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Mittwoch August 15, 2018
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Review: Solitary Men - Refuge

refuge solitary men f534327256Peavy Wagner, Manni Schmidt & Christos Efthimiadis waren mal Rage, jetzt sind sie Refuge. Also irgendwie so etwas wie ein Zeitmaschinen-Rage. Mit „Solitary Men“ gibt es nun eine neue Scheibe - direkt aus der Vergangenheit sozusagen. Aber, wer jetzt Altbackenes erwartet, darf zum Glück enttäuscht sein: Dem Trio merkt man zu jeder Zeit auf dieser Scheibe die wiedergewonnene gemeinsame Spielfreude an. Gleich "Summer's Winter" zeigt, wo hier der Hammer hängt und die recht rau produzierte Nummer besticht durch melodische Höhepunkte und furioses Schlagzeuggewitter.

Übers Peavys Gesang zu streiten, lohnt hingegen nicht. Wie kaum ein anderen Metalsänger in Deutschland spaltet der Bassist die Kopfschüttelgemeinde. Klassischer Fall von: Hassen oder Lieben. Was man ihm auf "Solitary Men" aber niemals vorwerfen kann, ist, dass er es an Variabilität vermissen lässt. Ob Knurren (etwa im besten Song des Albums "The Man In The Ivory Tower“) oder lange nicht mehr gekannte "Höhenflüge" ("Waterfalls) - er haut alles raus, was er kann und so, wie er es kann.

Instrumental ist sowieso alles in Butter: Manni Schmidt zockt mit einer Attitüde zwischen Rotzigkeit und Virtuosität, dass man langsam versteht, warum Ausnahmetechniker Victor Smolski Peavy bei Rage irgendwann zu glatt war. Zur Musik, die Refuge hier anbieten, ist Schmidt der richtige Mann. Christos Efthimiadis ist ebenfalls über jeden Zweifel erhaben, auch hier ist die richtige Portion "Roughness" im Spiel. Das Songwriting ist an manchen Stellen zu schematisch. Manche würden es "Stil" nennen, ich finde einen Song wie "We owe a life to death" zu vorhersehbar und er kommt mir zu bekannt vor. Das gleiche gilt für "Mind over matters" mit seinem schunkeligen Mitgröhlrefrain. X-fach gehört, ein Fall für den sanften aber bestimmten Skip-Touch.

Ansonsten machen Refuge auf der Langrille nicht viel falsch, im Gegenteil, sogar vieles richtig, dass man sich manchmal die Frage stellt, warum man Rage jetzt auch noch braucht. Mal sehen, wohin die Zeitmaschine die Band noch katapultiert.

 

Fazit: Refuge waren mal Rage und klingen auch so - gutes "Debüt"

 

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Review: Race to Resurrection - Motorjesus

Motorjesus RaceToRessurection Artwork400x400-400x400Platz nehmen im Cockpit, das Anschnallen nicht vergessen, denn was jetzt kommt, könnte zu einer ernsthaften Benzinabhängigkeit in Verbindung mit exzessivem Geschwindigkeitsrausch führen: Motorjesus treten auf "Race of Resurrection" das Gaspedal derart durch den Fahrzeugboden, dass zu "befürchten" ist, man könnte die Mönchengladbacher in Zukunft nur noch auf den ganz großen Bühnen aus weiter Entfernung über Stadionmonitore bestaunen. Was lange als Geheimtipp für kleine Racetracks galt, schickt sich an, in Kürze ins Formel 1-Geschäft einzusteigen. Dabei wurde das Kraftstoffgemisch gar nicht groß verändert. Nach dem Line-up-Wechsel (Gründungsmitglied Guido Reuss ist wieder raus, ebenfalls Bassist Roman Jasicak) haben Andy Peters (git), Chris "Howling" Birx (voc) und Oliver Beck (drums) den neuen Boliden in der Garage zu dritt eingehämmert. 

Viele Momente, die auf "Race of Resurrection" für Begeisterung sorgen, waren schon immer Bestandteil des Motorjesus-Sounds. Das überaus fette "King  Collider" hätte auch auf dem Überalbum "Wheels of Purgatory" sein können zum Beispiel. Dennoch präsentiert sich das Songwriting dieses Mal eine Spur reifer, ausgefeilter, ohne die angeborene Rotzigkeit aufgeben zu müssen. Der Opener "Tales  From  The  Wrecking  Ball" etwas ist ein nahezu perfekter Motorjesus-Song, der mit dem chirurgischen Einsatz der Twingitarren fast alle anderen Fahrer im Metalfeld bereits nach der ersten Runde des Rennens im Staub hinter sich lässt.

Und so rocken sie sich Runde um Runde durch den 13-Tracks starken Rundling, ohne auch nur einmal in Gefahr zu raten, die Pole Position des deutschen Hardrocks abzugeben. Ja, Birx und Co brausen derart souverän durchs Rennen, dass - und hier ist das Überraschungsei der CD versteckt - sie es sich erlauben können, kurzfristig vom Gas zu gehen. Was dabei herauskommt, ist mit der grungigen Powerballade "The  Infernal" schlichtweg einer der Top 3-Songs der Bandgeschichte. Mehr Seattle, mehr 90er-Vibe ist aus Mönchengladbach, ja aus ganz Deutschland, nicht herauszupressen. Gibt's was zu meckern? Wenig. Vielleicht ist "Speedway Sanctuary" etwas beliebig und fällt leicht ab gegenüber Megatracks wie die bereits genannten, aber auch "The Storm", "Re-Ignite" oder "Running out of time" (geiler Refrain). Ansonsten ist alles perfekt geölt und der Wagen läuft wie geschmiert. Damit ein Rennwagen geil ist, muss er auch dröhnen und tönen und hier hat Dan Swanö von Unisound bei der Produktion (wieder) grandiose Arbeit geleistet. "Race of Resurrection" drückt ohne den Hörer zu erdrücken. 

 

Tipp: Motorjesus feiern die Veröffentlich von "Race to Resurrection" am Freitag, 15.Juni, im Essener Turock mit ihrer Releaseshow.

 

Fazit: Fetter Racer mit einer Seattle-Über-Mega-Powerballade (im besten Sinne des Wortes)

 

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Review: The Road To Hell - Sunstorm

SUNSTORM The Road To Hell 1fbaf5c585Die Band Sunstorm kehrt mit ihrem fünften Studioalbum „The Road To Hell“ zurück. Bereits 2006 erblickte das erste Album das Licht der Welt. Ausnahmesänger Joe Lynn Turner (Deep Purple, Rainbow, Rising Force) und Bassist Dennis Ward (Pink Cream 69) gründeten seinerzeit die Combo. Sie bleiben dem Stil des vorherigen Album „Edge Of Tomorrow“ dabei auch auf der neuen Rille treu.

"Only the Good Will Survive" gibt den Startschuss zu „The Road To Hell“. Schöne Riffing-Parts, die Powerchords knallen und Turner ist in guter Form. Sofort ist der 80er Jahre Rockmetal-Modus angeknipst. Das perfekte Terrain für Turners Stimme. Der Chorus geht direkt ins Ohr und ein dickes Solo bereitet mich auf das vor, was noch kommen mag.

Track zwei - Namensgeber des Albums „The Road to Hell“ - ist ebenfalls sehr eingängig. Del Vecchios Keys und die Gitarre legen sich um Turners hier sanfteren Vocals. Im Refrain ziehen die Jungs noch mal an und Mulatoni zaubert erneut ein fettes Gitarrensolo. Definitiv ein guter Einstieg für das neue Album.

Der Chorus von „Blind The Sky“ hat sich so tief in mein Hirn gekämpft, das ich hier das Prädikat Hardcore-Ohrwurm vergebe. Absolut Livetauglich. Der Chor stärkt Turner den Rücken und macht „Blind The Sky“ zu einem echt heißen Teil.

„Future to Come“ drückt noch mal etwas nach. Joe singt dieses Stück ein wenig aggressiver. Dies ist definitiv einer der härteren Songs auf „The Road To Hell“. Zugegeben, oftmals sind die Songs etwas vorhersehbar. Aber die perfekt untergebrachten Soli reißen es wieder raus.

„Everywhere“ beginnt sehr melodisch mit Keyboard und Gitarre. Selbst wenn man kein Wort englisch versteht, begreift man sofort, dass es um verlorene Liebe geht. Deine Alte hat dich verlassen? Hier ist dein Song für die Kneipe, um ein melancholisches Bier auf den ganzen Frust zu saufen. Turner kennt den Schmerz und kehrt ihn für dich mit Sunstorm nach außen. Die perfekte 80er Ballade.

 

Fazit: Classicrock-Fans werden sich an „The Road To Hell“ laben.

 

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Review: Queen of Time - Amorphis

amorphis-queen-of-timeEine der erfolgreichsten finnischen Metal-Bands kehrt mit einem überraschenden Album zurück. In ihrer fast drei Dekaden andauernden Bandgeschichte hat „Amorphis“ einige Metamorphosen mitgemacht. Vom Death-Metal wandten sie sich irgendwann mehr dem Progressive-Metal zu und verstrickten finnische und arabische Elemente in ihren Songs. Diese findet man auch vermehrt in ihrem zehn Tracks starken "Queen of Time" wieder.

„The Bee“ berauscht durch die zahlreichen harmonischen Wechsel und die vielen Arabesque-Einlagen mit der Gitarre. Der Mix aus Growls und den cleanen und starken Chorus-Parts wird begleitet von choralem Gesang und den harmonischen Wechseln. Was eine Biene mit Metal zu tun hat, ist mir leider trotzdem nicht klar.

Es ist mir bewusst, dass das Wort „episch“ in der Vergangenheit zu inflationär gebraucht wurde, jedoch vergebe ich dieses Prädikat an „Wrong Direction“. Extrem melodisch, sehr eingängiger Chorus, und das Gefühl dabei den finnischen Wind entgegen geblasen zu bekommen – am Ende endlich noch ein paar Growls dazu - Danke!

„Amongst Stars“ kommt ähnlich melodisch und noch gefälliger daher. Die härteren Growl-Parts werden dann durch die Vocals von Anneke von Giersbergen verschnörkelt. Bisschen mehr Dampf hätte schon sein dürfen.

Sind die Finnen bei „Golden Elk“ vielleicht fremdgegangen und haben sich an einem Hamburger-Schiffshorn bedient? Spaß beiseite, der Track geht gut nach vorne. Die arabischen Elemente mit den härteren Vocals haben für mich Ohrwurm-Potenzial. Das Riff will man direkt nachklimpern. Mit „Heart Of A Giant“ liefern die Finnen einen absoluten Live-Intro-Track. Ich wiederhole: pure finnische Epik. Mal sehen welchen Einstieg die Finnen dann beim diesjährigen Auftritt bei Wacken aus dem Hut zaubern. Insgesamt drei Shows haben sie 2018 in Deutschland.

Insgesamt bleiben Amorphis in „Queen Of Time“ ihrer Linie treu. An mancher Stelle dürften Sie gerne wieder härtere Seiten aufziehen.

 

Fazit: Album Nummer 13 ist alles andere als eine Unglücksplatte

 

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Review: Kings among Scotland - Anthrax

anthrax-kings among scotlandAusnahmsweise gute Neuigkeiten aus Amerika: Anthrax hauen 2018 mit "Kings among Scotland" ein Live-Album raus, das überzeugt (auch, weil die ganze Among the Living am Stück gespielt wird). Das erste was einem bei dem Album ins Auge fällt: das Cover kommt einem ziemlich bekannt vor. Der Grund ist „Rock And Roll Over“ von KISS. Mit dem Live-Recording tut Anthrax der Thrash-Metal-Szene einen Gefallen. Neben der 18-Tracks umfassenden Doppel-CD, bekommt man noch das Live-Erlebnis für Ohr und Auge auf DVD dazu, inklusive Behind-The-Scenes-Einblicken und Interviews mit der Besetzung. Dass sie Thrash-Metal-Titan und ein Viertel der „Big 4“ sind, beschert den Jungs ein entsprechend vorgeheiztes Publikum.

Joey Belladonna besticht auch in den Höhenlagen, liefert einfach ab und bestätigt seinen Status als bester Sänger der Szene (*hüstel  - red). Bei dieser Bandgeschichte und dem enormen Repertoire hat Anthrax einiges zu bieten. „A.I.R“ nur der Einstieg, es folgt Kassenschlager nach Kassenschlager und das schottische Thrash-Metal-Publikum feiert. Mit von der Partie: „Madhouse“, „Medusa“, „Indians“ und zum Abschluss „Antisocial“. Natürlich vieles aus der Feder von Belladonna.

Nach vielem hin und her in der Besetzung wirken die New Yorker extrem gut aufeinander abgestimmt. Die Chemie passt und sie scheinen in bester Tour-Laune zu sein. Die Drums klingen dynamisch, der Bass solide und die Gitarre sowohl stark in den melodischen Parts, als auch exakt in den raschen Thrash-Riffs. Die Produktion ist knackig, direkt und organisch und man fühlt sich mit den fünf Jungs von der amerikanischen Ostküste.

Die Trackliste erinnert stark an die vier Jahre alte „Chile On Hell“. Wenn man ganz vernünftig sein möchte, würde „Kings Among Scotland“ einem also erstmal nicht viel Neues bieten. Aber wer ist als Fan schon vernünftig? Wer Joey Belladonna zugetan ist, wird mit Sicherheit zugreifen und auch keinen Fehler begehen. Immerhin enthält das neue Release drei große Darbietungen von Anthrax des letzten hochwertigen Studioalbums „For All Kings“ mit „Evil Twin“, das epische „Blood Eagle Wins“ und der melodischen Power-Ballade „Breathing Lightning“.

 

Fazit: Anthrax erschaffen sich ein neues Denkmal ihrer Live-Expertise

 

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Review: Peace - Graveyard

graveyard-peaceGraveyard sind zurück mit ihrem fünften Album. Die Schweden zeigen auf „Peace“, dass die Reunion die richtige Entscheidung war. Volle Bärte und lange Haare sind zwar kein Garant für harten Rock, aber bei den Jungs greift das Klischee. Joakim Nilsson haut einem seine verrauchte Stimme um die Ohren, wie wir es von ihm gewohnt sind. Und das Album ist sogar auf farbigem Vinyl erhältlich – da schlägt mir das Herz schon höher. Wer sich schon mal mit Motörhead und Iron Maiden die Bühne geteilt hat sollte es auch besser Faustdick hinter den Ohren haben. Die Schweden nehmen sich für ihre Produktion viel Zeit für Kreativität und das Abstimmen untereinander – mit Erfolg.

Mit „It Ain’t Over Yet“ liefert die Platte einen starken, dynamischen Einstieg. Und das war erst der Anfang des Albums. Kann es da noch viel besser werden? Mit dem zweiten Track „Cold Love“ wippt wohl auch der kritischste Hörer spätestens mit dem Kopf mit. Starkes Gitarrenintro mit der Gibson ES-330 gepaart mit Nilssons kernigen Vocals. Eine kleine Verschnaufpause gibt es dann bei „See The Day“ und „Bird Of Paradise“. Hier kommt Truls Mörck, der Bassist zu Wort. Zugegeben: gegen das massive Stimmvolumen von Joakim Nilsson kommt er nicht wirklich an.

Doch nach jedem kleinen Päuschen wird wieder gerockt was das Zeug hält, wie auch in „Please Don’t“ wo selbst mir die oftmaligen Vergleiche mit Led Zeppelin oder Black Sabbath in den Kopf steigen. Wenn sich dann noch die Orgel in die Harmonien verirrt, bin ich vollkommen in den 70ern gefangen.

Der Track „A Sign Of Peace“ kommt mit so viel Druck daher, dass man am Ende alles andere als Frieden empfindet. Doch mit dem letzten Part auf „Peace“ lässt Graveyard mit „Low (I Wouldn’t Mind)“ keinesfalls einen trostlosen Friedhof (engl. Graveyard) zurück. Die Platte ist vielseitig, lebendig und trotz einiger bekannter Züge nicht nur ein Mix aus dem, was das Ohr schon kennt. Beim Album bleiben sie wieder ihrer 40-Minuten Kassettenlänge treu und hinterlassen am Ende die Hoffnung, dass das nächste Album bitte nicht so lange auf sich warten lässt.

 

Fazit: Graveyard sind vom Friedhof zurückgekehrt und lebendiger denn je

 

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Review: AO Tennis vs Tennis World Tour

tennis2Jahrelang mussten Tennis-Fans die alte PS3 entstauben, um mit Top Spin oder Virtua Tennis Wimbledon auf die heimischen Flachbildschirme zu zaubern, nun kommen mit AO Tennis International und Tennis World Tourgleich zwei Tennis-Spiele in einem Monat heraus. Unser schneller Tie-Break enthüllt, welches davon brauchbar ist.

 

Aufschlag AO: Weniger Lizenzen, dafür eine breite Onlinebasis und eine Community, die Spieler von Ivan Lendl bis Boris Becker bereits modelliert hat. Dazu kann man eigene Stadien bauen und individuelle Kleidung erstellen. Return von Tennis World Tour: Das Online-Spiel ist noch gar nicht möglich, die eigene Spieler erstellt man mit einer jämmerlichen Handvoll Optionen. Laut Aussagen des Entwicklers ist das Spiel bislang zu 20 Prozent fertig (!). 2019 soll es dann endlich die 100 Prozent erreichen. Erbärmlich. 1:0 AO.

 

Aufschlag TWT: Die Spieler bewegen sich recht realistisch über den Platz, die Volleys sehen gut aus, das Spielgeschehen wirkt jedoch irgendwie automatisch. Einen Ball ins Seitenaus zu schlagen ist nahezu unmöglich. Return AO: Die Volleys sehen hölzern aus, das Timing der Schläge hinzubekommen ist eine Herausforderung. Bälle landen oft im Aus. In der ersten Version konnte man mit einem Stopball jeden Ballwechsel (!) gewinnen. Das wurde aber gepatcht und deshalb geht trotz der zum Teil hölzernen Animationen auch dieser Punkt an AO. 2:0.

 

Aufschlag TWT: Der Sound wurde schnell gepatcht. In der ersten Variante fehlte das Klatschen der Zuschauer völlig. Auch nach dem Patch gleicht dieser einem Erstrundendebakel. Dass man John McEnroe als Kommentator gewinnen konnte, hätte gut sein können, in der Tat könnten seine sehr wenigen Wortfetzen peinlicher nicht sein. Auch die Schiedsrichterstimmen klingen unrealistisch, die Rufe der Balljungen ebenfalls. Return AO: Die Atmosphäre ist solide, die Zuschauer gehen gut mit bei spektakulären Ballwechseln, die Schiedsrichter klingen deutlich authentischer. 3:0

 

tenns

 

Aufschlag AO: Die Grafik bei AO ist ein wenig angestaubt, die Spieler wirken jedoch nicht ganz unecht wie die Wachsfiguren aus TWT. Insgesamt sehen die Spiele in TWT besser aus, die Untergründe wirken bei beiden nicht so prall. Es staubt keine Asche, es fliegt kein Gras. Trotzdem: Punkt für TWT. 3:1

 

Aufschlag AO: Das Onlineplay ist auch Wochen nach Veröffentlichung bei TWT schlichtweg nicht vorhanden. 4:1.

 

Aufschlag TWT: Mit zahlreichen Lizenzen (u.a. als Classicplayer Agassi und John McEnroe) hätte TWT die Nase vorn, doch irgendwie wirkt auch das nicht zu Ende gebracht. Spieler wie Nadal, Djokovic, Murray fehlen, alle Spieler sind scheinbar gleichstark. Aufschlagspezialisten erkennt man nicht als solche. Return AO: Die Lizenzen sind spärlich (immerhin kann man die Australien Open nachspielen), doch die lebhafte Community sorgt für Abhilfe. 5:1

 

Aufschlag TWT: Ob Hartplatz, Rasen oder Sand - niemals merkt man einen Unterschied. Alles spielt sich wie angemalter Beton. Bei AO? Ist es nicht besser. Keine Punkte. 5:1

 

Aufschlag AO: Das Doppelspiel ist rasant und gerade mit vier Leuten an der Konsole ein ziemlich hektisches Match. Das Doppelspiel bei TWT ist... nicht vorhanden (die 20 % ...) 6:1

 

Aufschlag AO: Der Karrieremodus ist spärlich aber solide. Gleiches gilt für TWT. Punkte für beide 7:2 Game Set and Match AO Tennis.

 

Fazit: AO Tennis gewinnt klar gegen Tennis World Tour- echte Fans sehnen sich weiter nach einem echten Top Spin für die PS4

 

 

AO Tennis

 

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Tennis World Tour

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Review: Detroit - Become Human

detroit-become-human 6029161Wer David Cage kennt, seine Epen wie "Heavy Rain" schon einmal gespielt (und gemocht hat), weiß, dass der Franzose seine Games gerne cineastisch und mit vielen verschiedenen Möglichkeiten, sie zu verändern und beenden, ausstattet. Wer David Cage kennt, weiß aber auch, dass sich die spielerischen Elemente mehr auf das Drücken des richtigen Knopfes im richtigen Moment beschränken als alles andere. Das ist in "Detroit - Become Human" nicht anders. Darauf muss man sich einlassen können, muss verstehen, dass das Genre interaktiver Film hier besser passt. 

Wenn man das alles vorher weiß, bekommt man mit "Detroit" den besten Titel für die Playstation seit langer Zeit. 

Die Story ist nicht so komplex wie die Varianten, die sich entwickeln können. In fast jedem Bereich der Gesellschaft werkeln den Menschen sehr realistisch nachempfundene Androiden. Ob als Haushaltsroboter, Pflegekräfte oder Kassierer - Detroit ist von dem verblühenden Glanz der Autostadt zur Androidenmetropole geworden. Im Gegensatz dazu verlieren natürlich viele Menschen ihre Arbeit - an die Roboter. Der Spieler übernimmt abwechselnd die Kontrolle über die drei Cyberlife-Maschinen Markus, Connor und Kara und erlebt aus deren Perspektive den Zustand der Gesellschaft. Kara und Markus sind Abweichler, sie entwickeln ein eigenes Bewusstsein und glauben menschliche Emotionen zu erleben. Der dritte spielbare Charakter, Connor, ist ein Prototyp, der bei Polizeieinsätzen helfen sol und von der Firma Cyberlife geschickt wird, um die Abweichler zu fangen. Blade Runner stand hier also nicht nur ein wenig Pate.

Insgesamt hat "Detroit" Unmengen von popkulturellen Sci-Fi-Referenzen. Dennoch erschafft David Cage eine eigene, wenn auch nicht komplett neue Utopie/Dystopie, die den Spieler sofort in seinen Bann zieht. Man kann nach jedem Kapitel in einem Ereignisbaum "nachschlagen", wo man einen anderen Weg hätte einschlagen können und darf in verschiedenen Speicherpunkten erneut einsteigen. Ich würde empfehlen das Spiel aber erst einmal mit allen Konsequenzen zu Ende zu spielen, um dann weitere Wege zu ergründen. Allein für Kara habe ich im Nachinein fünf sich unterscheidende Enden finden können. Stark. 

Grafisch ist der Titel ebenfalls absolute Oberklasse, was auch für den Soundtrack gilt. Für jeden Charakter wurde ein eigener Komponist engagiert, die Stimmung des Spiels ist atemberaubend. Detroit - become Human ist trotz einer Brillanz wie Heavy Rain (und trotz einiger Logiklöcher und Klischees) David Cages bester Titel. Ein Spiel, das auf jede Playstation gehört, ein Spiel, das fasziniert und nachdenklich macht.

 

Fazit: Das beste Spiel der letzten Jahre - wenn man an der Playstation auch mal nachdenken will

 

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Review: Farmer’s Almanac - Brother Dege

51g5k4lc7mL. SS500Für alle Großstadt-Cowboys gibt es gute Neuigkeiten: Brother Dege kommt im April nach Deutschland und hat sein zehntes Album, Farmer’s Almanac,  der Satteltasche. Wem Brother Dege nichts sagt, der sei schnell eines Besseren belehrt. Mit „Too old to die young“ verpasste Dege Quentin Tarantinos „Django unchained“ den perfekten Südstaatenflair.

Das neue Album lässt die Fans auch nicht im Regen stehen und liefert den bekannten Delta Blues Sound. Der aus Louisiana stammende Dege Legg liefert sich auf seiner neuen Scheibe gekonnte Duette mit seiner Resonatorgitarre. Auch seine charakteristische rauchige Stimme gestützt vom Dobro-Slide-Riffling kommt nicht zu kurz.

Erneut kann man sich Leggs Platte wunderbar als Soundtrack vorstellen. Es erzählt eine Geschichte: Von der instrumentalen Ouvertüre „Partial to the Bitters" bis zum Epilog von „Partial to the Bitters, Pt. II". Der allgegenwärtige Rhythmus, der das Bein zum mitstampfen animiert, zieht sich durch das gesamte Album. Von langsameren Songs wie „No man to slave“ bis hin zu anziehendem Tempo wie bei „Bastards Blues“ gibt Dege den klaren Takt an. Überraschungsmomente hat er in seiner Platte auch versteckt: In „The moon & the scarecrow“ wird man nicht ein, sondern gleich zweimal in die Irre geführt. Nein das Lied ist nicht zu Ende, es geht wirklich acht Minuten. Inhaltlich arbeitet Brother Dege mit Depressionen, Realitätsflucht und Kleinstadt-Dramen. Einfach und authentisch abgemischt könnte die Platte auch aus früheren Zeiten stammen.

Für eine Hand voll Dollar erwartet euch ein Album mit elf Tracks von Psyouthern Records. Also rauf an die Landstraße, Farmer’s Alamanac aufgedreht und beim mitstampfen das Schalten nicht vergessen.

 

„Fazit: Ein Muss für die Delta Blues-Musiksammlung.“

 

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Review: Ayreon: Ayreon Universe - Best Of Ayreon Live

ayreon-ayreonuniversebestofEs war vielleicht DAS Liveevent 2017: Der niederländische Multiinstrumentalist Arjen Lucassen hat an gleich drei Tagen im Tilburger Poppodium sein Ayreon-Projekt auf die Bühne gezaubert. Die Bekanntgabe der ersten Show damals hatte zur Folge, dass der Andrang derart riesig war, dass zwei weitere Gigs in Tilburg nachgeschoben wurde. Wer dabei war, erlebte einen faszinierenden, fast dreistündigen Abend, an dem Arjen gleich 16 unterschiedliche Stimmen, die in den letzten 20 Jahren unter dem Ayreon-Dach auf CD gesungen haben, präsentierte. Der Meister selber -Bühnenscheu wie eh und je - ließ die exzellenten Musiker machen und kam lediglich gegen Ende der Show für einige warme Worte (inklusive tränenerstickten Danksagungen) und einige Gitarrenriffs on Stage. 

Die Konservenaufnahme dieser drei Abende liegt nun in Bild und Ton vor und macht doch einigermaßen Eindruck.

Gefilmt mit 30 Kameras hilft die Blu-Ray über den Schmerz, diese Shows verpasst zu haben, einigermaßen hinweg. Ton und Bild sind erstklassig (das gleiche gilt für die CDs) und die musikalische Qualität ist atemberaubend.

Wer da alles auf der Bühne stand, der helle Wahnsinn: Floor Jansen (Nightwish), Russell Allen (Symphony X), Damian Wilson (Threshold), Hansi Kursch (Blind Guardian), Tommy Karevik (Kamelot), Marco Hietala (Nightwish), Jonas Renkse (Katatonia), Mike Mills (Toehider), Anneke van Giersbergen (The Gentle Storm), Marcela Bovio (Stream of Passion), Irene Jansen, Robert Soeterboek (Star One), Edward Reekers (Kayak), Jay van Feggelen, Magali Luyten (Nightmare) und Lisette Marije (Scarlet Stories) - das ist die Liste der Vokalisten auf CD/Blu-Ray. Unterstützt wurden sie von einer ausgezeichneten Band, bestehend aus Ed Warby (drums), Johan van Stratum (bass), Marcel Coenen (lead guitar), Ferry Duijsens (guitar), Joost van den Broek (keyboards), Ben Mathot (violin), Jeroen Goossens (flutes, woodwinds) und Maaike Peterse (cello).

Im Repertoire findet sich ein buntes Potpourri aus allen Ayreon-Episoden. Auch da gibt es nicht viel zu meckern, wenngleich ich persönlich etwas mehr von "Human Equation" gehört hätte (hier ist lediglich "Love" vertreten). Aber man kann nicht alles haben.

Diese CD und auch die Blu-Ray ist ein klarer Volltreffer.

 

Fazit: Tolles Dokument eines noch viel tolleren Konzerterlebnisses

 

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Tracklist:
1 Prologue
2 Dreamtime
3 Abbey Of Synn
4 River Of Time
5 The Blackboard
6 The Theory Of Everything
7 Merlin's Will
8 Waking Dreams
9 Dawn Of A Million Souls
10 Valley Of The Queens
11 Ride The Comet
12 Star Of Sirrah
13 Comatose
14 Loser
15 And The Druids Turned To Stone
16 The Two Gates
17 Into The Black Hole
18 Actual Fantasy
19 Computer Eyes
20 Magnetism
21 Age Of Shadows
22 Intergalactic Space Crusaders
23 Collision
24 Everybody Dies
25 The Castle Hall
26 Amazing Flight in Space
27 Day Eleven: Love
28 The Eye Of Ra

Review: Sticky Finger - Joe Hagan

51YoSyImTCL. SX323 BO1204203200 Wer eine Biographie in Auftrag gibt, rechnet am Ende des Tages meist damit, dass sie ihm ohne Vorbehalte gefallen wird. Ist das dann nicht der Fall und das Werk wird dennoch veröffentlicht, wie es ist, werde zumindest ich besonders neugierig. Genau das ist nämlich mit Jann Wenners Biographie geschehen. Wer Jann Wenner nicht kennt, hat seine Popkultur-Hausaufgaben nicht gemacht. Wenner hat mit dem Rolling Stone-Magazin die Gegenkultur in den 70ern begleitet, hat Annie Liebovitz groß heraus gebracht, war "best friends" mit John Lennon, bevor dieser bis zu seinem Tod nicht mehr mit Wenner gesprochen hat. Das Rolling Stone-Magazin hat Hunter S. Thompson schreiben lassen, den Gonzo-Journalismus etabliert, Lester Bangs und Cameron Crowe in die Welt gelassen (Letzterer hat seine persönliche Geschichte als junger "Rolling Stone"-Reporter später im grandiosen Film "Almost Famous" erzählt), hat Amerika in einer Ausgabe auf links gedreht, um es in der nächsten wieder auszukotzen.

Kurzum: Wenner hat eine Ikone der Popkultur erschaffen. Wenner ist eine Ikone der Popkultur, des Journalismus. Das ist nun mehr als 50 Jahre her. Im November 1967 startete sein Heft mit einem Foto seines Idols John Lennon auf der Titelseite und den Abonnenten wurde ein Clip beigelegt, mit dem man Joints halten konnte. The times they are a changin...

1976 erreichte das Magazin eine Auflage von einer halben Million Exemplare, 1985 krachte es durch die Millionengrenze. Dann kommt es, wie es kommen musste: Die Dekadenz hält Einzug. Dicke Häuser, koksschwangere Reisen in schicken Jets, Karibikurlaub mit Mick Jagger, Exzesse im Studio 54. Stoff für ein gewaltiges Buch also. Ein Buch, das Joe Hagan schreiben sollte. Als dritter Autor, denn zwei waren zuvor schon an Wenner gescheitert. 

Hagan hat für das Wall Street Journal, den New York Observer und auch für den Rolling Stone gearbeitet und Features und investigative Stücke über Hillary Clinton, Henry Kissinger, Dan Rather, Goldman Sachs und die Bush-Familie geschrieben. Trotzdem fand er selber nicht, dass er erste Wahl für eine Biographie über seinen Ex-Chef sein könnte. Doch es kam genau so.

Lange wurde gerungen: Wenner wollte Einblicke, wollte vor allem über sein Sexleben nichts lesen, was ihm nicht gefallen könnte (Wenner hatte seine Homosexualität 30 jahre lang verheimlicht), doch Hagan rang ihm Autonomie ab. Hagan unterhielt sich hunderte Stunden mit Wenner, mit dessen Freunden, ja mit den Stars, die den Rolling Stone zum Rolling Stone gemacht hatten. Am Ende kam eine Biographie heraus, die Wenner ablehnt, die aber faszinierender nicht sein könnte. 

Seien es kleine Geschichten über die Stars, seien es journalistische Höhepunkte in den Blättern, seien es private Schlüpfrigkeiten, viel Sex, mehr Drugs, am meisten Rock 'n' Roll - Sticky Fingers, erschienen im Rowohlt-Verlag, ist ein durch und durch gelunges, wortstarkes (mehr als 600 Seiten) Werk, das auch (oder vor allem) jüngeren Lesern erzählt, welchen Stellenwert die Rockmusik in den 60er und 70er Jahren hatte und wie sehr sie (an der Seite stets der Rolling Stone) die Gesellschaft geprägt hat. Wenner hätte wissen müssen, dass sein Narzissmus immer wieder durchbrechen muss, aber wer will sich selber schon so dargestellt sehen? Im Vorwort schreibt Hagan, dass Jann Wenner ein Barbar sei, "dessen Gier nach Geld, Drogen und Sex drohte, seinen scharfen Intellekt zu überholen". Die Analyse scheint stimmig und prinzipiell ist diese Biographie mit dem Wort "schonungslos" unzureichend beschrieben. "Sticky Fingers" ist eine Buch gewordene Ausgabe des Rolling Stone Magazin - voller spannender Geschichten, schillernden Erlebnissen, Topstars, die sich die sprichwörtliche Klinke in die Hand geben. Jann Wenner würde es abfeiern - wenn er nicht im Mittelpunkt all der Dramen stehen würde.

 

Fazit: Ein Buch wie die Bibel (der Popkultur) - voller Sex, Drugs, Rock 'n' Roll und Narzissmus 

 

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Review: Burnout Paradise

Burnout-Paradise-Remastered-Box-ArtIch gebe es zu: Ich bin ein hemmungsloser Raser. Ich habe am Steuer der Burnout Paradise-Boliden damals mehr Zeit verbracht als in meinem echten Auto. Nun ist der Arcade-Raser der Extra-Klasse zurück: Als remasterte mit allen DLCs. Mit dabei sind also: 

 

- Cagney (zusätzliche Challenges und Online-Rennen)
- Party Park (Multiplayer-Herausforderungen, bei denen der Controller weiter gereicht wird)
- Burnout Bikes (Motorräder und Tag/Nacht-Zyklus kommen ins Spiel)
- Boost Specials (zwei neue Fahrzeuge mit einzigartigen Boost-Systemen)
- Legendary Cars (4 "Kultautos", z.B. eine Hommage an den DeLorean aus Zurück in die Zukunft)
-Toys (8 Spielzeug-Autos und ein Spielzeug-Motorrad)
- Cops and Robbers (Verfolgungsrennen und "Capture the Flag", Polizeitautos)
- Big Surf Island (komplett neuer Stadtbezirk)

 

Doch taugt das was? Zehn Jahre später? 

Zehn Jahre ist es her, dass EA mit Burnout Paradise den meiner Meinung nach besten Arcade-Raser aller Zeiten in die Läden gestemmt hat. Da das Spiel so mega war, hatte ich gehofft, dass man spielerisch einfach gar nichts veränderte bei der Neuauflage. Und siehe da: EA hört auf mich (*hüstel). Verändert wurde natürlich die Grafik. Der Wahnsinnsspeed des Games erstrahlt in schickem 4K und mit 60 FPS.

Das Spiel ist und bleibt der Racer mit dem besten Geschwindigkeitsgefühl. Es gibt 100 Offline-Rennen in verschiedenen Kategorien, 130 verschiedene Karren, kann online gezockt werden (nur acht gleichzeitig in einer Session).

Wenn zu Beginn Guns 'n' Roses Paradise City erklingt, ist es plötzlich wieder 2008 und man ist sofort mitten drin, während DJ Atomica einem die Leviten liest. Einfach nur mega! Die alten (wenigen) Nervfaktoren sind aber auch geblieben.

Der Fahrzeugwechsel ist weiter sperrig, die Richtungswechsel weiter seeeehr spät im Bild. Auch wirken die Städte etwas leblos, doch eigentlich ist das Game eh zu schnell, um sich um Fußgänger kümmern zu können. Aber: Burnout Paradise ist zehn Jahre später immer noch besser als jedes Need for Speed seit 2006 (Most Wanted) und das ist die eigentliche Sensation.

 

Fazit: Auch zehn Jahre später (noch und wieder): der König der Funracer

 

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Review: Kingdome Come - Deliverance

kingdom-come-deliverance 6019143Das Setting von "Kingdom Come: Deliverance" des tschechischen Entwicklers Warhorse ist erfrischend zurückhaltend und anders. Keine Magie, keine Drachen oder sonst ein fiktionales Getier, statt dessen hartes Mittelalter ohne den Helden, der die Welt retten muss. Allein das ist ein Reinschnuppern in das Spiel wert, dessen Entwicklung immerhin rund 36 Millionen Dollar gekostet hat. Das Spiel erinnert dabei natürlich dennoch an Skyrim und Konsorten, auch wenn deutlich weniger Action herrscht. 

Das Game hat die historischen Ereignissen des Europas im frühen 15. Jahrhundert als Thema und spielt im mittelalterlichen Böhmen. Als Spieler ergreift man die Rolle des Schmiedesohns Heinrich, der ein unbeschwertes Leben in der Ortschaft Skalitz führt und seinem Vater hilft, ein meisterhaftes Schwert zu schmieden. Dann taucht die Invasionsarmee Sigismunds auf, unterstützt durch angeworbene Kumanen, brennt alles nieder und richtet ein Massaker unter der Bevölkerung an. Heinrichs Eltern sterben bei diesem Angriff. Knapp schafft er selbst die Flucht auf die Burg Talmberg. Von da an entspinnt sich eine spannende Geschichte.

Der Realismus und die Geschichtstreue der Epoche sind beeindruckend und markieren vielleicht einen Wendepunkt in der Entwicklung künftiger Spiele, wenn Kingdome Come auf Dauer erfolgreich bleibt. Das steht nämlich noch in den Sternen, denn so hübsch das Spiel ist, so unfertig wirkt es an einigen Stellen.

Da bricht der Ton auf einmal ein, hakt es in der wunderschönen Grafik. Hier ist das Kind aber noch nicht in den Brunnen gefallen, ein weiterer großer Patch könnte das Spiel schnell polieren. Spielerisch ist ohnehin (fast) alle in Butter. Das Kampfsystem ist gelungen und völlig anders als bei vergleichbaren Spielen (und deshalb auch richtig schwer), die Quest (rund 40 Stunden sollte der Hauptstrang dauern) sind interessant und abwechslungsreich. Immer einmal wieder fühlen sich die wenigen Kämpfe leider unfair an, weil die KI scheinbar deutlich überlegen ist. Warhorse will so wahrscheinlich klar machen, wie schwer es wirklich war, einen Schwertkampf zu führen, doch, wenn man wieder einmal blutend zu Boden geht ohne zu wissen, was man hätte besser machen können, kommt ein Frustgefühl auf. Die Balance könnte also verbessert werden. Schließlich gibt es auch Gegner, die man ohne große Mühe in den Boden rammt. Interessanterweise sind die Kämpfe aber eher ein Nebenaspekt und Handeln, Aufträge erfüllen oder Jagen macht deutlich mehr Spaß. Apropos Schwierigkeitsgrad: Es gibt KEINE Option zum Quicksaven. Das Spiel speichert selbstständig an viel zu wenigen Stellen, der Tastenakrobat selber kann nur manuell speichern, wenn er einen Retterschnaps trinkt. Diese sind aber äußerst rar, so dass man nach einem dämlichen Tod schon einmal 30 Minuten verliert. Das ist umso ärgerlicher, weil man aus Versehen gerne mal fatale Fehler macht. Hat man etwa einen Henker überredet einen benötigten Ring herauszugeben und rempelt ihn dann ungeschickt beim Verlassen seines Hauses an, greift der Gute schnell zum Schwert. Game over...

Trotz dieser Bugs (von denen die wenigsten dauerhaft auftreten) macht Kingdome Come enorm Spaß und ist eine wohltuende Abwechslung im Fantasy-Rollenspiel-Brei. 

 

Fazit: Spannende Quests, ein etwas anderer Ansatz und einige Bugs (wenn die weg sind, ist es ein 5/6-Game)

 

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Review: UFC 3 (PS4)

8114AszGUKL. SL1500 Als der irische UFC-Megastar Conor McGregor im letzten Jahr im (Box-) Showkampf des Jahrzehnts von Floyd Mayweather nach allen Regeln der Boxkunst verdroschen wurde (der "Pretty Boy" will übrigens scheinbar einen Rückkampf gegen Conor McGregor – dieses Mal als UFC-Fighter. Das deutet er zumindest mit einem Video auf Instagram an), haben viele Sportfans auf dem Planeten die Mixed Martial Arts zum ersten Mal so richtig ernsthaft wahrgenommen.

Für EA Sports ist das schon länger ein Thema, mit UFC 3 kommt nun eine komplett überarbeitete neue Fassung heraus, die einmal mehr den Super-Iren in den Mittelpunkt rückt. 

Dabei wurde im Vergleich zum Vorgänger die Steuerung überarbeitet und die Animationen deutlich verbessert. Jeder Punch, Kick, Block und Konter wurde mit modernster Technik nachgebildet. Im Octagon wird mit Dreieck, Quadrat geschlagen, während Kicks mit Kreis und X ausgeführt werden. In Kombination mit den Schultertasten ist es möglich Haken oder Tritte an den Kopf auszuführen. Einfach ist das hingegen alles nicht, wenn man kein erfahrener UFC-Veteran ist und das ist gut so, bildet es doch ab, dass MMA durch aus vielschichtiger Sport ist. 

Auch der Karrieremodus ist nun richtig fett:

Es gilt Hype zu erzeugen, neue Fans zu ködern, und vor allem Rivalitäten anzuzetteln, um die Welt auf sich aufmerksam zu machen. An Spieloptionen mangelt es mal wieder nicht, Ultimate Team ist natürlich ebenfalls am Start, eigene Turniere können entworfen werden und vieles mehr Was gar nicht geht?

Der deutsche Kommentar! Gruselig. Dazu ist das Aufgabesystem immer noch ein Frustfaktor und sehr schwer auszuführen (man muss mit dem rechten Analogstick versuchen zu entkommen, das ist aber unglaublich hakelig und schwer auszuführen), auch, wenn eine einfachere Varainte mittels X-Tastenterror angeboten wird (einfach nur stumpf auf den Button hämmern). 

 

Fazit: Spaßiges MMA-Gekloppe mit leichten Problemen bei der Steuerung

 

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Review: Guitar Pro 7

51Webmh8X2LGuitar Pro 7 ist der Nachfolger der äußerst populären 6er Version (logisch). Es handelt sich um eine Tab / Notation-Software für Musiker, die auf digitalem Wege Tabulaturen und Partituren erstellen wollen, mit  bereits vorhandenen zu üben, zu arrangieren und das Ganze dann einfach exportieren zu können. Arobas Music liefert ein hübsches Makeover, die Menüs wurden dem Zeitgeist angepasst und die Software ist randvoll mit Features. Allein die Exportfunktion lässt keine Wünsche übrig: Tabs können als Midi, XML, PDF, PowerTab, Ascii, MP3, WAV, FLAC, Ogg, Aiff oder PNG weitergegeben werden. Viele Funktionen wurden sinnvoll erneuert, manches aber auch verschlimmbessert. So fehlt nun ein einfacher Button, um die Geschwindigkeit des Tabs zu kontrollieren. Das war vorher besser. Ansonsten wurde Guitar Pro aber konsequent weiter entwickelt und ist mittlerweile ein echtes Feature-Monster. Das führt manchmal zu Problemen mit der Verständnis, wie manche Funktionen anzuwenden sind. Wie bei jeder leistungsstarken Software dauert es nämlich eine Weile, bis man richtig klar kommt. Wer aber professionell aussehende Tabs und Noten erstellen will, mehrere Teile komponieren und Musik mit anderen Musikern teilen möchte, kommt an Guitar Pro 7 nicht vorbei. Die Notendarstellung wurde ebenfalls komplett überarbeitet. Prima: Endlich kann man seine Dateien sperren und mit einem Passwort versehen, um sie vor Änderungen zu schützen.

Unschön:  Das Dateiformat von Guitar Pro wurde (erneut) geändert (jetzt in .gp). Das heißt, Dateien, die man in Guitar Pro 7 erstellt, können in früheren Versionen nicht geöffnet werden.

 

Preise: 75,- Euro bzw. 37,50 Euro für das Upgrade von Guitar Pro 6.

 

Fazit: Konsequent weiterentwickelte Profi-Software

 

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Review: Die Sims 4 (PS4)

81kz-XfzTGL. SL1500 Mein alter Ego schläft im Clownskostüm und fängt an zu heulen, wenn die Frau vom Cateringservice beim ersten Date doch lieber auf der Couch statt mit ihm im kuscheligen Bett nächtigt... willkommen in der wunderbaren Welt der Sims. Es mutet grotesk an, dass dieser Titel so viele Jahre auf PC oder Mac Zuhause war und eine Konsolenumsetzung bis ins Jahr 2017 gedauert hat. Die ist nun da und das alte Sims-Feeling stellt sich sofort wieder ein. Warum räumt der Depp seinen Essensteller nicht selber weg? Das stinkt doch nach zwei Tagen.

Oft sind sie störrisch, die Sims, doch es gibt auch wundervolle Momente: Etwa, wenn er sich selbstständig einen Job sucht. Ob Schriftsteller oder Astronaut, hier ist wieder fast alles möglich. Was man bei den Sims alles anstellen kann, haben wir hier auf ROCKNROLL-REPORTER ja schon lang und breit erzählt (z.B. HIER oder HIER oder HIER). Wichtiger: Wie gut ist es für die Konsole umgesetzt? Und da muss man sagen, dass man die Bedenken, die wohl beim Entwickler jahrelang gegen eine Konsolenveröffentlichungen geherrscht haben, nachvollziehen kann. 

Die Steuerung mittels Gamepad ist im besten Fall gewöhnungsbedürftig. Viel zu oft "flitscht" der Cursor an die falsche Stelle, zu häufig verliert man den Überblick beim wilden Kameraschwenk oder Zoom. Was schade ist, denn das Spiel hat auch im Jahr 2017 rein gar nichts von seiner Faszination eingebüßt (auch, wenn Sims 3 das deutlich bessere Spiel war). 

Es könnte alles gut sein. Man kann natürlich sein Traumhaus bauen, perfekt nach Feng Shui einrichten, doch die starre Steuerung macht einem oft einen Strich durch die Rechnung, so dass am Ende der Griff zum PC lockt. Wie schon bei Cities XXL zeigt sich, dass ein Gamepad für solche Simulationen schlichtweg nicht geeignet ist. Wer es dennoch wagen will, bekommt von uns ein wenig Startgeld:

Um in der PS4- und Xbox One-Version von Die Sims 4 cheaten zu können, muss man erst eine bestimmte Tastenkombination eingeben: Auf der PS4 ist das R1 + R2 + L1 + L2 und auf der Xbox One LB + LT + RB + RT. Dann öffnet sich das Cheatfenster, dort gibt man "testingcheats on" (ohne Anführungsstriche) ein. Dadurch werden alle Cheats freigegeben. Anschließend kann es losgehen:

 

Help - Übersicht über alle Cheats
kaching - 1.000 Simoleons 
rosebud - 1.000 Simoleons 
motherlode - 50.000 Simoleons 
FreeRealEstate on - Alle Immobilien kostenlos
FreeRealEstate off - Alle Immobilien kosten ihren ursprünglichen Preis

 

Fazit: Gutes Spiel - schlechte Steuerung

 

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Review: Star Wars Battlefront II

0d0e2ea29db8f83a445427d9e40cdee5Schon vor dem Spielstart sorgte Star Wars Battlefront II für mächtig böses Blut: Harsche Kritik der Fans an Lootboxen und Echtgeld-Mikrotransaktionen bestimmten die Presse. Das ist erst einmal nichts Neues, neu hingegen ist die Reaktion des Entwicklers.  Dice hat sich entschieden, das ganze System vorerst ins All zu katapultieren, sprich zu streichen. Pünktlich zum offiziellen Launch des Spiels am 17. November gibt es keine Möglichkeit mehr, im Spiel echtes Geld für Ingame-Währung auszugeben. Leider wird das nicht dauerhaft der Fall sein: Die Mikrotransaktionen sollen reaktiviert werden, wenn das Balance im Spiel stimmt. 

Doch kommen wir zum Review: Nach dem schön anzusehenden ersten Teil, der Einzelspieler genau fünf Minuten fesseln konnte (es fehlte eine Single-Player-Kampagne), gibt es nun endlich einen Solo-Teil. Der ist sogar sehr cool: Endlich erhält man mal Einblick in die Gefühlswelt der Kämpfer des Imperiums. Der Spieler ist Iden Versio, eine Elite-Kämpferin der dunklen Seite. Die gibt es "wirklich", sprich: wir haben es hier mit Kanon zu tun. Zu Beginn des Spiels sitzt die sensationell aufregend animierte Iden in einer Zelle der Rebellen. Mit Hilfe ihres kleinen Rucksack-Druiden (den der Spieler zum Start steuert) entkommt die Gute. Ob man mit Iden schleicht und im besten Imperiums-Style hinterrücks agiert oder Ramboesk mit dem Kopf, äh, Blaster durch die Wand will - alles ist möglich. Die Kampagne lässt den Spieler auf Endor den Todesstern explodieren sehen. Allein das ist atemberaubend. Im Verlaufe der viel zu kurzen Single-Player-Kampagne (maximal fünf Stunden dauert das Spektakel) verlässt man leider zu häufig den Körper der Kämpferin - und wird beispielsweise zu Han Solo oder Luke Skywalker und spielt aus deren Sicht weiter. Leider? Wenn man mit den Helden spielen kann? Ja, leider! Denn: Die Story um Iden Versio könnte wirklich richtig spannend sein, wenn man sich auf diesen Charakter konzentriert hätte. So bleibt sie nur eine Nebenrolle. Spielerisch ist alles töfte, die Feuergefechte erscheinen etwas simpel, machen aber Spaß. Die Sternenkarten, mit denen man im Vorgänger bestimmte Kampfeigenschaften freischalten konnte, gibt es jetzt auch im Single-Player - sind aber Unfug. Man kann immer nur einige wenige gleichzeitig aktivieren, was komplett unlogisch ist. Entweder hat eine Person eine bestimmte Fähigkeit oder nicht. So muss man sich vor einer Mission entscheiden, ob man beispielsweise toll mit Handgranaten umgehen kann oder Energiestöße verteilen will. Das ist so, als würde man Lionel Messi sagen, er müsse sich vor dem Spiel entscheiden, ob er im anstehenden Match gut dribbeln oder schnell laufen will. Mumpitz also.

Zur Präsentation: Wow - wow - Oberwow! Grafisch ist SWB II absolut traumhaft, die Soundkulisse generös und man kommt aus dem Staunen nicht heraus. 

Neben der Kampagne gibt es auch für Einzelspieler den Arcade-Modus. Das sind kurze Einsätze ohne Handlung im Körper von Luke, Han, Darth Vader oder Leia. Das Ganze fühlt sich an wie Multiplayer ohne Freunde. Der echte Multiplayer macht dann doch durchaus etwas Spaß. Es gibt riesige Karten, man kann Tie-Fighters, X-Wings und den Falken fliegen. Wer Teil eins kennt, weiß aber auch schon genau, was ihn erwartet. 

Das Fazit ist dann dochein trauriges: Die tolle Kampagne zeigt, dass das Potential für ein großes echtes Single-Player-Star Wars-Spiel da ist und das auch überreif ist. In dieser Form hat man fünf Stunden durchaus Spaß als Einzelspieler, das Gefühl, dass hier Großes verpasst wurde, schwebt aber stets über den Konsolenkämpfer wie der X-Wing über dem Sumpf auf Dagobah.

 

Fazit: Verschenktes Solo-Potential, sensationelle Grafik, handelsüblicher Multiplayerpart

 

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Q&D: KW46

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Black Sabbath – The End

 

Ende, Aus, Micky Mouse: Das letzte Dokument (sicher nicht wirklich) der hundert Jahre alten Karriere von Ozzy und Co kann man nun livehaftig hören und es klingt auch durchaus ordentlich. Braucht man nicht, kann man aber als Abschluss (der es hoffentlich ist) in den Schrank stellen. Achtung: So was ähnliches kommt gaaaanz sicher 2018/2019 nach dem Abschluss der Ozzy-Solo-Karriere...  5/6

 

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Operation Mindcrime - The new reality

Diese CD ist der dritte Teil einer Trilogie, bei denen die erste zwei Teile bis auf sehr wenige Songs so schlecht und peinlich waren, dass man schon Angst vor der Play-Taste hat. Ganz so schlimm wird es dann aber doch nicht, lediglich uninspiriert. Große Stimme, wenig dahinter (in Sachen Songwriting). Der Split von Geoff Tate und Queensryche war eine echte Lose-Lose-Situation. Beide verlieren sich im langweiligen Mittelmaß. 3/6

 

Iron Maiden – The Book Of Souls

 

Wie viele Maiden-Live-CDs sind relevant und wichtig für den eigenen Plattenschrank? Eine (Live after Death), maximal zwei (Rock in Rio). Trotzdem gibt es mittlerweile mehr Live-Scheiben als bei anderen Bands Studio-Alben. Maiden-Fans greifen also hier wieder zu (wegen der neuen Songs - und der üblichen hervorragenden Performance) und warten immer noch sehnsüchtig auf ein Live-Album der "A Matter of Life and Death"-Tour... 5/6

 

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Cavalera Conspiracy – Psychosis

 

Huch, das hat mich kalt erwischt. Ein gutes Album aus dem Hause Cavalera? Überraschend. Der Rundling kommt einem klassischen Sepultura-Album nah, sehr nah. Wer also auf diese Art der Lärmindoktrination steht, greift besser zu. 5/6

 

Pretty Boy Floyd - Public Enemies

 

Hallo Mötley Crüe, wir vermissen Euch. Pretty Boy Floyd tun das auch und hauen deshalb ein Tribute-Album in die Regale. Ach ne, das sind ja ihre eigenen Songs. Huch, auch Poison haben sie im Programm. Aber im Ernst: Das Ding macht durchaus Spaß und belastet nicht die Ozonschicht - auch, wenn es so klingt. 5/6

 

Tarja - From Spirits and Ghosts (score For A dark Christmas)

 

Ein Weihnachtsalbum von Tarja? Ich glaub, ich muss kotzen. Es soll gaaanz besonders sein, "dark". Mal ehrlich, wer soll diesen Scheiß hören? Für Weihnachtsfans sind die klassischen Songs kaputt arrangiert,  Weihnachtsgegner hören auch keine Tim Burton-Style-Xmas-Tracks. Da hilft auch das tolle Orchester bei „Oh Tannenbaum“ nix mehr. Der Horror der Weihnacht hat aber endlich eine Stimme: Tarja. Ein Punkt für Originalität und Produktion. 1/6

 

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Review: Sog / Yrsa Sigurdardóttir

61JQ0fnB7yL. AA300 Hart, härter, Isländer: Was Yrsa Sigurdardóttir im zweiten Band rund um Kommissar Huldar hoffentlich nur aus den Fingern gesaugt hat, ist starker Tobak - und damit beste Unterhaltung: Der frisch degradierte Kommissar Huldar hatte keinen guten Start bei seiner Zusammenarbeit mit der Kinderpsychologin Freyja. Eigentlich liebt er sie, aber bekommt das nicht so richtig rübergebracht. Dennoch zieht er sie bei den aktuellen Ermittlungen wieder zurate: In Reykjavik wird nach zehn Jahren eine in einen Grundstein eingemauerte Zeitkapsel mit Briefen von damaligen Schülern gehoben. Unter den Briefen findet sich auch eine Nachricht, die akribisch die Initialen zukünftiger Mordopfer auflistet. Als kurz darauf zwei Hände gefunden werden, die ihren Besitzern bei lebendigem Leib abgetrennt wurden, ist klar, dass diese Nachricht aus der Zeitkapsel tödlich ernst zu nehmen ist. Es entfaltet sich ein schockierender Fall, der einmal wieder mehr zeigt, dass in Island die ganz Harten leben. Ganz gleich, ob Bösewicht oder Bulle - es geht rau zu auf der kalten Insel. Autorin Yrsa Sigurdardóttir nimmt sich neben der bloßen Polizeiarbeit viel Zeit für ihre Protagonisten. Klar, dass "Sog" auf den ersten Band aufbaut, dennoch ist das Buch auch ohne Vorkenntnisse gelungen. 

Gelesen wird "Sog" von Dietmar Wunder, dem Synchronstimme von James Bond-Darsteller Daniel Craig. Wunders harte Timbre passt hervorragend zum eiskalten Verbrechen, so dass hier keine Wünsche übrig bleiben. 

 

der Hörverlag ISBN: 9783844527131

 

Fazit: Toller, brutaler, kalter Krimi aus Island - stark gelesen

 

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Review: L.A. Noire (PS4)

81UBxaNZRNL. SL1500 Es gibt immer noch eine Regel im Spiele-Buisiness: Rockstar enttäuscht nie! Max Payne? Check! Red Dead Redemption? Check! GTA? Double-Check! Ja, sogar die etwas verwegeneren Titel wie Canis Canem oder Tischtennis (!) konnten vollends überzeugen. So natürlich auch L.A. Noire im Jahre 2011. Ursprünglich als Exklusivtitel für die PlayStation 3 angekündigt, erschien das Spiel auch für Xbox 360 und PC - es wurde etwa fünf Millionen Mal verkauft. Jetzt sind Remake-Versionen für PlayStation 4, Xbox One und Nintendo Switch erschienen und damals wie heute gilt: Es ist toll! 

Korruption, Drogen, Polizeieinsätze - das alles im stilprägenden 40er Jahre Film Noire-Design, einfach stark. Mitten im Nachkriegs-Boom der Goldenen Ära Hollywoods findet sich der LAPD-Detective Cole Phelps ineiner Stadt wieder, deren Erfolg ihr zum Verhängnis wird. Korruption ist allgegenwärtig, der Drogenhandel explodiert und die Mordrate ist höher als je zuvor. Auf seinem Weg nach oben auf der Karriereleiter und bestrebt, das Richtige zu tun, muss Phelps die wahren Hintergründe einer Reihe von Brandstiftungen, finsteren Machenschaften und brutalen Morden aufdecken und sich der Unterwelt von Los Angeles und sogar Mitgliedern seiner eigenen Abteilung stellen, um ein Geheimnis aufzudecken, das die Stadt in ihrem verdorbenen Kern erschüttern könnte.

Klar, dass Spiel hat schon einige Tage auf dem Buckel, weshalb Steuerung und Handhabung manchmal etwas altbacken rüber kommen. Autos steuern sich beispielsweise in einem GTA heute deutlich fluffiger als bei L.A. Noire. Grafisch wurde mächtig aufgemotzt. Mit einer Auflösung von 1080p für PlayStation 4 und in 4K für PlayStation 4 Pro sieht das Game recht ansprechend aus. Vergessen darf man aber auch nicht, dass der Titel sechs Jahre alt ist. Wunder verbringt Rockstar hier nicht. Enthalten sind das komplette ursprüngliche Spiel und alle zusätzlichen herunterladbaren Inhalte sowie neue Sammelobjekte und freischaltbare Detective-Anzüge mit einigen neuen (nicht allzu aufregenden) Spezialfähigkeiten.

Spielerisch gibt es einige feine Änderungen. So wurde das Verhörsystem vereinfacht. War man im Ur-Titel sich bei einem Verdächtigen nicht sicher, wählte man schnell "Anzweifeln". Der "Erfolg": Detektiv Phelps schrie das Gegenüber oft einfach nur noch an, worauf dieser nicht mehr vernehmungsbereit war. Jetzt werden die Optionen "Guter Cop", "Böser Cop" und "Beschuldigen" angezeigt, wenn man einen Verdächtigen in die Enge treiben will. Das macht die Wahl der Reaktionen deutlich einfacher für den Spieler. 

Abzüge gibt es wegen der hakeligen Spurensuche. Zwar vibriert der Controller in Spurennähe schnell wie Blöde, bis man die störrische Steuerung aber auf das Beweismittel fokussiert hat, vergeht einige Zeit. Gespielt wird übrigens in Englisch, es gibt aber natürlich Untertitel. Die hindern aber manchmal daran, bei den Verhören die Mimik der Angeklagten zu beobachten. Dafür sind die Dialoge der Detectives grandios und erzeugen einen wirklich überzeugenden Film Noire-Streifen.

 

Fazit: Immer noch gut - trotz einiger weniger (bekannter) Mängel

 

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