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Montag August 21, 2017
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204 items tagged "Review"

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Review: The Source / Ayreon

ayreon-the-source-180062Das ist mal eine Oper: Arjen Lucassens Projekt Ayreon kann mit dem neuem Album “The Source“ alte und neue Progfans auf ganzer Linie zu überzeugen. Das war nicht immer so: Zwar hat das musikalische Genie aus dem Nachbarland Holland schon so einige sensationelle Alben abgeliefert (vor allem "The Human Equation" von 2004 ragt hier heraus), doch in den letzten Jahren wurde es zunehmend "verkopft". Das ist für Prog-Fans per se kein Hindernis, doch Werke wie "The Theory of Everything" und vor allem  "01011001" konnten zwar viele gute Kritiken einheimsen, konnten aber nicht in Gänze begeistern. Das ändert sich nun wieder. Für Ayreon- typisch hat Lucassen mit James LaBrie (Dream Theater), Simone Simons (Epica), Floor Jansen (Nightwish), Hansi Kürsch (Blind Guardian), Tobias Sammet (Edguy, Avantasia), Paul Gilbert (Mr. Big) oder Russell Allen (Symphony X) das "Who is Who" der Metal-Szene aufgetischt, um wieder ins Genre Science-Fiction zurückzureisen. "The Source" ist quasi das Prequel zu "01011001" und erzählt von den Ursprüngen der Alien-Rasse "Forever" und beschreibt den Kampf der Menschen auf dem Planeten Alpha und die Flucht auf den Planeten Y. Wie üblich bei Ayreon porträtieren die vielen verschiedenen Sänger die handelnden Personen der Geschichte. Musikalisch ist der Mix der höchst variablen Sängergilde ein wahrer Genuss. Zwischen Metal, Classic-Rock, Folk und Pop wird hier agiert, was die Songstrukturen aufregend, aber dennoch nicht zu komplex macht. Im Gegenteil: So viele schöne Melodien wie auf "The Source" hat Arjen lange nicht mehr gezaubert. Das kulminiert in manchmal zu süßlichen Refrains ("Condemned to live").

Da es aber die Mischung macht, bietet "The Source" einfach alles: Harte Riffs, große Melodien, wahnwitzige Gitarrenarbeit und verpackt das Ganze in eine stimmige Story. Das ist wohl das am stärksten Gitarren orientierte Ayreon-Album aller Zeiten. Richtig stark sind natürlich die Gesangsleistungen. Kürschs charakteristischer Gesang dringt manchmal zu aufdringlich durch die Boxen (und verlässt den Blind Guardian-Pfad viel zu wenig), doch auch hier ist der Kontrast zwischen den Stimmen (die fast immer aufeinandertreffen) der Clou und lassen "The Source" unverkennbar nach der Arbeit eines Arjen Lucassen klingen. Wenn Sammet stimmlich auf den überragenden Russell Allen trifft, ist das schon eine kuriose und spannende Sache. Klingt die ganze Sache dann ab und zu auch noch nach Queen (oder Devin Townsend), ist garantiert Mike Mills (Toehider) als Betriebssystem TH 1 am Werk. Fantastisch. 

Nervig: Viel zu viele der Songs sind vorab veröffentlicht worden (etwa als erster Track "The Day That The World Breaks Down" mit rund 13 Minuten und allen Sängern an Bord). Gerade bei einem Konzeptalbum ist das armselig, auch, wenn es vielleicht zeitgemäß erscheint. Aus diesem Grund verbieten sich eigentlich auch Anspieltipps. Eigentlich... Wer die ganze Komplexität der Scheibe verstehen will, sollte in "The Day That The World Breaks Down" (bitte auf den grandiosen Russel Allen ab Minute 9 achten) hineinhören, wer einfach einen geilen Einzeltrack hören will, probiert sich an "Run Apocalypse run". 

 

Fazit: Wer kann, der kann: Arjen Lucassen katapultiert den Hörer ins All

 

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Review: Mass Effect Andromeda (PS4)

91dod92QhML. SL1500 Die Mass Effect-Trilogie ist passé (der letzte Teil erschien im März 2012), mit Andromeda hievt Bioware ein neues Kapitel der epischen Spielreihe in die Regale. Bereits im Vorfeld hatte es große Kritik gegeben, die Erwartungen waren riesengroß und vor allem alte Hasen unter den MA-Zockern können sich oftmals nicht mit dem neuen Spiel anfreunden. Die Probleme des Spiels sind dabei vor allem technischer Natur: Die Animationen sind ein wenig hölzern, die Lippensynchronität ist nicht gegeben, die deutsche Sprachausgabe ist nicht immer (aber oft) überzeugend (umstellen auf Englisch mit Untertiteln ist aber möglich). Dazu gibt es immer mal wieder (aber keineswegs so oft, wie viele Spieler in einschlägigen Foren vorgaukeln wollen) Lags auch im Solospiel. Bioware führt uns in die Andromeda-Galaxie fernab der Milchstraße. Dort suchen wir in einer feindseligen Galaxie nach einer neuen Heimat und kämpfen gegen eine tödliche Spezies, die alles daransetzt, uns auszuläöschen. 

Nimmt man die Nostalgiebrille ab und lässt sich auf MA Andromeda ein, erhält man ein bockstarkes Open World-Rollenspiel. Wer vorher - wie die RocknRoll Reporter - nicht viel mit der MA-Reihe zu tun hat, wird 90 Prozent der inhatlichen Kritiken nicht nachvollziehen können. 

Die PS4-Fassung ist nicht so verbuggt wie alle tun, die oben aufgeführten Probleme stören, zerstören aber das Erlebnis nicht.

Mass Effect Andromeda ist eine Mischung aus Skyrim und Star Trek: Das Besiedeln der Planeten, der Kampf gegen die zahlreichen Gegner macht genauso viel Spaß, wie die Detektivarbeiten ("Finden Sie den Saboteur") auf der riesigen Homebase, der Nexus, oder dem eigenen Schiff. Dialoge gibt es für viele Stunden, zwischenmenschliche Probleme müssen gelöst, Brücken zwischen verschiedenen Wesen geschlagen werden - kurzum: Das alles ist unglaublich umfangreich und ziemlich episch. 

Allein für das Folgen der Hauptstory muss man mehr als 50 Stunden einplanen, dazu gibt es so viele Nebenquest (und einen Multiplayerpart), dass man bis Weihnachten zu tun haben dürfte. Na klar, gibt es auch Ärgernisse: Die Teamkontrolle wurde beispielsweise auf die Positions- und Zielbefehle beschränkt, so dass es eigentlich egal ist, ob man seinen Mitstreitern im Kampf Befehle gibt.

Dafür entschädigen die vielen unterschiedlichen Welten - angefangen von einer staubigen Wüste bis hin zum ultratoxischen auseinandergebrochenen Planeten. Die Erkundung macht eine Menge Spaß. Grafisch ist MA Andromeda kein Toptitel, schlecht sehen vor allem die verschiedenen Landschaften jedoch nicht aus. Musik und Sound hingegen sind ziemlich stark.

Liest man sich die diversen Meinungen zu diesem Spiel durch, fällt auf, dass vor allem Fans der ersten drei Games bitter enttäuscht sind. Doch, wer dahin geht, wo noch niemand vor ihm war - nämlich in die Andromeda-Galaxie und versteht, dass Teil vier ein Neubeginn ist, wird begeistert sein.

 

Fazit: Tolles, episches Spiel mit einigen technischen Problemen

 

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Review: Die For Rock N' Roll / Double Crush Syndrome

0e9b9d7bb1-DCS AlbumcoverFür diesen RocknRoll möchte man sterben: Andy Brings (Ex-Sodom, Ex-Traceelords) und sein Double Crush Syndrome (mit dabei: Slick Prolidol - bass, vocals und Julian Fischer - drums) knickern mit einer großen Plattenfirma (Nuclear Blast) im Rücken ihre größten Hits neu ein und packen dazu noch ein wenig mehr in die Bonbontüte des Rock.

Fans des Eyelinerrocks kennen natürlich schon das Gros der Songs vom selbst produzierten "The You Filter" (REVIEW). Das gute Stücke räumte damals 5 von 6 Gitarren bei uns im Test ab und nun knallt das neue Double Crush Syndrome gleich 14 Tracks auf das Labeldebüt.

Was damals gut war, bleibt gut. Oder ist sogar noch besser: Wer nach dem Refrain von "Die for Rock 'n' Roll" keinen Ohrwurm als Haustier sein Eigen nennt, hat die Rockmusik nie geliebt.

Zu den bekannten Tracks gibt es neue Perlen wie "Slow Suicide", "I wanna be your monkey" oder das geniale "Can't You Be Like Everyone Else". Andy und seine Spießgesellen musizieren dabei in der bekannten Brings-Schnittmenge zwischen den Ramones, Kiss und ziemlich männliche Runaways. Wahrhaft großes Kino und eine absolute Partygranate wird hier feil geboten, weshalb ich noch einmal einen halben Punkt zu "The You Filter" drauf packe. Die Rohheit ist in der Produktion leider ein wenig verloren gegangen, aber das ist wirklich nur Jammern auf höchstem Niveau. Well done...

 

Fazit: Starkes Labeldebüt

 

5-5von6

Review: The Madness / Art of Anarchy

art of anarchy the madness 01 6d25cd726eEs gibt so CDs, die regen einen dermaßen auf... "The Madness" von Art of Anarchy is so eine Scheibe. Die Band, die ihr (gutes) Debüt noch mit dem mittlerweile verstorbenen Scott Weiland in die Läden beamte, hat sich mit einem neuen, ebenfalls hochkarätigen und sehr guten Sänger an den Nachfolger gemacht. Creed-Röhre Scott Stapp (Foto unten) ergänzt nun das Team um die Votta-Brüder Jon und Vince sowie John Moyer und Ausnahmegitarrist Ron "Bumblefoot" Thal  (von 2006 bis 2014 bei Axls Version von Gun 'n' Roses am Start). Das Personal klingt nach einer runden Sache, das Ergebnis ist erschütternd belanglos.

Das musikalische Handwerk auf "The Madness" ist absolut top, erste Sahne auch Scotts Gesang und der Sound... ist ebenfalls ziemlich gut. Eine fette Produktion, der genau eine Sache fehlt: Songs! "The Madness" ist vielleicht die überflüssigste Materialverschwendung des Jahres 2017. Nichts, aber auch rein gar nichts bringt einen in die Versuchung diese CD mehrfach anzuhören. Langweiliger Amirock, der bei der Veröffentlichungsflut, die jede Woche über den geneigten Rockfan einbricht, keine Chance auf einen Recall hat. Erwartungsgemäß bedient der Wechsel am Mikro auch die Creed-Fans, die aber in Sachen Songwriting bereits spannendere Zeiten erlebt haben.

Nicht ganz unproblematisch: Während Weilands Vocals immer den Hauch des Wahnsinns verströmten, singt Stapp lieblicher (sehr gut natürlich, keine Frage) und somit verhalten sich die beiden wie Joker zu Batman. Batsy ist ein grundsolider netter Typ, wirklich aufregend ist aber sein Kontrahent. 

Innovativ ist hier wenig: Songs wie "1000 Degrees", die sehr an Creed erinnerende Ballade "No surrender" oder "A light of me" plätschern durch die Lautsprecher, sind perfekte Modern-Metal-Fahrstuhlmusik. Nur einmal schaffen es "Art of Anarchy" den Hörer aus der Stasis zu befreien. "Dancing with the devil" ist ein tolles Brett mit einer Hookline, die man sich gerne noch einmal anhört. Das war's dann aber schon. Mehr Durchschnitt habe ich lange nicht mehr gehört.

 

Fazit: Verschwendete Lebenszeit - Top-Musiker kochen belanglosen Einheitsbrei

 

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Die "The Madness"-Tracklist:

01. Echo Of A Scream
02. 1,000 Degrees
03. No Surrender
04. The Madness
05. Won't Let You Down
06. Changed Man
07. A Light In Me
08. Somber
09. Dancing With The Devil
10. Afterburn

 

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Review: Faith / Yasi Hofer

yasi-coverYasmin „Yasi“ Hofers Karriere ist eng verknüpft mit Gitarren-Großmeister Steve Vai. Der beeindruckte sie in jungen Jahren so sehr, dass sie die Violine in die Ecke warf und sich fortan daran tat, wie eine Besessene die E-Gitarren zu bändigen. Später konnte sie beim Flitzefingergott live auf der Bühne mitspielen, bevor er sie nun mit dem Track "Cosmic Stars" auf der aktuellen Compilation-CD seines Favoured Nations-Label ("She rocks Vol.1") verewigte.

Kein Wunder also, dass bei Yasi Hofers zweiter CD "Faith" die spielerischen Referenzen an Steve Vai fast immer durchscheinen. Wäre das alles, könnte man Yasis Werk schnell abtun, doch die Ulmerin schafft es, stilistische Sprünge zu machen, pendelt zwischen Instrumentalrock und bluesigen Gefilden munter hin und her. Beides klappt dabei hervorragend. Dies liegt natürlich an der technischen Brillanz der 24-Jährigen, die einen sahnig-tollen eigenen Gitarrenton pflegt, aber auch daran, dass ihr Gesang sich dahinter nicht verstecken muss.

Während Songs wie "Cosmic Stars" oder "Tender Storm" die Vai-Fangemeinde bestens bedienen dürfte, können auch Bluesrock-Freaks mit Tracks wie "Feeling Zany" (mit tollen Stevie Ray Vaugn-artigen Solo) oder dem schweren modernen Südstaatenblues von "Crossfire" etwas anfangen. Yasis Kernkompetenz bleiben aber weiter instrumentale Parforceritte durch die Welt der schnellen Noten. Vai und Satriani lassen schön grüßen. Nicht alle Songs zünden gleichermaßen. Der Titeltrack kriecht beispielsweise zu langsam aus seinem Schneckenhaus (explodiert dann am Ende aber immerhin), und insgesamt hat man den Eindruck, dass diese zweite CD noch nicht Yasis Meisterwerk sein wird, auch, wenn es wahrlich nicht viel zu meckern gibt. Da steckt noch mehr drin und man kann sich überaus auf mehr Musik von Yasi Hofer freuen.

 

Fazit: Starke zweite CD von Yasi - nicht nur für Fans von Steve Vai und Co

 

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Lest unser Yasi-Interview zur neuen CD HIER!

Review: Hardwired...to self-destruct / Metallica

metallica-hardwired-to-self-destructEs gibt kaum eine Metalband, die in der Form der letzten 20 Jahre mehr polarisiert hat als Metallica. Während sich die Metalwelt nahezu einig ist, dass trotz der technischen Schwächen der Band die ersten drei Alben Göttergaben des Thrash sind, herrscht über fast alles, was danach kommt, große Uneinigkeit. Mit Alben wie St. Anger (Sound) und Lulu (Songs) wurden Metallica gar zur Lachnummer, bevor "Death Magnetic" zumindest einigermaßen zufriedenstellen konnte. Die Taktik von "Hardwired...to self destruct" war in Sachen Marketing genial: Einen Tag vor Veröffentlichung gab es alle Songs mit offiziellen Videos zu bestaunen und der Hype wurde immer größer. 

Und in der Tat haben Hetfield und Co dieses Mal deutlich mehr vorzuweisen, was ihrem Status entspricht: Die Scheibe ballert mit "Hardwired", "Atlas Rise" (hoffentlich rufen Iron Maiden nicht an und wollen die geliehenen Licks zurück), "Now that we're dead" und "Moth to the flame" absolut amtlich los. Erste Schwächen hingegen finden sich hier schon: Zu oft werden zugegeben gute Riffs bis zum Erbrechen wiederholt. Das zieht sich durch das ganze Album. Nach diesen Songs wird es lahm und Metallica verlieren sich im Midtempo. Wer die neue Testament kennt, weiß, wie Thrash zu klingen hat. Jedenfalls nicht so wie "Dream no more" oder dem absoluten Stinker "Confusion".

"ManUnkind" nimmt dann wieder mehr Fahrt aus, aber "Here comes Revenge", "Am I savage?" und der wirklich schlechte Motorhead-Tribut "Muder One" sind Stangenware, langweilig und austauschbar. Immerhin: Mit "Spit out the Bone" kommt ein Mega-Song, der dem Begriff Thrashmetal alle Ehre macht.

Das Problem bei Bands dieser Dimension ist immer wieder das fehlende Regulativ in Form eines mündigen Produzenten: der hätte nämlich einige der Songs vom Album geschmissen, die Wiederholungen innerhalb anderer Songs verkürzt und es wäre eine triumphale Rückkehr mit bockstarken Songs wie "Bone", "Atlas" oder "Moth" geworden. So dümpelt das Midtempo zu oft rum. Schade. 

 

Fazit: Ordentlich bis gut mit zu viel Midtempo-Gedümpel und ätzenden Schlagzeugsound

 

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Ein gutes Omen / Terry Pratchett & Neil Gaiman

omenWas 1990 im allgemeinen Terry Pratchett-Wahn um die grandiose Scheibenwelt ein wenig unterging, ist tatsächlich dann doch eines der besten Werke des Meisters: "Ein gutes Omen" spielt nämlich eben nicht auf der Scheibenwelt, wurde zusammen mit dem ebenfalls begnadeten Neil Gaiman geschrieben und ist so etwas wie eine abgedrehtere Variante von Peter Ustinovs "Der alte Mann und Mr. Smith".

Der Antichrist ist geboren, und der finstere Engel Crowley soll ihn zum Höllenfürsten erziehen, damit er die Apokalypse heraufbeschwört. Doch Crowley bemerkt, dass sich das Kind, Warlock, mehr für seine Briefmarkensammlung und Kaugummi mit Bananengeschmack als für den Weltuntergang interessiert. Es stellt sich heraus, dass Warlock im Krankenhaus vertauscht wurde. Nun versuchen Engel, Dämonen und Hexen, den wahren Antichristen aufzuspüren. Und während der Weltuntergang näher rückt, begreift Crowley, dass die Erde doch gar keine so üble Gegend im Universum ist.

Endlich endlich ist dieses herausragende Buch, voller Wortspiele, Anspielungen und verrückten Ideen (in Crowleys Auto verwandelt sich etwa jede Kasette innerhalb von kurzer Zeit in eine Queen Best-of) auch als Hörbuch vorhanden und Volker Niederfahrenhorst ist dabei fulminantes Ein-Mann-Theater. Auf zwei MP3-CDs mit einer Laufzeit von rund 14 Stunden gibt er alles und verleiht der Vision Pratchetts und Gaimans Leben. Für Fans des englischsprachigen Pratchett darf gesagt werden, dass Andreas Brandhorst auch dieses Fantasywerk ziemlich werktreu verdeutscht hat. Leider handelt es sich hier um eine gekürzte Lesung, was der einzige Wermutstropfen an der Sache ist und bei der Bewertung einen Punkt "klaut".

 

Fazit: Eines der besten Pratchetts hervorragend vertont - leider gekürzt

 

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Review: Soul on Fire - Leben und Musik von Peter Steele

TONPetrus Thomas Ratajczyk hätte es gemocht, dieses Buch, das die Odyssee eines Lebens, gelebt in beinahe shakespearischer Dramaturgie, skizziert. Als Pete Steele hat Petrus Thomas mit einem Schlachtschiff von einer Band fremde Länder erobert, Emotionen gebündelt, Lebensinhalte für tausende Fans gestiftet. Type O Negative waren eine ganze besondere Formation, deren Einfluss vor allem in den Herzen der Hörer bei ihrer ganzen Düsternis nicht zu unterschätzen war und ist. Im Verlag Nicole Schmenk ist nun "Soul on Fire" von Jeff Wagner in der deutschen Variante (hervorragend übersetzt von Andreas Schiffmann) erschienen und das Buch ist die längst überfällige Biographie des 2010 an den Folgen eines gerissenen Aortenaneurysmas verstorbenen Bassisten und Sängers. Auf mehr als 300 Seiten wird die bisweilen kritisch betrachtete Karriere von Steele ausführlich behandelt, mit sehenswerten Fotos garniert und die Wichtigkeit des Bass-Hünen, der 1995 sogar das Cover des Playgirl zierte (hier wird mit dem Mythos aufgeräumt, dass Steele der Erste war, der mit erigiertem Penis auf den Seiten des Magazins abgebildet wurde - in der Tat war dieses Tabu bereits 1980 gebrochen worden), zelebriert und seziert. 

Wagner beschreibt Steele schonungslos: Vom Mann mit Visionen zum Drogenwrack, das mit nichts und wieder nichts zufrieden sein konnte, und wieder zurück - der New Yorker war eine schillernde Persönlichkeit in allen Extremen."Soul on fire" ist leicht und flockig zu lesen, so dass einem lediglich das tragische Ende schwer im Magen liegen könnte.

Das Buch endet natürlich - wie sollte es anders sein - mit dem tragischen Tod des Idols einer ganzen Metalgeneration. 2005 versetzte Steele bereits einige Fans in Angst und Schrecken, als die Startseite der Website von Type O Negative einen Grabstein mit der Aufschrift Peter Steele 1962–2005 zeigte, nur fünf Jahre später war das aufgrund des zügellosen Drogenmissbrauchs nie Undenkbare zu einem dann doch undenkbaren Zeitpunkt (Steele war seit neun Monaten clean und trocken) eingetreten: Petrus Thomas Ratajczyk starb im Alter von gerade einmal 48 Jahren: A dying God-man full of pain (aus "Christian Woman").

 

Fazit: Würdige Lebensgeschichte eines umstrittenen Musiker 

 

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Review: Dishonored 2 (PS4)

dish22012 war Dishonored, das Schleich und Attentatsspiel der französischen Softwareschmieder Arkane Studios ein echter Überraschungserfolg. Doch das ist vier Jahre her. Können die Franzosen mit dem Nachfolger nun an den Erstschlag anknüpfen? Dishonored 2 spielt 15 Jahren nach dem Vorgänger. Die einstige Thronerbin Emily Kaldwin wurde um ihr Privilieg, Kaiserin zu werden, betrogen und will nun Rache. Dabei hilft der junge Frau Ziehvater und Leibwächter Corvo Attano. Interessant: Man kann selber entscheiden, mit welchen Charakter man spielen möchte. Dabei spielen sich beide völlig unterschiedlich, was der Langzeitmotivation zugute kommt. Einen Koop-Modus gibt es hingegen nicht, würde dem Schleichspielprinzip aber auch entgegenwirken. 

Corvo spielt sich fast wie in Dishonored 1. Er kann die Wächter schleichend aber auch im furiosen Kampf bewältigen. Emily ist da eine ganz andere Nummer: Wer hier nicht schleicht und heimlich zu Werke geht, wird zwangsläufig häufig scheitern. Die Grafik wurde deutlich aufgebohrt, die Welt sieht wirklich sehr hübsch aus, wenngleich aktuelle Top-Titel wie Uncharted eindeutig die Nase vorn haben. Die Gegner agieren sehr indifferent. Mal strunzdumm, suchen sie in anderen Momente intelligent die ganze Gegend ab und machen es dem Spieler deutlich schwerer, sich zu verstecken, als noch im Vorgänger. Die Stadt Karnaca ist nun deutlich detaillierter und hat mehr zu bieten. 

Die Atmosphäre der Stadt ist sagenhaft, die Charaktere bleiben leider oft blass, genauso blass wie eher müde Story. Dennoch: Nach einigen ersten Stunden (in denen Dishonored 2 ein wenig zäh daher plätschert) wird das Spiel immer besser, das Leveldesign ausgeklügelter und übertrifft sogar das tolle Debütgame. Was nervt? Leider die Steuerung, die bewusst im 1st Person-Stil angesiedelt ist. Nicht immer ist die Bewegung am Gamepad so geschmeidig, dass man auch wirklich von einer Dachrinne zu nächsten hüpft, sondern wie ein Stein in die Gasse darunter plumpst. 

 

Fazit: Wie Dishonored 1 - nur noch besser. Problematisch bleibt die Steuerung.

 

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Review: WWE 2K17 (PS4)

91QYEqXY2uL. SL1500 Ich kenne den Muskelprotz auf dem Cover dieses Spiels (Brock Lesnar) nicht und ich schaue auch unter gar keinen Umständen irgendwelche Wrestling-Shows. Kurzum: Ich bin nicht die Zielgruppe für WWE 2K17. Deshalb sind für mich viele der Kritikpunkte, die durch die asozialen Medien geistern, nicht greifbar und auch nicht relevant. Rhyno? Harlem Heat? Die fehlen und alle meckern darüber. Das sei, als würde Ronaldo bei Fifa 17 nicht mitspielen, sagt der Kollege und ich verstehe, denke aber: Bei Pro Evolution Soccer fehlen seit Jahren fast alle echten Spieler. Trotzdem ist es ein Hit und wird hochgelobt. Äpfel und Birnen - sagt er.

Kommen wir zu dem, was ich objektiv beurteilen kann und möchte: WWE 2K17 macht einen Heidenspaß. Bevor ich nach einem kurzen Einstiegskampf mich ins Getümmel stürze, editiere ich zwei Stunden lang und erschaffe eigene Wrestler aus den tausenden von Möglichkeiten, baue eine eigene Arena, kreiere eigene Einlauf-Choreos - Wahnsinn. Die Möglichkeiten sind hier fast unbegrenzt und wären da nicht die langen Lade- und Wartezeiten würde das Ganze noch viel mehr bocken. Nachdem ich dann endlich den enormen Doctor Rübezahl (2,15 Meter, 156 Kilogramm) in den Ring geworfen habe, bekommt der Koloss von dem winzigen Enzo Amore so böse die Fresse poliert, dass ich am Realismus des Spiels zweifle. Äh, Realismus... Wrestling? Vergessen wir das also. Die Spielmechanik macht es einem nicht immer leicht, auch mit übermächtigen Superstars leicht zu gewinnen. Andererseits macht das aber auch den Reiz der Kämpfe aus: Es geht immer hin und her und besonders geil: Endlich kann ich im Publikum weiter raufen. Der Karrieremodus wurde aufgeborht und ich kann mit der Promo-Engine Fehden eröffnen und Allianzen schmieden. Die Spielmodi sind erneut sehr üppig, da ist vom 1vs1 bis zum 30 Leute hauen sich auf die Fresse alles dabei. Mir reicht es. Grafisch ist alles tacko (es wurde ein deutlicher Sprung zu den eher schlechten Darstellungen der Vorjahre gemacht), der Soundtrack wummert sehr abwechslungsreich zwischen Black Sabbath und irgendeinem Rap-Gedudel durch die Lautsprecher, und unterm Strich komme ich als Nicht-Fachmann auf meine Kosten und habe eine Menge Spaß an WWE 2K17. 

 

Fazit: Viel Spaß für Gelegenheits-Wrestler

 

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Review: Santana IV - Live at the House of Blues Las Vegas

santaDas Schöne an Musik? Alter spielt oftmals absolut keine Rolle. Dies wird immer wieder eindrucksvoll bewiesen und auch der Livemitschnitt von Carlos Santana "Santana IV - Live at the House of Blues Las Vegas" ist hier keine Ausnahme. Am 21. März 2016, einige Wochen vor Veröffentlichung des neuen und aktuellen Albums "Santana IV", betrat das klassische Santana Line-up die Bühne vom House Of Blues in Las Vegas. Im Rahmen dieser Show spielten sie Tracks vom neuen Album sowie viele Klassiker der ersten drei Santana Alben, an die das neue Album "Santana IV" als Nachfolger angelehnt ist.Dies war eine von Fans lange ersehnte Reunion, die in dieser Konstellation seit den 70er Jahren weder zusammen auf der Bühne stand, noch zusammen ein Album aufgenommen hat. Viele der Musiker haben schon das legednäre Woodstoc-Festival Ende der 60er gemeinsam bestritten. Mehr Legende geht einfach nicht. 

Das Lineup begeistert nicht nur auf dem Papier durch die reinen Namen: Gregg Rolie, Carlos Santana, der geniale Neal Schon, Benny Rietveld, Michael Shrieve, Michael Carabello, Karl Perazzo und als Gast Ronald Isley - der feuchte Traum aller Santana-isten wird hier wahr. Und die alten Haudegen spielen sich dermaßen den Arsch ab, dass für exakt 151 Minuten sämtliche grauen Haare verschwinden, die Band einen Tunnel in der Zeit öffnet und wir auf einmal wieder alle Hippies sein dürfen. Gespielt werden natürlich Klassiker aber auch neue Songs, die sich nahtlos einfügen. Die Bildqualität auf der BluRay ist exzellent, der Ton großartig und der Mitschnitt vermittelt einen Eindruck, wie atemberaubend ein Besuch des Konzerts gewesen sein muss. Voll Punktzahl!

Die Tracklist:  

01. Soul Sacrifice
02. Jingo
03. Evil Ways
04. Everybodys Everything
05. Shake It
06. Anywhere You Want To Go
07. Medley: Choo Choo / All Aboard
08. Samba Pa Ti
09. Medley: Batuka / No One To Depend On
10. Leave Me Alone
11. Sueño
12. Caminando
13. Medley: Blues Magic / Echizo
14. Come As You Are
15. Yambu
16. Medley: Black Magic Woman / Gypsy Queen / Third Stone From The Sun / Oye Como Va / I Feel The Earth Move
17. Medley: Love Makes The World Go Round / Shout / Them Changes (w/ Ronald Isley)
18. Freedom In Your Mind (w/ Ronald Isley)
19. Toussaint LOverture

 

Fazit: Toller Mitschnitt alter Haudegen

 

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Review: Purple Rising - Made in Purple

cover 1Purple Rising sind eine Coverband, die die Musik von Deep Purple auf Original-Instrumenten, ganz im Stil der Seventies präsentieren. Dafür werden weder Kosten noch Mühen gescheut. Die Hammonorgel ist von 1955, die Leslies von 1964!

Die Idee zur Gründung einer Deep-Purple-Tribute-Band hatten Stefan Deißler, Thomas Hasenau und Christian Saal bereits 1996 in Frankfurt. 

Mit "Made in Purple" liegt nun eine Live-CD vor, die in der Hugenottenhalle in Neu-Isenburg mitgeschnitten wurde. Bereits das Cover macht Lust auf Purple, ein sehr geschmackvolles Design wurde hier angewandt. Alexx Stahl (voc), Dominik Stotzem (bass), Reik Muhs (git), Andreas König (keys) und Stefan Deissler (drums) zocken sich auf "Made in Purple" durch zehn Klassiker von Blackmore und Co, beweisen dabei, dass sie den Geist der Originale bestens aufgesogen haben und spielen die Songs authentisch im Stil der Klassiker. Hardcore-Purple-Fans könnten monieren, dass Alexx Stahl einen etwas zu deutlichen Metal-Touch den Songs hinzufügt und damit zu weit weg von Gillan oder Dio (Rainbow wird mit "Temple of the King"  und "Difficult to cure" gehuldigt) ist, doch in der Tat macht Stahl einen ausgezeichneten Job.

Kracher wie "Burn", "Stormbringer" und natürlich das unverwüstliche "Smoke on the Water" werden stilvoll und filigran in die Rillen geschossen. Besonders die Bandbreite macht den Reiz der Band aus. Blackmore-Songs aus den unterschiedlichen Perioden an einem Abend zu hören ist einfach etwas Besonderes. Musikalisch ist also alles in bester Ordnung, die Band spielt tight und klingt so authentisch wie möglich, wenn man eben nicht selber Blackmore, Gillan und Co ist. Besonders beeindruckend ist natürlich Blackmores Meisterwerk "Child in time", das hier in voller Länge von knapp 15 Minuten zelebriert wird (siehe Video unten).

Was Purple Rising auf "Made in Purple" abreißen, übersteigt zudem in Gänze Blackmores Rainbow-Reunion (Fotos HIER) in diesem Jahr. Authentischer klingt der Chef nicht einmal selber. Die CD ist HIER erhältlich.

 

Fazit: Fast besser als das Original 

 

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Review: Elder Scrolls Skyrim (PS4)

skyrElder Scrolls: Skyrim ist vielleicht das beste Spiel, das es jemals gab. Skyrim ist ein echtes Epos - von der schieren Größe der Spielwelt, über die Vielfalt der Aufgaben und dem Reichtum der Geschichte bis hin zu den actionreichen Kämpfen! Bethesda hat das beste Spiel aus der Elder Scrolls-Serie gebastelt.Auf der PS3 sorgte Skyrim für hunderte Stunden Spielpaß. Nun wurde das Spiel für die nächste Konsolengeneration neu aufgelegt. Neu bezieht sich dabei vor allem auf die Grafik. Die wurde deutlich aufgebohrt, ein Top-Grafik-Titel der PS4 ist es freilich nicht geworden, da war die Engine schon zu verstaubt. Dennoch: Wasser und Wettereffekte wurden derart aufgehübscht, dass man wie schon bei der PS3-Version einfach eimal minutenlang die Nordlichter beobachten möchte (siehe Foto unten). Die Story wurde nicht verändert, doch auch, wer diese bereits durch hatte, es gibt so viele Nebenquests, dass man getrost noch einmal von vorne beginnen mag. Beeindruckend ist bei Skyrim weiter, dass quasi alles möglich ist.

Einige Beispiel? Zaubertränke herstellen, Heiraten, Reisen, Kämpfen, zum Werwolf oder Vampir werden, sich als Dieb betätigen, Schwerter oder Rüstungen schmieden und und und. Dazu gibt es eine so dermaßen große Fülle an Missionen, dass das Spiel sicher für weit über 150 Stunden nicht langweilig wird. Die Kämpfe sind zu Beginn etwas zäh, vereinfachen sich aber mit gestiegener Charakterstufe deutlich, auch, wenn sie selbst dann noch kein Zuckerschlecken ist. Hier wird geschwitzt. Da ich einer dieser Menschen bin, die die Musik fast immer ausstellen, sagt die Tatsache, dass ich sie bei Skyrim für unverzichtbar für die Atmosphäre halte, bereits alles über deren Qualität aus. Was gibt es zu meckern?

Nicht viel: Die 3D-Weltkarte ist sehr hübsch anzuschauen, aber nicht immer leicht zu steuern. Desweiteren ist die eigentliche sehr gute Synchronisation von zu vielen Wiederholungen geprägt. Die Übersetzung fällt etwas sehr streng aus. Warum Riverwood unbedingt sklavisch übersetzt Flußwald heißen muss, entzieht sich meinem Verständnis. Die PS4-Fassung hat alle erhältlichen Erweiterungen an Bord und kann zudem auf die Mod-Unterstützung der PC-Freaks bauen. Erstmal aus der PS4 ist es möglich ein Spiel mit Mods zu bereichern. Volle Punktzahl

 

Fazit: Skyrim  ist und bleibt genial

 

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skywa

Review: Titanfall 2 (PS4)

81A82C07dqL. SL1500 Titanfall, die Zweite: Nachdem im ersten Teil nahezu keine Singleplayer-Kampagne existierte (es waren eher aneinander gereihte Multiplayer-Parts mit Bots) und so das Spielerlebnis komplett verwässert wurde, macht Respawn Entertainment es zwei Jahre später viel besser. Wieder sind wir ein Tita-Pilot (eine Art Mech-Gigant) und wieder können wir diesen mechanischen Gesellen auch verlassen, um im Shooter-Stil durch die Gegend zu rennen. Apropos Gegend: Die Grafik beim zweiten Fall der Titanen ist grandios, absolut State of the Art und beeindruckt mit authentischen Pflanzen und glitzernden Wassereffekten. Stark. Auch spielerisch geht Titanfall 2 gut von der Hand. Lediglich die Walljumps des Piloten sind etwas tricky, doch mit etwas Übung läuft's - im wahrsten Sinne des Wortes. Kommt man einmal nicht weiter, gibt es eine Art Geist, der einem den richtigen Weg weist. Sehr schön. Der blitzsaubere Single-Player-Teil macht eine Menge Spaß, hat eine plausible Story (in der der Titan allerdings charaktervoller ist als der Mensch) und ist ein Volltreffer. Online geht es wie schon im ersten Teil ebenfalls mächtig ab. Das Online-Spiel hat zudem den Vorteil, dass man es hier nicht mit der leicht bräsigen KI zu tun hat. Die meisten Gegner sind nichts anderes als Kanonenfutter. lediglich die Kämpfe Titan vs. Titan sind deutlich anspruchsvoller und sorgen für schweißtreibende Aktionen.

Unterm Strich ist Titanfall 2 ein Volltreffer, zudem eines der derzeit grafisch beeindruckendsten Games auf dem Markt.

 

Fazit: Volltreffer mit wunderschöner Grafik und scheppernden Mech-Fights

 

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Batman: The Telltale Series (PS4)

81hgHuf2HL. SL1500 Telltale haben über die vergangenen Jahre eine ziemlich eigene Art erschaffen, ein Spiel zu "erzählen". Sei es "The Walking Dead" oder "Game of Thrones" - im Mittelpunkt stehen Dialoge und Entscheidungen, die der Spieler zu treffen hat und die zum Teil die Story beträchtlich verändert. Action-Sequenzen beschränken sich auf "schnell Dreieck drücken, nach den Steuerknüppel hochreissen" etc. Das ist auch bei Batman: The Telltale Series nicht anders und funktioniert wieder ausgesprochen gut, fokussiert es doch auf das Wichtige: die Handlung. Die ist nämlich durchaus explosiv und eine ist eine völlig neue Interpretation der ikonischen Batman-Geschichte. Mal ist man Bruce Wayne, mal "The Batman". Ein atmosphärisches Superhelden-Drama wird hier geboten und beleuchtet einige unglaubliche Details. Etwa, ob der Vater von Bruce Wayne, Thomas, gar nicht der Strahlemann war, für den ihn ganz Gotham immer gehalten hat. Wer immer schon einmal erleben wollte, wie der Pinguin Wayne Enterprise übernimmt, muss hier einfach zugreifen. Das Spiel ist in fünf Episoden aufgeteilt, die einzeln zu erwerben sind. Teil eins gibt es sogar gerade gratis! Das Spiel ist hervorragend, die Grafik im Comicstil, lediglich einige Animationen sind ziemlich bescheiden. So laufen alle Charaktere, als hätten sie einen Hüftschaden. Schlimm. Ansonsten gibt es aber nix zu meckern! Zuschlagen, Ihr Batsy da draußen.

 

Fazit: Tolles Storytelling im Batman-Style

 

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Review: Robert Pehrsson's Humbucker - Long Way To The Light

robsAls der Schwede Robert Pehrsson nach Gastspielen bei Bands wie Runemagick, Thunder Express, Death Breath, Dundertåget, Imperial State Electric, Slingblade und Dagger 2013 seine eigene Band ins Studio schleppte, um das Debüt von Robert Pehrsson's Humbucker einzuzimmern, erschuf er eine magische musikalische Zeitreise und eines der wärmsten und bestklingendsten Alben der letzten zehn Jahre. 

Besonders beeindruckte die luftige Produktion der CD, die eine wahre Wohltat in den Ohren war. Weit weg von überproduzierten Werken vieler anderer neuer Bands, wo es nur um fetter, härter, lauter zu gehen scheint, war Robert Pehrsson's Humbucker als echter Ohrgasmus zu bezeichnen. Das alles wäre natürlich nichts ohne großartige Songs und auch hier punktete der Gitarrist auf ganzer Linie.

Kein Wunder, dass er sich gut drei Jahre Zeit ließ, um ein Nachfolgewerk einzuspielen. Mit "Long way to the light" liegt das nun vor und es hat sich wenig geändert, was in diesem Fall ein Glücksfall ist. Erneut klingt die Scheibe so herrlich analog, mehr Old-School geht gar nicht. Musikalisch beschreitet Robert zum Glück ebenfalls kein Neuland. Zwischen Thin Lizzy-Twingitarren, Ace Frehley-Solo-Reminiszenzen (etwa in "Traveling through the dark") und klassischem Ami-Rock der späten 70er und frühen 80er Jahren bewegen sich Pehrsson's Humbucker gekonnt und geschmacksicher. 

Das Album beinhaltet acht brandneue Stücke sowie eine Neubearbeitung des bereits von der Single her bekannten und sehr dem Thin Lizzy-Geist atmenden “The Hollow Of A Rising Tone”. Ein würdiger und (nur wenig schwächerer) Nachfolger für eine der tollsten Debüt-CDs seit sehr langer Zeit. Die hatte in Sachen Songwriting noch einige Glanzlichter mehr zu bieten und ist dementsprechend leicht besser zu bewerten (6 von 6 HIER).

 

Fazit: Toll klingender Classic-Rock mit starken Songs

 

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Review: Mötley Crüe - The End

theenedMötley Crüe ist am Ende. Ganz hochoffiziell und selbst herbeigeführt. Die Abschiedstour füllte vor allem in den USA (in Düsseldorf - Fotos HIER - hätte es voller sein können) noch einmal die großen Hallen. Die letzte Show im Staples Center in Los Angeles wurde natürlich mitgeschnitten und läuft an einem einzigen Tag in den deutschen Kinos. Wer das verpasst, kann zur BluRay greifen. Die bietet ein ziemlich fettes Optik-Spektakel: Die Bildqualität ist herausragend, der Sound sehr gut und über die Songs der Crüe braucht man nicht viele Worte zu verlieren. Es ist alles dabei, was die Fans hören wollen: “Kickstart My Heart”, “Girls, Girls, Girls”, “Home Sweet Home”, “Dr. Feelgood” -  die "Saints of Los Angeles" ziehen alle Register. Die Show selber ist ein Bombastbrummer der Extraklasse.

Nikki Sixx ballert mit seinem Flammenwerfer durch die Halle, Vince Neil schiebt den immer stattlicher werdenden Bauch quer über die Bühne und singt ganz passabel. Das hat man schon viel schlechter gehört. Mick Mars ist krankheitsbedingt reglos wie eh und je, haut dabei aber furiose Sololicks aus den Fingern, während Tommy Lee sich als Höhepunkt der Show mit dem Rollercoaster in die Luft begibt, dort aber auf der Hälfte stecken bleibt. Das Ding gab ausgerechnet bei dieser letzten Show den Geist auf. Wie passend. "The End" ist ein ziemlich beeindruckendes Live-Dokument einer Band, die fernab vom Höhepunkt ihrer Leistungsfähigkeit noch einmal alles gibt und damit punkten kann. Und, wenn wir ehrlich sind, ist es ohnehin ein Wunder, dass die Skandaltruppe bis heute überlebt hat. Wer "The Dirt" gelesen hat, weiß, was gemeint ist. 

Das große Finale der Show bildet  “Kickstart My Heart”, bei der Nikki Sixx und Vince Neil auf gigantischen Hebebühnenkonstruktionen über das Publikum "fliegen", bevor mit  “Home Sweet Home” auf einer kleinen, zweiten Bühne inmitten der Fans die Lichter ausgehen. Ein würdiger Abschluss. Als Extras gibt es einige Interviews, die leider ziemlich weichgespült in den Aussagen sind, dazu erzählt Nikki über die Entstehung seines Flammenwerfers, während wir Tommys Drum-Rig bestaunen können. Das ist alles nicht üppig, mehr wäre hier mehr gewesen.

Untertitel gibt es keine, für eine internationale Produktion mit Interview-Anteilen ist das ungewöhnlich und, auch, wenn man die Jungs gut versteht, wäre das sicherlich ein überschaubar zu leistender Mehrwert gewesen. Die Spielzeit der Scheibe beträgt 153 Minuten.

 

Fazit: Würdiger Abschluss, dem ein wenig Mehrwert gut getan hätte

 

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Die Tracklist:

 

Girls, Girls, Girls
Wild Side
Primal Scream
Same Ol' Situation (S.O.S.)
Don't Go Away Mad (Just Go Away)
Smokin' in the Boys' Room
Looks That Kill
Mutherfucker of the Year
Anarchy in the U.K.
In the Beginning
Shout at the Devil
Louder Than Hell
O Fortuna
Drum Solo
Guitar Solo
Saints of Los Angeles
Live Wire
T.N.T. (Terror 'N Tinseltown)
Dr. Feelgood
Kickstart My Heart

 

Encore:
Home Sweet Home

Review: Mafia 3 (PS4)

81iz1c16feL. SL1500 Einmal auf links gedreht hat das Entwicklerstudio Hangar 13 die Mafia-Reihe mit Mafia 3. Waren wir in den ersten beiden Teilen noch überzeugte old-schoolige und vor allem italienische Mafiosi, ist nun alles ganz anders und wir trachten den europäischen Einwanderern nach dem Leben und übernehmen ihre Geschäfte. Wir, das ist der farbige Vietnam-Veteram Lincoln Clay, der in der fiktiven Stadt New Bordeaux (eindeutig New Orleans), Ende der 60er Jahre sich neben harten Geschäften auch mit einer ganzen Menge Rassismus beschäftigen muss. Nach Jahren des Kampfes in Vietnam kennt Lincoln Clay die Wahrheit: Familie ist nicht das, wo man hineingeboren wird, sondern das, wofür man stirbt. Wieder zu Hause in New Bordeaux will Lincoln seiner kriminellen Vergangenheit entfliehen. Doch als seine Ersatzfamilie, die schwarzen Gangster, von der italienischen Mafia verraten und ausgelöscht wird, gründet Lincoln auf der Asche der Vergangenheit eine neue Familie und schlägt eine Schneise der Rache und Vergeltung durch die Reihen der Verantwortlichen. 

Die Mafia-Reihe hatte immer schon etwas von GTA, nur mit dem spannenden Mafia-Setting. Das ändert sich auch mit Teil 3 nicht. Die Story wird famos erzählt, kann aber nicht von einigen Gameplay-Problemen ablenken.

Die Grafik ist eher unterdurchschnittlich und die KI leider strunzdumm. Ein Beispiel? Will man an einen Mafia-Boss muss man auf dessen Gelände stets eine wirklich große Anzahl an Beschützern ausschalten. Hat man einen angelockt (ein kurzer Pfiff reicht) und diesen um die Ecke gebracht, kommt irgendwann der nächste. Fast nie kommen zwei, drei, um zu sehen, was los ist. So kann man mit etwas Geduld und ohne große Ballerei ein Areal säubern, bevor man zum Boss schleicht. Schwach. Dennoch macht Mafia in vielen Momenten durchaus Spaß. Etwa dann, wenn es tief in die US-Amerikanische Geschichte geht, die Passanten über die üblichen Rassenprobleme der damaligen (und leider auch heutigen) Zeit reden, wenn das Radio 60er-Klassiker spielt, man mit den coolen Autos dieser Zeit durch die hübsch gestaltete Stadt braust. Die Auftragsarten wiederholen sich leider relativ schnell, GTA ist hier wesentlich abwechslungsreicher. Auch die Interaktion mit Passanten oder der Polizei ist mäßig. So kann man bequem mit einer Leiche auf dem Rücken durch die Straßen laufen ohne, dass jemand Alarm schlägt. Klaut man ein Auto hingegen, hängt sich sofort ein besorgter Bürger ans Telefon. Unterm Strich haben wir hier ein Spiel, dass durch seine Erzählstruktur (immer wieder werden die Zwischensequenzen mit Flashbacks aufgelocktert, in denen Agenten von heute erzählen, wie es damals in den 60ern gelaufen) überragt, dem aber die Spielmechanik den ein oder anderen Strich durch die Rechnung macht.

 

Fazit: Tolle Story, Gameplay so lala, Grafik auf PS3-Niveau (!)

 

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Review: Perzonal War - Inside The New Time Chaoz

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Bereits seit 20 Jahren ist die Trash-Metal-Band Perzonal War aus Troisdorf im deutschen Metal Untergrund am Werkeln. Aus diesem feierlichen Anlass hat die Band, um die Gründungsmitglieder Matthias Zimmer (Gitarre und Gesang) und Martin Buchwalter (Schlagzeug), mit „Inside The New Time Chaoz“ ein 20th-Anniversay Album vorgelegt. Die Scheibe, die insgesamt 11 Songs zählt, ist eine Mischung aus den ersten beiden Alben der Band. Fünf Lieder entstammen der ersten Platte „The Inside“. Die zweite Hälfte präsentiert sechs Tracks ihrer zweiten CD „Newtimechaoz“, das im Jahr 2000 erschien. Beide Alben sind schon lange ausverkauft, so entschloss sich das Quartett die beiden Scheiben im aktuellen Line-Up erneut aufleben zu lassen. Die alten Songs wurden neu aufgenommen, anders arrangiert und teils geändert. Das Wesen der Original-Stücke bleibt dabei erhalten. Fans der ersten Stunde wird es freuen, dass die ehemaligen Bandmitglieder Frank Buchwalter, Sascha Kerschens und Sven Krautkrämer ebenfalls mit von der Partie sind. Wie schon beim Original, weiß man beim ersten Song, woran man ist. „The Inside“ offenbart Trash-Metal vom Feinsten, gepaart mit melodischem Gesang. Weiter geht es mit D.O.P. Ähnlichkeiten zu Metallica können hier nicht geleugnet werden. Die Gitarrensoli des dritten Tracks, „Good & Evil“, bleiben besonders in Erinnerung, bevor es mit „Hornet“ weiter geht. Das Musikstück ballert anfangs ganz ordentlich, besticht aber auch mit langsameren Zügen. „Putrefaction Of Mind“ ist ein genialer Midtempo der ebenfalls mit schnelleren und ruhigen Passgen, vor allem aber mit einem tollen Refrain glänzt. Beim ersten Song des jüngeren Albums „Newtimebitch“ erinnert der Gesang abermals an Metallicas James Hetfield. Die wiederholenden Parallelen zu Metallica sind keineswegs schlecht, nerven aber an manchen Stellen etwas arg. Das Songwriting ist klassisch, doch nicht langweilig. Mit „Area Black“ folgt eine recht düstere Nummer, die jedoch die Vielfalt der Band hörbar macht. Spätestens bei „Mother Darkness“ ist die Stimmung aber wieder oben auf. 

 

 

Fazit: Gelungenes Revival der alten Songs

 

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Review: Lemmy

Als der Gottvater des harten Rocks, der Inbegriff des Rock'n'Roll-Lifestyle im Dezember 2015 verstarb, war die Musikwelt geschockt und sie ist es noch. Lemmy, der sollte doch unsterblich sein, uns alle überleben. Immerhin gibt es zahlreiche Dokumente (unter anderem auch unsere vielen Live-Fotos von Motorhead, z.B einen Monat vor seinem Tod HIER, HIER im Jahr 2014 oder HIER im Jahr 2010), die Lemmy dann doch unsterblich gemacht haben. Die Doku "Lemmy" ist ein gutes Beispiel dafür, wie wir Lemmy auch posthum am Leben halten. Schon die Gründung der heute weltberühmten Speed-Metal-Formation Motörhead geschah aus reinem Trotz: "Motörhead" war der Name des letzten Songs, den Lemmy für die Space-Rocker von Hawkwind schrieb, bevor die ihn wegen seines Speedkonsums aus der Band schmissen. Nicht dass seine ehemaligen Band-Kollegen keine Drogen nahmen, aber die waren Lemmy zufolge bei seinen Ex-Space-Rock-Kollegen eher "organischer Natur" – diese Details präsentiert die grandiose Doku „Lemmy“. Lemmy blieb bei Speed und wurde mit Motörhead zu einem Vorreiter des Speed-Metal. Er selbst lehnte die Zuordnung zum Metal jedoch Zeit seines Lebens ab und bezeichnete die Musik von Motörhead schlicht als "Rock'n'Roll".

"Lemmy" präsentiert einen ritterlichen Rocker. Lemmy lebte nicht nur exzessiv, sondern hatte insbesondere auch seinen eigenen Kopf. Lemmy Kilmister war nie verheiratet. So lehnte er, nachdem seine Freundin Susann Bennett - die große Liebe seines Lebens - im Alter von 19 Jahren an einer Überdosis Heroin starb, trotz seines unverhohlenen eigenen Drogenkonsums zeit seines Lebens Heroin ab und kritisierte scharf das Versagen der Regierungen bei der effektiven Kontrolle dieser Killer-Droge. Überhaupt war Lemmy - ganz entgegen seinem Image als ausgekochter Rock'n'Roller - Frauen gegenüber ausgesprochen höflich und zuvorkommend. So bemerkt Corey Parks, die Bassistin der Nashville Pussy, im Film seufzend, dass Lemmy "ein so ehrbarer und großzügiger Mensch" sei.

 

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In "Lemmy" kommen darüber hinaus zahlreiche Musikerkollegen und weitere Bewunderer des "Godfather of Heavy Metal" zu Worte. Zu diesen gehören neben sämtlichen Bandmitgliedern von Metallica, ebenfalls Scott Ian von Anthrax, Slash von Guns N' Roses, Alice Cooper, Henry Rollins, Ozzy Osbourne und viele, viele mehr. Der Film erzählt auf höchst unterhaltsame Weise die spannende Lebensgeschichte des unangepassten Briten, der sich niemals und von niemanden hat verbiegen lassen und der stattdessen immer seinen ganz eigenen Weg gegangen ist. Lemmy ist für viele Menschen weit über die Heavy Szene hinaus ein inspirierendes Vorbild dafür, wie man trotz des möglichen Geschreis um einen herum, völlig ohne Kompromisse sein eigenes Ding machen kann.

Alle Fans von Lemmy und jene, die es vielleicht jetzt noch werden wollen oder sich einfach ein Bild dieses spannenden Menschen machen wollen, können die Dokumentation Lemmy aktuell auf Maxdome sehen.