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Mittwoch Juli 18, 2018
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58 items tagged "Kritik"

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Review: Pre/Verse - Obstacles

preverse obstacles coverDrei Jahre hat es gedauert bis Pre/Verse ihr Debütalbum "Obstacles" in die Rillen tackern konnten. Die Band besteht aus dem Straftanz-Sänger Kai Schwenkler, Drummer Andreas Schmitz, Gitarrist Hilger Tintel, Keyboarderin Dae Joon und Bassistin Neila Fynn. Das schick durchgestylte Artwork der CD erstrahlt im hübschen Pink - zuckersüß ist die Band aber (zum Glück) nicht. Produziert wurde mit José Alvarez-Brill (u.a. Wolfsheim, Witt, Peter Heppner) sowie Krischan Jan-Eric Wesenberg (u.a. Rotersand) und mit diesen Referenzen wird der musikalische Rahmen schon recht gut abgesteckt.

Pre/Verse bewegen sich charmant im elektronischen Raum zwischen ganz alten Depeche Mode ("Bringing me Home") und der zarten Seite des sonst eher räudigen Gothik-Genre ("Rubbertears" etwa beginnt recht Manson-esk, kulminiert dann aber in einem Pop-Refrain mit Ohrwurmgefahr). Schwenklers variabler Gesang zwischen fast flüsternden Strophen und kraftvollen Refrains tönt genauso gut, wie die elegant gewählten Synthiesounds, die nie billig nach Kirmes klingen. Immer wieder gibt es hübsche Versatzstücke zu entdecken (etwa die orientalischen Skalen, die "No faith in my god" ein ganz besonderes Flair verleihen) und so ist "Obstacles" eine runde Sache geworden.

Was (mir) auffällt: "Truth hurts" ist ein toller Song, der durch den ans Ende der CD gestellten Bonustrack im Rotersand-Remix deutlich an Wirkung verliert als in der unremixten Version im vorderen Bereich der Scheibe. Nicht alle Songs zünden aufs erste Hören ("World of Lemons"), dennoch dürften Pre/Verse sich ihre eigene Nische schaffen können. Die CD ist erschienen bei nyx-records.

 

Fazit: Gelungenes Debüt in Pink

 

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Review: Toto 35th Anniversary Tour-Live in Poland

totoToto spielen und touren unermüdlich: Mit der BulRay zum 35-Jährigen hat sich die Band um Mastermind und Wunderklampfer Steve Lukather ein wunderschönes, scharfes und beeindruckendes Live-Denkmal gesetzt. In brillanter Bildqualität beweist die Band auf der CD live aus Polen, warum sie seit 35 Jahren die Menschen bewegt, riesige Fanmassen versammelt und auch Lieblinge der Kritiker ist. Technisch auf höchstem Niveau rocken, smoothen und poppen sich die Jungs durch ein umfangreiches Set, das alle Hits (etwa "Rosanna" oder "Africa") enthält, lassen aber nie die Leidenschaft in ihrem Bühnenacting vermissen. Kein Wunder, dass die Fans in der Halle komplett ausgerastet sind.

Gegründet wurde Toto 1976. Die beiden Gründungsmitglieder Jeff Porcaro und David Paich zockten dabei schon in einer High-School-Band und arbeiteten als Studiomucker in Los Angeles. Bei einem Engagement von Boz Scaggs entstand die Idee zur Gründung der Band, zu der Steve Lukather, Jeff Porcaros Bruder Steve, Bobby Kimball und David Hungate dazugeholt wurden. 

 

Neben dem tollen Konzert gibt es auf dieser BluRay einen interessanten 20-minütigen Blick hinter die Kulissen, indem sich Steve Lukather ein weniger sehr in den Vordergrund spielt. Dort wird auch immer wieder auf den leider früh verstorbenen Kult-Drummer Jeff Porcaro eingegangen. Ansonsten gibt es aber wirklich gar nix zu meckern. 

 

Tolles Live-Denkmal einer tollen Band

 

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Die Tracklist:


01. Intro
02. Medley: On The Run / Child’s Anthem / Goodbye Elenore
03. Goin’ Home
04. Hydra
05. St George And The Dragon
06. I’ll Be Over You
07. It’s A Feeling
08. Rosanna
09. Wings Of Time
10. Falling In Between
11. I Won’t Hold You Back
12. Pamela
13. 99
14. The Muse
15. White Sister
16. Better World
17. Africa
18. How Many Times
19. Stop Loving You
20. Hold The Line
21. Home Of The Brave

 

 

Review: The Clash - ”The Rise And The Fall Of The Clash”

 

clashThe Clash (1976 in London gegründet) sind zweifelsfrei eine, wenn nicht die wichtigste Punkband der Geschichte. Ohne The Clash gebe es auch kein Brit-Pop. Das muss man wissen, wenn man diese neue DVD in seinen Player schiebt. Besonders die Manic Street Preachers berufen sich auf die Band, aber auch alternative Bands wie Green Day, U2, The Cure oder auch R.E.M. haben sich den experimentellen Sound zu Eigen gemacht. Von Motörhead bis hin zu den Toten Hosen haben Bands die Songs der Band gecovert oder in ihren Konzerten gespielt. Bereits 1985 rief Joe Strummer die Mitglieder der Band zusammen und beschloss, die Band aufzulösen. 1991 erlebte ‚Should I Stay Or Should I Go‘ eine phänomenale Reminiszenz und eroberte die obersten Chartplätze durch die Werbekampagne für Levis. Viel zu früh verstarb 2002 bereits Joe Strummer, im Jahr 2003 wurden The Clash in die Hall of Fame aufgenommen. 

 

 

Der Film ”The Rise And The Fall Of The Clash” dokumentiert die Geschichte dieser großen Band, von den großen Erfolgen bis hin zur Selbstzerstörung.

Dabei begeistert die DVD vor allem mit vielen Aufnahmen, die selbst so mancher Fan bis heute nicht gesehen hat. Untertitel gibt es auch, zum Glück, denn das Clash-Britisch ist manchmal schon etwas haarig. Anhand von unveröffentlichten Aufnahmen und Interviews wird Weg der Band nachgezeichnet. Regisseur Danny Garcia hat 90 Minuten lang alles gegeben. Gründungsmitglied Mick Jones gibt selbst viele Antworten um die selbstzerstörerische Kraft von The Clash, aber auch Pearl Harbor, David Mingay und Ray Jordan kommen zu Wort. 

 

Fazit: Punkgeschichtsstunde für Fans und Musikbibliographen

 

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Review: Aria / VIZA

VIZA-AriaLiebe Leser,

bei den nun folgenden Zeilen handelt es sich nicht um einen Werbe- oder Pressetext der Plattenfirma, sondern spiegelt ausschließlich die Begeisterung des Rezensenten wider.

 

Wenn diese Welt perfekt wäre, dann würde „Aria“, VIZAs neues Studioalbum, rund um den Globus eine Spitzenposition in den Charts innehaben. Die 12 Songs sind überaus abwechslungsreich, perfekt durchkomponiert und bleiben allesamt im Kopf kleben. Dabei schaffen VIZA immer wieder den Spagat zwischen musikalischem Anspruch und melodiöser Eingängigkeit. Das alles wirkt nie aufgesetzt oder konstruiert, sondern wirkt natürlich und stringent. Die erste Assoziation beim Hören des Openers „Never Feel“ ist, alleine schon wegen der Gitarrenläufe, System Of A Down. Vielleicht nicht wirklich verwunderlich, hat doch ein großer Teil der Band ebenfalls armenische Wurzeln und hat bereits mit Serj Tankian zusammengearbeitet. Dennoch greift der Vergleich nicht ganz. VIZA haben ein noch größeres Gespür für Hooklines und wirken auch nicht so gehetzt, wie die möglichen Vorbilder.

Die Stimme des Sängers K'noup Tomopoulos ist sehr variabel. In den Strophen des Openers, aber auch bei “Quicksand” erinnert sein Timbre dem eines Morten Harket von a-ha, im nächsten Moment verwandelt sie sich aber in ein reissendes Biest und schreit und kreischt oder grummelt. Mit „Midnight Hour (Dingle Rock)“ haben VIZA eine Single im Gepäck, die den großen Hits von Billy Talent in nichts nachsteht, da kann man nur hoffen, dass hier etwas Airplay generiert werden kann.

Ganz deutlich werden im Song „Vanished“ auch endlich die mittelöstlichen Melodien und Rhythmen, die sich auf die Wurzeln der Band beziehen. Zu den eingesetzten Instrumenten zählen neben der typischen Rockbandausstattung auch orientalische Saitenintrumente wie die Oud, Tar und Saz. Diese werden durch den Einsatz von Effektgeräten so eingesetzt, dass sie nie wie ein Fremdkörper wirken.

Mit „Viktor`s Vanguard“ gibt es eine Nummer, die live wahrscheinlich jede Halle zum Kochen bringt. Aber Vorsicht: hier besteht die Gefahr, dass man auch im Bus oder in der Bahn anfangen muss zu springen, wenn man dieses Lied auf den Kopfhörern hat.

Um nur kurz darzustellen, was die Platte noch alles kann: „The Girl That Dosn`t Exist“ ist eine wunderschöne, bittersüsse Ballade, „Forward March“ klingt wie ein Kampflied einer keltischen Punkband, „C´est La Vie“ hat trotz sperrigen Strophen einen dermaßen eingängigen Hitchorus und „Alley In Tijuana“  bietet einen Nackenbrecher-Refrain, der mit Swingjazz Mittelteil überrascht. „Brunette“ verabschiedet das Album als großartige Singalong-Nummer.

 

Fazit: Viel mehr und schönere und buntere Musik kann man nicht auf eine CD pressen. Unbedingt und ohne Abstriche zu empfehlen. „Aria“ gehört schon jetzt zu den Top-Alben des Jahres 2014.

 

6von6

Review: Bigelf - Into the Maelstrom

bigelfCvrWir leben in einem Paralleluniversum: es ist 1970, die Beatles haben nach "Let it be" beschlossen, sich nicht aufzulösen, sondern lediglich zwei bis drei Jahre Pause zu machen. In der Zeit hören sie verstärkt das Schaffen ihrer härterrockenden Kollegen von Led Zeppelin, Queen oder gar Black Sabbath. Irgendwer findet den verrückten Frank Zappa auch richtig knorke. 1974 kommt darauf der ultimative Sgt. Peppers Nachfolger heraus. Und der liegt mir hier gerade vor.
Komisch, dass die Fab Four sich in Bigelf umbenannt haben, der silberne Rundling das Jahr 2014 als Erscheinungsdatum ausgibt und "Into the Maelstrom" heißt.
Werden wir ernsthaft: Was Bigelf hier abliefern, ist absolute Sahne. Die Paten aus der Vergangenheit habe ich bereits genannt, in der Jetztzeit gibt es noch Transatlantic und diverse Jazzrock-Anleihen, dazu eine einzige winzige Prise Monster Magnet. Der Sound ist so Old School, wie Old School man heutzutage sein kann, ohne dabei aber altbacken zu wirken.

Los geht es mit dem übergroßen Beatles-getränkten "Incredible Time Machine", einer Nummer, die wirklich gut und gerne auf einem der psychodelischeren Fab Four-Alben hätte stehen können. Tolle Harmonien, ein catchy Refrain, der perfekte Einstieg. Dann geraten Bigelf in den "Hypersleep" und verwischen die allzu deutlichen Pilzkopfsporen wieder. Der schnelle Rocker ist ein Beweis für die enorme stilistische Vielseitigkeit der Band um Damon Fox, Duffy Snowhill und Neu-Drummer Mike Portnoy. Das geht munter so weiter "Already gone" begeistert mit grandiosem mehrstimmigen Gesang und großer Hookline, das tolle "Alien Frequency" hat sogar ein zu stampfendem Doom verarbeitetes Nirvana-Gitarrenlick an Bord. Später wird es fulminant, wenn Bigelf etwa in "Mr. Harry McQuhae" beste Beatles-Traditionen mit Queen-Harmonien und -Gitarren kreuzt. Ein feuchter Traum eines jeden Classic Rock-Fans. "Controlfreak" haut ein veritables Jimmy Page-Riffing in die Rillen, bevor Gitarrist Damon Fox zum Ende hin den Zappa macht.

Insgesamt ist nicht ein einziger Ausfall auf "Into the Maelstrom" und das Beste halten sich Bigelf dann auch bis zum Schluss auf: "ITM", der Titeltrack powert in acht spannenden Minuten noch einmal alles aus dem Trio, was es ausmacht: mitreißende Melodien, brillanter mehrstimmiger Gesang, aufreibende Gitarren und den vielleicht besten Queen/The-Who-Bastard-Mittelteil (ab Minute 6) der Musikgeschichte.

Was nervt? Ein wenig das seelenlose Geklumpe von Ex-Dream Theater-Drummer Mike Portnoy an der ein oder anderen Stelle. Ein weniger aufdringlicher Trommler hätte mancherorten gut getan. Doch dies fällt nicht so sehr ins Gewicht, als dass es einen Punktabzug rechtfertigen würde. Man könnte der Band zwar vorwerfen, dass sie in fremden Wäldern wildert, doch Bigelf erschaffen durchaus eigene Gewänder aus alten Fetzen. Schöne obendrein.

 

Fazit: Eine, wenn nicht jetzt schon DIE Scheibe des Jahres

 

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Review: Precious Metal / House Of Lords

house of lords - precious metalThe House of Lords melden sich mit „Precious Metal“ zurück – und es geht gleich ordentlich los. Der Opener „Battle“ klingt modern und kraftvoll, vermutlich der beste Song, den ich je von der Band gehört habe. Das macht Appetit und so dürfte es auch gerne weitergehen.

 

Doch schon beim zweiten Titel erschleicht mich das Gefühl, dass die letzten 20 Jahre musikalisch für die Mitglieder der Gruppe nie stattgefunden haben. Stilistisch bewegen sie sich im melodischen Hardrockgewand der späten 80er und frühen 90er.

Grundsätzlich nichts Verwerfliches, denn das, was Sänger James Christian mit seiner Truppe anbietet, tönt mehr als ordentlich.

Die Platte besticht durch eine transparente, druckvolle und ausgewogene Produktion, in dem jedes einzelne Instrument sehr präsent ist. Insgesamt höre ich doch ein paar mehr Ecken und Kanten als auf den früheren Alben, der Fokus liegt aber dennoch auf den eingängigen Melodien. Ein ganz besonderes Beispiel ist der Titeltrack, eine Ballade am Rande des Kitschs, die aber durch die glasklar gesungene Hookline total im Ohr bleibt und fast schon verbietet, weiterzuskippen. Würden wir das Jahr 1988 schreiben, hätten House Of Lords wohl einen Mega-Singlehit gelandet, 2014 wird es damit wohl nichts.

"Enemy Mine" ist hingegen für den geneigten Rockfan vielleicht eine kleine Herausforderung, eine weitere Ballade, bei der auch Robin Beck (Christians Ehefrau) mitsingen darf. Robin Beck? Ja, genau die, die in den 80ern mit "First Time" einen Coca Cola-Werbehit hatte. Der Song ist recht keyboardlastig, was dem Arrangement eine ziemlich poppige Note verleiht. Trotz des einprägsamen Refrains für mich der schwächste Song des Albums.

Die Texte scheinen durch Christians überstandene Krebserkrankung inspiriert zu sein. Das legen Titel wie „Permission To Die“ oder „Live Every Day (Like it`s The Last)“ zumindest nahe. Überhaupt wirken die rockigen Songs alle ziemlich kämpferisch und positiv.

 

Precious Metal ist ein sehr solides Album mit der Perspektive, nicht im Schrank zu verstauben. Eine CD, die man immer wieder hören kann. Nicht nur, aber vor allem auch für Nostalgiker geeignet, die den Zeiten des melodiösen Hardrocks und den wallenden Männermähnen nachtrauern. Laut Aufdrehen und auf Zeitreise gehen.

 

 

4von6

 

Review: Vandenberg's Moonkings

vandenbergs moonkings coverWenn man liest, dass Holland einstiges Gitarrenwunderkind Adrian Vandenberg im Jahr 1998 ein letztes Lebenszeichen in Form von Musik auf einem Tonträger abgegeben hat, muss man erst einmal tief durchatmen. 1998?? Vandenberg war für einige besondere Momente in der Rockgeschichte zu haben. So kam der "Flying Dutchman" als David Coverdales Sideman bei Whitesnake ganz groß raus - vor allem mit einer Scheibe, auf der er gar nicht zu hören war. "Slip of the Tongue" schrieb der mittlerweile 60-Jährige mit dem Frontmann zusammen, auf der CD spielen musste und durfte jedoch Gitarrengott Steve Vai, denn Adrian Vandenberg verletzte sich kurz vor den Aufnahmen schwer an der Hand. Danach stellte er mit "Manic Eden" ein recht erfolgloses, aber grandioses Bandprojekt auf die Beine, bevor er plötzlich von der großen Musikbühne verschwand. Fortan widmete er sich der Malerei und dem Airbrushen, sehr erfolgreich übrigens.

Nun will er es als Gitarrist mit eigener Band aber noch einmal wissen: Vandenberg's MoonKings bestehen aus dem Meister an der Gitarre und Jan Hoving (Vocals), Mart Nijen-Es (Drums) sowie Sem Christoffel (Bass). Das vorligende Debüt der Band wird Fans der bluesigeren und weniger metalbehafteten Whitesnake mehr als gefallen.

Ob beim Opener "Lust and Lies", auf dem Hoving im Stile Coverdales alles gibt oder dem folgenden "Close to you", der auch auf "Slide it in" hätte stehen können (und zudem an Led Zeppelin erinnert) - die Mondkönige machen vieles richtig. Sänger Jan Hoving klingt wie ein jüngerer Bruder David Coverdales mit hellerem Timbre, Vandenberg spielt einige grandiose Soli und der Rest der Band grooved solide bis exzellent vor sich her. Klar, dass im Zeichen der weißen Schlange auch einige schmalztriefende Töne nicht fehlen dürften. "Breathing" klingt wie eine (schwache) Whitesnake-Ballade und ist ein klarer Streichkandidat. "Out of reach" macht es mit seinen dezenten Streicherparts da später deutlich besser (weil bluesiger), während eine weitere Schmusenummer mit "One step behind" zwar einen bockstarken Refrain aufweisen kann, in den Strophen aber langweilt.

Überhaupt: Wenn die MoonKings rocken, sind sie deutlich stärker, wie das treibende "Nothing touches" und das tolle "Leave this town" beweisen. Beschlossen wird die Scheibe mit einem alten Bekannten: "Sailing ships" befindet sich mittlerweile auf einigen Whitesnake-Tonträgern ("Slip of the Tongue" mit Vai, "Starkers in Tokyo" mit Vandenberg, "Live at Donington" mit beiden Gitarristen), doch Adrian scheint zurecht sehr stolz auf diese Übernummer zu sein und spendiert uns hier eine erneute Version mit Coverdale an den Vocals. Das ist ein natürlich inkonsequent, eine Fassung mit Jan Hoving wäre folgerichtiger gewesen, was an der Qualität des vielleicht besten Songs in seiner Karriere rein gar nix ändert.

 

Fazit: Prima Scheibe für Whitesnake-Fans der bluesigeren Ära, trotz balladesker Ausfälle. Mehr davon, Adrian!

 

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Review: A Day in Nashville / Robben Ford

robbenford14Nach "Bringing it back home" aus dem vergangenen Jahr musste einem Angst und Bange um Gitarrengenie Robben Ford werden, so lustlos und uninspiriert kam dieses Werk daher. "A day in Nashville" ist zum Glück keine solche Langeweile-Veranstaltung, was vielleicht auch am mittlerweile selten gewordenem Aufnahmeritual liegt: Die CD wurde nämlich einfach komplett an einem Tag eingespielt.

Viel mehr Old School geht dann eben doch auch nicht. Neun Songs an einem Tag, das ist eine Leistung, vor allem, wenn sich der flotte Neuner als durchaus homogenes Werk zwischen Jazz, Blues und Soul entpuppt. Für sein besonderes Projekt hat Robben Ford aber auch eine Auswahl der Allerbesten mit ins Boot genommen: Audley Freed (Gitarre; Black Crowes), Ricky Peterson (Keyboards; David Sanborn), Brian Allen (Bass; Jason Isbell), Wes Little (Schlagzeug; Sting) und Barry Green (Posaune; Tony Bennett) verstärken den Meister und sorgen für exzellente Momente. Vor allem "Green Grass Rainwater" und "Different People" sind absolute Volltreffer, während "Ain't drinkin beer no more" etwas beliebig dahingeklatscht erscheint.

Die kurze Spielzeit ist ein Kriitkpunkt, die immer wieder bemängelte glatte Politur der Produktion hingegen nicht. Das macht Ford schließlich seit jeher. Ein krachender Bluesrocker wie Bonamass wird aus ihm einfach nicht mehr - und das muss auch nicht sein. 

 

 

Fazit: Schnellschuss mit Spaßfaktor

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Review: D:REI / Black Space Riders

BSR-Cover-DREI-300x269Ambitioniert sind sie, die Black Space Riders aus Münster. Ein knapp 80-minütiges Konzeptalbum haben sie vorgelegt. Dieses Vierteilige Epos beschreibt „Eine Reise ins tiefste Innere, in eine Galaxie der Innerlichkeit, den so genannten "inneren Raum": Frieden, Freiheit, Depression und tiefste Isolation.“ Sowohl inhaltlich, als auch musikalisch keine leichte Kost. Es gibt Platten, die hört man so nebenbei - und es gibt welche, für die muß man sich Zeit nehmen. „D:REI“ ist so ein Werk, es entfaltet seine volle Blüte wirklich erst dann, wenn man in Ruhe zuhört.

Wie zu erwarten, sind die musikalischen Grundelemente eine große Portion Stonerrock, gemischt mit gehörigen Space- und Doomanteilen. Allerdings hört man auch immer wieder, dass die Band auch über diesen Tellerrand hinausblickt und ihre Inspiration auch woanders hernimmt. Der großartige Opener „Stare At The Water“ oder auch „Way To Me“ erinnern durch ihre doppelläuffigen Gitarrenharmonien durchaus an Wishbone Ash oder Thin Lizzy. „The GOD-Survivor“, der für mich mich herausragende Song steigert sich im instrumentalen Schlussteil in eine düstere Version von Deep Purples „Perfect Strangers“. Der Stampfer „Give Gravitation To The People“ weckt bei mir sogar Sisters Of Mercy-Assoziationen. Darüber hinaus sind natürlich Kyuss immer wieder eine Referenz, was an sich aber nicht wirklich überrascht. Die CD benötigt eventuell ein paar Durchläufe, aber sie wächst und wächst bei jedem Hörgang. Die Story ist interessant und lässt Bilder im Kopf entstehen, die hervorragend mit der Musik korrespondieren.

 

Fazit: Eine wirklich spannende Platte, die von ihrem Hörer vor allem eins verlangt: Geduld. 

 

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Review: Into the Storm - Axel Rudi Pell

arp14Seit 25 Jahren kommt der bessere Ritchie Blackmore aus Wattenscheid: Axel Rudi Pell hat mit seinem 15. Album "Into the Storm" einmal mehr den Beweis angetreten, dass er zu den ganz großen des Genres zählt. "Into the Storm" klingt moderner und härter als die letzten Pellschen Rundlinge und das macht durchaus Laune.

Natürlich schimmert überall der unvermeidliche Blackmore durch (bei "Burning Chains" wird sogar arg der Deep Purple-Klassiker "Burn" gefleddert - man achte nur auf die Drumwirbel), doch das ist gut so, denn der gute Ritchie ist längst im selbstgewählten Folkmusikexil und tanzt in seltsamen Strumpfhosen durch die Schlösser Europas. Nach mehr als einem Jahrzehnt hat Mike Terrana an den Fellen übrigens das Handtuch geworfen und Ex-Rainbow-Trommler Bobby Rondinelli ersetzt ihn formidabel. Die Zuballerei Terranas war ohnehin Geschmacksache, nun ist mehr Raum in den Songs. Ach ja, die Songs: "Tower of Lies" setzt zum Beginn nach dem unvermeidlichen Intro die Marschroute für "Into the Storm". Harter, melodischer Rock mit tollen Hooklines, Klasse-Soli und einem gnadenlos guten Johnny Gioeli am Gesang. „Long Way To Go“ und „Burning Chains“ gehen in eine ähnliche Richtung. Balladesk und etwas platter wird es mit „When Truth Hurts“ und „Touching Heaven“, aber solche Schmachtfetzen sind für ARP-Fans unverzichtbar.

Axels Vorliebe für skurrile Coverversionen (man denke nur an Alphavilles "Forever Young") lebt er dieses Mal mit Neil Youngs Klassiker "Hey Hey, my my" aus. Ein Streichergebnis, denn Gioelis Hochglanzröhre passt nicht besonders gut zum kaputten Flair des Songs. Mit dem Titeltrack "Into the Storm" lenkt Kapitän Pell sein Kriegsschiff aber wieder in die richtigen Bahnen. Exotische Skalen, vielschichtiges Songwriting, epische Lyrcis - "Into the Storm" ist der beste ARP-Song seit zehn Jahren, wenngleich auch zwei Minuten zu lang. 

 

Fazit: Auch im 25. Jahr ist Axel Rudi Pell eine echte Bank und mittlerweile der bessere Blackmore

 

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Tracklist

 

01. The Inquisitorial Procedure 01:48
02. Tower of Lies 04:26
03. Long Way to Go 05:32
04. Burning Chains 05:23
05. When Truth Hurts 06:46
06. Changing Times 06:05
07. Touching Heaven 07:02
08. High Above 04:49
09. Hey Hey My My 05:02
10. Into the Storm 10:35

Review: Souldrinker - Semper Fidelis II

souldrinker2Souldrinker ist ein Schmelztiegel aus den Bands Watch me Bleed (Bassist Chris Rodens und Drummer Steffen Theurer), Mystic Prophecy (Gitarrist Markus Pohl) und The Mystery (Goldkehlchen Iris Boanta). Klingt spannend und ist es auch.

Während Pohl und Boanta eher für die klassische Ausrichtung der Band stehen, haben die Watch me Bleed-Jungs einen moderneren Ansatz. Genau das ist der Reiz von Souldrinker, die eine wunderbare Mischung aus traditionellen Metalwerten und frischer Brutalität auf den bisher vorliegenden fünf Songs (plus Intro) auf den Tisch katapultieren.

Alle Musiker sind über jeden Zweifel erhaben, hoch droben über dem Sound der Band thront Iris Boanta mit ihrem einmaligen Gesang.

Dies wirkt sich leider auch auf die Produktion aus. Hier würden mir die Gitarren etwas weiter vorne im Mix besser gefallen, doch das ist vielleicht Geschmacksache.

Der Stilmix aus klassischen Metalgesang einer außergewöhnlichen Sängerin - sehr schön im Genre einmal wieder etwas anderes zu hören als Elfenrotze - und den knallharten Riffs funktioniert überraschend gut. 

Das Songwriting überzeugt, die Hooklines sitzen (vor allem "Sixteen Men of Tain" sticht heraus), die Soli und auch die Riffs sind mitreißend, lediglich die Spielzeit ist ein Manko, welches hoffentlich bald in Form eines Longplayers behoben wird. Während auf der vorigen EP noch Watch me bleed-Growler Alex Gindu einen Kontrast zur Rockröhre Boanta setzte, wurde der Gute nun wegrationalisiert. Es bleibt eine starke Scheibe mit größerer Classic-Metal-Schlagseite als beim Vorgänger.

Ich persönlich fand das Gegrunze auf Dauer aber ohnehin nicht allzu passend. Wenn der gute Eindruck auf mehr als fünf Songs bestätigt werden kann, gibt es auch die Höchstpunktzahl von den RocknRoll-Reportern.

 

Starker Erstschlag! Plattenfirmen zuschlagen!

 

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1. Intro

2. Sixteen Men Of Tain
3. To All That Is Lost
4. Burn The Pact

5. To all that is lost

6. Hope is gone

Review: Iced Earth - Plagues of Babylon

IcedEarth-PlaguesOfBabylonIced Earth legen mit "Plagues of Babylon" das zweite Werk mit dem neuen Sänger Stu Block vor. Auf "Dystopia", Blocks Erstling lieferte er mit der Band den Beweis ab, dass sie noch lange nicht am Ende sind. Und auch "Plagues of Babylon" es ist keine schlechte Platte geworden, eine überragend gute dann aber leider auch nicht. 


Was hören wir? Einen absolut fehlerfreien, guten, bis sehr guten aber nie herausragenden Power-Metal-Sänger, der vor allem live ein echter Gewinn für die Band ist (Fotos). Desweitern finden wir da mit Jon Schaffer einen Songwriter, der seinen (und Deinen) Metal aus dem Eff-Eff kennt. Hier etwas Maiden (z.B. im Intro von "The end?"), da eine Prise Queensryche zu "Hear in the Now Frontier "-Zeiten (erneut ein Intro bei "The living dead"), dazu noch einen Happen Manowar ("Resistance") - das geschulte Metal-Gehör freut sich über die vielen vertrauten Ideen.
Die Freude wird größer, wenn man aber endlich echte alte Iced Earth-Tugenden serviert bekommt. Der bombastisch-gute Titeltrack (mit zu langem Intro) zum Start der CD macht Hunger auf mehr solche Mahlzeiten.
"Democide" (mit langen Intro) bekommt da noch gerade die Kurve und überzeugt unterm Strich, während "The Culling" ziemlich schwach, "Among the living Dead" (did I mention the long intro?) ein solider Schmeißer mit Anthrax-Anleihen und "Resistance" einfach langweilig ist.
Zwei weitere Kritikpunkte: Die Produktion ist - außer für Drummer vielleicht - deutlich zu Trommellastig, da gehen manchmal selbst Chef Schaffers Soli im Schlagzeuggewitter unter. Ob's daran liegt, dass ausnahmsweise nicht im Morrisound Studio in Florida gemixt wurde, sondern dies in Deutschland geschah?
Auch erschließt sich der fast immergleiche Songaufbau nur schwerlich. Lange Einleitung, anschließend ein Powerriff, das zur Strophe leitet, später ein aus schnellen Läufen plus stehenden Bendings bestehendes Solo - manche nennen es Stil, ich bin zu oft gelangweilt von der Reißbrettartigkeit der Tracks. 
 
Doch "Plagues of Babylon" ist mitnichten ein schwache Scheibe: Nach dem starken Opener, der mit einigen hübschen orientalisch anmutenden Skalen Lust aufs Album macht, verdienen vor allem die Hymne "If I could see you", das epischen "Cthulhu" und die von Schaffers "Sons of Liberty" gecovert Powerballade (jaaa, ich weiß, böses Schimpfwort, aber lieb gemeint) "Spirit of the Times" das Markensiegel Iced Earth. So muss die Band klingen, denn eigenständig genug ist sie. Das Country-Cover "Highwayman" mit den Gästen Russell Allen (Symphony X) und Michael Poulsen (Volbeat) lässt den Rezensenten schließlich doch noch mit einem recht versöhnlichen Eindruck den Ipod ausschalten.
 
Fazit: Mehr Licht als Schatten, ob dieses Iced Earth-Album den "Test of Time" überstehen wird, ist dennoch fraglich
 
 
Anspieltipps: "If I could see you", "Plagues of Babylon"
 
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Review: Robert Pehrsson's Humbucker

Robert Pehrsson COVER-1024x1024Robert Pehrsson's Humbucker - ein Name, der schon eine Menge ausplaudert. Nämlich, dass der alte Schwede Robert keine Stratocasters mit Einspulern spielt, sondern doppelspurige Tonabnehmer (Humbucker eben) eingebaut in hübsche Gibsons. Soviel zur Technik, kommen wir zur Musik.

Pehrsson und seine Band, bestehend aus Ex-Hellacopters, Entombed und Enforcer-Zocker, liefern kurz vor der Zielgerade eine der wundervollsten Rock-Scheiben des Jahres ab. Irgendwo zwischen den 70er Thin Lizzy ("Haunt my mind"), den 80er Kiss ("Running for Shelter") und den jungen Hellacopters ("Keep me in your heart") beeindruckt Robert Pehrsson mit tollem Songwriting, Twin-Gitarrenlicks ohne Ende und hitverdächtigen aber nie käsigen Melodien.

Die Humbucker als Double-Headliner-Tour mit den Black Star Riders könnte man sich gut vorstellen. Die Band pflügt mit einer spielerischen Leichtigkeit durch die 9 Songs, von denen "Who else is on your mind" zwar heraussticht, Ausfälle aber absolut nicht zu entdecken sind. Besonders beeindruckt die luftige Produktion der CD, die eine wahre Wohltat in den Ohren ist. Weit weg von überproduzierten Werken vieler anderer neuer Bands, wo es nur um fetter, härter, lauter zu gehen scheint, ist Robert Pehrsson's Humbucker als echter Ohrgasmus zu bezeichnen.

6von6

 

 

 

 

 

Tracklist:

1.Haunt My Mind
2.Serious
3.Keep Me In Your Heart
4.Can't Change
5.Running For Shelter
6.Wasted Time
7.Mesmerizing Shadows
8.Who Else Is On Your Mind
9.Falling Into Darkness

Hier geht es zu Spotify:

Review: Leben heißt Leiden (Nikki Sixx)

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"Ich denke, dass ein Fotograf, der seine Nase über eine niedrigauflösende Handykamera rümpft, das verloren hat, in das er sich einst verliebt hatte: Das Festhalten eines magischen Momentes." Es sind die kleinen Sätze zwischendrin, die Nikki Sixx' "Leben heißt Leiden - Fotografie. Musik. Kunst", den Nachfolger des Bestsellers "Tagebuch eines Heroinsüchtigen" aus dem Jahre 2009, lesenswert machen. Bisweilen gestaltet sich die Lektüre des wunderschön aufgemachten Hardcovers allerdings auch wie die Suche nach dem Barren Gold in einer Wagenladung voller Kuhscheiße.

 

Hauptsächlich dreht es sich bei diesem Werk um Sixx' Leidenschaft für Fotografie und ganz besondere Motive, am Rande geht es um die Aufarbeitung der Zeit nach dem Mega-Erfolg seines Drogenbuches von 2009 und noch weiter in der Ecke finden sich Mötley Crüe-Geschichtchen, die vor allem von den letzten Europatouren stammen. Aus Fotografensicht ist "Leben heißt Leiden" durchaus stöbernswert, bekommt man doch einige (wenn auch oft krasse oder zu extreme) Ideen für Motive oder Shootings.

Ob ein Trip ins Drogenviertel einer Großstadt, um die Abhängigen auf den Chip zu bannen, ohne 120 Kilo-Bodyguard und einem Arsch voll von Geld empfehlenswert ist, wage ich zu bezweifeln. Sixx hat genau das unter anderem "gewagt" und einige imposante Schüsse dabei zustande gebracht. Bei der US-Premiere weigerte sich eine große New Yorker Handelskette das Buch aufgrund seines kontroversen Fotoanteils ins Sortiment zu nehmen. Das ist natürlich Ami-Quatsch und nicht weniger als Kunsthass, denn das Auge, welches der Gitarrist an den Tag legt, ist schon ein besonderes und spiegelt durchaus seine ganz besondere Lebens- und Leidensgeschichte wider. 

Was das Buch zuweilen abstoßend macht, sind nicht die extravaganten Fotomotive des Künstlers, sondern sein pathetisches "ich suche Schönheit in der Scheiße, weil ich son krasser Typ bin, der alles schon mal gemacht hat"-Geblubber. Nach den verrückten Intro-Sätzen seiner Tochter Storm, kann man Schlimmes befürchten, doch ganz so wild wird es dann nicht und der Sturm bleibt im Wasserglas stecken. Denn Sixx lässt immer wieder durchblicken, dass er noch etwas mehr zu sagen hat als "Girls Girls Girls" und "Shout at the Devil". Und dass er eben mehr ist, als der Ex-Drogensüchtige, der Dekadenz als zweiten und dritten Vornamen trägt. Bis man dies erkennen kann, muss man sich durch viele Worthülsen ackern, wird dadurch aber mit so manch gülden scheinender Erkenntnis und Horizontalerweiterung belohnt.  

The Amazing Spiderman

amazingspidermanSeien wir ehrlich: Die bisherigen Spiderman-Games waren niemals mehr als durchschnittlich. Dabei kann es doch so atemberaubend sein, frei durch Manhatten zu schwingen. Zum brandneuen Spiderman Film kommt auch das gleichnamige Spiel unter anderem auf die PS3 (unserem Testsystem). Das Spiel lehnt sich an den Film an (spielt aber danach) und so ist durchaus "Spoilergefahr" gegeben.

Die Story wurde vom Hollywood-Autor Seamus Kevin Fahey (Spartacus: Gods of the Arena, Battlestar Galactica) geschrieben. Deutlich orientieren sich die Entwickler an Genre-Primus "Batman: Arkham City" (Test HIER). Das Kampfsystem von Spidey gleicht dem des dunklen Rächers wie ein Ei dem anderen. Klar, darf ausgiebig Spinnennetz verschossen werden, doch, wer Batman gespielt hat, kommt hier sofort klar. So gut ließ sich der freundliche Netzspinner noch nie steuern. spidey2

Das Schwingen durch Manhattens Häuserschluchten ist einfach unbeschreiblich genial umgesetzt, vor allem, wenn in den Wolkenkratzerscheiben der Rest der Stadt gespiegelt wird. Grafisch ist das aber auch einer der wenigen Höhepunkte, denn das Krabbeltier-Abenteuer ist recht bieder und verliert auf der technischen Ebene den Kampf gegen den DC-Superhelden Batman und seine letzten beiden (!) Spiele deutlich. Geboten wird neben der etwas dürren Story auf den Nebenkriegsschauplätzen eine ganze Menge. So gilt es Comicseiten zu sammeln, Audiofiles einzufangen und vor allem alternative Kostüme freizuschalten. Das haben wir natürlich in Arkham auch schon gemacht. Das macht dennoch sehr viel Spaß, die Tiefe, die der Superheld der Konkurrenz bietet, fehlt hier leider an einigen Enden. Auch der für die Figur Spiderman besonders wichtige Humor mit flotten Sprüchen kommt manchmal sehr mit dem Holzhammer daher. Trotzdem sorgt "The Amazing Spiderman" für mehr als zehn Stunden Freude und kann ohne Umschweife als das beste Spidey-Game aller Zeiten abgestempelt werden und ist für Spiderman-Fans ein Pflichtkauf.

Übrigens: Stellt man die Systemsprache der PS3 auf englisch, kommt man in den Genuss der Originalversion, wobei auch die deutschen Stimmen verkraftbar sind.

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Classics: Unmasked / Kiss

classics-rrrDenkt man an Klassiker von KISS fällt einem nicht wirklich auf Anhieb die 1980 erschienene sehr poppig klingende "Unmasked" ein. Dabei gibt es gute Gründe, diese Scheibe gut zu finden, auch wenn diese Meinung eine sehr streitbare unter KISSern war. Als sie 1980 herauskam waren die meisten Kritiken gut, die KISS-Fans sahen jedoch in dem Album eine Fortsetzung der mit "Dynasty" begonnenen Discoisierung des KISS-Sounds.

Damit hatten sie natürlich recht. Paul Stanley, Ace Frehley, Gene Simmons und Anton Fig (der den nicht mehr zur Band gehörenden Peter Criss am Schlagzeug heimlich ersetzte) klingen weichgespült wie selten.

unmasked

Dennoch sind auf der Platte einige echte Perlen der KISS-Geschichte zu hören, für die meisten ist Lead-Gitarrist Ace Frehley verantwortlich, der so viele Songs wie noch nie (und nie mehr) zu einem KISS-Longplayer beisteuern durfte. "Talk to me", "Torpedo Girl" und "Two sides of the coin" sind veritable Rocker aus der Ace-Schmiede und funktionieren immer noch. Doch auch "Naked City" ist ein richtig guter Song. Mit "Shandi" war die übliche Überballade auf dem Album und sorgte dafür, dass KISS zumindest in Australien hoch in den Charts standen.

 

Das Problem der Platte ist also nicht das Songmaterial sondern vielmehr der Pop-Sound. Ein Tribut mit Namen "Undressed" (siehe unten) beweist Jahre später, dass mit knackigen Gitarren und fetten Drums hier eine Menge zu retten gewesen wäre. Das Cover von Victor Stabin im Comicstil hingegen ist ein echter Klassiker und begeistert noch immer. Zumindest das ist unter KISS-Fans recht unstrittig. 

Das Album erreichte hohe Chartplatzierungen und war in einigen Ländern nicht nur in den Top Ten vertreten, sondern sogar auf Platz 1, so in Neuseeland und Norwegen. "Unmasked" war das jemals höchstplatzierte in Deutschland.

In der Nachbetrachtung würde ich hier den Songs 4 von 6 Punkten geben, der Sound bekäme nur 2 von 6. Resultat 3 von 6!

 

 

Classics: Misplaced Childhood / Marillion

classics-rrr1985 sprangen Marillion endgültig aus dem Schatten ihrer großen Vorbilder, Genesis, und veröffentlichten mit "Misplaced Childhood" ein von Stimmungsschwankungen geprägtes Konzeptalbum rund um das Thema Kindheit. Nachdem schon das Debütwerk "Script for a yesters tear" andeuten konnte, zu welchen progressiven Höchstleistungen (zb. auf dem Titeltrack oder "Chelsea Monday") die Band um den charismatischen Sänger Fish (eigentlich Derek William Dick) fähig waren, lieferte das Korsett des Konzepts eines der schönsten und mitreißendsten Alben der 80er Jahre. Liebe, verlorene Liebe, Erfolg, Kindheit - all das sind Themen, die sich Fish für diese Platte zur Brust genommen hat. Musikalisch wurde sie fein verwebt und bilden vielleicht eines der größten Argumente für Vinyl als Tonträger. Erstens klingt die Schallplatte um Längen besser als alle digitalisierten Nachfolger, vor allem aber gibt es am Ende der ersten Seite diesen einen magischen unbezahlbaren Moment, die nur ein Schallplattenspieler bieten kann.

Wenn Fish am Ende von Seite eins in "Heart of Lothian" "...and the man in the mirror has sad eyes" intoniert, weißt man einfach, dass ein Abschnitt beendet ist, die Geschichte eine neue Wendung nimmt - und man aufstehen muss, um die Platte zu drehen. Nach den harmonischen Klängen der ersten Seite, auf der mit "Kayleigh" einer der erfolgreichsten und meistgespielten Songs der 80er (und 90er) vertreten ist, wird es ruppiger auf der Rückseite, kommen die Prog-Elemente mehr zu tragen (etwa im fast zehn Minuten langem Epos "Blind Curve") und sprengt dieses insgesamt nur knapp über 40 Minuten kurze Meisterwerk endgültig die Ketten des schweren Genesis-Schattens. Besser haben Marillionen, besser hat Fish nie geklungen. Marillion misplacedchildhood

Die Plattenfuzzis bemerkten schnell, dass sie mir "Kayleigh" einen ganz großen Fisch an der Angel hatten und koppelten den Song als Single aus - frecherweise mit einem stark gekürztem Gitarrensolo. Jahre später kamen diverse Demos ans Tageslicht, die zwar die Arbeitsweise der Band interessant dokumentierten, musikalisch aber keine weiteren Lichtblicke vermittelten. Eine komplette und ebenfalls hervorragende Live-Aufnahme des Albums, die auf der Misplaced Childhood Tour aufgenommen wurde, erschien 1988 auf dem Album The Thieving Magpie. Übrigens verweisen Marillion auf oben genanntes "Script for a Jester's Tear" in "Kayleigh" ("I never did write that love song"/"I'm still trying to write that love song").

Dazu gibt es zahlreiche andere Zitate diverser Künstler (Solomon Burke, Van der Graf Generator). Das Cover zeigt  eine Zeichnung von  Robert Mead, damals zehn Jahre alt und ein Nachbar des Cover-Designers Mark Wilkinson. Auf der Rückseite flieht der schon früher bei Marillion immer wieder vorkommende Narr aus einem Fenster. Insgesamt wird vor allem vorne zu sehr mit der Kitschkeule gewedelt.

Insgesamt ist das ohne wenn und aber eine 6 von 6 Punkte-Platte und vielleicht DER Klassiker des Neo-Prog.

 

Die Tracklist:

  1. Pseudo Silk Kimono - 2:13
  2.  Kayleigh - 4:03
  3. Lavender - 2:27
  4. Bitter Suite - 5:53
    I. Brief Encounter
    II. Lost Weekend
    III. Blue Angel
    IV. Misplaced Rendezvous
    V. Windswept Thumb
  5. Heart of Lothian - 6:02
    I. Wide Boy
    II. Curtain Call
  6. Waterhole (Expresso Bongo) - 2:12
  7. Lords of the Backstage - 1:52
  8. Blind Curve - 9:29
    I. Vocal Under a Bloodlight
    II. Passing Strangers
    III. Mylo
    IV. Perimeter Walk
    V. Threshold
  9. Childhood's End? - 4:32
  10. White Feather - 2:23

 

 

 

Tony Iommi: Iron Man

ironman2„Ich hatte Bill schon öfter angezündet, aber einmal geriet alles außer Kontrolle. Während er sich vor Schmerzen schreiend auf dem Studioboden wälzte, lachte ich mich schlapp. Doch das Schreien hörte nicht auf. Langsam begriff ich den Ernst der Lage – unser Drummer verbrannte bei lebendigem Leib.“
 
So eine Passage klingt nach genau dem Buch, auf das immer alle Rockfans warten: Aber nein, ein echtes Skandalbuch erwartet den Leser von Tony Iommis Biografie "Iron Man" nicht. Dafür ist der Meister der düsteren Riffs, der Erschaffer zahlreicher Black Sabbath-Epen nicht der Typ. Klar, auch in "Iron Man" gibt es einen Einblick in die verrückten und wilden 60er und 70er Jahre, doch meist bekommt man von Iommi den Eindruck, dass dieser ein eher ruhiger und besonnener Zeitgenosse (ganz im Gegensatz zu Sabbath-Sänger Ozzy) ist. Black Sabbath-Fans bekommen zudem nicht viel Neues geboten. Die Geschichte von seinen verlorenen Fingerkuppen, zahlreiche On-the-Road-Erlebniss und Entstehungsgeschichten weltbekannter Black Sabbath-Alben - all das gehört natürlich in diese Biografie, ist aber weitestgehend bereits sehr gut dokumentiert. Hinzu kommt, dass das Buch eher für den Schnellleser geschrieben ist. Sprachlich geht es recht mau zu, weshalb man das Buch in Windeseile wieder ins Regal schubsen kann. An einer Stelle stockt man jedoch dennoch, nämlich bei der Schilderung von Ronnie James Dios Tod. Das geht unter die Haut und versöhnt mit dem ansonsten eher zur Fastfood-Literatur gehörenden Werk. Einige Schwarz-Weiß-Fotos runden das 380 Seiten starke Buch ab, welches durch die Wichtigkeit des Autors in der Hardrockszene am Ende dann natürlich trotzdem in jeden Haushalt gehört. 
 
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ISBN: 978-3-85445-383-3
Umfang: 384 Seiten, mit zahlreichen Fotos
Format: 16 x 24 cm
Beschaffenheit: Hardcover