rrrlogo

 

Oldschool journalism with modern attitude - since 2005

Montag September 24, 2018
Home

90 items tagged "CD"

Ergebnisse 41 - 60 von 90

Review: Harem Scarem - 13

haremNachdem Harem Scarem mit dem eher unnötigen Re-Recording ihrer meines Erachtens besten Scheibe "Mood Swings" 2013 zurückgekehrt sind, liegt nun endlich eine richtig neue CD vor. Schlicht "13" betitelt transportiert das 13. Werk der Melodiekönige um den Ausnahmesänger Harry Hess alle Trademarks, die die Band berühmt gemacht haben, und die vor allem von den Fans abgöttisch geliebt werden. Klasse Gitarrenriffs, mitreißende Melodien und starkes Songwriting - Harem Scarem feuern auf "13" aus allen Rohren.

Bereits der Opener "Garden of Eden" weist den Weg - und dieser führt mehr oder minder ins Melodic-Rock-Paradies. Jungfrauen warten hier zwar nicht, doch nach dem Genuss der zehn Tracks ist zumindest das Ohr befriedigt. Bei aller Genialität haben Harem Scarem immer mal wieder einige nicht ganz so mitreißende Schmachtfetzen im Repertoire. Dies hält sich auf "13" aber in engen Grenzen. "The Midnight Hour" ist da eine kleine Ausnahme und schmalzt schon sehr, ein echter Ausfall ist dies dann aber doch nicht. Dafür rockt die Scheibe überhaupt ganz gut. Klasse etwa das treibende Riffing von "Early Warning Signs" oder "Troubled Times". Hier stimmt die Symbiose aus Melodie und Rock dermaßen, dass man sich nur freuen kann, Harem Scarem wieder auf der Landkarte des Rocks vorfinden zu können.

 

Fazit: Starke Rückkehr der Melodiekönige

 

Picture

Review: World on Fire - Slash feat. Myles Kennedy

cdcover 26091683Der Mann, der einmal Axl W. Rose war, müsste sich doch eigentlich an jedem sonnigen Tag in seinem Post-Guns 'n' Roses-Leben fragen, was genau schief gegangen ist, dass die einstmals größte Hardrockband der Welt zu einer One-Man-Freakshow verkommen ist. Vor allem, wenn er immer wieder hören könnte (ich bezweifle, ob er es tut), dass sein ehemaliger Mitstreiter Slash eine Bombe nach der anderen raushaut und mit Alter Bridge-Sänger Myles Kennedy dafür einen kongenialen Partner gefunden hat.

"World on Fire" heißt der neueste Streich der "Band", die umständlich unter "Slash feat. Myles Kennedy and the Conspirators" firmiert und der toppt sogar noch den gutklassigen Vorgänger.

Auf 17 (!) Songs feuert der Les Paul-Fanatiker Slash eine Riffsalve nach der anderen ab, beweist, dass er ein enormes Gespür für mitreißende Melodien hat und findet in Myles Kennedy einen Sänger, der alle Höhen und Tiefen kennt und singen kann. "World on Fire" hat die Qualität, die "Chinese Democracy" hätte haben müssen, um der zur Lachnummer gewordenen "Band" Guns 'n' Roses eine große Rückkehr zu bescheren. Doch so ist es sogar besser, weil Kennedy der geilere Sänger und der sympathischere Typ ist. Mit Songs wie "Stone Blind", "Dirty Girl" oder "Automatic Overdrive" (um nur einen geilen Dreier zu nennen) zeigt Slash, dass er jederzeit in der Lage ist, den Hardrock der 90er ins jeweils aktuelle Jahrzehnt zu befördern. Gutes Songwriting wird nie alt. Mit 77 Minuten ist die CD so lang, dass es zwar wenige Füller gibt, die aber immer noch eine gute Qualität aufweisen ("The Unholy", "Bent to fly"). Mit "Safari Inn" liegt zudem ein ziemliches amtliches Instrumental vor. Toppt Slash damit irgendein Material, das er mit Axl zusammen geschrieben hat (von der unsäglichen Spaghetti-Platte mal abgesehen)? Nein, natürlich nicht, denn die Chemie zwischen Axl und Slash in Sachen Songwriting war einmalig, nahe Plant/Page für eine eine kurze Zeit. Schafft Slash damit eine formidable Scheibe, die nicht an seine Klassiker heranreicht? Uneingeschränkt JA!

 

Fazit: Slash feuert aus allen Rohren.

 

Picture

Review: Kamikaze Kings - Master or Slave

master or slaveSelbsternannte Ponrocker sind sie, die Kamikaze Kings aus Berlin. Eine Band, die in ebenso knappen wie fantasievollen wie an der Peinlichkeitsgrenze schlawienernden Outfits auf der Bühne ziemlich die Sau raus lässt (Fotos HIER). Die mit ihrem Debüt-Album vor zwei Jahren einen durchaus erfolgsversprechenden Start in der Metalszene hingelegt hat, und nun mit "Master or Slave" Rillenrundling Nummer zwei in die Ohrmuscheln transplantiert. Gleich vorweg: Die Scheibe ist überaus gelungen.

Auf dem Album finden sich so einige echte Gassenhauer, wobei der Gesangsstil von Fronthirsch Elmo weiterhin gewöhnungsbedürftig bleibt. Lemmy schimmert da stets durch, aber Lemmy ist Lemmy. Elmo kann aber auch clean singen, wie er auf der CD mehrfach beweist und das gar nicht schlecht.

Mehr Porn ist natürlich das schmutzige Timbre, auf das man sich aber recht schnell eingestellt hat. Es geht schmissig los mit "I rule the night" und schon beim ersten Song wird die Marschrichtung ausgegeben: Klassischer Metal mit allen Einflüssen, die ein Headbanger so gern erblickt. Gekonnt durchleben die Kamikaze Kings auf dem Album viele Epochen des Heavy Metals und verweben Versatzstücke von Bands wie Judas Priest, Metallica und gern auch AC/DC zu einem gelungenen Potpourri mit eisernem Nachgeschmack. 

Ich bin kein Freund davon, eine Band zu verteufeln, nur weil man ihre Einflüsse oder Songideen deutlich heraushört, vielmehr macht es bei den Kamikaze Kings enormen Spaß, die Versatzstücke eines Songs bestimmter Idole zuzuordnen, denn am Ende bleibt die Band eigenständig genug, um doch noch neue, kleine Fußnoten dem großen Buch des Heavy Metals hinzuzufügen.

Nein, nicht alle Nummer zünden ("Backdoor Philosophy" etwa), doch Tracks wie "Midnight Killer", das grandiose "Hungry like a wolf" oder der Knaller "Devil's Rodeo" (um nicht einmal alle Treffer zu nennen) sind richtig richtig stark und so stecken die Kamikaze Kings bereits etwas mehr als nur einen Fuß in die Tür der deutschen Metalelite.  

Vor allem in Sachen ohrwurmfreundlichen Hymnenrefrains hat die Gruppe enorm zugelegt, ohne aber die notwendige Härte vermissen zu lassen. Die Scheibe ist so gut, dass die Band ruhig demnächst ohne bekloppte Kostüme auf die Bühne gehen dürfte, wenn es nach mir geht. Die lenken nämlich nur von der Musik ab und das haben die Kamikaze Kings nicht (mehr) nötig.

 

Fazit: Bockstarker Zweitling mit hoher Hymnendichte

 

Picture

Review: Drone - Drone

Drone Drone CoverDrone gibt es schon seit zehn Jahren und waren mir persönlich immer etwas zu rumpelig. Mit der neuen, selbstbetitelten CD wird der norddeutsche Vierer viele Fans hinzugewinnen, aber sicher auch einige Anhänger der extrem harten Gangart abschrecken. So häufig wie nie verweben Drone nun Klargesang mit Death Metal-Vocals und in meinen Ohren klappt das bis auf wenige Ausnahmen hervorragend.

So variabel wie hier klangen Drone noch nie. Mit "Guilt" geht es bereits vielversprechend los, "Hammered, Fucked And Boozed" ist dann schnell ein erster Höhepunkt. Überhaupt ist die Band bei Tracks wie diesem (und dem grandiosen "Rock'n'Rollercoaster" am allerstärksten. Hier vermischen sie räudigen Rock 'n' Roll im Motorhead-Stil mit leichten Death Metal-Breitseiten, eine in dieser Konsequenz geniale Idee, eigenständig und im Songwriting überzeugend.

Nicht alle Experimente gehen auf: So ist die Schmalznummer „Hung And Over“ ein kläglicher Versuch an Stone Sour'sche Balladen anzuknüpfen, was ohne das Charisma eines Corey Taylour aber misslingt. Zudem ist der Text an Klischeehaftigkeit nicht zu überbieten.

Besser macht es da der Bonustrack "Life of Riley", akustisch und dennoch gehaltvoll. Stark ist zudem "How we suffer", auch, wenn ich den Reim von "suffer" auf "another" durchaus gewagt finde. Bei "Into the darkness" gröhlt noch Cripper-Frontfrau Britta Görtz mit, das Ergebnis ist ein ziemlich guter Song mit zu wenig stimmlichen Reibepunkten. Wer ist wer? Für mich ist "Drone" die beste Drone-Scheibe, Hardcorefans werden aber sicher ein wenig verschreckt sein.

 

Fazit: Prima CD mit leichten Schwächen

 

Picture

Review: Ace Frehley - Space Invader

ace-frehley-space-invader-insideAce Frehley ist Gott! Punkt! Aber auch Gott hat seine schwachen Tage. Ace hatte davon eine ganze Menge, dafür aber auch veranlasst, dass rund 64664664664663465 (Schätzung) junge Menschen das Gitarrespielen angefangen haben. Ace hat mit Kiss die Welt verändert und obwohl sein technisches Spiel gegenüber den großen genialen Technikern wie Vai, Hendrix, VanHalen ordentlich abstinkt, ist er ein Weltklasse-Songwriter und spielt eben genau so, dass man vor dem Radio denkt: Boah, wie geil, das versuche ich auch. Bei Vai kommt man nur schwerlich auf diese Idee, will man nicht vor dem ersten öffentlichen Auftritt seines Lebens sechs Jahre acht Stunden am Tag üben.

Gott hat also eine neue CD auf den Markt geworfen, die hat ein klassisches Kiss-Artwork (von Ken Kelly) und heißt passend zum Space-Ace-Image "Space Invader". Vorbei die Zeit, in der man ewig auf neues Material von Frehley warten musste, nach "Anomaly" erscheint "Space Invader" in einem vertretbaren Wartezeitraum von... ok vergessen wir das. "Anomaly" ist dann doch von 2009, für Ace sind fünf Jahre aber ein Klacks. Zwischen dem sehr guten "Trouble Walkin"-Album und "Anomaly" lagen etwa zwei ganze Jahrzehnte. 

Mit dem Titeltrack startet die Scheibe und Ace klingt frisch, seine Sounds knackig wie gehabt, seine Soli ziemlich gut. Diese gute Verfassung zeigte er schon auf den Solotouren vor einiger Zeit. So fit habe ich Ace noch nie gesehen. Ace ist Ace and he told us so, deshalb sind wieder manche Dinge an der Peinlichkeitsgrenze ("Immortal pleasures" etwa). Deshalb ist sein Gesang fast immer eher schwach, aber das muss man halt so hinnehmen, so ist und war er halt immer. Hate it or love it (aber sei nie kritiklos, auch nicht bei deinen Helden!)!

Warum man "Boys" auf "Toys" (im ordentlichen Song "Toys") reimen muss, weiß ich auch nicht. Das ist läppisch. Ace' Gesangslinien sind zum Teil infantil. Da sollte er einfach mal jemand anderen ran lassen, um Linien zu verfassen, denn dann kommt der Gesang sofort besser rüber.

Das ist viel Kritik, aber ich bin auch ein großer Verehrer. Kommen wir zu den guten Seiten der Medaille: "Into the Vortex" ist ein starker Song, "Past the Milky Way" ("I'm running out of oxygen but I still got my guitar... Klasse!) der Höhepunkt der CD.

Überhaupt ist das Spielen mit dem Space-Ace-Klischee eine tolle Idee. Das hat er immer mal wieder gemacht ("Remember me" auf "Trouble Walkin' zB), aber in dieser Konsequenz ist es beeindruckend gelungen.

"Gimme a feelin'" wurde vorab veröffentlicht und macht für mich einen ebenfalls starken Eindruck, während ich mit der Coverversion des eigentlich tollen "The Joker" nix anfangen kann, aber hier scheiden sich die Geister stark. Was ich verhunzt finde, lieben manche Kiss-Fans.

"I wanna hold you" nervt durch die erwähnten schlechten Gesangslinien und ist verschenkt, weil die Gitarrenarbeit hier grandios ist und an Kiss-Klassiker erinnert. "What every Girl wants" könnte auch auf dem 78er Solo-Debüt gestanden haben, was natürlich ein Gütesiegel ist. "Reckless" hat was von einer "Frehley's Comet"-Nummer, stellt aber keinen Höhepunkt da, während das obligatorische Instrumental zum Schluss "Starship" etwas langatmig (und langweilig) beginnt, sich über Mittelteil und Ende aber zu einem der herausragenden Stücke der CD mausert und ein würdiger Nachfolger der "Fractured"-Reihe ist. "Space Invader" ist am Ende des Tages auf jeden Fall ein ordentliches Album mit einigen echten Höhepunkten und rangiert für mich vor dem letzten Output von Paul Stanley, Gene Simmons  und den zwei angeschlossenen Mietmusikern. 

 

Fazit: Ace-Fans müssen es lieben, trotz aller Kritikpunkte

 

Picture

 

 

 

Review: Deadlock - The Re-Arrival

deadlock-the-re-arrival-cover-300x300-230-230Warum die deutsche Band Deadlock nicht längst so groß ist wie etwa Arch Enemy erschließt sich mir immer noch nicht. Eine Formation mit Grunzer und weiblichem Klargesang - das klingt ja erst einmal nicht allzu aufregend, doch Deadlock haben in den letzten Jahren eine enorme Entwicklung vom reinen Hassbrocken zu technisch ausgfeilten Klasse-Metalcorern mit teilweisen kitschigen Popanleihen durchlaufen. Letzteres macht es den Fans der ersten Stunde nicht leicht, weiter bei der Stange zu bleiben, skizziert aber die Vielseitigkeit der Band um Klarsängerin Sabine Scherer und Screamer John Gahlert bestens.

Auch in Sachen Besetzung gab es (leider?) stete Entwicklungen. Vom Gründungstrio ist einzig und allein noch Gitarrist Sebastian Reichl übrig geblieben, Shouter Johannes Prem ging 2011 (Bassist Gahlert übernahm ab da) und Drummer Tobias Graf wurde nun, 2014, durch Werner Riedl ersetzt.

Diese Rundumerneuerung und der Ablauf der Kontrakts mit ihrer Plattenfirma brachten Deadlock auf die Idee, eine etwas andere "Best of" in die Rillen zu pressen. "The Re-Arrival" ("The Arrival" ist der Name des Debüts aus dem Jahr 2002) präsentiert Songs der letzten zwölf Jahre in zum Teil neuem Gewand, anders gemischt, "Awakened by the sirens" wurde komplett neu aufgenommen, "Code of  Honor" präsentiert dazu Marcus Bischoff von "Heaven shall burn" als Gast. Es gibt auch Songs wie "To where the skies are blue", die sich kaum (oder gar nicht) vom Original unterscheiden. Im letzteren Fall wüsste ich ohnehin nicht, was man besser hätte machen können.

Auf der CD gibt es zudem gleich drei neue Songs. die mit Riedl an der Schießbude eingespielt wurden und die einen Blick in die mögliche Zukunft der Band weisen. Was ein Problem sein könnte, denn während "The Arsenic River" klasse und klassisch Deadlock ist, können sich an "An Ocean's Monument" und "A new era" die Geister erneut scheiden. Vor allem letzterer Song verzichtet weitestgehend auf den genialen Kontrast im "Schöne und das Biest"-Stil und kommt etwas beliebig daher, während "An Ocean's Monument" bis zum poppigen Schlusspart überzeugen kann. 

Zu dieser CD gibt es eine weitere, die mit Demos und unveröffentlichten Aufnahmen ein Muss für Fans, für andere Hörer aber verzichtbar ist. 

 

Fazit: Das Beste und noch viel mehr - Deadlock-Fans können sich im Himmel wähnen

 

Picture

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Live-Fotos von Deadlock haben wir HIER und HIER!

Die CD-Kritik zur letzten Scheibe, The Arsonist, finden Ihr HIER!

Review: Seether -

Seether---Isolate-And-Medicate---Artwork

Zugegeben, was die Diskographie der Band SEETHER angeht, bin ich nicht besonders firm, aber dafür kann ich ziemlich unvoreingenommen an das neue Album „Isolate and medicate“ herangehen. Ein Gedanke, der sich ziemlich schnell aufdrängt ist, dass Seether auf dieser Platte klingen wie ein Hybrid aus Nickelback und Linkin Park. Wobei die Ähnlichkeiten mit erstgenannter Truppe wesentlich stärker ausgeprägt sind. Ist das nun ein gutes Zeichen? Wir werden sehen.

Der Eröffnungstitel „See You At The Bottom“ kommt noch recht düster daher und knallt dank der tiefergestimmten Gitarren und schnörkellosen Riffs ganz ordentlich. Hat man bei den Gesangsharmonien schon Chad Kroeger vor Augen, geht es bei „Same Damn Life“ dann endlich komplett auf der Nickelback-Schiene weiter. Ein extrem eingängiger Song, der vor allem laut gespielt richtig geil kommt, ein potentieller Hit für das Rockradio. So, wenn hatte ich noch als Referenz genannt? Ah, ja - Linkin Park - die fallen mir sofort beim dritten Track des Albums ein. Die Strukturen und das Arrangement des Songs zwingen einfach, diesen Vergleich zu ziehen. Allerdings gefällt mir „Words As Weapons“ deutlich besser als die letzten Radioreleases von Linkin Park. Kein Wunder, dass dies auch die erste Singleauskopplung der Platte ist. Lied Nummer vier heißt wieder Kehrtwendung zu Nickelback. „My Disaster“ hätte auf jedem ihrer Alben draufgepasst, ohne dass es irgendjemanden auffallen würde. Ein ebenfalls extrem eingängiger Song, aber irgendwie scheint mir da sowohl die Band, als auch Starproduzent Brendan O`Brien stark auf den kommerziellen Erfolg der vermeintlichen Vorbilder zu schielen. Hmmmmmhhh… Im Prinzip geht es so weiter.

Die Ausnahmen bilden, zumindest teilweise, die krachige Halbballade Crash, die etwas spacig daherkommt und „Suffer it all“, die das härteste Riffing der Platte bietet und sogar mit richtigen Screams daherkommt. „Isolate and medicate“ ist eine Platte, mit der ich irgendwie nicht so richtig warm werde. Vielleicht aber total zu Unrecht, denn die einzelnen Songs sind toll ausgefeilt, ohne zu viele Schnörkel zu haben, direkt auf den Punkt, wahnsinnig melodiös und voller eingängiger Harmonien. Aber die Ähnlichkeit zu den aufgeführten Bands ist mir einfach zu präsent. Zumindest ich schaffe es nicht, meinen Schädel abzustellen und nicht permanent Vergleiche zu ziehen.

 

Fazit:Fans von Nickelback werden ehrfürchtig niederknien. Alle anderen werden ein schönes Rockalbum erleben, dass man super nebenbei hören kann, ohne dass es nervt.

 

Classics: Passion and Warfare / Steve Vai

SteveVaiPassionAndWarfare

 

vinyl-record-iconAls Steve Vai im Herbst 1990 sein Meisterwerk „Passion and Warfare“ in die Läden brachte, hob er das Gitarrenspiel dieser Zeit auf ein neues, bis heute unerreichtes Niveau. Zogen die Plattenfirmen damals angestachelt vom Mike Varneys Shredder-Erfolgsscheiben einen sogenannten Gitarrenhelden nach dem nächsten aus dem Hut, von denen jeder schneller als der vorige sein musste, verlieh Steve Vai nach harten Lehrjahren bei Frank Zappa als zweiter oder dritter Gitarrist sowie zwei grandiosen Band-Scheiben mit Ex-VanHalen-Sänger David Lee Roth (und Billy Sheehan und Gregg Bissonette) dem Genre eine neue Würde.

Vai konnte so schnell, so sensationell sein wie all die Marty Friedmanns (um einen der besseren Shredder zu nennen) oder Joey Tafollas (um einen der schlechteren Saitenzwirbler zu erwähnen), war aber nicht so eindimensional.

Der New Yorker zieht auf „Passion and Warfare“ alle Register seines Könnens, seien es schwere Rhythmusmonster ("Erotic Nightmares"), pathetische Hymnen („Liberty") oder schlichtweg das beste Gitarrenrock-Instrumental aller Zeiten ("For the love of God"), Vai hat alles drauf und scheut sich nicht, es zu zeigen. 

Als Konzeptalbum ist "Passion and Warfare" nicht konzipiert, es funktioniert aber fast so: Die Hymne zum Start, danach der schnelle Rocker, ein lasziver Groover mit "The Animal", später das Epos mit "The Riddle", dann die Übernummer "For the Love of God", der wilde Jugendtraum eines durchdrehenden Nachwuchsgitarristen in der Schule ("The Audience ist listening"), die Popnummer "I would love to", eine Mega-Ballade ("Blue Powder“), der Punker "Greasy Kids Stuff" und die Hendrix-Verbeugung „Sisters“, in der Steve Vai mehr aussagt als Eric Johnson in seiner gesamten Karriere. Dazwischen gibt es immer mal wieder Skurriles wie "Alien Water Kiss", "Ballerina 12/24" oder das Synthie-Experiment „Love Secrets“ zum Abschluss. 

Wahnwitzig schnelle Läufe, Arpeggios from Hell, Tapping- und Tremolo-Extasen sowie unglaublich schöne Melodien und aggressive Grooves - „Passion and Warfare“ hat alles. Dazu kommt, dass Vai - gewohnt von Mentor Zappa - sich nur mit den Besten umgibt. Stu Hamm am Bass ist etwa so eine Koryphäe. Sein Solo in „Blue Powder“ gehört zu den besten seiner Art. Komponiert von Vai in einer Art Zeppelins „Whole lotta love“-SoloPendant für den Tieftöner. 

Die Scheibe eignet sich als Lehrstück, wie man - trotz des Fehlens von Gesang - Musikalität, Melodien, Technik und Experimente in einem niemals nervtötenden köstlichen Eintopf servieren kann. 

„Passion and Warfen“ löste damals die bestverkaufteste Instrumental-Platte, Jeff Becks Guitar Shop, in Sachen Nachfrage ab.

Die Scheibe verkaufte sich so gut, dass David Coverdale gezwungen war, bei Vais Gastspiel mit Whitesnake einen überlangen Solospot (mit "For the Love of God") in seine Live-Shows einzubauen - für Hardcore-Fans der Band war das allerdings viel zu viel, während Vai-Jünger nur deshalb zu den Whitesnake-Shows pilgerten.

So gut wie auf „Passion and Warfare“ war Vai in Gänze nie mehr, wenngleich er mit der anschließenden Band-CD „Sex and Religion“ mit einem blutjungen und hyperaktiven Devin Townsend am Mikro den Nährboden für so manche Metalcore-Strömung legte, aber das ist eine andere Geschichte...

 

 

 

Review: Möngöl Hörde - Möngöl Hörde

mongol-horde-album-cover-artworkDas hier ist für Euch, Ihr Pop-Radio hörenden Hausfrauen, die Ihr Euch unseren Frank Turner einverleiben wollt. Ihr, die "Worse things happen at sea" nicht kennt, sondern nur die vereinzelt poppigen Radio-Songs wie "Recovery" verehrt und den Typen einfach sooo süß findet. Ihr, die nicht verstehen werdet, dass aus Turner nie Schmalz Jovi oder Rockverräter Bryan Adams werden wird. Diese CD ist für Euch, ein Schlag in Euer Gesicht, der Beweis, dass nicht jeder Musiker von Balladen verdorben werden kann. Das Debüt von Möngöl Hörde mit Frank Turner als Shouter, Screamer, Rotzer und Frontgrunzer beweist, dass er seine Wurzeln (Million Dead) nicht vergessen hat, sie nicht verleugnen will, sie weiter ausschweifen lassen möchte. Der Beweis, dass Mainstream reich aber nicht glücklich machen kann. Diese CD ist aggressiv, sie ist verstörend und abgefahren. Irgendwo zwischen Rumpel-Punk, Hardcore und genialen Rage against the Machine- Hooklines angesiedelt, reißen Möngöl Hörde auf 13 Songs Wunden auf und streuen Salz hinein. "Weighed And Found Wanting", "My Judas", "How The Communists Ruined Christmas" oder "Make Way" - um nur die Glanzlichter einer gänzlich strahlenden Atombombe zu nennen - verströmen eine derart positiv-radikale Aggressivität, dass man sich kaum vorstellen mag, in welch Inferno ein Live-Auftritt dieser Band ausarten kann. Frank Turner (Gesang) aka Renrut, Ben Dawson (Schlagzeug) aka Awesome und Matt Nasir (Gitarre) aka Nadir zerstören auf ihrem Erstlingswerk alles, was den Anschein an Angepasstheit signalisiert. Danke! 

Die Band bleibt dabei betont minimalistisch, ein Konzept, welches auch ihre schmale Webseite untermauert: “Mongol Horde is more than a band. Mongol Horde is a movement. Mongol Horde is an invasion. That’s not actually true. Mongol Horde is a band. We don’t really want to talk about it. Listen to the music. Enjoy it, or don’t. Stop fucking asking questions.” Dem ist dann auch einfach nichts mehr hinzuzufügen (außer vielleicht, dass ich sehr hoffe, dass ich meine Eingangs-Hasspredigt nicht irgendwann bereuen muss. Frank, stay hard, true as steel!).

 

Fazit: Verstörend aggressiver Soundtrack zur Übernahme der Weltherrschaft

 

 Picture

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Review: The Winery Dogs - Unleashed in Japan

81E1BC1VEaL. SL1418 Schaut man sich das Logo der Winery Dogs an, könnte man glauben, es handele sich um die Jack Wolfskin-Hausband. Dabei haben die Langhaardackel meist nur Unterhemden an. Kein Wunder, sind Richie Kotzen, Billy Sheehan und Mike Portnoy doch für schweißtreibende Liveauftritte bekannt. Da wären schicke Windbreaker nur Fehl am Platz und zudem soviel Rock 'n' Roll wie Klaus Meines Baskenmütze. Wie geil die Band live ist, will sie auf „Unleashed In Japan“ in Konservenform beweisen, das klappt leider nur bedingt. Zu wenig kommt rüber, die energetischen Liveperformances des Trios sind live und in Farbe ein echter Hammer, die CD klingt jedoch zu steril. Die spielerischen Qualitäten der drei lustigen Musikanten sind hingegen über jeden Zweifel erhaben. Richie singt wie Gott, Billy zupft einen flotten Darm (gern auch mal in atemberaubender Geschwindigkeit) und Mike ... Nun ja, er stört nicht groß. Sein Spiel ist perfekt, mitreißend jedoch nicht. Portnoy ist ein begnadeter Techniker, keine Frage. Groove ist aber nicht nur Technik. Für Fans ist die Live-CD trotzdem spannend, wenngleich sie im Bundle mit dem Debüt-Album kommt (die man dann im Zweifel schon hat). Mit "Stand" hat sich sogar der Poison-Schmachtfetzen ins Live-Programm der Wauzis geschlichen - und klingt mit Richie am Mikro eine Klasse besser. Zur musikalischen Qualität der eigenen Songs zitiere ich mal meine eigene Kritik des Albums:

 

Dies ist Richies "Thang" (in Anlehnung an den gleichnamigen Poison-Song), was den einzigen möglichen Kritikpunkt an der CD manifestieren lässt: Braucht Richie die anderen beiden eigentlich? Die Antwort ist ein klares Jein! Billy Sheehan ist unverkennbar, sein pumpender leicht angezerrter Bass mit wahnwitzig tanzenden Melodielinien, versehen im fetten Fundament seines Yamaha-Tieftöners, macht mächtig Spaß und sorgt für freudige musikalische Orgasmen beim Zuhörer. Wenn ein Gitarrist beim Gitarrensolo plötzlich das Interesse an Richie Kotzen verliert, dann kann das nur passieren, weil Billy Sheehan "unter" dem Solo die Show stiehlt. Portnoy hingegen spielt solide und überraschend unprätentiös. Positiver könnte man sagen "songdienlich", doch dafür braucht man den Drumwizard nicht. Über allem schwebt Kotzens wahnsinnige Stimme, seine grandiosen Blueslicks, die mit mächtigen Legato-Speedläufen getränkt sind, und ein Songwriting, welches sich sehr eng an Kotzens Solo-Schaffen orientiert. 

 

Fazit: Zu sterile Live-CD einer tollen Band.

 

Picture

 

 

 

 

 

 

 

 

Live-Fotos von der Band gibt es HIER!

Review: Night Ranger - High Road

nightranger-highroadDas letzte Night Ranger Album, das ich kenne heißt „Man In Motion“ und stammt aus dem Jahr 1988. Obwohl ich die Platte wirklich mag, habe ich die Gruppe komplett aus den Augen verloren. Also gut, hören wir mal, was die Band mir ein Vierteljahrhundert später mit „High Road“ anbietet.

Der erste Eindruck sagt mir, dass sich im Prinzip gar nicht viel verändert hat. Night Ranger scheinen immer noch großen Wert auf eine glasklare, aber nicht sterile Produktion und unheimlich melodiöse Hooklines zu legen. Die Stimme von Jack Blades, den einige vielleicht von den Damn Yankees kennen, hat in der Zwischenzeit nicht gelitten und Brad Gillis ist einfach eine Macht an der Gitarre, für mich einer der komplettesten Hardrock-Saitenflitzer überhaupt.

Nach dem ersten Durchgang empfand ich das Album als wirklich gelungen, aber nicht unbedingt packend. Tja, wie falsch man so manchmal liegen kann. Im Laufe des Tages hatte ich nämlich ständig die Refrains und Riffs aller möglichen Songs von „High Road“ im Ohr - und die sind auch nicht mehr aus den Gehörgängen herauszubekommen. Also, noch einmal gehört und noch einmal und noch einmal…

Während der Opener, der auch der Titeltrack ist, zwar schon fast poppig daherkommt, fordert er aber dennoch förmlich dazu auf, sich ins Auto zu setzen und mit heruntergekurbelten Fensterscheiben die Landstrasse entlang zu düsen. Bei „Knock Knock Never Stop“ darf man das Gaspedal sogar noch ein wenig weiter herunterdrücken. Ein Uptempo-Rocker mit einem Mitgröhlchorus, der einen Glauben macht, dass die späten 80er nie vorbeigegangen sind.
Singen muss man auch beim dritten Titel, der sehr lässig groovt und mit seinem „Hey Yeah“-Refrain nahtlos an den Vorgänger anknüpft. Ein schönes Fender Rhodes Intro eröffnet dann die dramatische Ballade „Don`t Live Here Anymore“ – die quillt fast über vor Pathos, wirkt aber trotzdem authentisch und niemals platt und peinlich. Der Song steigert sich permanent und gipfelt nach einem kleinen Hammond-Solo und einer Bridge in einem furiosen Gitarren-Climax. Wow!
Doubleleads und wieder mal einem unglaublich eingängigen Refrain bietet „I`m Coming Home“. Mein persönliches Highlight ist dann der nächste Song. „X Generation“ nimmt unser Auto von der Landstrasse direkt auf die Autobahn ohne Tempolimit. Was habe ich diese Art von Musik doch vermisst, ohne es jemals zu ahnen?
Der wunderbare Lovesong „Only For You Only“ lässt einen einfach dahinschmelzen.
So geht es bis zum Ende des Albums weiter. Kurz erwähnen möchte ich noch das Stück „Brothers“, welches sich von einem recht unscheinbaren, wenn auch etwas beatlesquem Lied, zum Ende hin zu einem grandiosem Boogierock-Finale steigert (Quireboys lassen grüßen). Der Abschluss wird von dem sogenannten Bonustrack „LA No Name“ gebildet, einem Instrumentalstück, auf dem Gillis zeigt, was er auf der Akustikgitarre alles so anstellen kann – schon ziemlich beeindruckend.

Ich habe lange überlegt, ob und wenn ja, wo ich einen Punkt Abzug geben kann. Sorry, da ist nichts – diese Platte ist perfekt! Pflichtkauf für alle, die AOR, 80`s Hard- oder Glamrock mögen. Ohne große Umschweife: Höchstwertung!

 

Fazit: Eine perfekte Scheibe

Picture

 

Review: Uriah Heep - The Outsider

cover 163271642014 rManche Bands sind einfach nicht kaputtzukriegen. Uriah Heep legen mit „The Outsider“ ihr 24. Studioalbum vor. Auch wenn die ganz großen Klassiker schon einige Zeit zurückliegen, ist die Band immer noch sehr aktiv und eben nicht nur als Revivaltruppe unterwegs. „The Outsider“ ist bereits der vierte Longplayer innerhalb der letzten sechs Jahre und der erste nach dem Tod des langjährigen Bassisten Trevor Bolder. Wohin der Hase läuft ist sofort klar. Ein sägender Hammondakkord leitet „Speed Of Sound“, den Eröffnungssong ein. Dieser gehört für mich zweifelsohne zu den besten Songs, die Heep je aufgenommen haben - eingängig, treibend und voller Spielfreude.

Der zweite Track tarnt sich als Ballade, doch nach dem circa einminütigen Piano/Gesang-Intro, wird aus „One Minute“ ein echter Rockstampfer. Den nehmen sie hoffentlich in ihr Liveprogramm auf. Bernie Shaw ist immer noch eine Bank. Der Mann hat einfache eine unglaubliche Stimme und bei Mick Box, dem einzig verbliebenen Gründungsmitglied scheint das Motto zu lauten: Mit 66 Jahren fängt das Leben an. Sein Spiel ist unheimlich dynamisch und wirkt frisch. Hört man sein Solo bei „The Law“ würde man nicht vermuten, dass der Mann das Rentenalter schon locker erreicht hat. Aprospros „The Law“, hier kommen auch die ganz typischen Heep-Trademarks an das Tageslicht. Schöne und in epischer Breite werden hier die Aaaaaaahhhhsss zelebriert.
Bei „The Outsider“ wird die Geschwindigkeit richtig angezogen und die Doublebass läuft auf Hochtouren. Eine echte Hardrockperle ist auch „Looking At You“, ein Song, der es locker mit allen Hits aus den 70ern aufnehmen kann, Classicrock-Radiostationen aufgemerkt! Überhaupt gibt es bei den 11 Songs und einer Spielzeit von 51 Minuten nicht einen einzigen Ausfall. Das tolle Covermotiv stammt übrigens von dem polnischen Surrealisten Igor Morski, der oft und gerne als der neue Dali gehandelt wird.

Ein durchweg gelungenes und rundes Album, einer der besten Outputs von Uriah Heep überhaupt. Wer zeitlosen harten Rock liebt, darf hier mit gutem Gewissen zugreifen

 

Fazit: Rundum gelungen

 

Picture

 

Review: Arch Enemy - War Eternal

archenemywareternalcdArch Enemy, die dritte Reinkarnation ist da und selten hat ein Sängerwechsel harmonischer und entspannter stattgefunden als der von Angela Gossow zu Alissa White-Gluz (Ex-The Agonist). Dazu löste bereits 2012 Gitarrist Nick Cordle Leadklampfer Michael Amotts jüngeren Bruder Christopher ab und nun kann auf "War Eternal" also das neue Line-up bestaunt werden. Mit Alissa kommt eine technisch hochbegabte Sängerin zu Arch Enemy, die bei The Agonist bewiesen hat, dass sie neben hasserfüllten Death Metal-Growls auch wunderschöne cleane Melodien trällern kann.

Das sorgte im Vorfeld bei den Die Hard-Arch Enemy-Fans für reichlich Sorgenfalten, doch die kann ich glatt bügeln: Alissa singt nicht ein einziges Mal clean. Alles beim Alten also? Mitnichten, denn "War Eternal" unterscheidet sich schon in einigen Punkten deutlich von den Werken mit der grandiosen Frontsau Angela Gossow. Michael Amotts ist zweifelsohne einer der genialsten modernen Gitarristen, hat zuckersüße Melodien genauso drauf wie kompromisslose Akkordwände und virtuose Soli. Während die CD mit "Never forgive never forget" nach einer Instrumental-Prelude in F-Moll und den Singles "War Eternal" und "As the pages burn" losballert als gäbe es keinen Morgen und sich gar nicht so sehr von den "alten" Arch Enemy unterscheidet, bemerkt man im anschließenden Verlauf der CD eine kleine aber feine Änderung im Grundton. Alissa grunzt technisch auf höchstem Niveau und genau das macht die Vocalpassagen eingängiger und weniger aggressiv als noch bei Angela, die keine große Technikerin ist, durch ihre rauhere Gangart aber echte Hassbrocken verspieh.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Alissa White-Gluz macht es hervorragend und ist eine würdige Nachfolgerin von Angela, der Grundton wird durch sie aber eingängiger. Das kann man mögen oder nicht. Mir gefällt es, macht es Arch Enemy doch leichter zugänglich. Zwischen seinen brillanten Sololäufen verliert sich zudem Mastermind Michael Amott ab und an in etwas sehr cheesige Gefilde und packt zuviel Zucker auf seine Melodien (etwa im Mittelteil des ansonsten hervorragenden "Time is Black)". Mit "No more regrets" ist gar ein echter Ausfall unter den 13 Tracks.

Der Mitgröhlrefrain zerstört hier den guten Aufbau des Songs und ist am Rande der Peinlichkeit. Soviel aber zu den kritischen Tönen von "War Eternal". "You will know my Name" klingt wie eine Art Dream Theater mit Eiern, ein Track wie "On and on" ist schlichtweg fantastisch und wird im späteren Verlauf gar noch von "Avalanche" mit seinem hymnenhaften Charakter und fantastischem Soloteil getoppt. Am Ende steht ein mollschwangeres Instrumentalstück ("Not long for this world") und rundet nicht die beste, aber dennoch eine sehr sehr gute Arch Enemy-Scheibe ab. 

 

Fazit: Arch Enemy 3.0 - ein wenig, aber nicht alles anders und weiter bockstark

 

Picture

21 Octayne: Marco Wriedts Track by Track

21 Octayne haben mit "Into The Open" ein sensationelles Debüt in die Rillen getackert (Review HIER). Für den RocknRoll-Reporter hat sich Gitarrist Marco Wriedt (u.a. Axxis) die Zeit genommen, zu jedem Track der CD seinen "Senf" abzugeben. Let's go, Marco:

 

Picture

 

She´s Killing Me

 

Das Anfangsriff stammt aus dem Jahr 2008 und war das erste Riff, das ich Alex damals zugeschickt hab als Idee. Das war die Phase als wir über eine mögliche eigene Band sprachen. Umgesetzt wurde “She´s killing me” erst im Jahr 2011. Es war uns direkt klar, dass der Song ein cooler Opener für das Album ist! Es zeigt auch sehr gut den amerikanischen Einfluss, den manche Songs von uns tragen. Ich liebe den Groove, den Alex und Andrew geschaffen haben und im Chorus geht dann die Sonne auf! Der Text von Hagen hat einen sehr coolen Twist! Als wir die Listening Session in Hollywood hatten, haben die Leute sofort gegrinst! Ihr werdet bald wissen, warum."

 

Dear Friend

 

“Dear Friend" zeigt unsere progressive, harte, dunkle/atmosphärische Seite. Ich finde die Dynamik hier sehr stark und auch den Text. Dieser Song brauchte fast ein Jahr bis er richtig fertig war. Ursprünglich waren es zwei Songs. Der ruhige Strophenteil und die beiden Riffs waren mal voneinander getrennt, aber hinterher fiel beim “Sichten” Hagen der Song wieder ein und wir haben dann an einem Tag alles zusammengefügt. Dieser Song wurde letztendlich die zweite Single bzw. das zweite Video von “Into The Open”.

 

Turn The World

 

“Turn The World” hatte ich zu 98 % musikalisch 2008 so gut wie fertig. Es gab damals nur keine Verwendung für den Song. 2010 hab ich den Song dann den anderen quasi bei einer Songwriting-Session vorgespielt und alle mochten ihn sofort. Dieser Song hat ganz klar dieses “US-West Coast”-Feeling. Quasi “AOR 2.0”. Normalerweise hätte jede Band noch ein Keyboard dazu gepackt, aber das habe ich dann mit der Gitarre gemacht. Dadurch klingt der Song etwas erdiger und mehr “In your face”. Von den Arrangements her, den Vocals und Ausdruck einer meiner Lieblingssongs auf dem Album!

 

Don´t Turn Away

 

Auch dieses Hauptriff hatte ich schon vorher. Der Rest wurde allerdings während einer Bandsession zum Leben gebracht. Ein sehr grooviger Song mit genialer Bass- und Schlagzeug-Arbeit von Andrew und Alex! Bei dem Song ging eigentlich alles sehr schnell und es war einer der ersten, den wir Ende 2010 fertiggestellt haben. Knallt live extrem gut!

 

My Teddy Bear

 

Bei “Teddy Bear” haben wir uns einfach mal ausgetobt. Was dabei rausgekommen ist, ist schon etwas unkonventionell! Eine Mischung aus Metal, Funk, Psychodelic und Fusion. Anfangs waren wir uns nicht sicher, ob er auf´s Album sollte. Mittlerweile nicht mehr wegzudenken.

 

Picture

 

Into The Open

 

Für mich ist der Titeltrack extrem emotional. Der Text ist großartig! Hagen singt unfassbar und auf das Solo bin ich hier sehr stolz. Es zeigt mich so wie ich als Gitarrist bin und wo meine DNA als Musiker ist. Ja, für mich ein besonderer Song. Andrew spielte beim Aufwärmen das Anfangslick und ich habe dann “Stop” gerufen. Wir haben das Lick am Anfang dann etwas umgedreht, um es dem Gesang etwas besser anzupassen und der Rest kam dann sehr schnell! Es zeigt unsere epische Seite, die mit Blues Rock nichts zu tun hat.

 

Me, Myself & I

 

Im Sommer, beim Kaffeetrinken, kam das Hauptriff auf einmal und ich wusste sofort, dass Hagen so etwas gefallen würde. Er war dann auch direkt begeistert. Auch hier ging alles sehr schnell und Ich liebe das Bass Intro von Andrew. Großartig! Der Mittelpart ist bei einem Jam entstanden und hat auch etwas Fusionmäßiges. Toller Refrain auch!

 

The Heart (Save me)

 

Einer der ersten Songs aus dem Jahr 2010! 15 Minuten vor “erjammen” des Songs haben wir noch Käsekuchen gegessen. Als wir danach wieder in dem Raum gegangen sind, kam direkt dieser Song dabei raus. Wir haben ihn als Demo dann “Cheezecake” genannt! Klare Sache! Sehr groovy und melodisch, AOR´ig! Und natürlich die erste Single bzw. das erste Video (produziert von Dominik Louis) unserer Karriere, das letztes Jahr viele Wellen geschlagen hat.

 

Your Life

 

Einer meiner absoluten Lieblingssongs auf dem Album! Diese extreme Mischung von Stilen in nur einem Song halte ich für sehr interessant. Toller Text von Hagen, der mich immer sehr zum Nachdenken anregt! “Your Life” ist einer der wenigen Songs, die komplett beim Jammen entstanden sind. Sehr facettenreiches Drumming von Alex. Wenn ich diesen Song höre, höre ich immer besonders auf die Drums!

 

I will always be right there

 

Den Song haben Hagen und ich innerhalb von ein paar Stunden fertiggestellt. Wir hatten noch kurz überlegt, eine Rockballade mit Band draus zu machen, aber ich denke, so funktioniert er am besten! Diesen Song würde ich bald gerne im Radio hören.

 

Leave My Head

 

Der erste Song, den wir je zusammen geschrieben haben. Sehr grungy und alternative-like mit einer schönen Atmosphäre in der Strophe. Hagen bringt hier ganz große Gefühle rüber! Extrem wütend eingespielt von Allen! Passt sehr gut zum Song!

 

Come Alive

 

Ein fröhlicher Song mit abermals “West Coast”-Touch. Der Song geht gut nach vorne und hat viel Energie! Die Message: “Umarme das Leben und es wird dich umarmen!”

 

Bestellen kann man die CD unter anderem HIER!

 

 

 

 

Review: Pre/Verse - Obstacles

preverse obstacles coverDrei Jahre hat es gedauert bis Pre/Verse ihr Debütalbum "Obstacles" in die Rillen tackern konnten. Die Band besteht aus dem Straftanz-Sänger Kai Schwenkler, Drummer Andreas Schmitz, Gitarrist Hilger Tintel, Keyboarderin Dae Joon und Bassistin Neila Fynn. Das schick durchgestylte Artwork der CD erstrahlt im hübschen Pink - zuckersüß ist die Band aber (zum Glück) nicht. Produziert wurde mit José Alvarez-Brill (u.a. Wolfsheim, Witt, Peter Heppner) sowie Krischan Jan-Eric Wesenberg (u.a. Rotersand) und mit diesen Referenzen wird der musikalische Rahmen schon recht gut abgesteckt.

Pre/Verse bewegen sich charmant im elektronischen Raum zwischen ganz alten Depeche Mode ("Bringing me Home") und der zarten Seite des sonst eher räudigen Gothik-Genre ("Rubbertears" etwa beginnt recht Manson-esk, kulminiert dann aber in einem Pop-Refrain mit Ohrwurmgefahr). Schwenklers variabler Gesang zwischen fast flüsternden Strophen und kraftvollen Refrains tönt genauso gut, wie die elegant gewählten Synthiesounds, die nie billig nach Kirmes klingen. Immer wieder gibt es hübsche Versatzstücke zu entdecken (etwa die orientalischen Skalen, die "No faith in my god" ein ganz besonderes Flair verleihen) und so ist "Obstacles" eine runde Sache geworden.

Was (mir) auffällt: "Truth hurts" ist ein toller Song, der durch den ans Ende der CD gestellten Bonustrack im Rotersand-Remix deutlich an Wirkung verliert als in der unremixten Version im vorderen Bereich der Scheibe. Nicht alle Songs zünden aufs erste Hören ("World of Lemons"), dennoch dürften Pre/Verse sich ihre eigene Nische schaffen können. Die CD ist erschienen bei nyx-records.

 

Fazit: Gelungenes Debüt in Pink

 

Picture

Review: 21 Octayne - Into the Open

21ocMit der Single "The Heart (Save me)" deuteten 21 Octayne bereits an, dass hier etwas ganz Großes auf uns zukommt. Nun liegt dem RocknRoll Reporter die bei AFM erscheinende Debüt-CD "Into the open" vor. Kann die Band, bestehend aus Hagen Grohe (The Joe Perry Project), Marco Wriedt (Axxis), Andrew “The Bullet” Lauer (Paul Gilbert) und Alex Landenburg (Rhapsody), auf 55 Minuten das exzellente Niveau der Single halten?

Mit "She's killing me" geht es perfekt los. Ein Schrei, ein Groove, ein Riff - 21 Octayne packen den Hörer direkt bei den Eiern und überzeugt mit Mr. Big'schen Unisono-Läufen, einer grandiosen Hookline und exzellenter Rhythmusarbeit. Dass Marco Wriedts Soli ohnehin über jeden Zweifel erhaben sind, ist klar wie Kloßbrühe, doch der Flitzefinger ist sich gleich im ersten Track nicht zu schade, einmal alles auszupacken. Der Clou: Musiker werden feuchte Höschen bei "She's killing me" bekommen und im Gleichklang mit ihren Freundinnen den Refrain singen. Überhaupt ist dies das Credo von 21 Octayne: Packende, musikalisch höchst anspruchsvolle Songs zu erschaffen, die dennoch im Radio laufen könnten - ohne im Schmalz zu versinken.

Wenn ein Ohrwurm sich verschleicht, dann nur, weil im nächsten Song ein weiterer wartet. "Dear Friend" hat wieder so einen und dieser Song zeigt im Wechselspiel seiner ruhigen und heftigen Passagen eine andere Facette von 21 Octayne. Alter Bridge könnte hier als Referenz genannt werden, ohne, dass man der Band die absolute Eigenständigkeit absprechen kann.

Bei "Turn the world" wird es poppiger. Die Halbballade kommt im Stil einer Band wie "Bad English" mit John Waite daher und begeistert unter anderem mit einem wunderschönen Twin-Gitarrensolo. "Don't turn away" featured schnell die Bassisten-Skills, danach kommt ein heißer Stilmix aus Led Zeppelin und Modern-Metal. Überhaupt ist die Variabilität eine große Stärke der Band. Der Titeltrack "Into the Open" ist ein episches Stück, während "Me myself and I" schlichtweg den stärksten Refrain hat, den ich bei einer deutschen Band seit Jahrzehnten gehört habe. Die Strophen bauen sich hingegen langsam auf, damit die Band im Refrain explodieren kann. Exzellent. So geht es über fast die gesamte Spielzeit der brillant klingenden CD munter weiter: "Your life", "My Teddy Bear", "Leave my head", "Come Alive" - Ausfälle sucht man vergebens. Wenn es überhaupt etwas zu meckern gibt, dann vielleicht, dass die Ballade "I will always be right there"  zu beliebig rüber kommt und auf 4 Minuten etwas zu sehr plätschert. Ansonsten bieten 21 Octayne perfekte Rockmusik. Wenn die Welt gerecht ist, sehen wir die Band demnächst im Konzert der ganz Großen - auf der Headlinerposition.

 

Fazit: The next big thing? 21 Octayne

 

Picture

Review: Layment - Of Gods & Goats

laymentLayment kommen aus Herne und liefern mit "Of Gods & Goats" einen powermetallischen Stampfer besonderer Klasse ab. Eine Hymne jagt die andere, peinlich oder platt - wie in dem Genre gerne mal (Stichwort Sabaton) - wird es dabei aber nie. Ganz im Gegenteil: Variables Songwriting mit technischer Sonderklasse zu kombinieren, ist immer eine gute Idee. Wenn dazu noch ein facettenreicher Sänger das Ganze veredelt, braucht man einer Band wie Manowar keine Träne hinterher zu weinen. Dabei muss gesagt werden, dass Layment durchaus eigenständig zur Sache gehen und ihre Fanbase auch mit diesem dritten Album komplett zufrieden stellen (und hoffentlich Legionen weiterer Fans hinzugewinnen können). Mit "Another Road" geht es recht bedächtig los, möglicherweise hätte eine andere Songreihenfolge der CD noch besser getan. "The Covenant" etwa wäre mit seinem hymnischen zwei Minuten andauernden Instrumentalbeginn ein klasse Opener gewesen. An der Klasse der meisten Songs ändert die Reihenfolge aber rein gar nichts. Herausstechend sind "The Seafarer" mit seinen packenden Vocals, "To the Ravens" mit einem geilen nicht-kitschigen Ohrwurmrefrain sowie das Titelstück. Die Gitarrenarbeit ist durchweg hochwertig und ebenfalls sehr variantenreich. "Long Lost Forever" verpasst der CD den würdigen Abschluss. Diese Scheibe wird noch lang, wenn nicht für immer in meinem CD-Player rotieren.

 

Bockstarke Scheibe ohne Ausfälle. Lediglich der Drumsound ist etwas dünn, weshalb die Höchstnote knapp verpasst wird. 

 

Picture

 

 

 

 

 

 

 

 

Tracklist:

Another Road
To The Ravens
The Seafarer
This Covenant
Beauty Beast
Rejected Son
I Am Kholossos
Of Gods And Goats
Homewards
Long Lost Forever

Review: Crippled Black Phoenix - White light generator

Crippled-Black-Phoenix-White-Light-Generator-200x200Wenn ein Sänger eine Band verlässt, ist das fast immer ein Beinbruch. Bei den Postrock-Göttern Crippled Black Phoenix um Justin Greaves sind hingegen Formationswechsel fast schon Pflicht. Mit Joe Volk ist zwar ein Gründungsmitglied verlustig gegangen, die Krüppel-Vögel hält das nicht auf. Im Gegenteil: Sie werden von Album zu Album größer.

"White light generator" ist in zwei Teile eingeteilt, einer weißen, hellen und einer schwarzen, düstereren Seite. Das Opus beginnt dabei ungewöhnlich mit "Sweater than you". Sehr ungewöhnlich, denn der Track, auf dem der neue Sänger Daniel Änghede zum ersten Mal seine Stimme erhebt, könnte glatt einem Tarantino-Roadmovie entsprungen sein. Danach schwimmen die Phönixe in bekanntere Gefilde und entfachen auf dem Rest der CD ein wahres Soundtrack-Feuerwerk, das seinesgleichen sucht.

Die metallischen Einflüsse sind zurückgeschraubt worden, lediglich bei  "Let's Have An Apocalypse Now!" wird es deutlich härter, aber nicht weniger hypnotisch. Apropos traumhaft: Daisy Chapman an Piano und Gesang ist zurück in der Band und verfeinert wieder einmal deren Sound. Erneut ziehen Crippled Black Phoenix alle, aber auch alle Register und ziehen den Hörer nach wenigen Minuten in ihren Bann. Ob Folkanleihen wie bei "A brighter tomorrow", Bläsersätze ("We Remember You") oder Rock-Riffs in "No!" - jede der über 70 Minuten dieser CD macht Sinn, ist ätherisch, wunderschön und macht süchtig. Kurzum: Bei Crippled Black Phoenix scheinen bis auf Greaves die Personen egal. Die Band ist divergent wie ein elfenhafter Koloss - unbezwingbar und wunderschön.

 

    Fazit: 70 Minuten pure Hypnose - alles andere als die Höchstnote wäre eine Frechheit!

 

Picture

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Crippled Black Phoenix Live:

 

06.05 GER, Hannover - Musikzentrum
07.05 GER, Essen - Turock
08.05 GER, Hamburg - Fabrik
09.05 GER, Berlin - Kesselhaus
14.05 GER, München - Backstage Werk
15.05 GER, Frankfurt - Batschkapp
16.05 GER, Köln - Kantine

 

 

Review: Broken Crown Halo / Lacuna Coil

lacunaLacuna Coil sind wieder da und präsentieren uns mit „Broken Crown Halo“ ihr mittlerweile siebtes Studioalbum.

Produziert wurde dieses von Jay Baumgardner, der bereits mit Bands wie P.O.D., Papa Roach und Helmet zusammengearbeitet hat. In Puncto Sound gibt es auf diesem Album wirklich nichts zu meckern, es klingt alles sehr ausgewogen und druckvoll. Musikalisch spielt sich das alles im melodiösen Gothic-Metal-Bereich ab. Weitere Zutaten im Lacuna Coil Gebräu sind definitiv die NU Metal- und die poppigen Anteile.

Die Songs stehen alle im Spannungsfeld zwischen großer Eingängigkeit und Langeweile.Obwohl die Titel schön und stimmig arrangiert sind, hat man immer das Gefühl genau zu wissen, welcher Part auf den nächsten folgt.

Nicht falsch verstehen, Lacuna Coil spielen die Musik, die sie machen, auf einem hohen Level und man merkt ihnen die nun mittlerweile 20 Jahre Banderfahrung im routinierten Songwriting absolut an.Aber genau hier steckt vielleicht auch das Problem. Es wird zwischen einprägsamen, schönen melodischen und harten Passagen hin- und hergewechselt und alles passt perfekt, aber es fehlen einfach die Überraschungen, Highlights und Aha-momente.

Die Songs einzeln für sich genommen können aber durchaus gefallen. Der Opener „Nothing Stands In Our Way“ hat großen Wiedererkennungswert und ist für mich auch schon, ob seiner Dynamik und des Refrains auch der Hit des Albums. Auf „Die And Rise“ kann man hören wie gut die Stimmen und die Art des Gesangs von Christina Scabbia und Andrea Ferro harmonieren. Das passt schon alles richtig gut zusammen. Langatmig wird es aber immer, wenn das Tempo herausgenommen wird, wie z.B. bei „One Cold Day“, da können sich 6 Minuten anfühlen, wie eine halbe Ewigkeit.

 

Wer Within Temptation und Evanescence mag, der wird Lacuna Coil sicherlich auch kennen und gut finden. „Broken Crown Halo“ ist ein sehr solides Album, ohne wirklich herausragende Glanzlichter und Höhepunkte.

4von6

Classics: New York / Lou Reed

PictureLou Reed war ein schwieriger Künstler, der es Mitmusikern, Fans und Kritikern nie leicht gemacht hat. Manche mögen ihn sogar für ein ziemliches Arschloch gehalten haben. Zur Rock'n'Roll-Ikone hat es der grantige Anti-Sänger, geniale Minimal-Gitarrist und bisexuelle Ex-Junkie aus New York in seiner mehr als fünf Jahrzehnte umspannenden, höchst wechselhaften Karriere dennoch gebracht. Sei es als Kopf der legendären Avantgarde-Band Velvet Underground oder seit den 1970ern als, nun ja, oft recht eigenwilliger Solokünstler. Ein Phänomen war er allemal. Denn kaum ein anderer Musiker hat dermaßen viele kommerzielle Flops und künstlerische Irrwege so unbeschadet und würdevoll überstanden wie er. Dafür war (und ist) sein Einfluss auf die gesamte alternative Rockmusik einfach zu groß.

Dabei stammt Lou Reeds einziger Welthit, der ultracoole Transen-Shuffle "A Walk On The Wild Side" vom Erfolgsalbum Transformer, aus dem Jahr 1972. Danach veröffentlichte der Journalisten- und Plattenfirmenschreck zunächst einmal ein paar schlechte Alben (z. B. Rock'n'Roll Heart) sowie zwei unverstandene Alben (Berlin und Metal Machine Music) – und in den musikalisch ohnehin ziemlich indifferenten 1980ern bis auf Blue Mask (1984) und New York (1989) sogar einige richtig beschissene. Letzteres kam förmlich aus heiterem Himmel und zählt ohne jeden Zweifel zu Lou Reeds (drei bis fünf) Meisterwerken.

vinyl-record-iconDie Liner Notes gaben das Motto des Millionensellers vor: „You can't beat two guitars, bass, drums" – und eben dies lieferten Lou Reed und seine Mitstreiter Mike Rathke (Gitarre), Rob Wasserman (Bass) und Fred Maher (Drums) auf diesem musikalisch völlig aus der Zeit gefallenen Konzeptalbum perfekt ab. Eher unprätentiös zwischen straightem Rock, schrägem Blues und simplem Folk angesiedelt, inhaltlich aber jenseits jeglicher Political Correctness, strotzte New York nur so vor lakonischen Lyrics über den Status quo der amerikanischen Gesellschaft der späten Reagan-Ära. Drogen, Aids, Korruption, Rassismus, familiäre Gewalt – fast schon genüsslich sezierte der konsequente Mainstream-Verweigerer den Mikrokosmos seiner Heimatstadt, um mit Songs wie "Dirty Blvd", "Last Great American Whale", "Busload Of Faith" und "Strawman" ein Panorama der moralisch komplett aus den Fugen geratenen USA zu induzieren. Mit seinem schnörkellosen „Urban Songwriting" traf er auch in Deutschland den Nerv der Zeit – zumal uns die Amis schon damals gehörig auf den Zeiger gingen. Jedenfalls hat New York bis heute nichts von seiner unverhohlenen Wut und Aktualität verloren. Auch deswegen ist das Album ein Klassiker.

Lou Reed verstarb Ende 2013 im Alter von 71 Jahren an den Folgen einer Lebertransplantation. Beziehungsweise an den Folgen seines über viele Jahre ungezügelten Lebensstils. Musiker wie ihn wird es Zukunft nur noch selten geben.

 

Picture