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Dienstag Januar 23, 2018
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81 items tagged "CD"

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Review: Vandenberg's Moonkings

vandenbergs moonkings coverWenn man liest, dass Holland einstiges Gitarrenwunderkind Adrian Vandenberg im Jahr 1998 ein letztes Lebenszeichen in Form von Musik auf einem Tonträger abgegeben hat, muss man erst einmal tief durchatmen. 1998?? Vandenberg war für einige besondere Momente in der Rockgeschichte zu haben. So kam der "Flying Dutchman" als David Coverdales Sideman bei Whitesnake ganz groß raus - vor allem mit einer Scheibe, auf der er gar nicht zu hören war. "Slip of the Tongue" schrieb der mittlerweile 60-Jährige mit dem Frontmann zusammen, auf der CD spielen musste und durfte jedoch Gitarrengott Steve Vai, denn Adrian Vandenberg verletzte sich kurz vor den Aufnahmen schwer an der Hand. Danach stellte er mit "Manic Eden" ein recht erfolgloses, aber grandioses Bandprojekt auf die Beine, bevor er plötzlich von der großen Musikbühne verschwand. Fortan widmete er sich der Malerei und dem Airbrushen, sehr erfolgreich übrigens.

Nun will er es als Gitarrist mit eigener Band aber noch einmal wissen: Vandenberg's MoonKings bestehen aus dem Meister an der Gitarre und Jan Hoving (Vocals), Mart Nijen-Es (Drums) sowie Sem Christoffel (Bass). Das vorligende Debüt der Band wird Fans der bluesigeren und weniger metalbehafteten Whitesnake mehr als gefallen.

Ob beim Opener "Lust and Lies", auf dem Hoving im Stile Coverdales alles gibt oder dem folgenden "Close to you", der auch auf "Slide it in" hätte stehen können (und zudem an Led Zeppelin erinnert) - die Mondkönige machen vieles richtig. Sänger Jan Hoving klingt wie ein jüngerer Bruder David Coverdales mit hellerem Timbre, Vandenberg spielt einige grandiose Soli und der Rest der Band grooved solide bis exzellent vor sich her. Klar, dass im Zeichen der weißen Schlange auch einige schmalztriefende Töne nicht fehlen dürften. "Breathing" klingt wie eine (schwache) Whitesnake-Ballade und ist ein klarer Streichkandidat. "Out of reach" macht es mit seinen dezenten Streicherparts da später deutlich besser (weil bluesiger), während eine weitere Schmusenummer mit "One step behind" zwar einen bockstarken Refrain aufweisen kann, in den Strophen aber langweilt.

Überhaupt: Wenn die MoonKings rocken, sind sie deutlich stärker, wie das treibende "Nothing touches" und das tolle "Leave this town" beweisen. Beschlossen wird die Scheibe mit einem alten Bekannten: "Sailing ships" befindet sich mittlerweile auf einigen Whitesnake-Tonträgern ("Slip of the Tongue" mit Vai, "Starkers in Tokyo" mit Vandenberg, "Live at Donington" mit beiden Gitarristen), doch Adrian scheint zurecht sehr stolz auf diese Übernummer zu sein und spendiert uns hier eine erneute Version mit Coverdale an den Vocals. Das ist ein natürlich inkonsequent, eine Fassung mit Jan Hoving wäre folgerichtiger gewesen, was an der Qualität des vielleicht besten Songs in seiner Karriere rein gar nix ändert.

 

Fazit: Prima Scheibe für Whitesnake-Fans der bluesigeren Ära, trotz balladesker Ausfälle. Mehr davon, Adrian!

 

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Review: A Day in Nashville / Robben Ford

robbenford14Nach "Bringing it back home" aus dem vergangenen Jahr musste einem Angst und Bange um Gitarrengenie Robben Ford werden, so lustlos und uninspiriert kam dieses Werk daher. "A day in Nashville" ist zum Glück keine solche Langeweile-Veranstaltung, was vielleicht auch am mittlerweile selten gewordenem Aufnahmeritual liegt: Die CD wurde nämlich einfach komplett an einem Tag eingespielt.

Viel mehr Old School geht dann eben doch auch nicht. Neun Songs an einem Tag, das ist eine Leistung, vor allem, wenn sich der flotte Neuner als durchaus homogenes Werk zwischen Jazz, Blues und Soul entpuppt. Für sein besonderes Projekt hat Robben Ford aber auch eine Auswahl der Allerbesten mit ins Boot genommen: Audley Freed (Gitarre; Black Crowes), Ricky Peterson (Keyboards; David Sanborn), Brian Allen (Bass; Jason Isbell), Wes Little (Schlagzeug; Sting) und Barry Green (Posaune; Tony Bennett) verstärken den Meister und sorgen für exzellente Momente. Vor allem "Green Grass Rainwater" und "Different People" sind absolute Volltreffer, während "Ain't drinkin beer no more" etwas beliebig dahingeklatscht erscheint.

Die kurze Spielzeit ist ein Kriitkpunkt, die immer wieder bemängelte glatte Politur der Produktion hingegen nicht. Das macht Ford schließlich seit jeher. Ein krachender Bluesrocker wie Bonamass wird aus ihm einfach nicht mehr - und das muss auch nicht sein. 

 

 

Fazit: Schnellschuss mit Spaßfaktor

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Review: D:REI / Black Space Riders

BSR-Cover-DREI-300x269Ambitioniert sind sie, die Black Space Riders aus Münster. Ein knapp 80-minütiges Konzeptalbum haben sie vorgelegt. Dieses Vierteilige Epos beschreibt „Eine Reise ins tiefste Innere, in eine Galaxie der Innerlichkeit, den so genannten "inneren Raum": Frieden, Freiheit, Depression und tiefste Isolation.“ Sowohl inhaltlich, als auch musikalisch keine leichte Kost. Es gibt Platten, die hört man so nebenbei - und es gibt welche, für die muß man sich Zeit nehmen. „D:REI“ ist so ein Werk, es entfaltet seine volle Blüte wirklich erst dann, wenn man in Ruhe zuhört.

Wie zu erwarten, sind die musikalischen Grundelemente eine große Portion Stonerrock, gemischt mit gehörigen Space- und Doomanteilen. Allerdings hört man auch immer wieder, dass die Band auch über diesen Tellerrand hinausblickt und ihre Inspiration auch woanders hernimmt. Der großartige Opener „Stare At The Water“ oder auch „Way To Me“ erinnern durch ihre doppelläuffigen Gitarrenharmonien durchaus an Wishbone Ash oder Thin Lizzy. „The GOD-Survivor“, der für mich mich herausragende Song steigert sich im instrumentalen Schlussteil in eine düstere Version von Deep Purples „Perfect Strangers“. Der Stampfer „Give Gravitation To The People“ weckt bei mir sogar Sisters Of Mercy-Assoziationen. Darüber hinaus sind natürlich Kyuss immer wieder eine Referenz, was an sich aber nicht wirklich überrascht. Die CD benötigt eventuell ein paar Durchläufe, aber sie wächst und wächst bei jedem Hörgang. Die Story ist interessant und lässt Bilder im Kopf entstehen, die hervorragend mit der Musik korrespondieren.

 

Fazit: Eine wirklich spannende Platte, die von ihrem Hörer vor allem eins verlangt: Geduld. 

 

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Review: Into the Storm - Axel Rudi Pell

arp14Seit 25 Jahren kommt der bessere Ritchie Blackmore aus Wattenscheid: Axel Rudi Pell hat mit seinem 15. Album "Into the Storm" einmal mehr den Beweis angetreten, dass er zu den ganz großen des Genres zählt. "Into the Storm" klingt moderner und härter als die letzten Pellschen Rundlinge und das macht durchaus Laune.

Natürlich schimmert überall der unvermeidliche Blackmore durch (bei "Burning Chains" wird sogar arg der Deep Purple-Klassiker "Burn" gefleddert - man achte nur auf die Drumwirbel), doch das ist gut so, denn der gute Ritchie ist längst im selbstgewählten Folkmusikexil und tanzt in seltsamen Strumpfhosen durch die Schlösser Europas. Nach mehr als einem Jahrzehnt hat Mike Terrana an den Fellen übrigens das Handtuch geworfen und Ex-Rainbow-Trommler Bobby Rondinelli ersetzt ihn formidabel. Die Zuballerei Terranas war ohnehin Geschmacksache, nun ist mehr Raum in den Songs. Ach ja, die Songs: "Tower of Lies" setzt zum Beginn nach dem unvermeidlichen Intro die Marschroute für "Into the Storm". Harter, melodischer Rock mit tollen Hooklines, Klasse-Soli und einem gnadenlos guten Johnny Gioeli am Gesang. „Long Way To Go“ und „Burning Chains“ gehen in eine ähnliche Richtung. Balladesk und etwas platter wird es mit „When Truth Hurts“ und „Touching Heaven“, aber solche Schmachtfetzen sind für ARP-Fans unverzichtbar.

Axels Vorliebe für skurrile Coverversionen (man denke nur an Alphavilles "Forever Young") lebt er dieses Mal mit Neil Youngs Klassiker "Hey Hey, my my" aus. Ein Streichergebnis, denn Gioelis Hochglanzröhre passt nicht besonders gut zum kaputten Flair des Songs. Mit dem Titeltrack "Into the Storm" lenkt Kapitän Pell sein Kriegsschiff aber wieder in die richtigen Bahnen. Exotische Skalen, vielschichtiges Songwriting, epische Lyrcis - "Into the Storm" ist der beste ARP-Song seit zehn Jahren, wenngleich auch zwei Minuten zu lang. 

 

Fazit: Auch im 25. Jahr ist Axel Rudi Pell eine echte Bank und mittlerweile der bessere Blackmore

 

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Tracklist

 

01. The Inquisitorial Procedure 01:48
02. Tower of Lies 04:26
03. Long Way to Go 05:32
04. Burning Chains 05:23
05. When Truth Hurts 06:46
06. Changing Times 06:05
07. Touching Heaven 07:02
08. High Above 04:49
09. Hey Hey My My 05:02
10. Into the Storm 10:35

Classics: Kid A / Radiohead

Radiohead.kida.albumart

Alle Nostalgiker, die The Bends von 1995 noch immer für das Meisterwerk von Radiohead halten, täuschen sich möglicherweise ebenso sehr wie diejenigen, die zwei Jahre später OK Computer zum Opus magnum in der Karriere der einstigen Gitarrensound-Frickler aus dem britischen Oxfordshire ausgerufen haben. Wirklich miteinander vergleichbar sind diese beiden Alben ohnehin nicht. Vielmehr zeichnet sich auf diesen durch den mutigen Schritt vom ziselierten Brit-Pop der frühen Jahre hin zum ambitionierten Art-Rock bereits die radikale künstlerische Emanzipation vom musikalischen Mainstream ab, die dann im Jahr 2000 auf Kid A ihren eigentlichen Höhepunkt finden wird - einem bedrohlich dräuenden Jahrtausendwende-Album, das noch weniger mit den beiden Vorgängern vergleichbar ist als diese untereinander. Und das nicht wenige Fans und Kritiker zunächst einmal ebenso verstört wie rund 15 Jahre zuvor die urplötzliche Wandlung von Talk Talk von einer Chart-Band zu den Wegbereitern des Post-Rock.

So verweigern Radiohead im gesamten ersten Drittel von Kid A ihren Zuhörern etwa jeglichen Gitarrensound. Auch von Pop fehlt nun jede Spur. Stattdessen klingen der grandios melancholisch-warmherzige Opener "Everything In Its Right Place" und der darauffolgende Titelsong wie eine perfekte Amalgamierung elektronischer Sounds, Samples und repetitiver Rhythmen stilprägender Nischen-Bands wie Can, Kraftwerk oder Boards Of Canada mit dem "typischen" Radiohead-Sound. Nur wenigen Bands zuvor ist es gelungen, nach einem solchen Schnitt gleichermaßen aufregend neu und dennoch vertraut zu klingen. Ohne es den Fans zu leicht zu machen.

Denn auch der dritte Song des Albums, das brachiale und überaus beunruhigende "The National Anthem", schert sich einen Dreck um Hörererwartungen, indem nahezu alles Sechssaitige durch ein treibendes, fast schon brutales Bass-Riff und eine aggressive Bläser-Sektion ersetzt wird. Jazzcore, wenn man so will. Erst im wunderbar verschleppten und seltsam verpeilten "How To Disappear Completely" kommen (neben allerlei anderen Soundspielereien, darunter eine zwischenzeitlich völlig ins Disharmonische abdriftende Streicherabteilung) Gitarren zum Einsatz.Vornehmlich akustische. PictureUnd auf dem zynisch betitelten Untergangsrocker "Optimistic" dann sogar elektrische - die dann aber später beim heimlichen Hit des Albums, dem unheilvoll und rein elektronisch drauflos pumpenden "Idiotheque", wieder ebenso fehlen wie Bass und Schlagzeug. "Women and children first" heißt es dort nicht von ungefähr. Auf dem Höhepunkt ihres Ruhms konnten sich Radiohead endlich solche Extravaganzen leisten - und das ist auch gut so, da nur auf diese Weise wahrhaftige Kunst die Massen erreichen kann. Früher oder später zumindest. 

Kurzum, Kid A zieht seine musikhistorische Bedeutung aus der ganz und gar eigensinnigen und glücklicherweise rundum gelungenen Harmonisierung klassischer, experimenteller und dezent rockistischer Elemente auf durchgehend hohem Niveau - ohne dabei schnöder Prog-Rock oder gar Schlimmeres zu sein. Dafür ist dieses bis heute teils noch missverstandene Meisterwerk zu zeitlos. Zu relevant. Vor allem Thom Yorkes' virtuoser, jenseitiger und auf alle musikalischen Stimmungen exakt abgepasster Gesang voller verschwurbelter Lyrics, mit denen man sich wahrlich nicht jeden Tag beschäftigen möchte, hält das in seiner düsteren Grundstimmung konsistente Album dabei nach wie vor bestens zusammen. Kopfmusik, die ganz und gar party- und badeseeuntauglich ist. Doch dazu wurde sie ja auch nicht geschaffen.

 

 

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Classics: Closing Time / Tom Waits

220px-Tom Waits - Closing TimeEs sind magische Scheiben, die uns prägen. "Closing Time" von Tom Waits ist so eine magische Scheibe. Es ist vielleicht Tom Waits Meisterwerk, wenn man ein wenig auf Massenkompatibilität schielt, obwohl die große Masse diese Platte (und ich sage Platte, weil sie auf CD deutlich an Magie verliert) nicht zuckersüß genug finden wird. Beinharte Tom-Waits-Fans hingegen finden den Gesang auf "Closing Time" dann wiederum fast zu lieblich. Diese Debüt-Scheibe entstand nämlich zu der Zeit (1973), als Waits' Gesang noch zahm war.

 

Missverstanden wurde "Closing Time" damals dennoch. Das "Rolling Stone"-Magazine beispielsweise verglich Waits' Debüt-Album mit Randy Newman. Weiter weg konnten sie nicht sein. Die Platte ist eher eine pianogeschwängerte Ode an die Liebe, den Jazz und den Sonnenaufgang. Mit "Ol'55" als erstem Track (und auch als Singleauskopplung) setzt Waits, der sein Album vom ehemaligen "Lovin' Spoonful"-Mitglied Herry Yester hat produzieren lassen, eine Marke für den Rest des Werkes. Laid back and lovely geht es zu, meist balladesk, immer voller Leidenschaft.

Das Midtempo wird bis auf "Ice Cream Man" kurz vor Schluss niemals überschritten, "I Hope That I Don't Fall in Love with You", "Rosie" oder "Martha" sind sogar grandiose Schmachtfetzen. Musik, die heute so nicht mehr gemacht wird und Waits danach auch nicht mehr wirklich oft abliefern konnte. 

 

Die Platte hat einen wunderbaren Spannungsbogen, auch eine Eigenschaft, die zu Shuffle-Ipod-Zeiten zu vernachlässigen ist. Wunderschöne leidenschaftliche Songs geben sich die Klinke in die Hand bis Waits kulminierenderweise die Nacht, die Träume und Sehnsüchte beendet, um über "Little Trip to Heaven (On the Wings of Your Love)" und "Grapefruit Moon" zur "Closing Time" zu gelangen. Ein Instrumental, welches selbst den tumbesten Hörer überdeutlich vermittelt, dass dieses Erlebnis zu Ende ist.

 

Wie wichtig dieses Debütalbum war, zeigen auch die Coverversionen von Tim Buckley (Martha - hübsch), Meat Loaf (Martha - sehr schlimm!), Sarah McLachlan (Ol' 55 - ok) oder den Eagles (Ol' 55 - too much fucking Country). "I Hope That I Don't Fall in Love with You" wurde dann leider auch noch von Bon Jovi in einer Episode von Ally McBeal verhunzt.

 

Sollten einmal mordlüsterne Aliens auf der Erde landen und in Eurem Plattenschrank "Closing Time" finden, ist Euer Überleben gesichert. Wer solche eine Scheibe besitzt, kann kein schlechter Mensch sein...

 

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Obwohl diese Scheibe auf Vinyl mehr Zauber entfacht, gibt es HIER den Spotify-Link!

Review: Motorjesus - Electric Revelation

motorjesus14Genau 15 Sekunden brauchen die Mönchengladbacher Motorjesus - dann ist man als Hörer fast schon zufrieden. Die ersten 15 Sekunden des ersten Songs (davor gibt es noch ein Intro) sagen eine Menge über die Band aus: Detroit Rock City, Motorhead, Slave to the grind, Motor discipline - das sind die Zutaten zum Start von "Trouble in Motor City", einem der besten Tracks des Albums.

Sänger Chris Birx singt leidenschaftlich aus ganzem Herzen, die längere Pause hat ihm nicht geschadet. Im Gegenteil: So vielschichtig wie auf "Electric Revelation" hat er seine Stimme noch nie eingesetzt. Anspieltipp ist hier die Halbballade "Rust".

Generell ist die Band tighter denn je, die Produktion fett und Motorjesus sind kompositorisch mittlerweile ziemlich ausgereift. Da wird sogar in "The Run" ein Nickelback'scher Pre-Chorus nicht zum Rohrkrepierer, sondern passt perfekt in den Song. Trotz zahlreicher Referenzen (etwa das 1a-Thin Lizzy-Twingitarren-Intro im großartigen "Back in the Action Car"), ist der eigene Stil der Band immer zu erkennen. 

Es bleibt unverständlich, warum da immer noch nicht die ganz großen Bühnen für Chris Birx, Guido Reuss (git.), Andreas Peters (git.), Roman Jasiczak (Bass) und Oliver Beck (drums) bereit stehen. Vielleicht ändert "Electric Revelation" das ja. Das Album ist fast in Gänze bockstark, heavy und eigenständig. Zu kritisieren gibt es wenig, etwas Luft nach oben bleibt aber zumindest: Der Titeltrack ist vielleicht eine Spur zu schwach für den Rest des Albums, "The Warning" zitiert vielleicht eine Spur zu häufig den eigenen Backkatalog, einige Refrains sind manchmal vielleicht eine Spur zu ähnlich, doch dies sind Marginalien und ein Meckern auf höchstem Niveau. Der Rausschmeißer "The right hand of the devil" hat auf den Hörer dann auch gleichen Effekt wie das Intro! Das Gesicht verzieht sich zu einem breiten Grinsen.

 

 

Motorjesus halten internationalen Maßstäben Stand und haben mit "Electric Revelation" ihr bisher ausgereiftetes Gesamtpaket abgeliefert.

 

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Review: Souldrinker - Semper Fidelis II

souldrinker2Souldrinker ist ein Schmelztiegel aus den Bands Watch me Bleed (Bassist Chris Rodens und Drummer Steffen Theurer), Mystic Prophecy (Gitarrist Markus Pohl) und The Mystery (Goldkehlchen Iris Boanta). Klingt spannend und ist es auch.

Während Pohl und Boanta eher für die klassische Ausrichtung der Band stehen, haben die Watch me Bleed-Jungs einen moderneren Ansatz. Genau das ist der Reiz von Souldrinker, die eine wunderbare Mischung aus traditionellen Metalwerten und frischer Brutalität auf den bisher vorliegenden fünf Songs (plus Intro) auf den Tisch katapultieren.

Alle Musiker sind über jeden Zweifel erhaben, hoch droben über dem Sound der Band thront Iris Boanta mit ihrem einmaligen Gesang.

Dies wirkt sich leider auch auf die Produktion aus. Hier würden mir die Gitarren etwas weiter vorne im Mix besser gefallen, doch das ist vielleicht Geschmacksache.

Der Stilmix aus klassischen Metalgesang einer außergewöhnlichen Sängerin - sehr schön im Genre einmal wieder etwas anderes zu hören als Elfenrotze - und den knallharten Riffs funktioniert überraschend gut. 

Das Songwriting überzeugt, die Hooklines sitzen (vor allem "Sixteen Men of Tain" sticht heraus), die Soli und auch die Riffs sind mitreißend, lediglich die Spielzeit ist ein Manko, welches hoffentlich bald in Form eines Longplayers behoben wird. Während auf der vorigen EP noch Watch me bleed-Growler Alex Gindu einen Kontrast zur Rockröhre Boanta setzte, wurde der Gute nun wegrationalisiert. Es bleibt eine starke Scheibe mit größerer Classic-Metal-Schlagseite als beim Vorgänger.

Ich persönlich fand das Gegrunze auf Dauer aber ohnehin nicht allzu passend. Wenn der gute Eindruck auf mehr als fünf Songs bestätigt werden kann, gibt es auch die Höchstpunktzahl von den RocknRoll-Reportern.

 

Starker Erstschlag! Plattenfirmen zuschlagen!

 

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1. Intro

2. Sixteen Men Of Tain
3. To All That Is Lost
4. Burn The Pact

5. To all that is lost

6. Hope is gone

Review: Primal Fear - Delivering the Black

primalfeardeliveringcdcover"King for Day" - so beginnt Primal Fears elftes Album "Delivering the Black" und wie ein König, ein Heavy Metal-König mit metallischem Herzen und übermenschlichen Kräften, fühlt sich der Hörer danach. Der bockstarke Opener schwingt die Metal-Keule so kompromisslos zwischen Judas Priest und Helloween ohne dabei die mittlerweile stark herausgearbeiteten Eigeningredienzien zu vernachlässigen, dass man den Stahl vom Amboss platzen sieht.

 

Der Fuß bleibt auf dem Pedal, es geht mit Vollgas weiter zu "Rebel Faction", wo epische Chöre Scheepers sensationelles Organ unterstützen. Hier beweist der imposante Frontmann, dass er mittlerweile neben Ur-Vater Michael Kiske der beste deutsche Classic-Metal-Shouter ist. Der Titeltrack begeistert mit 1a-Helloween-Gitarrensolo und großartigem Refrain, während die Band in "One Night in December" einen hübschen Spagat zwischen balladesken Tönen und Riff-Dominanz schafft.

 

Auf neun Songs knallen Primal Fear eines der besten Metal-Alben der letzten paar Jahr durch die Lautsprecher, lediglich "Born with a broken Heart", eine echte Power-Ballade im 80er Stil, stößt ab. Diese Melodie, diese Gitarrenakkorde hat man dann doch ungefähr zehn Mal zu oft gehört. 

Der letzte Song "Inseminoid" tröstet dann über den Schmalzanfall schnell hinweg und ist sicherlich der beste Helloween-Song seit mehr als zehn Jahren. Auch, wenn Primal Fear diesen Vergleich sicher nicht mehr hören können, schwebt die Mutter aller deutschen Metalbands seit jeher über Scheepers und Bassist Matt Sinner.

 

Immerhin können sie von sich behaupten, Album für Album eine Qualität aus den Gitarren schießen zu lassen, die in Deutschland ihresgleichen sucht und vor allem von Helloween seit ewigen Zeiten nicht mehr erreicht wird.

 

Fazit: Mehr Metal geht nicht! 

 

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Review: Transatlantic - Kaleidoscope

transatlanticMit "SMTPe" (2000) und "Bridge across Forever" (2001) haben Neal Morse (Ex-Spock's Beard), Mike Portnoy (Ex-Dream Theater), Roine Stolt (Flowerkings) und Marillion-Bassist Pete Trewavas Prog-Geschichte geschrieben. Lange hatte man nicht so wunderschöne Melodien in ausufernden Arrangements und technischer Perfektion auf die abenteuerliche Reise durch die Lautsprecher schicken dürfen. Mit dem 2009er Album "Whirlwind" leisteten sich die vier Virtuosen einen ersten kompositorischen Knick, zu gewollt, zu gewohnt klang dieses Werk. Mit "Kaleidoscope" sollte alles besser werden und "Transatlantic" versuchen hier vor allem an ihr Debütalbum anzuknüpfen.

 

"Into the Blue" ist da schon fast der Standardeinstieg für diese Band, mit 25 Minuten Länge bietet er eine Vielzahl verschachtelter Songstrukturen ohne jedoch auf wiederkehrende Melodien verzichten zu müssen. Ein fast genialer Einstieg und die Hoffnung, dass ein neues Meisterwerk aus den Fingern von Morse, Portnoy, Stoilt und Trewavas fließen könnte. Die Ernüchterung folgt dann jedoch relativ schnell, denn man ertappt sich im Gegensatz zur Offenbarung vor über zehn Jahren dabei, dass die Gedanken abschweifen, die Tracks nicht richtig zu fesseln in der Lage sind und  - was am schlimmsten ist - zu langweilen beginnen.

Danach versprüht "Shine" den spröden Charme einer in den Archiven zurecht schlummernden B-Seite mit den üblichen Beatles-Anleihen und Morse-Akkustikversatzstücken, während das treibende "Black the Sky" anschließend wieder wunderbar packend und lediglich mit rund sechs Minuten zu kurz erscheint. Die Keyboard-Bridge ist so grandios, dass man sich mehr gewünscht hätte. "Beyond the Sun" langweilt danach auf der ganzen Linie und ist ein schwacher, sehr schwacher Abklatsch im "We all need some Light"-Stil vom überragenden Debütalbum.

 

Noch ist die Band im grünen Bereich, denn das 31-minütige Titelstück zum Abschluss der CD kann aus einer ordentlichen eine sehr gute Veröffentlichung machen. Doch leider erreicht der Prog-Vierer hier das Ziel nicht. Der Song ist an Reißbrettartigkeit kaum zu überbieten, wenn man denn die vorherigen CDs von "Transatlantic" kennt und liebt. Alles ist gewohnt und vertraut, genau hier liegt das Problem. Bis auf den Gänsehautmittelteil ab Minute neun wird hier lediglich ein Nebenbei-Hören statt eines aktiven Musikerlebens in die Rillen gezupft. Wer noch nie einen Song der Band gehört hat, könnte beeindruckt und ergriffen sein, Fans graust die eigene Zitier-, nein eher Kopierfreudigkeit der Amis. In dieser Form brauchen Prog-Fans Transatlantic nicht mehr.

 

Besser als "Whirlwind", doch die Zeit von Transatlantic scheint vorüber. Die Band kann keine Impulse mehr setzen, sondern verlässt sich auf ihren Progrock-Baukasten. Schade!

 

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Review: Protest the Hero - Volition

gfx 1ve84k5l19yoyqge9lps9ar996dt6ymitep9psk0pq8csfelhc9yvbr6wmqvqi61Protest the Hero aus Kanada haben ein Problem: Sie haben mit "Scurrilious" das vielleicht beste Album der letzten zehn Jahre im progressiven Metalsektor abgeliefert. Warum das ein Problem ist? Weil die Erwartungshaltung an "Volition", dem Nachfolgewerk, enorm ist.

 

Doch neben den wahnwitzigen technischen Skills der fünf Jungs aus Ontario hat auch "Volition" wieder vor allem eins: Melodien ohne Ende, dazu brachiale Härte, die nie zum Selbstzweck verkommt und sensationelle Abwechslung innerhalb der Songs.

Wie es sein kann, dass derart abgefahrene Strukturen Ohrwürmer gebähren, erschließt sich mir nicht, doch bereits nach einem Durchgang der nicht immer einfachen CD lechzt man nach mehr, viel mehr. Wenn es mit "Clarity" losgeht, kommt man nach 30 Sekunden nicht mehr aus dem Bann von Protest the Hero, was ein Beginn.

 

Und es katapultiert den Hörer in noch höhere Sphären: "Tilting against Windmills" könnte der Höhepunkt des Albums sein, wäre es möglich, sich für einen zu entscheiden. Selbst das (zu?) eingängige "Mist" ist ein scheinender Diamant. Mit "Skies" beenden Protest the Hero das bisher beste Album des Jahres und lassen den verdutzten Hörer mit nur einer Frage stehen: Wann gibt es "endlich" das Nachfolgealbum von "Volition"?

 

Fazit: Atemberaubende Scheibe und ein würdiger Nachfolger zu "Scurrillios" mit einer Menge WTF-Momente!

 

 

 

 


 

 Am 31. Januar spielt die Band in Köln. Einzelheiten gibt es HIER!

 

 

Review: Iced Earth - Plagues of Babylon

IcedEarth-PlaguesOfBabylonIced Earth legen mit "Plagues of Babylon" das zweite Werk mit dem neuen Sänger Stu Block vor. Auf "Dystopia", Blocks Erstling lieferte er mit der Band den Beweis ab, dass sie noch lange nicht am Ende sind. Und auch "Plagues of Babylon" es ist keine schlechte Platte geworden, eine überragend gute dann aber leider auch nicht. 


Was hören wir? Einen absolut fehlerfreien, guten, bis sehr guten aber nie herausragenden Power-Metal-Sänger, der vor allem live ein echter Gewinn für die Band ist (Fotos). Desweitern finden wir da mit Jon Schaffer einen Songwriter, der seinen (und Deinen) Metal aus dem Eff-Eff kennt. Hier etwas Maiden (z.B. im Intro von "The end?"), da eine Prise Queensryche zu "Hear in the Now Frontier "-Zeiten (erneut ein Intro bei "The living dead"), dazu noch einen Happen Manowar ("Resistance") - das geschulte Metal-Gehör freut sich über die vielen vertrauten Ideen.
Die Freude wird größer, wenn man aber endlich echte alte Iced Earth-Tugenden serviert bekommt. Der bombastisch-gute Titeltrack (mit zu langem Intro) zum Start der CD macht Hunger auf mehr solche Mahlzeiten.
"Democide" (mit langen Intro) bekommt da noch gerade die Kurve und überzeugt unterm Strich, während "The Culling" ziemlich schwach, "Among the living Dead" (did I mention the long intro?) ein solider Schmeißer mit Anthrax-Anleihen und "Resistance" einfach langweilig ist.
Zwei weitere Kritikpunkte: Die Produktion ist - außer für Drummer vielleicht - deutlich zu Trommellastig, da gehen manchmal selbst Chef Schaffers Soli im Schlagzeuggewitter unter. Ob's daran liegt, dass ausnahmsweise nicht im Morrisound Studio in Florida gemixt wurde, sondern dies in Deutschland geschah?
Auch erschließt sich der fast immergleiche Songaufbau nur schwerlich. Lange Einleitung, anschließend ein Powerriff, das zur Strophe leitet, später ein aus schnellen Läufen plus stehenden Bendings bestehendes Solo - manche nennen es Stil, ich bin zu oft gelangweilt von der Reißbrettartigkeit der Tracks. 
 
Doch "Plagues of Babylon" ist mitnichten ein schwache Scheibe: Nach dem starken Opener, der mit einigen hübschen orientalisch anmutenden Skalen Lust aufs Album macht, verdienen vor allem die Hymne "If I could see you", das epischen "Cthulhu" und die von Schaffers "Sons of Liberty" gecovert Powerballade (jaaa, ich weiß, böses Schimpfwort, aber lieb gemeint) "Spirit of the Times" das Markensiegel Iced Earth. So muss die Band klingen, denn eigenständig genug ist sie. Das Country-Cover "Highwayman" mit den Gästen Russell Allen (Symphony X) und Michael Poulsen (Volbeat) lässt den Rezensenten schließlich doch noch mit einem recht versöhnlichen Eindruck den Ipod ausschalten.
 
Fazit: Mehr Licht als Schatten, ob dieses Iced Earth-Album den "Test of Time" überstehen wird, ist dennoch fraglich
 
 
Anspieltipps: "If I could see you", "Plagues of Babylon"
 
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Review: Red Dragon Cartel

reddragon"Red Dragon Cartel" - das klingt erst mal nach dem neuesten Jet Li-Streifen. In der Tat verbirgt sich aber hinter dieser neuen Band Ozzys Ex-Saitenwirbler Jake E. Lee. Der war eine Weile weg vom Fenster, hat nun aber wieder Spaß an hochqualitativem Hardrock gefunden. "Red Dragon Cartel" sind dem Vernehmen nach eine "echte" Band, bestehend aus Jake E. Lee (Guitars), Ronnie Mancuso (Bass), D.J Smith (Vocals) und Jonas Fairley (Drums).

Die großen Name sucht man neben Lee vergeblich, vielleicht ist das auch ein Grund, warum er das Debüt-Album mit lauter Gaststars vollgestopft hat. Das Ergebnis ist aber ziemlich überzeugend, weshalb man Jake das nicht übel nehmen kann. Mit zwei furiosen Nummern geht es los: Auf "Deceiever" und "Shout it out" zündet das Kartell so ziemlich alle Kerzen an. Gerade auf diesen Songs erinnert die Band ein wenig an Mötley Crüe mit John Corabi. Als Gast hat hier Cheap Trick-Schreihals Robin Zander das Mikro angeschlossen.

Mit "Feeder" und "Fall from the sky" wird es ruhiger und qualitativ etwas schwächer, bevor das "Red Dragon Cartel" mit dem ollen Paul Di'Anno (Ex-Iron Maiden) auf "Wasted" stark an "Rage" erinnert. Den Vogel schießt "Big Mouth" mit Gastsängerin Maria Brink ab. Sie schreit, singt, ächzt sich durch die Nummer, dass es eine wahre Wonne ist. Der beste Song des Albums!

Auf "Slave" darf sie noch mal ran und auch das überzeugt, bevor mit "War Machine" (mit Sass Jordan) ein veritables Medley aus den besten Black Sabbath-Riffs abgefeuert wird. Jake E. Lee selber beweist mit sehr stilvollen Soli, dass er das Gitarrespielen nicht als Selbstzweck versteht, sondern stets songdienlich einsetzt. 

Abgeschlossen wird dieses sehr runde Werk mit einer Piano-Nummer (!) - ein toller Schachzug, denn bis dahin haben "Red Dragon Cartel" bereits alle Register des Hardrocks beeindruckend gezogen. 

Fazit: Klasse Debüt-Album! Abwechslungsreich und spannend.

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Review: Ring of Fire - Battle of Leningrad

Ring of FireNein, "Ring of Fire" ist keine Countryband und nein, "Ring of Fire" hinterlassen auch nicht den brennenden Wunsch, noch mehr von ihnen zu hören. Die Formation, bestehend aus Sänger Mark Boals (Ex-Malmsteen), Gitarrist Tony MacAlpine (u.a. Steve Vai), Keyboarder Vitalij Kuprij, wird auf ihrem bereits vierten Longplayer von Timo Tolkki am Bass und Jami Huovinen am Schlagzeug unterstützt.

Das klingt alles nach großer Kunst und handwerklich ist der Band auch rein gar nicht vorzuwerfen. Allein sind "Ring of Fire", die oft wie eine Mischung aus Yngwie Malmsteen und Symphony X klingen, von einer Krankheit befallen, die der schwedische Ausnahmegitarrist, bei dem Boals einst ins Rampenlicht stapfte, ebenfalls nicht kuriert bekommt: Sie äußert sich in mittelmäßigem Songwriting und kann starke Langeweile auslösen. "Ring of Fire" legen auf ihrem Konzeptalbum um die Schlacht um Leningrad mit "Mother Russia" ziemlich gut los, dann folgt die Ernüchterung aber auf dem Fuße.

Während Boals gewohnt gut singt, MacAlpine soliert wie ein Wahnsinniger und Kuprij gekonnt in die Tasten haut, fehlt eben jene Essenz, die aus einer guten Band, eine Band macht, die relevant ist. Bis zum nächsten Höhepunkt des Albums, dem Titeltrack, zu gelangen, muss man schon eine Menge Langmut aufbringen. Refrains, Melodien, Songstrukturen - das alles hat man so oder ähnlich schon besser gehört. Immerhin versöhnt das sehr gute "Rain" zum Abschluss der CD ein wenig. Die Frage bleibt: Wer soll das kaufen?

Fazit: Saugeile Musiker langweilen mit mäßigem Songmaterial

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Review: Robert Pehrsson's Humbucker

Robert Pehrsson COVER-1024x1024Robert Pehrsson's Humbucker - ein Name, der schon eine Menge ausplaudert. Nämlich, dass der alte Schwede Robert keine Stratocasters mit Einspulern spielt, sondern doppelspurige Tonabnehmer (Humbucker eben) eingebaut in hübsche Gibsons. Soviel zur Technik, kommen wir zur Musik.

Pehrsson und seine Band, bestehend aus Ex-Hellacopters, Entombed und Enforcer-Zocker, liefern kurz vor der Zielgerade eine der wundervollsten Rock-Scheiben des Jahres ab. Irgendwo zwischen den 70er Thin Lizzy ("Haunt my mind"), den 80er Kiss ("Running for Shelter") und den jungen Hellacopters ("Keep me in your heart") beeindruckt Robert Pehrsson mit tollem Songwriting, Twin-Gitarrenlicks ohne Ende und hitverdächtigen aber nie käsigen Melodien.

Die Humbucker als Double-Headliner-Tour mit den Black Star Riders könnte man sich gut vorstellen. Die Band pflügt mit einer spielerischen Leichtigkeit durch die 9 Songs, von denen "Who else is on your mind" zwar heraussticht, Ausfälle aber absolut nicht zu entdecken sind. Besonders beeindruckt die luftige Produktion der CD, die eine wahre Wohltat in den Ohren ist. Weit weg von überproduzierten Werken vieler anderer neuer Bands, wo es nur um fetter, härter, lauter zu gehen scheint, ist Robert Pehrsson's Humbucker als echter Ohrgasmus zu bezeichnen.

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Tracklist:

1.Haunt My Mind
2.Serious
3.Keep Me In Your Heart
4.Can't Change
5.Running For Shelter
6.Wasted Time
7.Mesmerizing Shadows
8.Who Else Is On Your Mind
9.Falling Into Darkness

Hier geht es zu Spotify:

Review: Rory Gallagher - Kickback City

roryGDie irische Blueslegende Rory Gallagher war ein Riesenfan von klassichen Noir-Detektivgeschichten, etwa von Raymond Chandler oder Dashiell Hammett. Dies ist der Ansatzpunkt für ein phantastisches Projekt, welches mit Kickback City in einer tollen Aufmachung mittlerweile im Handel ist. 

Kickback City besteht aus zwei CDs mit Gallagher-Songs. Zum einen gibt es eine Scheibe mit Live-Aufnahmen, darunter Klassiker wie "Messin' with the Kid", zum anderen Studiotracks in remasterter Form. Die Songs sind nicht unbedingt neu, bestechen aber durch einen erstklassigen Sound.

Der Muff, den Originalaufnahmen Gallaghers oftmals anheftet, ist hier beim Remastern weggefegt worden. Die dritte CD macht das Paket zu einer runden Sache. Hier gibt es nämlich eine waschechte Film-Noir-Detektivgeschichte von Ian Ranking.

Die neue Erzählung "The Lie Factory" wird dabei von Hollywood-Mime Aidann Quinn gesprochen (also natürlich auf Englisch). Die Songs von Rory bilden dabei den Soundtrack zur Erzählung, bei der Rankin, selber ein großer Gallagher-Fan, Lyrics und Tracks geschickt in die Handlung einfließen lässt. 

Aber selbst das ist noch nicht alles: Zu Songs und Hörbuch kommen die grandiosen Zeichnungen von Timothy Truman (DC Comics/First Comics), der die Story bebildert. Auch er ist ein großer Fan des viel zu früh verstorbenen Gitarristen. Die 44-seitige Hardcover-Ausgabe von The Lie Factory dient dabei als Hülle für die drei CDs. Kurzum: Aufmachung und Inhalt ergänzen sich genial und bieten ein tolles Paket, das zu verschenken viel zu schade ist. So etwas muss man einfach im CD/Bücherregal stehen haben. 

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Und das findet man auf den CDs:

Disk 1:
1. Kickback City
2. Continental Op - To Dashiell Hammet
3. Kid Gloves
4. Big Guns
5. Loanshark Blues
6. Secret Agent
7. B Girl
8. Slumming Angel
9. Barley & Grape Rag
10. Doing Time
11. In Your Town
12. Sinner Boy
13. The Devil Made Me Do It 
14. Seven Days

 

Disk 2:
1. Continental Op - Live
2. Tattoo'd Lady - Live 
3. I Ain't No Saint - Live 
4. Off The Handle - Live 
5. The Loop - Live 
6. Messin' With The Kid - Live - 
7. Loanshark Blues - Live

Disk 3: 

1. The Lie Factory

Fazit: Kickback City ist so außergewöhnlich, dass es als durchaus edles Weihnachtsgeschenk ordentlich etwas her macht - wobei man es nur ungern aus der Hand geben wird. Die Aufmachung ist klasse, die Musik über jeden Zweifel erhaben. Kaufbefehl! HIER gibt es noch ein Making-Of-Video zu sehen!

 

j6von6

Double Crush Syndrome: The You Filter

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Hat es ihm der Rockgott geflüstert? Andy Brings, Ex-Sodom, Ex-The Traceelords, Axe-Andy, singt nach zwei Deutschrock-CDs wieder in der Muttersprache des verzerrten Saitenschwungs. Gott sei Dank. Double Crush Syndrome heißt seine neue Band, die er mit Aurora Steffens (bass, backing vocals) und Markus Herzog (drums) zum Olymp führen will. Der Weg könnte steinig werden, denn Doube Crush Syndrome machen nicht alles, aber vieles anders als andere. Der Trend ist ihr Feind - und das tut dem Hörer richtig gut.

Nach dem ersten Song "She's a pistol" (schönes Ramones-Intro übrigens ...) ist man erst einmal platt, wie roh das Ganze tönt. Keine komprimierte Tonscheiße, die nach zweimaligem Hören das Ohr so nervt, dass der Silberling in die Ecke fliegt, sondern fette Scheiße made in the Eighties. Die CD hat Raum und der Sound ist lebendig. 

Double Crush Syndrome klingen wie die RamonesAngusKissLemmyCrüe und das sind in den gelben Seiten des Rocks die besten Referenzen. "The You Filter" ist ein Gesamtkaputtwerk - angefangen vom Trash-Cover bis hin zu den Bandfotos. Das ist so Underground, dass man eine große Plattenfirma dahinter vermuten könnte. Die hätte aber sicher den rohen und deshalb geilen Sound des CD versaut. War noch was? Ach ja, Songs. Die gibt es auch auf "The You Filter". Die erste Single "Yeah! Pain" rumpelt mit eingängigem Refrain und Malcolm Young-Gedächtnis-Intro lustig durch die Boxen, "Blood on my shirt" könnte ein zerfledderter The Traceelords-Knüller (Refrain!) mit erneut harter AC/DC-Schlagseite sein, "Refuse to kiss ass" biedert sich in Sachen Riffing etwas zu sehr an eine Band an, deren Sänger sich ins Nirvana geschossen hat, während "Die for Rock'nRoll" ein Übersong mit Weltklasse-Refrain ist.

Es macht Spaß, in den Songs zu stöbern, denn es finden sich immer hübsche Versatzstücke aus 100.000 Jahren RocknRoll-Geschichte. Hier wird deutlich, wo Andy Brings Wurzeln rumlungern. Dabei kocht die Band ihr eigenes Süppchen und vermischt wunderbar die Zutaten zu einem scharfen Hauptgang ... der vor der Schlussnummer "Tonight" aber lieber abgeräumt gewesen wäre. Abgedämpfte Achtelakkorde mit balladeskem Einschlag - das will ich von Double Crush Syndrome so nicht hören. Das kann das rockende Monument "The You Filter" aber wirklich nicht vom Sockel reißen. Bis zum Olymp sind es nur noch ein paar Akkorde ...

 

Die Band auf Tour:

July 13: De Haan / Belgium ("Coq Rock Festival" with THE QUIREBOYS and more)
July 30: Nürnberg (Rockfabrik, supporting UGLY KID JOE)
August 17: Oberhausen (Crowded House with GUN BARREL)
August 23: Lichtenfels (Paunchy Cats)
September 7: Berlin (IFA)
October 31: Köln (Jugendpark)

 


 

 

Battle of the Ryche(s)

 

 

 

Geoff Tate mit Frequency Unknown oder Todd La Torre mit Queensryche?
Mietmusiker oder Originalmusiker? Wir machen es kurz und sagen,
was für welche Queensryche-CD spricht:

 

Queensryche - Queensryche Queensryche - Frequency Unknown
+ fette Produktion - unterirdische Produktion
+ 3 Knaller-Song, Rest Mittelmaß - 1  guter Song (Cold), Rest: *%§$%
- Sänger macht einen auf Tate + Sänger ist Tate
+ klassisches Artwork + schönes Artwork
+ keine Ausfälle - unfassbare schlimme Re-Recordings
+/- schön im eigenen Backkatalog geklaut + Massenhafte Gastmusiker
 - Albumtitel langweilig  + Fuck You-Synonym

Die Todd La Torre-Version live könnt Ihr hier sehen! 

 

Long Distance Calling: The Flood inside

long distance calling - The Flood InsideEin wenig packte einem schon die Sorge als Freund der epischen Postrock-Kaskaden von Long Distance Calling als diese bekanntgaben, dass auf "The Flood inside" erstmals mit einem festen Sänger gearbeitet werde. Zwar gab es bisher auf jedem Album den ein oder anderen gesungenen Titel, doch ein Vokalist als festes Bandmitglied schien das Gefüge durcheinander bringen zu können.

Und was fällt auf nach dem Genuss der neuen Scheibe? Die Münsteraner sind noch stärker geworden. Der Einsatz Neuzugang Martin Fischer ist perfekt getimed. Noch immer gibt es ausufernd lange instrumentale Klanggebilde, die den Hörer auf lange Reisen in die brillantesten Täler des sogenannten Postrock schicken, noch immer werden Gesangspassagen geschickt in die Songs eingewebt, noch immer fühlt man sich als Teil der Musik. Von Mainstream keine Spur, pure Schönheit schleicht sich mittels der acht langen Songs ins Gehirn des Musikfreundes. Kopfhörer sind hier ausdrücklich als Hörhilfe empfohlen.


"The Flood inside" übertrifft an vielen Stellen sogar das selbstbetitelte Meisterwerk von 2011. Die Band ist auch - oder gerade durch - einen festen Sänger so gut, dass man ihr einen Welterfolg wünscht, gleichzeitig aber hofft, dass niemand anderer als man selbst jemals von "Long Distance Calling" hören wird. "The Flood inside" ist vielleicht der beste Reisetipp in das Land der atmosphärischen Rockmusik des Jahres.

HIER gibt's Live-Fotos von Long Distance Calling

 

Holy Hell: EP + Verlosung

holyhellepDie US-Band Holy Hell ist ein Baby aus dem Manowar-Clan und hat nun als Appetithäppchen für die später im Jahr erscheinende CD "Darkness Visible" eine EP auf den Markt geworfen, um die Wartezeit zum Longplayer zu verkürzen. Maria Breon und ihre Jungs präsentieren darauf wieder feinsten Power-Metal im Fahrwasser eine Band wie Nightwish oder Delain. Zum Glück halten sich bei Holy Hell die Bombastwände etwas mehr im Hintergrund. "Lucifer's Warning" als Eröffnungstrack macht Lust auf die ganze CD. Getragene Strophen, hymnischer Refrain und tolles Flitzergitarrensolo bilden das Fundament, über dem alles die Stimme von Maria Breon engelsgleich thront. Super Nummer. Etwas schwächer präsentiert sich der Folgetrack "Accept the Darkness" und nervt mit einer zu platten (und so schon zu oft gehörten) Hookline im Refrain. "Haunted" gefällt mir da schon viel besser. Getragen, fast doomig und einem schnellen Soloteil ausgestattet ist der letzte Studiotrack auf der EP ein Hit. Danach gibt es noch "Armageddon" in einer Live-Version und viel besser kann man einen solchen musikalischen Happen nicht abrunden.

 Dazu verlosen wir 2 T-Shirts und 1 Zipper in Girliegröße (siehe Fotos unten) sowie 2x die EP "Apokalypse". 

Wer gewinnen will, schreibt bis Donnerstag, 26. Juli 2012, eine Email mit der Betreffzeile "HolyHell" an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! .Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spam geschützt. Zur Anzeige muss Javascript aktiviert sein!

Wir benötigen Eure komplette Adresse und, ganz wichtig, ein bis zwei nette Sätze, warum Ihr den Preis gewinnen wollt. Dieser Zusatz ist Bedingung für die Teilnahme. Mehrfach-Einsendungen und Einsendungen von Gewinnspiel-Robotern werden sofort ausgeschlossen. Unter allen richtigen Einsendungen werden die Preise ausgelost. Eine Barauszahlung ist nicht möglich, der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

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