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Samstag April 21, 2018
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81 items tagged "CD"

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Review: The Winery Dogs - Unleashed in Japan

81E1BC1VEaL. SL1418 Schaut man sich das Logo der Winery Dogs an, könnte man glauben, es handele sich um die Jack Wolfskin-Hausband. Dabei haben die Langhaardackel meist nur Unterhemden an. Kein Wunder, sind Richie Kotzen, Billy Sheehan und Mike Portnoy doch für schweißtreibende Liveauftritte bekannt. Da wären schicke Windbreaker nur Fehl am Platz und zudem soviel Rock 'n' Roll wie Klaus Meines Baskenmütze. Wie geil die Band live ist, will sie auf „Unleashed In Japan“ in Konservenform beweisen, das klappt leider nur bedingt. Zu wenig kommt rüber, die energetischen Liveperformances des Trios sind live und in Farbe ein echter Hammer, die CD klingt jedoch zu steril. Die spielerischen Qualitäten der drei lustigen Musikanten sind hingegen über jeden Zweifel erhaben. Richie singt wie Gott, Billy zupft einen flotten Darm (gern auch mal in atemberaubender Geschwindigkeit) und Mike ... Nun ja, er stört nicht groß. Sein Spiel ist perfekt, mitreißend jedoch nicht. Portnoy ist ein begnadeter Techniker, keine Frage. Groove ist aber nicht nur Technik. Für Fans ist die Live-CD trotzdem spannend, wenngleich sie im Bundle mit dem Debüt-Album kommt (die man dann im Zweifel schon hat). Mit "Stand" hat sich sogar der Poison-Schmachtfetzen ins Live-Programm der Wauzis geschlichen - und klingt mit Richie am Mikro eine Klasse besser. Zur musikalischen Qualität der eigenen Songs zitiere ich mal meine eigene Kritik des Albums:

 

Dies ist Richies "Thang" (in Anlehnung an den gleichnamigen Poison-Song), was den einzigen möglichen Kritikpunkt an der CD manifestieren lässt: Braucht Richie die anderen beiden eigentlich? Die Antwort ist ein klares Jein! Billy Sheehan ist unverkennbar, sein pumpender leicht angezerrter Bass mit wahnwitzig tanzenden Melodielinien, versehen im fetten Fundament seines Yamaha-Tieftöners, macht mächtig Spaß und sorgt für freudige musikalische Orgasmen beim Zuhörer. Wenn ein Gitarrist beim Gitarrensolo plötzlich das Interesse an Richie Kotzen verliert, dann kann das nur passieren, weil Billy Sheehan "unter" dem Solo die Show stiehlt. Portnoy hingegen spielt solide und überraschend unprätentiös. Positiver könnte man sagen "songdienlich", doch dafür braucht man den Drumwizard nicht. Über allem schwebt Kotzens wahnsinnige Stimme, seine grandiosen Blueslicks, die mit mächtigen Legato-Speedläufen getränkt sind, und ein Songwriting, welches sich sehr eng an Kotzens Solo-Schaffen orientiert. 

 

Fazit: Zu sterile Live-CD einer tollen Band.

 

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Live-Fotos von der Band gibt es HIER!

Review: Night Ranger - High Road

nightranger-highroadDas letzte Night Ranger Album, das ich kenne heißt „Man In Motion“ und stammt aus dem Jahr 1988. Obwohl ich die Platte wirklich mag, habe ich die Gruppe komplett aus den Augen verloren. Also gut, hören wir mal, was die Band mir ein Vierteljahrhundert später mit „High Road“ anbietet.

Der erste Eindruck sagt mir, dass sich im Prinzip gar nicht viel verändert hat. Night Ranger scheinen immer noch großen Wert auf eine glasklare, aber nicht sterile Produktion und unheimlich melodiöse Hooklines zu legen. Die Stimme von Jack Blades, den einige vielleicht von den Damn Yankees kennen, hat in der Zwischenzeit nicht gelitten und Brad Gillis ist einfach eine Macht an der Gitarre, für mich einer der komplettesten Hardrock-Saitenflitzer überhaupt.

Nach dem ersten Durchgang empfand ich das Album als wirklich gelungen, aber nicht unbedingt packend. Tja, wie falsch man so manchmal liegen kann. Im Laufe des Tages hatte ich nämlich ständig die Refrains und Riffs aller möglichen Songs von „High Road“ im Ohr - und die sind auch nicht mehr aus den Gehörgängen herauszubekommen. Also, noch einmal gehört und noch einmal und noch einmal…

Während der Opener, der auch der Titeltrack ist, zwar schon fast poppig daherkommt, fordert er aber dennoch förmlich dazu auf, sich ins Auto zu setzen und mit heruntergekurbelten Fensterscheiben die Landstrasse entlang zu düsen. Bei „Knock Knock Never Stop“ darf man das Gaspedal sogar noch ein wenig weiter herunterdrücken. Ein Uptempo-Rocker mit einem Mitgröhlchorus, der einen Glauben macht, dass die späten 80er nie vorbeigegangen sind.
Singen muss man auch beim dritten Titel, der sehr lässig groovt und mit seinem „Hey Yeah“-Refrain nahtlos an den Vorgänger anknüpft. Ein schönes Fender Rhodes Intro eröffnet dann die dramatische Ballade „Don`t Live Here Anymore“ – die quillt fast über vor Pathos, wirkt aber trotzdem authentisch und niemals platt und peinlich. Der Song steigert sich permanent und gipfelt nach einem kleinen Hammond-Solo und einer Bridge in einem furiosen Gitarren-Climax. Wow!
Doubleleads und wieder mal einem unglaublich eingängigen Refrain bietet „I`m Coming Home“. Mein persönliches Highlight ist dann der nächste Song. „X Generation“ nimmt unser Auto von der Landstrasse direkt auf die Autobahn ohne Tempolimit. Was habe ich diese Art von Musik doch vermisst, ohne es jemals zu ahnen?
Der wunderbare Lovesong „Only For You Only“ lässt einen einfach dahinschmelzen.
So geht es bis zum Ende des Albums weiter. Kurz erwähnen möchte ich noch das Stück „Brothers“, welches sich von einem recht unscheinbaren, wenn auch etwas beatlesquem Lied, zum Ende hin zu einem grandiosem Boogierock-Finale steigert (Quireboys lassen grüßen). Der Abschluss wird von dem sogenannten Bonustrack „LA No Name“ gebildet, einem Instrumentalstück, auf dem Gillis zeigt, was er auf der Akustikgitarre alles so anstellen kann – schon ziemlich beeindruckend.

Ich habe lange überlegt, ob und wenn ja, wo ich einen Punkt Abzug geben kann. Sorry, da ist nichts – diese Platte ist perfekt! Pflichtkauf für alle, die AOR, 80`s Hard- oder Glamrock mögen. Ohne große Umschweife: Höchstwertung!

 

Fazit: Eine perfekte Scheibe

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Review: Uriah Heep - The Outsider

cover 163271642014 rManche Bands sind einfach nicht kaputtzukriegen. Uriah Heep legen mit „The Outsider“ ihr 24. Studioalbum vor. Auch wenn die ganz großen Klassiker schon einige Zeit zurückliegen, ist die Band immer noch sehr aktiv und eben nicht nur als Revivaltruppe unterwegs. „The Outsider“ ist bereits der vierte Longplayer innerhalb der letzten sechs Jahre und der erste nach dem Tod des langjährigen Bassisten Trevor Bolder. Wohin der Hase läuft ist sofort klar. Ein sägender Hammondakkord leitet „Speed Of Sound“, den Eröffnungssong ein. Dieser gehört für mich zweifelsohne zu den besten Songs, die Heep je aufgenommen haben - eingängig, treibend und voller Spielfreude.

Der zweite Track tarnt sich als Ballade, doch nach dem circa einminütigen Piano/Gesang-Intro, wird aus „One Minute“ ein echter Rockstampfer. Den nehmen sie hoffentlich in ihr Liveprogramm auf. Bernie Shaw ist immer noch eine Bank. Der Mann hat einfache eine unglaubliche Stimme und bei Mick Box, dem einzig verbliebenen Gründungsmitglied scheint das Motto zu lauten: Mit 66 Jahren fängt das Leben an. Sein Spiel ist unheimlich dynamisch und wirkt frisch. Hört man sein Solo bei „The Law“ würde man nicht vermuten, dass der Mann das Rentenalter schon locker erreicht hat. Aprospros „The Law“, hier kommen auch die ganz typischen Heep-Trademarks an das Tageslicht. Schöne und in epischer Breite werden hier die Aaaaaaahhhhsss zelebriert.
Bei „The Outsider“ wird die Geschwindigkeit richtig angezogen und die Doublebass läuft auf Hochtouren. Eine echte Hardrockperle ist auch „Looking At You“, ein Song, der es locker mit allen Hits aus den 70ern aufnehmen kann, Classicrock-Radiostationen aufgemerkt! Überhaupt gibt es bei den 11 Songs und einer Spielzeit von 51 Minuten nicht einen einzigen Ausfall. Das tolle Covermotiv stammt übrigens von dem polnischen Surrealisten Igor Morski, der oft und gerne als der neue Dali gehandelt wird.

Ein durchweg gelungenes und rundes Album, einer der besten Outputs von Uriah Heep überhaupt. Wer zeitlosen harten Rock liebt, darf hier mit gutem Gewissen zugreifen

 

Fazit: Rundum gelungen

 

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Review: Arch Enemy - War Eternal

archenemywareternalcdArch Enemy, die dritte Reinkarnation ist da und selten hat ein Sängerwechsel harmonischer und entspannter stattgefunden als der von Angela Gossow zu Alissa White-Gluz (Ex-The Agonist). Dazu löste bereits 2012 Gitarrist Nick Cordle Leadklampfer Michael Amotts jüngeren Bruder Christopher ab und nun kann auf "War Eternal" also das neue Line-up bestaunt werden. Mit Alissa kommt eine technisch hochbegabte Sängerin zu Arch Enemy, die bei The Agonist bewiesen hat, dass sie neben hasserfüllten Death Metal-Growls auch wunderschöne cleane Melodien trällern kann.

Das sorgte im Vorfeld bei den Die Hard-Arch Enemy-Fans für reichlich Sorgenfalten, doch die kann ich glatt bügeln: Alissa singt nicht ein einziges Mal clean. Alles beim Alten also? Mitnichten, denn "War Eternal" unterscheidet sich schon in einigen Punkten deutlich von den Werken mit der grandiosen Frontsau Angela Gossow. Michael Amotts ist zweifelsohne einer der genialsten modernen Gitarristen, hat zuckersüße Melodien genauso drauf wie kompromisslose Akkordwände und virtuose Soli. Während die CD mit "Never forgive never forget" nach einer Instrumental-Prelude in F-Moll und den Singles "War Eternal" und "As the pages burn" losballert als gäbe es keinen Morgen und sich gar nicht so sehr von den "alten" Arch Enemy unterscheidet, bemerkt man im anschließenden Verlauf der CD eine kleine aber feine Änderung im Grundton. Alissa grunzt technisch auf höchstem Niveau und genau das macht die Vocalpassagen eingängiger und weniger aggressiv als noch bei Angela, die keine große Technikerin ist, durch ihre rauhere Gangart aber echte Hassbrocken verspieh.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Alissa White-Gluz macht es hervorragend und ist eine würdige Nachfolgerin von Angela, der Grundton wird durch sie aber eingängiger. Das kann man mögen oder nicht. Mir gefällt es, macht es Arch Enemy doch leichter zugänglich. Zwischen seinen brillanten Sololäufen verliert sich zudem Mastermind Michael Amott ab und an in etwas sehr cheesige Gefilde und packt zuviel Zucker auf seine Melodien (etwa im Mittelteil des ansonsten hervorragenden "Time is Black)". Mit "No more regrets" ist gar ein echter Ausfall unter den 13 Tracks.

Der Mitgröhlrefrain zerstört hier den guten Aufbau des Songs und ist am Rande der Peinlichkeit. Soviel aber zu den kritischen Tönen von "War Eternal". "You will know my Name" klingt wie eine Art Dream Theater mit Eiern, ein Track wie "On and on" ist schlichtweg fantastisch und wird im späteren Verlauf gar noch von "Avalanche" mit seinem hymnenhaften Charakter und fantastischem Soloteil getoppt. Am Ende steht ein mollschwangeres Instrumentalstück ("Not long for this world") und rundet nicht die beste, aber dennoch eine sehr sehr gute Arch Enemy-Scheibe ab. 

 

Fazit: Arch Enemy 3.0 - ein wenig, aber nicht alles anders und weiter bockstark

 

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21 Octayne: Marco Wriedts Track by Track

21 Octayne haben mit "Into The Open" ein sensationelles Debüt in die Rillen getackert (Review HIER). Für den RocknRoll-Reporter hat sich Gitarrist Marco Wriedt (u.a. Axxis) die Zeit genommen, zu jedem Track der CD seinen "Senf" abzugeben. Let's go, Marco:

 

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She´s Killing Me

 

Das Anfangsriff stammt aus dem Jahr 2008 und war das erste Riff, das ich Alex damals zugeschickt hab als Idee. Das war die Phase als wir über eine mögliche eigene Band sprachen. Umgesetzt wurde “She´s killing me” erst im Jahr 2011. Es war uns direkt klar, dass der Song ein cooler Opener für das Album ist! Es zeigt auch sehr gut den amerikanischen Einfluss, den manche Songs von uns tragen. Ich liebe den Groove, den Alex und Andrew geschaffen haben und im Chorus geht dann die Sonne auf! Der Text von Hagen hat einen sehr coolen Twist! Als wir die Listening Session in Hollywood hatten, haben die Leute sofort gegrinst! Ihr werdet bald wissen, warum."

 

Dear Friend

 

“Dear Friend" zeigt unsere progressive, harte, dunkle/atmosphärische Seite. Ich finde die Dynamik hier sehr stark und auch den Text. Dieser Song brauchte fast ein Jahr bis er richtig fertig war. Ursprünglich waren es zwei Songs. Der ruhige Strophenteil und die beiden Riffs waren mal voneinander getrennt, aber hinterher fiel beim “Sichten” Hagen der Song wieder ein und wir haben dann an einem Tag alles zusammengefügt. Dieser Song wurde letztendlich die zweite Single bzw. das zweite Video von “Into The Open”.

 

Turn The World

 

“Turn The World” hatte ich zu 98 % musikalisch 2008 so gut wie fertig. Es gab damals nur keine Verwendung für den Song. 2010 hab ich den Song dann den anderen quasi bei einer Songwriting-Session vorgespielt und alle mochten ihn sofort. Dieser Song hat ganz klar dieses “US-West Coast”-Feeling. Quasi “AOR 2.0”. Normalerweise hätte jede Band noch ein Keyboard dazu gepackt, aber das habe ich dann mit der Gitarre gemacht. Dadurch klingt der Song etwas erdiger und mehr “In your face”. Von den Arrangements her, den Vocals und Ausdruck einer meiner Lieblingssongs auf dem Album!

 

Don´t Turn Away

 

Auch dieses Hauptriff hatte ich schon vorher. Der Rest wurde allerdings während einer Bandsession zum Leben gebracht. Ein sehr grooviger Song mit genialer Bass- und Schlagzeug-Arbeit von Andrew und Alex! Bei dem Song ging eigentlich alles sehr schnell und es war einer der ersten, den wir Ende 2010 fertiggestellt haben. Knallt live extrem gut!

 

My Teddy Bear

 

Bei “Teddy Bear” haben wir uns einfach mal ausgetobt. Was dabei rausgekommen ist, ist schon etwas unkonventionell! Eine Mischung aus Metal, Funk, Psychodelic und Fusion. Anfangs waren wir uns nicht sicher, ob er auf´s Album sollte. Mittlerweile nicht mehr wegzudenken.

 

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Into The Open

 

Für mich ist der Titeltrack extrem emotional. Der Text ist großartig! Hagen singt unfassbar und auf das Solo bin ich hier sehr stolz. Es zeigt mich so wie ich als Gitarrist bin und wo meine DNA als Musiker ist. Ja, für mich ein besonderer Song. Andrew spielte beim Aufwärmen das Anfangslick und ich habe dann “Stop” gerufen. Wir haben das Lick am Anfang dann etwas umgedreht, um es dem Gesang etwas besser anzupassen und der Rest kam dann sehr schnell! Es zeigt unsere epische Seite, die mit Blues Rock nichts zu tun hat.

 

Me, Myself & I

 

Im Sommer, beim Kaffeetrinken, kam das Hauptriff auf einmal und ich wusste sofort, dass Hagen so etwas gefallen würde. Er war dann auch direkt begeistert. Auch hier ging alles sehr schnell und Ich liebe das Bass Intro von Andrew. Großartig! Der Mittelpart ist bei einem Jam entstanden und hat auch etwas Fusionmäßiges. Toller Refrain auch!

 

The Heart (Save me)

 

Einer der ersten Songs aus dem Jahr 2010! 15 Minuten vor “erjammen” des Songs haben wir noch Käsekuchen gegessen. Als wir danach wieder in dem Raum gegangen sind, kam direkt dieser Song dabei raus. Wir haben ihn als Demo dann “Cheezecake” genannt! Klare Sache! Sehr groovy und melodisch, AOR´ig! Und natürlich die erste Single bzw. das erste Video (produziert von Dominik Louis) unserer Karriere, das letztes Jahr viele Wellen geschlagen hat.

 

Your Life

 

Einer meiner absoluten Lieblingssongs auf dem Album! Diese extreme Mischung von Stilen in nur einem Song halte ich für sehr interessant. Toller Text von Hagen, der mich immer sehr zum Nachdenken anregt! “Your Life” ist einer der wenigen Songs, die komplett beim Jammen entstanden sind. Sehr facettenreiches Drumming von Alex. Wenn ich diesen Song höre, höre ich immer besonders auf die Drums!

 

I will always be right there

 

Den Song haben Hagen und ich innerhalb von ein paar Stunden fertiggestellt. Wir hatten noch kurz überlegt, eine Rockballade mit Band draus zu machen, aber ich denke, so funktioniert er am besten! Diesen Song würde ich bald gerne im Radio hören.

 

Leave My Head

 

Der erste Song, den wir je zusammen geschrieben haben. Sehr grungy und alternative-like mit einer schönen Atmosphäre in der Strophe. Hagen bringt hier ganz große Gefühle rüber! Extrem wütend eingespielt von Allen! Passt sehr gut zum Song!

 

Come Alive

 

Ein fröhlicher Song mit abermals “West Coast”-Touch. Der Song geht gut nach vorne und hat viel Energie! Die Message: “Umarme das Leben und es wird dich umarmen!”

 

Bestellen kann man die CD unter anderem HIER!

 

 

 

 

Review: Pre/Verse - Obstacles

preverse obstacles coverDrei Jahre hat es gedauert bis Pre/Verse ihr Debütalbum "Obstacles" in die Rillen tackern konnten. Die Band besteht aus dem Straftanz-Sänger Kai Schwenkler, Drummer Andreas Schmitz, Gitarrist Hilger Tintel, Keyboarderin Dae Joon und Bassistin Neila Fynn. Das schick durchgestylte Artwork der CD erstrahlt im hübschen Pink - zuckersüß ist die Band aber (zum Glück) nicht. Produziert wurde mit José Alvarez-Brill (u.a. Wolfsheim, Witt, Peter Heppner) sowie Krischan Jan-Eric Wesenberg (u.a. Rotersand) und mit diesen Referenzen wird der musikalische Rahmen schon recht gut abgesteckt.

Pre/Verse bewegen sich charmant im elektronischen Raum zwischen ganz alten Depeche Mode ("Bringing me Home") und der zarten Seite des sonst eher räudigen Gothik-Genre ("Rubbertears" etwa beginnt recht Manson-esk, kulminiert dann aber in einem Pop-Refrain mit Ohrwurmgefahr). Schwenklers variabler Gesang zwischen fast flüsternden Strophen und kraftvollen Refrains tönt genauso gut, wie die elegant gewählten Synthiesounds, die nie billig nach Kirmes klingen. Immer wieder gibt es hübsche Versatzstücke zu entdecken (etwa die orientalischen Skalen, die "No faith in my god" ein ganz besonderes Flair verleihen) und so ist "Obstacles" eine runde Sache geworden.

Was (mir) auffällt: "Truth hurts" ist ein toller Song, der durch den ans Ende der CD gestellten Bonustrack im Rotersand-Remix deutlich an Wirkung verliert als in der unremixten Version im vorderen Bereich der Scheibe. Nicht alle Songs zünden aufs erste Hören ("World of Lemons"), dennoch dürften Pre/Verse sich ihre eigene Nische schaffen können. Die CD ist erschienen bei nyx-records.

 

Fazit: Gelungenes Debüt in Pink

 

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Review: 21 Octayne - Into the Open

21ocMit der Single "The Heart (Save me)" deuteten 21 Octayne bereits an, dass hier etwas ganz Großes auf uns zukommt. Nun liegt dem RocknRoll Reporter die bei AFM erscheinende Debüt-CD "Into the open" vor. Kann die Band, bestehend aus Hagen Grohe (The Joe Perry Project), Marco Wriedt (Axxis), Andrew “The Bullet” Lauer (Paul Gilbert) und Alex Landenburg (Rhapsody), auf 55 Minuten das exzellente Niveau der Single halten?

Mit "She's killing me" geht es perfekt los. Ein Schrei, ein Groove, ein Riff - 21 Octayne packen den Hörer direkt bei den Eiern und überzeugt mit Mr. Big'schen Unisono-Läufen, einer grandiosen Hookline und exzellenter Rhythmusarbeit. Dass Marco Wriedts Soli ohnehin über jeden Zweifel erhaben sind, ist klar wie Kloßbrühe, doch der Flitzefinger ist sich gleich im ersten Track nicht zu schade, einmal alles auszupacken. Der Clou: Musiker werden feuchte Höschen bei "She's killing me" bekommen und im Gleichklang mit ihren Freundinnen den Refrain singen. Überhaupt ist dies das Credo von 21 Octayne: Packende, musikalisch höchst anspruchsvolle Songs zu erschaffen, die dennoch im Radio laufen könnten - ohne im Schmalz zu versinken.

Wenn ein Ohrwurm sich verschleicht, dann nur, weil im nächsten Song ein weiterer wartet. "Dear Friend" hat wieder so einen und dieser Song zeigt im Wechselspiel seiner ruhigen und heftigen Passagen eine andere Facette von 21 Octayne. Alter Bridge könnte hier als Referenz genannt werden, ohne, dass man der Band die absolute Eigenständigkeit absprechen kann.

Bei "Turn the world" wird es poppiger. Die Halbballade kommt im Stil einer Band wie "Bad English" mit John Waite daher und begeistert unter anderem mit einem wunderschönen Twin-Gitarrensolo. "Don't turn away" featured schnell die Bassisten-Skills, danach kommt ein heißer Stilmix aus Led Zeppelin und Modern-Metal. Überhaupt ist die Variabilität eine große Stärke der Band. Der Titeltrack "Into the Open" ist ein episches Stück, während "Me myself and I" schlichtweg den stärksten Refrain hat, den ich bei einer deutschen Band seit Jahrzehnten gehört habe. Die Strophen bauen sich hingegen langsam auf, damit die Band im Refrain explodieren kann. Exzellent. So geht es über fast die gesamte Spielzeit der brillant klingenden CD munter weiter: "Your life", "My Teddy Bear", "Leave my head", "Come Alive" - Ausfälle sucht man vergebens. Wenn es überhaupt etwas zu meckern gibt, dann vielleicht, dass die Ballade "I will always be right there"  zu beliebig rüber kommt und auf 4 Minuten etwas zu sehr plätschert. Ansonsten bieten 21 Octayne perfekte Rockmusik. Wenn die Welt gerecht ist, sehen wir die Band demnächst im Konzert der ganz Großen - auf der Headlinerposition.

 

Fazit: The next big thing? 21 Octayne

 

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Review: Layment - Of Gods & Goats

laymentLayment kommen aus Herne und liefern mit "Of Gods & Goats" einen powermetallischen Stampfer besonderer Klasse ab. Eine Hymne jagt die andere, peinlich oder platt - wie in dem Genre gerne mal (Stichwort Sabaton) - wird es dabei aber nie. Ganz im Gegenteil: Variables Songwriting mit technischer Sonderklasse zu kombinieren, ist immer eine gute Idee. Wenn dazu noch ein facettenreicher Sänger das Ganze veredelt, braucht man einer Band wie Manowar keine Träne hinterher zu weinen. Dabei muss gesagt werden, dass Layment durchaus eigenständig zur Sache gehen und ihre Fanbase auch mit diesem dritten Album komplett zufrieden stellen (und hoffentlich Legionen weiterer Fans hinzugewinnen können). Mit "Another Road" geht es recht bedächtig los, möglicherweise hätte eine andere Songreihenfolge der CD noch besser getan. "The Covenant" etwa wäre mit seinem hymnischen zwei Minuten andauernden Instrumentalbeginn ein klasse Opener gewesen. An der Klasse der meisten Songs ändert die Reihenfolge aber rein gar nichts. Herausstechend sind "The Seafarer" mit seinen packenden Vocals, "To the Ravens" mit einem geilen nicht-kitschigen Ohrwurmrefrain sowie das Titelstück. Die Gitarrenarbeit ist durchweg hochwertig und ebenfalls sehr variantenreich. "Long Lost Forever" verpasst der CD den würdigen Abschluss. Diese Scheibe wird noch lang, wenn nicht für immer in meinem CD-Player rotieren.

 

Bockstarke Scheibe ohne Ausfälle. Lediglich der Drumsound ist etwas dünn, weshalb die Höchstnote knapp verpasst wird. 

 

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Tracklist:

Another Road
To The Ravens
The Seafarer
This Covenant
Beauty Beast
Rejected Son
I Am Kholossos
Of Gods And Goats
Homewards
Long Lost Forever

Review: Crippled Black Phoenix - White light generator

Crippled-Black-Phoenix-White-Light-Generator-200x200Wenn ein Sänger eine Band verlässt, ist das fast immer ein Beinbruch. Bei den Postrock-Göttern Crippled Black Phoenix um Justin Greaves sind hingegen Formationswechsel fast schon Pflicht. Mit Joe Volk ist zwar ein Gründungsmitglied verlustig gegangen, die Krüppel-Vögel hält das nicht auf. Im Gegenteil: Sie werden von Album zu Album größer.

"White light generator" ist in zwei Teile eingeteilt, einer weißen, hellen und einer schwarzen, düstereren Seite. Das Opus beginnt dabei ungewöhnlich mit "Sweater than you". Sehr ungewöhnlich, denn der Track, auf dem der neue Sänger Daniel Änghede zum ersten Mal seine Stimme erhebt, könnte glatt einem Tarantino-Roadmovie entsprungen sein. Danach schwimmen die Phönixe in bekanntere Gefilde und entfachen auf dem Rest der CD ein wahres Soundtrack-Feuerwerk, das seinesgleichen sucht.

Die metallischen Einflüsse sind zurückgeschraubt worden, lediglich bei  "Let's Have An Apocalypse Now!" wird es deutlich härter, aber nicht weniger hypnotisch. Apropos traumhaft: Daisy Chapman an Piano und Gesang ist zurück in der Band und verfeinert wieder einmal deren Sound. Erneut ziehen Crippled Black Phoenix alle, aber auch alle Register und ziehen den Hörer nach wenigen Minuten in ihren Bann. Ob Folkanleihen wie bei "A brighter tomorrow", Bläsersätze ("We Remember You") oder Rock-Riffs in "No!" - jede der über 70 Minuten dieser CD macht Sinn, ist ätherisch, wunderschön und macht süchtig. Kurzum: Bei Crippled Black Phoenix scheinen bis auf Greaves die Personen egal. Die Band ist divergent wie ein elfenhafter Koloss - unbezwingbar und wunderschön.

 

    Fazit: 70 Minuten pure Hypnose - alles andere als die Höchstnote wäre eine Frechheit!

 

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Crippled Black Phoenix Live:

 

06.05 GER, Hannover - Musikzentrum
07.05 GER, Essen - Turock
08.05 GER, Hamburg - Fabrik
09.05 GER, Berlin - Kesselhaus
14.05 GER, München - Backstage Werk
15.05 GER, Frankfurt - Batschkapp
16.05 GER, Köln - Kantine

 

 

Review: Broken Crown Halo / Lacuna Coil

lacunaLacuna Coil sind wieder da und präsentieren uns mit „Broken Crown Halo“ ihr mittlerweile siebtes Studioalbum.

Produziert wurde dieses von Jay Baumgardner, der bereits mit Bands wie P.O.D., Papa Roach und Helmet zusammengearbeitet hat. In Puncto Sound gibt es auf diesem Album wirklich nichts zu meckern, es klingt alles sehr ausgewogen und druckvoll. Musikalisch spielt sich das alles im melodiösen Gothic-Metal-Bereich ab. Weitere Zutaten im Lacuna Coil Gebräu sind definitiv die NU Metal- und die poppigen Anteile.

Die Songs stehen alle im Spannungsfeld zwischen großer Eingängigkeit und Langeweile.Obwohl die Titel schön und stimmig arrangiert sind, hat man immer das Gefühl genau zu wissen, welcher Part auf den nächsten folgt.

Nicht falsch verstehen, Lacuna Coil spielen die Musik, die sie machen, auf einem hohen Level und man merkt ihnen die nun mittlerweile 20 Jahre Banderfahrung im routinierten Songwriting absolut an.Aber genau hier steckt vielleicht auch das Problem. Es wird zwischen einprägsamen, schönen melodischen und harten Passagen hin- und hergewechselt und alles passt perfekt, aber es fehlen einfach die Überraschungen, Highlights und Aha-momente.

Die Songs einzeln für sich genommen können aber durchaus gefallen. Der Opener „Nothing Stands In Our Way“ hat großen Wiedererkennungswert und ist für mich auch schon, ob seiner Dynamik und des Refrains auch der Hit des Albums. Auf „Die And Rise“ kann man hören wie gut die Stimmen und die Art des Gesangs von Christina Scabbia und Andrea Ferro harmonieren. Das passt schon alles richtig gut zusammen. Langatmig wird es aber immer, wenn das Tempo herausgenommen wird, wie z.B. bei „One Cold Day“, da können sich 6 Minuten anfühlen, wie eine halbe Ewigkeit.

 

Wer Within Temptation und Evanescence mag, der wird Lacuna Coil sicherlich auch kennen und gut finden. „Broken Crown Halo“ ist ein sehr solides Album, ohne wirklich herausragende Glanzlichter und Höhepunkte.

4von6

Classics: New York / Lou Reed

PictureLou Reed war ein schwieriger Künstler, der es Mitmusikern, Fans und Kritikern nie leicht gemacht hat. Manche mögen ihn sogar für ein ziemliches Arschloch gehalten haben. Zur Rock'n'Roll-Ikone hat es der grantige Anti-Sänger, geniale Minimal-Gitarrist und bisexuelle Ex-Junkie aus New York in seiner mehr als fünf Jahrzehnte umspannenden, höchst wechselhaften Karriere dennoch gebracht. Sei es als Kopf der legendären Avantgarde-Band Velvet Underground oder seit den 1970ern als, nun ja, oft recht eigenwilliger Solokünstler. Ein Phänomen war er allemal. Denn kaum ein anderer Musiker hat dermaßen viele kommerzielle Flops und künstlerische Irrwege so unbeschadet und würdevoll überstanden wie er. Dafür war (und ist) sein Einfluss auf die gesamte alternative Rockmusik einfach zu groß.

Dabei stammt Lou Reeds einziger Welthit, der ultracoole Transen-Shuffle "A Walk On The Wild Side" vom Erfolgsalbum Transformer, aus dem Jahr 1972. Danach veröffentlichte der Journalisten- und Plattenfirmenschreck zunächst einmal ein paar schlechte Alben (z. B. Rock'n'Roll Heart) sowie zwei unverstandene Alben (Berlin und Metal Machine Music) – und in den musikalisch ohnehin ziemlich indifferenten 1980ern bis auf Blue Mask (1984) und New York (1989) sogar einige richtig beschissene. Letzteres kam förmlich aus heiterem Himmel und zählt ohne jeden Zweifel zu Lou Reeds (drei bis fünf) Meisterwerken.

vinyl-record-iconDie Liner Notes gaben das Motto des Millionensellers vor: „You can't beat two guitars, bass, drums" – und eben dies lieferten Lou Reed und seine Mitstreiter Mike Rathke (Gitarre), Rob Wasserman (Bass) und Fred Maher (Drums) auf diesem musikalisch völlig aus der Zeit gefallenen Konzeptalbum perfekt ab. Eher unprätentiös zwischen straightem Rock, schrägem Blues und simplem Folk angesiedelt, inhaltlich aber jenseits jeglicher Political Correctness, strotzte New York nur so vor lakonischen Lyrics über den Status quo der amerikanischen Gesellschaft der späten Reagan-Ära. Drogen, Aids, Korruption, Rassismus, familiäre Gewalt – fast schon genüsslich sezierte der konsequente Mainstream-Verweigerer den Mikrokosmos seiner Heimatstadt, um mit Songs wie "Dirty Blvd", "Last Great American Whale", "Busload Of Faith" und "Strawman" ein Panorama der moralisch komplett aus den Fugen geratenen USA zu induzieren. Mit seinem schnörkellosen „Urban Songwriting" traf er auch in Deutschland den Nerv der Zeit – zumal uns die Amis schon damals gehörig auf den Zeiger gingen. Jedenfalls hat New York bis heute nichts von seiner unverhohlenen Wut und Aktualität verloren. Auch deswegen ist das Album ein Klassiker.

Lou Reed verstarb Ende 2013 im Alter von 71 Jahren an den Folgen einer Lebertransplantation. Beziehungsweise an den Folgen seines über viele Jahre ungezügelten Lebensstils. Musiker wie ihn wird es Zukunft nur noch selten geben.

 

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Review: This is your Life - Tribute to Dio

ronnie-james-dio-this-is-your-life-promo-cover-pic-2014Es war einer der genialsten Metalsänger des Planeten, dazu ein ausgesprochen netter Mensch: Ronnie James Dio hat mit seinem Tod eine echte Lücke hinterlassen. Auf dem Tribute-Album "This is your life" (benannt nach einem ebenfalls auf dem Album vertretenen Dio-Song) geben sich nun die Top-Stars der Branche die Klinke in die Hand, um den kleinen großen Mann des Metal zu ehren. Das klappt mal mehr, mal weniger gut. Anthrax machen den Anfang und eine prima Figur mit dem Black Sabbath-Heuler "Neon Knights". Gefolgt werden die Thrasher von Kyle Gas und Jack Black alias Tenacious D, die mit "The Last in Line" (inklusive Flötensolo !) einen der coolsten Tracks des Albums beisteuern. Dann kacken Adrenaline Mob bei "The Mob Rules" ab. Der überfette Sound tut dem Klassiker nicht gut, der Gesang ist überambitioniert und lässt den Hörer kalt.

"Rainbow in the Dark" von einer All-Star-Band rund um Stone Sour-Sänger Corey Taylor macht es da besser. Allein das cheesige Keyboard-Lick gitarristisch umzusetzen ist eine gute Idee und Corey singt ebenfalls sehr ordentlich. Ebenfalls überzeugend: "Straight through the heart" von Halestorm und "Starstruck" von Motorhead mit Biff Byford, der einige hervorragende Gesangslinien in die Rillen presst. Überflüssig: "Temple of the King" von den Scorpions und das schon allseits bekannte "Egypt" von Doro. "Holy Diver" von Killswitch Engage ist zwar geil, eine andere, vorher noch nicht bekannt Version DES Dio-Klassikers wäre aber eine clevere Idee für den Sampler gewesen. Da ist das Metallica-Medley schon eine andere Hausnummer und auch "I" mit Oni Logan überzeugt als schöne Überraschung. Keine Überraschung ist, dass Glenn Hughes auf "Catch the Rainbow" mit Simon Wright, Craig Goldy, Rudy Sarzo und Scott Warren an seiner Seite einen echten Album-Höhepunkt setzen kann. Ebenfalls ordentlich: "Man On The Silver Mountain" mit Rob Halford, Vinny Appice, Doug Aldrich, Jeff Pilson und Scott Warren. Unterm Strich bleibt ein exzellentes Album, das an manchen Stellen überraschender hätte sein dürfen. Da der Erlös an die Krebs-Stiftung "Ronnie James Dio Stand Up And Shout Cancer Fund" geht, sollte man nicht allzu kritisch sein.

 

Fazit: Dio-Tribut mit einigen echten Höhepunkten

 

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Review: Aria / VIZA

VIZA-AriaLiebe Leser,

bei den nun folgenden Zeilen handelt es sich nicht um einen Werbe- oder Pressetext der Plattenfirma, sondern spiegelt ausschließlich die Begeisterung des Rezensenten wider.

 

Wenn diese Welt perfekt wäre, dann würde „Aria“, VIZAs neues Studioalbum, rund um den Globus eine Spitzenposition in den Charts innehaben. Die 12 Songs sind überaus abwechslungsreich, perfekt durchkomponiert und bleiben allesamt im Kopf kleben. Dabei schaffen VIZA immer wieder den Spagat zwischen musikalischem Anspruch und melodiöser Eingängigkeit. Das alles wirkt nie aufgesetzt oder konstruiert, sondern wirkt natürlich und stringent. Die erste Assoziation beim Hören des Openers „Never Feel“ ist, alleine schon wegen der Gitarrenläufe, System Of A Down. Vielleicht nicht wirklich verwunderlich, hat doch ein großer Teil der Band ebenfalls armenische Wurzeln und hat bereits mit Serj Tankian zusammengearbeitet. Dennoch greift der Vergleich nicht ganz. VIZA haben ein noch größeres Gespür für Hooklines und wirken auch nicht so gehetzt, wie die möglichen Vorbilder.

Die Stimme des Sängers K'noup Tomopoulos ist sehr variabel. In den Strophen des Openers, aber auch bei “Quicksand” erinnert sein Timbre dem eines Morten Harket von a-ha, im nächsten Moment verwandelt sie sich aber in ein reissendes Biest und schreit und kreischt oder grummelt. Mit „Midnight Hour (Dingle Rock)“ haben VIZA eine Single im Gepäck, die den großen Hits von Billy Talent in nichts nachsteht, da kann man nur hoffen, dass hier etwas Airplay generiert werden kann.

Ganz deutlich werden im Song „Vanished“ auch endlich die mittelöstlichen Melodien und Rhythmen, die sich auf die Wurzeln der Band beziehen. Zu den eingesetzten Instrumenten zählen neben der typischen Rockbandausstattung auch orientalische Saitenintrumente wie die Oud, Tar und Saz. Diese werden durch den Einsatz von Effektgeräten so eingesetzt, dass sie nie wie ein Fremdkörper wirken.

Mit „Viktor`s Vanguard“ gibt es eine Nummer, die live wahrscheinlich jede Halle zum Kochen bringt. Aber Vorsicht: hier besteht die Gefahr, dass man auch im Bus oder in der Bahn anfangen muss zu springen, wenn man dieses Lied auf den Kopfhörern hat.

Um nur kurz darzustellen, was die Platte noch alles kann: „The Girl That Dosn`t Exist“ ist eine wunderschöne, bittersüsse Ballade, „Forward March“ klingt wie ein Kampflied einer keltischen Punkband, „C´est La Vie“ hat trotz sperrigen Strophen einen dermaßen eingängigen Hitchorus und „Alley In Tijuana“  bietet einen Nackenbrecher-Refrain, der mit Swingjazz Mittelteil überrascht. „Brunette“ verabschiedet das Album als großartige Singalong-Nummer.

 

Fazit: Viel mehr und schönere und buntere Musik kann man nicht auf eine CD pressen. Unbedingt und ohne Abstriche zu empfehlen. „Aria“ gehört schon jetzt zu den Top-Alben des Jahres 2014.

 

6von6

Review: Bigelf - Into the Maelstrom

bigelfCvrWir leben in einem Paralleluniversum: es ist 1970, die Beatles haben nach "Let it be" beschlossen, sich nicht aufzulösen, sondern lediglich zwei bis drei Jahre Pause zu machen. In der Zeit hören sie verstärkt das Schaffen ihrer härterrockenden Kollegen von Led Zeppelin, Queen oder gar Black Sabbath. Irgendwer findet den verrückten Frank Zappa auch richtig knorke. 1974 kommt darauf der ultimative Sgt. Peppers Nachfolger heraus. Und der liegt mir hier gerade vor.
Komisch, dass die Fab Four sich in Bigelf umbenannt haben, der silberne Rundling das Jahr 2014 als Erscheinungsdatum ausgibt und "Into the Maelstrom" heißt.
Werden wir ernsthaft: Was Bigelf hier abliefern, ist absolute Sahne. Die Paten aus der Vergangenheit habe ich bereits genannt, in der Jetztzeit gibt es noch Transatlantic und diverse Jazzrock-Anleihen, dazu eine einzige winzige Prise Monster Magnet. Der Sound ist so Old School, wie Old School man heutzutage sein kann, ohne dabei aber altbacken zu wirken.

Los geht es mit dem übergroßen Beatles-getränkten "Incredible Time Machine", einer Nummer, die wirklich gut und gerne auf einem der psychodelischeren Fab Four-Alben hätte stehen können. Tolle Harmonien, ein catchy Refrain, der perfekte Einstieg. Dann geraten Bigelf in den "Hypersleep" und verwischen die allzu deutlichen Pilzkopfsporen wieder. Der schnelle Rocker ist ein Beweis für die enorme stilistische Vielseitigkeit der Band um Damon Fox, Duffy Snowhill und Neu-Drummer Mike Portnoy. Das geht munter so weiter "Already gone" begeistert mit grandiosem mehrstimmigen Gesang und großer Hookline, das tolle "Alien Frequency" hat sogar ein zu stampfendem Doom verarbeitetes Nirvana-Gitarrenlick an Bord. Später wird es fulminant, wenn Bigelf etwa in "Mr. Harry McQuhae" beste Beatles-Traditionen mit Queen-Harmonien und -Gitarren kreuzt. Ein feuchter Traum eines jeden Classic Rock-Fans. "Controlfreak" haut ein veritables Jimmy Page-Riffing in die Rillen, bevor Gitarrist Damon Fox zum Ende hin den Zappa macht.

Insgesamt ist nicht ein einziger Ausfall auf "Into the Maelstrom" und das Beste halten sich Bigelf dann auch bis zum Schluss auf: "ITM", der Titeltrack powert in acht spannenden Minuten noch einmal alles aus dem Trio, was es ausmacht: mitreißende Melodien, brillanter mehrstimmiger Gesang, aufreibende Gitarren und den vielleicht besten Queen/The-Who-Bastard-Mittelteil (ab Minute 6) der Musikgeschichte.

Was nervt? Ein wenig das seelenlose Geklumpe von Ex-Dream Theater-Drummer Mike Portnoy an der ein oder anderen Stelle. Ein weniger aufdringlicher Trommler hätte mancherorten gut getan. Doch dies fällt nicht so sehr ins Gewicht, als dass es einen Punktabzug rechtfertigen würde. Man könnte der Band zwar vorwerfen, dass sie in fremden Wäldern wildert, doch Bigelf erschaffen durchaus eigene Gewänder aus alten Fetzen. Schöne obendrein.

 

Fazit: Eine, wenn nicht jetzt schon DIE Scheibe des Jahres

 

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Hochkarätiger Dio-Tribut im Anmarsch

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Noch immer gehört RONNIE JAMES DIO (Foto: Thorsten Seiffert) zu den meistgeliebten und höchstgeachteten Figuren der Rockgeschichte. In jedem seiner Songs ist seine Gabe als Sänger und als Songwriter sofort wieder zu erkennen - sei es bei Rainbow, Black Sabbath, Heaven & Hell oder als Solokünstler. Zwar verlor er im Jahre 2010 tragischerweise den Kampf gegen den Magenkrebs, aber seine überragende Stimme und sein Vermächtnis sind unvergessen!

Um eine der stärksten Stimmen im Rock gebührend zu würdigen, haben sich Freunde, Fans, Wegbegleiter und Musikerkollegen zusammen getan, um 13 ihrer jeweiligen Lieblingstracks einzuspielen. Die Erlöse des Albums This Is Your Lifegehenan den Ronnie James Dio Stand Up And Shout-Krebsfond (diocancerfund.org). Das Album wurde von seiner lebenslangen Managerin und Gattin Wendy Dio zusammengestellt und enthält Beiträge von Metal-Schwergewichten wie Metallica, Motörhead, Scorpions, Anthrax und Rob Halfordsowie Aufnahmen von Musikern, die im Laufe der Jahre ,mit DIO zusammen gespielt haben.

Obwohl die Songs auf dem Tribut aus allen unterschiedlichen Zeiten inDIOs Karriere stammen, genießt seine Zeit bei Rainbow besondere Aufmerksamkeit. So sind Metallica mit einem Opus dabei, das die Rainbow-Songs A Light In Black, Tarot Woman, Stargazer und Kill The King zu einem 9-minütigen Monument verschmilzt. Die Scorpions präsentieren eine brennende Version von Temple Of The King, während Motörheadauf Starstruck durch Biffvon Saxon verstärkt werden. Rob Halford tat sich für The Man On The Silver Mountain mit den langjährigen DIO-Wegbegleitern VinnieAppice, Doug Aldrich, Jeff Pilson und Scott Warren zusammen, und die Crew vom letzten Line-Up von DIOs Solo-Projekts - bestehend aus Simon Wright, Craig Goldy, Rudy Sarzo und Scott Warren - zelebriertCatch The Rainbow aus dem 1975er Rainbow-Debützusammen mit Glenn Hughes (DeepPurple, Black Sabbath). Anthrax und Adrenaline Mob ehren DIOs denkwürdigen Abstecher beiBlack Sabbath mit ihren Versionen von Neon Knights beziehungsweise The Mob Rules.I, vom Sabbath-Album Dehumanizer, wurde von einer eigens zusammengestellten Band aufgenommen, die aus Sänger Oni Logan, Jimmy Bain, Rowan Robertsonund Brian Tichybestand.

AußerdemfindensichweiterekultigeDIO-Cover auf This Is Your Life, etwaDoros Version von Egypt (The Chains Are On), Straight Through The Heart in der Version von Halestorm und Rainbow In the Dark von Corey Taylor (Stone Sour, Slipknot). Das Chaos-Duo Tenacious D(Jack Black und Kyle Glass) drückte The Last In Line ihren Stempel auf. Die KillswitchEngage-Version von Holy Driver wurde 2006 sogar zu einem eigenen Hit der Band aus Massachusetts.

Das Finale (und der Titeltrack des Albums) kommt von RONNIE DIO selbst mit der bewegenden Performance von This IsYour Life. Ursprünglich auf dem Album Angry Machines (1996) erschienen, befasst sich der Song mit der Sterblichkeit und brilliert mit einem wunderschönen kleinen Arrangement, das DIO als Sänger und seinen langjährigen Keyboarder Scott Warrenam Piano hören lässt.Der Song erinnert eindringlich daran, dass man nie wieder eine Stimme wie die von DIO hören wird.

Der Ronnie James Dio Stand UpAndShout-Krebsfond, der von Wendy Dio mitgegründet wurde, ist eine Non-Profit-Organisation, die sich der Krebsvorsorge widmet, indem sie das Bewusstsein in der Öffentlichkeit für die Forschung, Früherkennung und die Vorsorge schärft.

Review: Fanatic Live from Caesars Colosseum / Heart

Ende 2012 erschien das Studioalbum Fanatic der US-Band Heart. Nun werfen sie den Konzertmitschnitt „Fanatic Live From Ceasars Colosseum“ hinterher. Heart - Fanatic Live

 

Livealben sind ja immer so eine Sache, es gelingt nicht immer, die Stimmung eines Konzertabends einzufangen.

 

Fanatic Live ...“ ist mittlerweile der sechste offiziell veröffentlichte Konzertmitschnitt von Heart. Gut, die Band gibt es seit mittlerweile 40 Jahren, sie hat 15 Studioalben herausgebracht und gehört zu den erfolgreichsten Rockgruppen der USA, da ist das wohl ein noch vertretbarer Weg.

Die Songauswahl macht dem Titel zumindest einigermaßen Ehre. Immerhin haben es fünf Songs von „Fanatic“ auf diese CD gebracht. So viele aktuelle Songs spielen die wenigsten Rock-Urgesteine auf ihren Konzerten.

 

Der Sound ist perfekt, die Band spielt bei den härteren Nummern durchaus rauher als erwartet und Nancy Wilson beweist, dass sie noch immer eine der absolut großartigsten Stimmen der Rockwelt besitzt.

Aber irgendwie ist es trotzdem langweilig anzuhören. Der Eindruck mag ein anderer werden, wenn man das Konzert auf Blu-Ray oder DVD geniesst (erscheint mit gleicher Tracklist). Ein Streicherensemble unterstützt die Band und auch das klingt toll, aber es wird einfach nicht spannender. Es nervt auch nicht, es plätschert alles so vor sich hin - bis auf einmal doch dieser magische Moment kommt. „Alone“, die Überballade vom „Bad Animals“-Album, bei der Nancy Wilsons Stimme plötzlich etwas kratzig wird und sich leicht angeschlagen durch dieses Meisterwerk singt. Wow, da ist sie, die Gänsehaut, die man bei einem Konzert erleben will. Wahnsinn!

Danach geht es leider wieder viel zu routiniert weiter. Mit „Dear Old America“ folgt noch ein aktueller Song, bevor das Konzert mit den Hits „Crazy On You“ und natürlich „Barracuda“ endet, die man beide aber schon in aufregenderen Versionen gehört hat.

 

Für Komplettierer sicherlich ein Muss. Aber wer Heart noch nicht so kennt, wird mit jedem Greatest Hits Album besser bedient sein.

 

 

2von6

Review: Precious Metal / House Of Lords

house of lords - precious metalThe House of Lords melden sich mit „Precious Metal“ zurück – und es geht gleich ordentlich los. Der Opener „Battle“ klingt modern und kraftvoll, vermutlich der beste Song, den ich je von der Band gehört habe. Das macht Appetit und so dürfte es auch gerne weitergehen.

 

Doch schon beim zweiten Titel erschleicht mich das Gefühl, dass die letzten 20 Jahre musikalisch für die Mitglieder der Gruppe nie stattgefunden haben. Stilistisch bewegen sie sich im melodischen Hardrockgewand der späten 80er und frühen 90er.

Grundsätzlich nichts Verwerfliches, denn das, was Sänger James Christian mit seiner Truppe anbietet, tönt mehr als ordentlich.

Die Platte besticht durch eine transparente, druckvolle und ausgewogene Produktion, in dem jedes einzelne Instrument sehr präsent ist. Insgesamt höre ich doch ein paar mehr Ecken und Kanten als auf den früheren Alben, der Fokus liegt aber dennoch auf den eingängigen Melodien. Ein ganz besonderes Beispiel ist der Titeltrack, eine Ballade am Rande des Kitschs, die aber durch die glasklar gesungene Hookline total im Ohr bleibt und fast schon verbietet, weiterzuskippen. Würden wir das Jahr 1988 schreiben, hätten House Of Lords wohl einen Mega-Singlehit gelandet, 2014 wird es damit wohl nichts.

"Enemy Mine" ist hingegen für den geneigten Rockfan vielleicht eine kleine Herausforderung, eine weitere Ballade, bei der auch Robin Beck (Christians Ehefrau) mitsingen darf. Robin Beck? Ja, genau die, die in den 80ern mit "First Time" einen Coca Cola-Werbehit hatte. Der Song ist recht keyboardlastig, was dem Arrangement eine ziemlich poppige Note verleiht. Trotz des einprägsamen Refrains für mich der schwächste Song des Albums.

Die Texte scheinen durch Christians überstandene Krebserkrankung inspiriert zu sein. Das legen Titel wie „Permission To Die“ oder „Live Every Day (Like it`s The Last)“ zumindest nahe. Überhaupt wirken die rockigen Songs alle ziemlich kämpferisch und positiv.

 

Precious Metal ist ein sehr solides Album mit der Perspektive, nicht im Schrank zu verstauben. Eine CD, die man immer wieder hören kann. Nicht nur, aber vor allem auch für Nostalgiker geeignet, die den Zeiten des melodiösen Hardrocks und den wallenden Männermähnen nachtrauern. Laut Aufdrehen und auf Zeitreise gehen.

 

 

4von6

 

Classics: At Budokan / Cheap Trick

AtBudokanCheapTrickEnde der 1970er bis Anfang der 1980er waren Cheap Trick für viele Musikfans die beste Rockband aller Zeiten. Trotz Kiss. Schließlich hatte der Powerpop-Vierer um Frontmann und Mädchenschwarm Robin Zander und Gitarren-Nerd Rick Nielsen 1978 mit At Budokan einen wahren Livealbum-Geniestreich hingelegt. Zehntausend kreischende japanische Girls (wie zuvor wohl nur bei den Beatles) sowie das clevere und selbst heute noch höchst ansteckende Drum-Intro zum transkontinentalen Hit "I Want You To Want Me" waren dabei die Wegbereiter für den beträchtlichen Erfolg des Albums. Denn die reichlich rockende Live-Überversion des bereits im Vorjahr auf In Color erschienenen (dort aber nur mittelprächtig rockenden) Songs katapultierte die Paradiesvögel aus Rockford im US-Bundesstaat Illinois mit Lichtgeschwindigkeit in die Charts. Außerdem war die Scheibe in puncto Atmosphäre und Soundqualität ein echter Meilenstein.

Dabei hatte Nielsen das Liedchen nach dem kommerziellen Misserfolg des noch etwas sperrigen, aber von der Fachpresse gelobten Debüts Cheap Trick (1977) eigentlich als augenzwinkernde Antwort auf den eher simplen Pop-Sound von Abba geschrieben – damit jedoch ganz offensichtlich den Nerv der Zeit getroffen. Einer Zeit, in der Bands wie Blondie, Buzzcoks und Undertones gerade eine neue Nische besetzten, die sich infolge der musikalischen Kataklysmen der 1970er aufgetan hatte und in der Rock, Pop und Punk gerade zum Powerpop verschmolzen. Nicht alle hatten damals Lust auf die verkopfte Musik von Bowie, Pink Floyd oder Kraftwerk, sondern der Moment war gekommen für einen modernen und vom Punk beschleunigten Rocksound mit Pop-Appeal. Das war neu und aufregend, und Cheap Trick konnten sofort liefern.

vinyl-record-iconDieser frische Wind ist bis heute auf At Budokan zu spüren: Vom energischen Opener "Hello There" über den All-Time-Favourite "Surrender" (mit Kiss-Referenz) bis hin zum markanten Schlusspunkt "Clock Strikes Ten" wird munter und in absoluter Ohrwurmtauglichkeit drauflos gerockt. Überwiegend im Mid- und Up-Tempo und selbstverständlich immer wieder mit mitreißenden Hooklines und teils sehr schrägen Gitarrensoli. Zehn clevere (und nicht selten selbstironische) "Poprocksongs" für die Ewigkeit – und mittendrin mit "I Want You To Want Me" der Signature Tune des Quartetts.

Im Jahr darauf veröffentlichten Cheap Trick dann ihr bis heute bestverkauftes Studioalbum Dream Police. Dieses fiel deutlich experimenteller aus und läutete den langsamen Abstieg der Band ein. Denn Ambition verkauft sich nun einmal weitaus schlechter als Kommerz. So ist das nun mal. Aber im Pantheon der Rockmusik haben Cheap Trick dennoch ihren Platz. Seit 1978.

 

 

Review: Rise of the Hero / Iron Savior

Iron Savior Rise Of The Hero 8a00acfa90Erwartet man von einer Band, die sich Iron Savior nennt, ein innovatives Album? Nein – und das ist auch gut so! Zugegeben, es gibt kaum etwas auf „Rise Of The Hero“, was man so vorher noch nie gehört hätte. Aber auch das macht nichts, denn man bekommt genau das, was man erwartet: ein Power Metal Glanzstück allererster Güte! Nach einem kurzen stimmungsvollen Intro wird sofort losgeballert.

Schnell, präzise, melodiös und mit förmlich spürbarer Lust und Spielfreude werden die Songs losgefeuert. Hart, melodiös und unheimlich eingängig sind die Tracks oder eigentlich eher die Hymnen auf dem mittlerweile achten Longplayer der Band. Anspieltipps brauchen gar nicht genannt zu werden, denn alle Songs stehen qualitativ auf einer Höhe. Der einzige Titel, der aus der Reihe fällt ist die Coverversion von Mando Diaos Hit „Dance With Somebody“ - der will irgendwie nicht so hundertprozentig zu den anderen Songs passen, ist aber letzten Endes eine tolle Partyrocknummer. Mastermind Piet Sielck versteht sein Handwerk, er und seine Band haben sich seit dem letzten Album ordentlich Zeit gelassen (immerhin stammt „The Landing“ aus dem Jahr 2011) und das merkt man. Das ganze Werk wirkt sehr stimmig und ausgefeilt.

FAZIT: „Rise Of The Hero“ ist ein exzellentes Power Metal Album, welches Lust macht, immer und immer wieder gehört zu werden.

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Classics: Zen Arcade / Hüsker Dü

husker du - 1984 zen arcadeHardcore-Puristen der ersten Stunde werden es nicht gerne hören, aber Zen Arcade (1984) von Hüsker Dü ist wegen seiner eher bescheidenen Soundqualität möglicherweise einer der am seltensten aufgelegten Albumklassiker aller Zeiten. Allerdings wurde das 70-minütige Konzeptalbum der längst schon legendären Wegbereiter des Alternative-Rocks - Bob Mould, Grant Hart und Greg Norton - auch binnen dreieinhalb Tagen fast komplett live eingespielt und final abgemischt. Für rund 3.000 Dollar. Und das hört man leider am viel zu dumpfen Sound. Dies ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass die vierte Scheibe des 1988 im Streit aufgelösten US-Trios aus Minnesota bis heute sowohl durch das Songmaterial und die musikalische Virtuosität als auch durch den konzeptionellen Ansatz besticht. Nicht selten wurde Zen Arcade deswegen von Kritikern als das Tommy des US-Hardcore bezeichnet. 

Erzählt wird die Geschichte eines jungen Mannes, der völlig frustriert aus der Bigotterie seines Elternhauses ausbricht, in der Welt da draußen aber die Erfahrung machen muss, dass es eigentlich überall die gleiche Scheiße ist. Entsprechend handelt das über die gesamte Distanz grimmige und düstere Album von Entfremdung, Eskapismus, Hoffnung, Liebe und Verlust. Damit bohrten Hüsker Dü den frühen US-Hardcore (ebenso wie die Minutemen im selben Jahr mit Double Nickels On The Dime) nicht nur thematisch auf, sondern die Haupt-Songwriter Hart und Mould nutzten die vielen Handlungswindungen der Story auch dazu, dem Genre neue musikalische Nuancen hinzuzufügen. Damit ebneten sie zunächst einmal dem Post-Hardcore den PictureWeg. 

So findet sich neben genretypischen Lärmern wie "Broken Home, Broken Heart", "Indecision Time" oder "Pride" mit "Never Talking To You Again" sogar ein folkiges Stück auf dem atmosphärisch dichten Doppelalbum - und mit "Turn On The News" ein kleiner Underground-Hit. Hinzu kommen diverse Ausflüge in psychedelische und jazzige Gefilde sowie zwei kurze Piano-Zwischenspiele. Ziemlich mutig aus damaliger Sicht. Vor allem die vergleichsweise melodiösen und von Moulds stilprägendem Gitarrenspiel dominierten Songs "Chartered Trips", "Somewhere", "Pink Turns To Blue" und "Whatever" sind es aber, die die Zeit überdauert haben - und wegen ihres bisweilen fast schon "poppigen" Untertons erahnen lassen, wohin die Reise auf den folgenden vier Alben gehen wird. Und das ist angesichts solcher Evergreens wie "Celebrated Summer" (New Day Rising, 1985), "Makes No Sense At All" (Flip Your Wig,1985), "Hardly Getting Over It" und "Don't Wanna Know If You Are Lonley" (Candy Apple Grey, 1986) oder "Could You Be The One?" (Warehouse - Songs & Stories,1987) beileibe nicht despektierlich gemeint. Nun, jedenfalls haben Bands wie Throwing Muses, Lemonheads, Pixies und allen voran natürlich Nirvana dann später aus diesen musikalischen Blaupausen den klassischen Alternative-Rock der 1990er entwickelt. Vom Pop-Punk á la Green Day oder Blink-182 ganz zu schweigen. 

Übrigens gibt es auf YouTube seit geraumer Zeit eine "Private Remaster"-Version des Mittachtziger-Meilensteins - auch wenn die eingangs erwähnten Puristen jetzt wieder die Nase rümpfen werden.