review: Fanatic Live from Caesars Colosseum / Heart

Ende 2012 erschien das Studioalbum Fanatic der US-Band Heart. Nun werfen sie den Konzertmitschnitt „Fanatic Live From Ceasars Colosseum“ hinterher. Heart - Fanatic Live

 

Livealben sind ja immer so eine Sache, es gelingt nicht immer, die Stimmung eines Konzertabends einzufangen.

 

Fanatic Live ...“ ist mittlerweile der sechste offiziell veröffentlichte Konzertmitschnitt von Heart. Gut, die Band gibt es seit mittlerweile 40 Jahren, sie hat 15 Studioalben herausgebracht und gehört zu den erfolgreichsten Rockgruppen der USA, da ist das wohl ein noch vertretbarer Weg.

Die Songauswahl macht dem Titel zumindest einigermaßen Ehre. Immerhin haben es fünf Songs von „Fanatic“ auf diese CD gebracht. So viele aktuelle Songs spielen die wenigsten Rock-Urgesteine auf ihren Konzerten.

 

Der Sound ist perfekt, die Band spielt bei den härteren Nummern durchaus rauher als erwartet und Nancy Wilson beweist, dass sie noch immer eine der absolut großartigsten Stimmen der Rockwelt besitzt.

Aber irgendwie ist es trotzdem langweilig anzuhören. Der Eindruck mag ein anderer werden, wenn man das Konzert auf Blu-Ray oder DVD geniesst (erscheint mit gleicher Tracklist). Ein Streicherensemble unterstützt die Band und auch das klingt toll, aber es wird einfach nicht spannender. Es nervt auch nicht, es plätschert alles so vor sich hin - bis auf einmal doch dieser magische Moment kommt. „Alone“, die Überballade vom „Bad Animals“-Album, bei der Nancy Wilsons Stimme plötzlich etwas kratzig wird und sich leicht angeschlagen durch dieses Meisterwerk singt. Wow, da ist sie, die Gänsehaut, die man bei einem Konzert erleben will. Wahnsinn!

Danach geht es leider wieder viel zu routiniert weiter. Mit „Dear Old America“ folgt noch ein aktueller Song, bevor das Konzert mit den Hits „Crazy On You“ und natürlich „Barracuda“ endet, die man beide aber schon in aufregenderen Versionen gehört hat.

 

Für Komplettierer sicherlich ein Muss. Aber wer Heart noch nicht so kennt, wird mit jedem Greatest Hits Album besser bedient sein.

 

 

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Review: Precious Metal / House Of Lords

house of lords - precious metalThe House of Lords melden sich mit „Precious Metal“ zurück – und es geht gleich ordentlich los. Der Opener „Battle“ klingt modern und kraftvoll, vermutlich der beste Song, den ich je von der Band gehört habe. Das macht Appetit und so dürfte es auch gerne weitergehen.

 

Doch schon beim zweiten Titel erschleicht mich das Gefühl, dass die letzten 20 Jahre musikalisch für die Mitglieder der Gruppe nie stattgefunden haben. Stilistisch bewegen sie sich im melodischen Hardrockgewand der späten 80er und frühen 90er.

Grundsätzlich nichts Verwerfliches, denn das, was Sänger James Christian mit seiner Truppe anbietet, tönt mehr als ordentlich.

Die Platte besticht durch eine transparente, druckvolle und ausgewogene Produktion, in dem jedes einzelne Instrument sehr präsent ist. Insgesamt höre ich doch ein paar mehr Ecken und Kanten als auf den früheren Alben, der Fokus liegt aber dennoch auf den eingängigen Melodien. Ein ganz besonderes Beispiel ist der Titeltrack, eine Ballade am Rande des Kitschs, die aber durch die glasklar gesungene Hookline total im Ohr bleibt und fast schon verbietet, weiterzuskippen. Würden wir das Jahr 1988 schreiben, hätten House Of Lords wohl einen Mega-Singlehit gelandet, 2014 wird es damit wohl nichts.

"Enemy Mine" ist hingegen für den geneigten Rockfan vielleicht eine kleine Herausforderung, eine weitere Ballade, bei der auch Robin Beck (Christians Ehefrau) mitsingen darf. Robin Beck? Ja, genau die, die in den 80ern mit "First Time" einen Coca Cola-Werbehit hatte. Der Song ist recht keyboardlastig, was dem Arrangement eine ziemlich poppige Note verleiht. Trotz des einprägsamen Refrains für mich der schwächste Song des Albums.

Die Texte scheinen durch Christians überstandene Krebserkrankung inspiriert zu sein. Das legen Titel wie „Permission To Die“ oder „Live Every Day (Like it`s The Last)“ zumindest nahe. Überhaupt wirken die rockigen Songs alle ziemlich kämpferisch und positiv.

 

Precious Metal ist ein sehr solides Album mit der Perspektive, nicht im Schrank zu verstauben. Eine CD, die man immer wieder hören kann. Nicht nur, aber vor allem auch für Nostalgiker geeignet, die den Zeiten des melodiösen Hardrocks und den wallenden Männermähnen nachtrauern. Laut Aufdrehen und auf Zeitreise gehen.

 

 

4von6