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Samstag April 21, 2018
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81 items tagged "CD"

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Review: Jen Majura

0889211583782Jen Majura ist so etwas wie die eierlegende Wollmilchsau unter den Musiker: Die Dame sieht scharf aus (Fotos), singt überragend (u.a. Backings bei Rage), spielt virtuos Gitarre (z.B. bei Knorkator) und zupft nen flotten Bass (bei Equilibrium). Mit ihrer einfach "Jen Majura" betitelten Solo-CD beweist sie darüber hinaus, dass auch in Sachen Songwriting alles im grünen Bereich ist. Zwischen funkigen Rhythmusparts ("And then you call", "You kill my appetite"), die oft irgendwo zwischen T.M. Stevens und Stevie Salas anzusiedeln sind, und auf die Zwölf-Licks ("Live in Hell") hat Jen das Gespür für Hooklines und schöne Refrains ("Expect the unexpected") und außerordentlich geschmackvolle Solo-Arbeit an der Sechssaitigen. Gerade die Soli schaffen den Spagat zwischen Technikfrickelei und singenden Melodien immer wieder, eine mittlerweile äußerst seltene Kunstform. 

Gegeizt wird auf "Jen Majura" auch nicht mit Gastbeiträgen. So hören wir Knorkators Stumpen, genießen 21 Octayne-Klampfer Marco Wriedt genauso wie Refuge's Manni Schmidt auf den zwölf Tracks, die man vielleicht als modern angefunkten Classicrock bezeichnen könnte. Zum Ende der Scheibe zündet nicht mehr jeder Track so prima wie in den Anfangsrillen und mit "Hide from the World" ist dann auch ein kleinerer Ausfall unter den zwölf Songs, die allesamt aus Jens eigener Feder stammen. Wenn Jen aber "I'm a long live life for Rock'n'Roll, I'm a hard rock girl with a rocking goal" singt, spürt man die Leidenschaft und Kraft, die sie in ihre Solo-CD gesetzt hat, nur zu deutlich. 

 

Fazit: Klasse Solo-Scheibe eines exzellenten Hard Rock Girls

 

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ACHTUNG: Die RocknRoll-Reporter
verlosen 3x "Jen Majura" (die CD, nicht die Dame!). 

 

Wer gewinnen will, schreibt bis Sonntag, 26. Juli 2015, eine Email mit der Betreffzeile "JEN!!"

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Hinweis: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spam geschützt. Wir benötigen Eure komplette Adresse und, ganz wichtig, ein bis zwei nette Sätze, warum Ihr den Preis gewinnen wollt. Dieser Zusatz ist Bedingung für die Teilnahme. Mehrfach-Einsendungen und Einsendungen von Gewinnspiel-Robotern werden sofort ausgeschlossen. Unter allen richtigen Einsendungen werden die Preise ausgelost. Eine Barauszahlung ist nicht möglich, der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

 

Wer kein Glück hat, kauft sich das schöne Teil einfach und zwar HIER!

Verlosung: Jen Majura

0889211583782Jen Majura ist so etwas wie die eierlegende Wollmilchsau unter den Musiker: Die Dame sieht scharf aus (Fotos), singt überragend (u.a. Backings bei Rage), spielt virtuos Gitarre (z.B. bei Knorkator) und zupft nen flotten Bass (bei Equilibrium). Mit ihrer einfach "Jen Majura" betitelten Solo-CD beweist sie darüber hinaus, dass auch in Sachen Songwriting alles im grünen Bereich ist. Zum Review der CD geht es HIER!

 

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Review: Night Flight Orchestra - Skyline Whispers

Night-Flight-Orchestra--Skyline-Whispers-01-300x300Night Flight Orchestra ist die Classic-Rock Band von Björn Strid (Soilwork) und Sharlee D' Angelo (Arch Enemy). Nach dem superben Debüt schneiden sich die Nachtschwärmer mit "Skyline Whispers" einen Nachfolger aus den Rippen, der der ersten Scheibe nur in wenigen Aspekten nachsteht und eine der besten Platten des Jahres 2015 sein wird. Verrückt ist es natürlich völlig, dass man mit dieser Art der Musik in diesem Jahrzehnt überhaupt Erfolg haben kann. 

Denn Night Flight Orchestra klingen wie Ende der 70er, Anfang der 80er gute (moderate) Rockmusik geklungen hat und Strid hat das Rezept des Classic Rock derartig zu seiner Leibspeise verkocht, dass es eine wahre Wonne ist. Mit "Sail on" setzen die Schweden einen beeindruckenden Kurs gleich zu Beginn. Hooklines, Instrumentierung, Dynamik - das Night Flight Orchestra wäre in einer perfekten Welt Headliner eines jeden Rockfestivals (und würden dafür sorgen, dass Soilwork das Nebenprojekt von Björn Strid wäre und nicht anders herum).

Um die Musik des "Orchesters" zu verstehen, muss man nicht den echten Classic Rock zu seiner Hochzeit live erlebt haben, helfen kann das aber ungemein. Besonders angenehm: Während sich das Gros der in der Classic Rock-Welle involvierten Bands auf Urväter wie Led Zeppelin beruft, haben Strid und Co deutlich feinere Züge als Referenzen vorzuweisen.

Ein wenig Kansas, etwas REO Speedwagon oder auch mal einen Hauch Journey - die Reise, die auf "Skyline Whispers" perfekt fortgesetzt wird, führt weg von den komplett ausgetretenen Pfaden des Retro-Booms.

Mit "Living fot the Nighttime", "Lade Jade" (umwerfender Refrain), dem mitreißenden "Demon Princess" oder "All the Ladies" zeigen Night Flight Orchestra, was sie am besten können: eine Zeit der Musik zelebrieren, die nach Vinyl riecht, die nach unbeschwerten nächtlichen Autofahrten auf leeren sommerlichen Highways schreit. Ab und an wird es experimenteller als auf dem Debüt, etwa bei "The Heather Reports" oder "Spanish Ghosts", was "Skyline Whispers" sperriger als den Erstschlag macht. Schnell öffnet sich aber auch diese Schatztruhe wie von selbst und lässt besagte Songs wie Diamanten im Sonnenlicht funkeln. Was stinkt? "Stiletto" ist zu cheesy, mehr Mitt-80er als alles andere. Dazu erscheint mir das Instrumental "Owaranai Palisades" überflüssig, doch das ist Meckern auf ganz hohem Niveau.

 

Fazit: Mitreißende Fortsetzung des Nachtflugs in die 70er

 

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Die Tracklist: 

01. Sail On
02. Living For The Nighttime
03. Stiletto
04. Owaranai Palisades
05. Lady Jade
06. I Ain’t Old, I Ain’t Young
07. All the Ladies
08. Spanish Ghosts
09. Demon Princess
10. Skyline Whispers
11. Roads Less Traveled
12. The Heather Reports
13. Floridian Eyes (exclusive digipak bonus track)

 

 

Review: KGB

Kyle-Gass-Band-Cover-300x300Er ist der kongeniale Partner von Jack Black (JB) bei Tenacious D, doch Kyle Gass ist auch mit anderen Bands unterwegs. So formierte er einst die Gruppe Trainwreck, die sich allerdings schon bald wieder von der Bühne verabschiedete. Nun präsentiert der Gitarrist, Sänger und Schauspieler mit Mike Bray, John Konesky (der auch in Tenacious D involviert ist), Jason Keene und Tim Spier die Kyle Gass Band (KGB) und rockt munter drauf los. Das könnte ihn etwas aus dem Schatten des überragenden Jack Black treten lassen, denn Kyle ist eben nicht nur der kleine dicke Partner von JB. Die erste, selbstbetitelte, CD der Formation zerstreut schon mit dem recht knackig rockenden Opener "Manchild" alle Sorgen, diese Band könnte im rein stromlosen Musizierens ihr Dasein fristen, ist Kyle doch vornehmlich mit einer Westerngitarre anzutreffen.

Die spielt er natürlich auch bei KGB, doch ist sein akustisches Spiel "nur" die dritte Geige, stehen ihm mit Konesky und Bray dabei zwei hervorragende E-Gitarristen zur Seite. Auch die Leadvocals werden bei KGB geteilt, was zu einer schönen Vielfalt führt, denn gesangstechnisch ist alles erste Sahne bei KGB. Mike Bray ergänzt sich mit Kyle Gass ähnlich formidabel wie KG mit JB.  

Das Debütalbum springt munter zwischen rockigen Tracks "Our Job to rock", bluesigen Elementen bei "Dying Day" und nach Sommer klingenden Southern Rock-Tracks wie das ausgezeichnete "Getting the Band back together", das zwar hier und da an Tenacious D erinnert, auf ganzer Länge aber doch noch andere Kontrapunkte setzt (etwa das Lynard Skynard-Gedächtnis-Solo). Zum Abschluss gibt es mit "Gypsy Scroll" noch einen leichten und nicht übertriebenen Country-Hauch. Ausgezeichnete Scheibe.

 

Fazit: Vielleicht die perfekte Sommer-Scheibe

 

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Review: Van Halen - Tokyo Dome in Concert

A1ksgsTNyxL. SL1500 Es ist vollbracht: Diese vorliegenden 25 Tracks von "Tokyo Dome in Concert" sind in der Tat die ersten offiziellen Liveaufnahmen von Van Halen mit Ursprungsfrontmann David Lee Roth. Nun war Diamond Dave niemals der begnadetste Sänger auf Erden, was sicher auch ein Grund für fehlende Liveaufnahmen auf Tonträgern ist. Während Van Halen mit Nachfolge-Sänger Sammy Hagar gerne mal den ein oder anderen Live-Track auf eine Kompilation setzte oder mit "Right here, right now" ein ziemlich überzeugendes Tourdokument ablieferte, wusste Mastermind Eddie wohl, dass Davids Gekrächze den Fans außerhalb des Erlebnisses eines Konzerts nur schwer zuzumuten ist.

Warum er von dieser durchaus richtigen Sichtweise abgerückt ist, weiß ich nicht, doch ich kann Euch sagen, dass diese CD richtig wehtut. Eddie klingt nämlich ziemlich grandios, feuert ein Tappingsolo nach dem anderen ab, rockt recht roh und heavy über die zwei Scheiben und gibt sein Allerbestes, während der Einsatz des "Gesangs" in fast allen Songs den Hörgenuss komplett versaut. David Lee Roth trifft nicht nur selten die Töne, er hat sich auch einen schlimmen Sprechgesang angewöhnt, der schnodderich und unmotiviert rüberkommt. Ohne Bilder (denn ein echt genialer Frontmann ist er immer noch) ist das Ganze kaum zu ertragen. Dieser Mann ist reif für die Rente! 

Dazu kommen einige kleine Spitzfindigkeiten, die bei Van Halen-Fans durchaus schwer wiegen können: Die Backroundgesänge sind ordentlich, aber sie sind nicht brillant. Zumindest fehlt hier Ex-Bassist Michael Anthony enorm. Aber der ist ja wie Hagar in Ungnade gefallen. Eddies Sohnemann Wolfgang ist spielerisch sicher nicht deutlich schlechter als sein Vorgänger, stimmlich aber hat Anthony nahezu jeden Van Halen-Song veredelt. 

Geboten werden neben Klassikern wie "You really got me" oder "Unchained" zwei Tracks von der letzten Van Halen-Scheibe. Warum man mit "China Town" gerade einen der schwächsten ausgewählt hat, bleibt schleierhaft. Mit "Eruption" in Überlänge gibt es dann zumindest auch das obligatorische Eddie-Solo - ohne Gesang. Danke!

 

Fazit: Überflüssig und qualitativ höchst fragwürdig - trotz eines Eddies on fire 

 

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Review: Battle Beast - Unholy Saviour

81aCZVxzFFL. SL1417 Nein, über das Cover der neuen Battle Beast-Scheibe "Unholy Saviour" möchte ich nicht lästern. Dieses Artwork steht schließlich für sich selbst und ist wirklich der kleinste Makel am aktuellen Album der Finnen um Frontfrau Noora Louhimo. Wenn ein Keyboarder so geschmacklich abscheuliche Sounds für seine Band auswählt, wie Janne Björkroth, dann ist das Ende des Metal nahe. Das Keyboard klingt durchweg nach Dieter Bohlens Tatortproduktionen der 80er Jahre und penetriert nahezu jeden Song. Nahezu - weil es dann zwischen dem ganzen schlimmen Ballermetal eben doch die ein oder andere Perle gibt. Das sind dann fast immer die Songs, wo es ins Uptempo geht und die gute Gitarrenarbeit die Keyboards so gut es geht in den Hintergrund treten lässt. Mit "I want the world...and everything in it", "Madness" sowie "Speed and danger" befinden sich unter den ersten sechs Songs gleich drei richtig starke, doch danach wird es gruselig. Nehmen wir einmal "Touch in the night". Dieser Fetzen ist dem leider immer noch nicht verschiedenen Genre der Powerballade zuzurechnen und "überzeugt" mit 80er Jahre Drumcomputer-Samples und einer Belanglosigkeit, die ihresgleichen sucht. Noora macht hier einen auf Samantha Fox, das längst verblasste Lichtlein, das in den 80ern neben barbusigen Fotos auch einen Song wie "Touch me" verbrochen hat. Immerhin steht die Britin auch für das 1986 erschienene Computerspiel "Samantha Fox Strip Poker", das Monochrom-Fotos der Guten enthielt, aber das nur nebenbei. Von einer, der sich auszog das Singen zu lernen, zurück zu einer Gruppe, die sich im Einheitsbrei aktueller Metalproduktionen wiederfindet. Alles ist glatt poliert, die Drums klingen synthetisch, die Gitarren hingegen sehr gut, der Gesang ist stark und höchst variabel. Leider ist bis auf die erwähnten drei Songs und mit Abstrichen noch "Far Far away" (mit leicht geklautem Two Minutes to Midnight"-Riff) und die kurze Prelude "The Black Swordsman" (die zum absolut überflüssigen Instrumentalverbrechen "Hero's Quest" überleitet) viel Fremdschämen angesagt.

 

Fazit: Drei großartige Songs machen keine gute Platte

 

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Review: Black Star Riders - The Killer Instinct

blackstarriderskillercdcoverDas Konzept, welches die Black Star Riders verfolgen, passt prima in unsere Zeit, die die Unsterblichkeit zu erringen, als höchstes Gut feiert. Die Black Star Riders waren mal Thin Lizzy, natürlich ohne Legende Phil Lynott, und führen nun unter einem neuen Namen mit neuen Songs genau diese Linie von Phil weiter, in dem sie Songs komponieren, die die Marke (sagt man heute leider so) Thin Lizzy  weiter führen.

Das Konzept, den Namen zu ändern, weil sie neue Songs veröffentlichen wollen, wäre meines Erachtens nicht nötig gewesen, denn schon das Debüt hat so sehr nach Thin Lizzy gerochen, dass es eine wahre Wonne war. Mit "The Killer Instinct" wird nicht am Konzept gerüttelt und das ist prima. Denn der Zweitschlag atmet den Hauch von Lynott und Dublin, wie es nicht schöner sein könnte. Der Opener der CD könnte in der Tat von Phil Lynott geschrieben worden sein und ein viel größeres Lob kann eine Band nicht bekommen. Mit "Bullet Blues" aber zeigen die Mannen um den absolut echtesten Thin Lizzy-Gitarristen Scott Gorham und den wirklich grandios authentischen Sänger Ricky Warwick (kennt noch jemand The Almighty?), dass sie auch etwas Neues zum Gesamtwerk beitragen können.

Eine Prise Led Zeppelin schwingt hier mit (wie auch bei "Sex, Guns & Gasoline"), das Timbre Warwicks macht aber auch diese Nummer einzigartig und Lizzy-like. Insgesamt wird der irische Thin Lizzy-Pfad jedoch selten verlassen. "Soldierstown", "Charlie, I gotta go" oder "Finest Hour" versetzen einen unverzüglich an den Liffey, die Temple Bar in der Nähe. Insgesamt ist das Zweitwerk dichter, die hochklassigen Refrains des Debüts fehlen manchmal etwas. Überflüssig finde ich zudem die Ballade "Blindside". Das können andere besser, das konnte Thin Lizzy viel besser.

 

Fazit: Phil Lynott wäre stolz, denn hier lebt der Geist des Iren für immer weiter

 

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Review: Thunder - Wonder Days

81gqRXgprzL. SL1428 Thunder waren für mich früher so etwas wie die Ersatzdroge zu den im Haarspraynebel verschwundenen Whitesnake. Als David Coverdale sein bluesiges Timbre verleugnet hat, um in immer höheren Spähren trällern zu wollen, kamen mir Thunder mit Danny Bowes gerade recht.

Bei Thunder roch niemals etwas nach Spandex aus L.A., hatte man Single Malt statt Jack Daniels im Sinn. Nach sechs Jahren gibt es nun endlich ein Lebenszeichen der Band, die bis auf die öfter mal vakante Stelle am Bass auch personell eine Konstante sind. "Wonder Days" heißt das gute Stück, aber ist es auch ein Wunderwerk? 

Klug, wie die Briten sind, haben sie mit dem Titelstück den besten Track der CD ganz nach vorne gestellt und können den Hörer so schon ziemlich fesseln. Bowes leidenschaftlicher Trip in die Vergangenheit, in die Zeit, in der er die Gitarre entdeckte, um die Mädels zu beeindrucken, ist ein wundervoller Retrozug, der alle Trademarks der Band in den Wagons beherbergt: beeindruckende Gesangslinien, perfekte Rhythmusarbeit, mitreißende Solospots. Hier schwingt auch eine Menge Led Zeppelin im Groove mit. Ein solch starker Song birgt aber auch Gefahren an dieser ersten Stelle. Und auch Thunder erreichen diesen Track im Laufe der gesamten Spielzeit qualitativ nicht mehr, sammeln aber fleißig Pluspunkte für die Monsterballade "Broken", die beweist, dass nicht jeder Schmalz ungenießbar sein muss. Folkige Elemente ("The Rain"), gar Maideneskes Galoppieren im spannenden "The Prophet" oder wieder einmal Led Zeppelin in "Chasing Shadows" zeigen die Band in Bestform. Dazu kommt mit "When the music played" ein episches Werk, das in seiner Vielschichtigkeit in Thunders Karriere ein Ebenbild schwerlich findet.

Warum gebe ich nicht die Bestnote? Der Grund sind einige Füller: "Resurrection Day" klingt nach den schlimmen Verbrechen eines Bryan Adams nachdem dieser den Rock 'n' Roll verraten hat (so nach "Reckless" etwa), "Serpentine"  ist ein belangloser Blueser und "I love the weekend" ein frustrierender Chuck Berry-Spaß-Song, der die CD nicht stimmig beschließt.

 

Fazit: Starkes Comeback mit einigen (wenigen) Längen

 

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Review: Lande / Holter - Swing of Death

dracIch gestehe, ich habe eine Schwäche für Konzeptalben und Rock-Opern. Auch Jorn Lande halte ich für einen außergewöhnlichen Sänger, der aber leider in den letzten fünf Jahren so unendlich viele CDs veröffentlicht hat, ohne auch nur ansatzweise sein Potential auszunutzen. Handwerklich immer alles perfekt, Gesang überragend, Songs? Genau, keine (oder kaum brauchbare).

Der neueste Versuch hat mich dennoch schon bei der ersten Pressemitteilung angefixt: Mit dem Wig Wam-Gitarristen Trond Holter intoniert er eine Rock-Oper um Graf Vlad the III, Prinz der Wallachei, besser bekannt als Vlad, der Pfähler, später berühmt als Dracula (durch Bram Stokers Story).

Nun liegt das Gesamtwerk vor und ich bin gelinde gesagt recht begeistert. Die Handlung befasst sich mit den inneren Kämpfen des Grafen, hat historische Hinweise genauso wie welche an die literarische Horrorgeschichte Stokers, die den Vampirmythos so richtig in Schwung brachte (und nein, liebe Kinder: Twilight-Schrott hat mit diesem Mythos so rein gar nichts zu tun!). Jorn singt den Grafen und hat eine enorm starke weibliche Mitdarstellerin im Boot: Die Norwegerin Lena Fløitmoen interpretiert die Rollen von Mina und Lucy. Vor allem in den Duetten scheint diese CD enorm. 
Die Zusammenarbeit mit Trond Holter, der mit Jorn alle Songs geschrieben hat, scheint dem Sänger geholfen zu haben. Das Songwriting ist deutlich besser als auf seinen letzten Werken und die musikalische (leichte) Neuausrichtung (hier etwas Meat Loaf, da etwas Queen, immer aber hart rockend) macht "Swing of Death" zu einem ersten Jahreshöhepunkt für mich. Es gibt sogar Pläne, die Rock-Oper in die Theater zu bringen (leider nur in Norwegen). Noch lieber hätte ich aber eine Tour mit dem ganzen Zeugs. Die ersten zwei Songs ("Hands of God", "Walking on water") weisen den Weg und sind bockstark. "Swing of Death" ist arg musicallastig geraten, doch das gehört auch irgendwie dazu. Weitere Anspieltipps sind das mitreißende Duett "Save me" und der Rocker "Queen of the Dead". Insgesamt ist das gesamte Album hervorragend inszeniert, die Gitarrenparts sind äußerst variabel. Mal blitzen metallische Folk-Elemente durch (für "Walking on Water" scheint der gute Trond Holter sehr genau "Bloods of Emeralds" von Gary Moore gelauscht zu haben), mal wird auf das Gaspedal gedrückt und werden technische Kabinettstücke heruntergefiedelt. Insgesamt also eine komplett runde Sache, bei der das Instrumentalstück ein wenig zu beliebig wirkt und nur Zeit klaut, in der ich lieber noch einmal einen Song mit Lena Fløitmoen gehört hätte.

 

Fazit: Tolle Rock-Oper rund um unser aller Lieblingsvampir

 

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Review: Soto - Inside the vertigo

SOTO Inside-The-Vertigo coverJeff Scott Soto ist ein Ausnahmesänger. Was der Typ schon alles veredelt hat (Malmsteen, Axel Rudi Pell - um nur zwei zu nennen), unglaublich Mit „Soto“ haut er eine Art Bandprojekt in die Kerbe und „Inside the Vertigo“ ist das erste Ergebnis. Mit dieser Band wolle er Dampf ablassen, erzählt der Vokalakrobat und in der Tat liefert er hier ein dichtes Album mit knallendem Hardrock an. Neben den üblichen spektakulären Gesangleistungen überzeugt vor allem Lead-Gitarrist Jorge Salat mit einigen unwiderstehlichen High Energy-Soli. Weiter zur Band gehören BJ (keys, git), David Z. (bass) und Edu Cominato (drums).
Das Album sprüht nur so vor hochklassigen Hardrock-Songs: Nach dem Start mit „Final Say“, „The Fall“, „Wrath“ und „Break“ ist man erst einmal sprachlos und fragt sich, ob man hier das Hardrock-Album des Jahres auf den Ohren hat. Die Band steht derart auf dem Gaspedal, dass es die wahre Wonne ist. Während es zu Beginn recht klassisch rockt, wird es im mittleren Drittel sphärischer und Soto lassen die Songs mehr atmen, was einen leichten Druckabfall zufolge hat („Inside the Vertigo).

Das Songwriting bleibt aber auf einem sehr hohen Niveau und beweist die Vielseitigkeit der Band. Die obligatorische Ballade, die bei Jeff immer mal gern leicht „cheesy“ ausfällt, darf natürlich nicht fehlen und „When I’m older“ kommt mir auch schon schnell aus den Ohren heraus. Zum Glück wird im weiteren Verlauf heftig gerockt, die Singqualität von Tracks wie „Trance“ oder „Fall to pieces“ kommt aber nicht mehr ganz an den sensationellen Start des Albums heran.

 

Fazit: Bockstarke Energieleistung mit ganz wenigen Kritikpunkten

 

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Review: AC/DC - Rock or Bust

ac dc rock or bust 01 b6851bc917Das ist sie nun, die neue AC/DC-Scheibe, ein Werk, dem viele Kritiker eine Bedeutung wie "Back in Black" zukommen lassen möchten. Damals war das der Befreiungsschlag nach Bon Scotts Tod, AC/DC wurde keine große Zukunft mit dem neuen Sänger prognostiziert. Was dann geschah, ist Musikgeschichte. Nun also Malcolm Young, Angus' kongenialer Partner an der Gitarre. Eine schwere Demenzerkrankung lässt seine Beteiligung am Schlachtschiff aus Australien nicht mehr zu. Warum dann noch eine CD machen? Zumal auch Groovemachine Phil Rudd fehlt. Warum? Darum!

Weil Stevie Young, ein Jungspund mit seinen 58 Jahren, Malcolms Gitarrespiel derart verinnerlicht hat, dass es Spaß macht die Rhytmusgranaten auf "Rock or Bust" zu hören. Weil Angus und Sänger Brian Jones in Topform sind, weil das Songwriting endlich wieder auf höchstem Niveau ist. "Rock or Bust" schlägt den lahmen Vorgänger "Black Ice" um Längen, auch, weil AC/DC das machen, was sie am besten können: AC/DC sein! Ok, das machen sie immer, mal mehr und mal weniger gelungen, aber der Titeltrack zum Beispiel gehört auf eine AC/DC-Best of, wenn es die Band wirklich irgendwann nicht mehr gibt. Dazu kommen einige ziemliche Granaten, die uns wissen lassen: "Noch geben wir Airbourne nicht den Titel der neuen AC/DC ab!"

Es sind diese unwiderstehlichen Momente, die nur diese Australier abfeuern können, die "Rock or Bust" trotz der knapp 35 Minuten zu einem Dauerbrenner macht. Das immer wieder eingeschleuste Repeating-Riff von "Play Ball" etwa oder die grandiose Groove-Figur im Abschlusssong "Emission Control". Dazu haben Angus und Co endlich einmal wieder verstärkt Led Zeppelin gehört ("Rock the House", "Baptism by fire") und ihren Backkatalog nach den schärfsten Momente abgesucht, um einige neue Groovemonster frankensteinartig zu erschaffen. "Got some Rock & Roll Thunder" ist so eine Nummer, die nur AC/DC schreiben können. 

 

Eine neue ACDC-Scheibe zu hören, ist wie der Besuch bei einem ganz alten Bekannten. Man fühlt sich sofort wohl und auf die Frage, was es Neues gebe, erhält man keine weltbewegenderen Informationen. Am Ende fährt man betrunken und glücklich nach Hause, beseelt davon, dass das Universum ab und an im Gleichgewicht schaukelt.

 

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Review: Harem Scarem - 13

haremNachdem Harem Scarem mit dem eher unnötigen Re-Recording ihrer meines Erachtens besten Scheibe "Mood Swings" 2013 zurückgekehrt sind, liegt nun endlich eine richtig neue CD vor. Schlicht "13" betitelt transportiert das 13. Werk der Melodiekönige um den Ausnahmesänger Harry Hess alle Trademarks, die die Band berühmt gemacht haben, und die vor allem von den Fans abgöttisch geliebt werden. Klasse Gitarrenriffs, mitreißende Melodien und starkes Songwriting - Harem Scarem feuern auf "13" aus allen Rohren.

Bereits der Opener "Garden of Eden" weist den Weg - und dieser führt mehr oder minder ins Melodic-Rock-Paradies. Jungfrauen warten hier zwar nicht, doch nach dem Genuss der zehn Tracks ist zumindest das Ohr befriedigt. Bei aller Genialität haben Harem Scarem immer mal wieder einige nicht ganz so mitreißende Schmachtfetzen im Repertoire. Dies hält sich auf "13" aber in engen Grenzen. "The Midnight Hour" ist da eine kleine Ausnahme und schmalzt schon sehr, ein echter Ausfall ist dies dann aber doch nicht. Dafür rockt die Scheibe überhaupt ganz gut. Klasse etwa das treibende Riffing von "Early Warning Signs" oder "Troubled Times". Hier stimmt die Symbiose aus Melodie und Rock dermaßen, dass man sich nur freuen kann, Harem Scarem wieder auf der Landkarte des Rocks vorfinden zu können.

 

Fazit: Starke Rückkehr der Melodiekönige

 

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Review: World on Fire - Slash feat. Myles Kennedy

cdcover 26091683Der Mann, der einmal Axl W. Rose war, müsste sich doch eigentlich an jedem sonnigen Tag in seinem Post-Guns 'n' Roses-Leben fragen, was genau schief gegangen ist, dass die einstmals größte Hardrockband der Welt zu einer One-Man-Freakshow verkommen ist. Vor allem, wenn er immer wieder hören könnte (ich bezweifle, ob er es tut), dass sein ehemaliger Mitstreiter Slash eine Bombe nach der anderen raushaut und mit Alter Bridge-Sänger Myles Kennedy dafür einen kongenialen Partner gefunden hat.

"World on Fire" heißt der neueste Streich der "Band", die umständlich unter "Slash feat. Myles Kennedy and the Conspirators" firmiert und der toppt sogar noch den gutklassigen Vorgänger.

Auf 17 (!) Songs feuert der Les Paul-Fanatiker Slash eine Riffsalve nach der anderen ab, beweist, dass er ein enormes Gespür für mitreißende Melodien hat und findet in Myles Kennedy einen Sänger, der alle Höhen und Tiefen kennt und singen kann. "World on Fire" hat die Qualität, die "Chinese Democracy" hätte haben müssen, um der zur Lachnummer gewordenen "Band" Guns 'n' Roses eine große Rückkehr zu bescheren. Doch so ist es sogar besser, weil Kennedy der geilere Sänger und der sympathischere Typ ist. Mit Songs wie "Stone Blind", "Dirty Girl" oder "Automatic Overdrive" (um nur einen geilen Dreier zu nennen) zeigt Slash, dass er jederzeit in der Lage ist, den Hardrock der 90er ins jeweils aktuelle Jahrzehnt zu befördern. Gutes Songwriting wird nie alt. Mit 77 Minuten ist die CD so lang, dass es zwar wenige Füller gibt, die aber immer noch eine gute Qualität aufweisen ("The Unholy", "Bent to fly"). Mit "Safari Inn" liegt zudem ein ziemliches amtliches Instrumental vor. Toppt Slash damit irgendein Material, das er mit Axl zusammen geschrieben hat (von der unsäglichen Spaghetti-Platte mal abgesehen)? Nein, natürlich nicht, denn die Chemie zwischen Axl und Slash in Sachen Songwriting war einmalig, nahe Plant/Page für eine eine kurze Zeit. Schafft Slash damit eine formidable Scheibe, die nicht an seine Klassiker heranreicht? Uneingeschränkt JA!

 

Fazit: Slash feuert aus allen Rohren.

 

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Review: Kamikaze Kings - Master or Slave

master or slaveSelbsternannte Ponrocker sind sie, die Kamikaze Kings aus Berlin. Eine Band, die in ebenso knappen wie fantasievollen wie an der Peinlichkeitsgrenze schlawienernden Outfits auf der Bühne ziemlich die Sau raus lässt (Fotos HIER). Die mit ihrem Debüt-Album vor zwei Jahren einen durchaus erfolgsversprechenden Start in der Metalszene hingelegt hat, und nun mit "Master or Slave" Rillenrundling Nummer zwei in die Ohrmuscheln transplantiert. Gleich vorweg: Die Scheibe ist überaus gelungen.

Auf dem Album finden sich so einige echte Gassenhauer, wobei der Gesangsstil von Fronthirsch Elmo weiterhin gewöhnungsbedürftig bleibt. Lemmy schimmert da stets durch, aber Lemmy ist Lemmy. Elmo kann aber auch clean singen, wie er auf der CD mehrfach beweist und das gar nicht schlecht.

Mehr Porn ist natürlich das schmutzige Timbre, auf das man sich aber recht schnell eingestellt hat. Es geht schmissig los mit "I rule the night" und schon beim ersten Song wird die Marschrichtung ausgegeben: Klassischer Metal mit allen Einflüssen, die ein Headbanger so gern erblickt. Gekonnt durchleben die Kamikaze Kings auf dem Album viele Epochen des Heavy Metals und verweben Versatzstücke von Bands wie Judas Priest, Metallica und gern auch AC/DC zu einem gelungenen Potpourri mit eisernem Nachgeschmack. 

Ich bin kein Freund davon, eine Band zu verteufeln, nur weil man ihre Einflüsse oder Songideen deutlich heraushört, vielmehr macht es bei den Kamikaze Kings enormen Spaß, die Versatzstücke eines Songs bestimmter Idole zuzuordnen, denn am Ende bleibt die Band eigenständig genug, um doch noch neue, kleine Fußnoten dem großen Buch des Heavy Metals hinzuzufügen.

Nein, nicht alle Nummer zünden ("Backdoor Philosophy" etwa), doch Tracks wie "Midnight Killer", das grandiose "Hungry like a wolf" oder der Knaller "Devil's Rodeo" (um nicht einmal alle Treffer zu nennen) sind richtig richtig stark und so stecken die Kamikaze Kings bereits etwas mehr als nur einen Fuß in die Tür der deutschen Metalelite.  

Vor allem in Sachen ohrwurmfreundlichen Hymnenrefrains hat die Gruppe enorm zugelegt, ohne aber die notwendige Härte vermissen zu lassen. Die Scheibe ist so gut, dass die Band ruhig demnächst ohne bekloppte Kostüme auf die Bühne gehen dürfte, wenn es nach mir geht. Die lenken nämlich nur von der Musik ab und das haben die Kamikaze Kings nicht (mehr) nötig.

 

Fazit: Bockstarker Zweitling mit hoher Hymnendichte

 

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Review: Drone - Drone

Drone Drone CoverDrone gibt es schon seit zehn Jahren und waren mir persönlich immer etwas zu rumpelig. Mit der neuen, selbstbetitelten CD wird der norddeutsche Vierer viele Fans hinzugewinnen, aber sicher auch einige Anhänger der extrem harten Gangart abschrecken. So häufig wie nie verweben Drone nun Klargesang mit Death Metal-Vocals und in meinen Ohren klappt das bis auf wenige Ausnahmen hervorragend.

So variabel wie hier klangen Drone noch nie. Mit "Guilt" geht es bereits vielversprechend los, "Hammered, Fucked And Boozed" ist dann schnell ein erster Höhepunkt. Überhaupt ist die Band bei Tracks wie diesem (und dem grandiosen "Rock'n'Rollercoaster" am allerstärksten. Hier vermischen sie räudigen Rock 'n' Roll im Motorhead-Stil mit leichten Death Metal-Breitseiten, eine in dieser Konsequenz geniale Idee, eigenständig und im Songwriting überzeugend.

Nicht alle Experimente gehen auf: So ist die Schmalznummer „Hung And Over“ ein kläglicher Versuch an Stone Sour'sche Balladen anzuknüpfen, was ohne das Charisma eines Corey Taylour aber misslingt. Zudem ist der Text an Klischeehaftigkeit nicht zu überbieten.

Besser macht es da der Bonustrack "Life of Riley", akustisch und dennoch gehaltvoll. Stark ist zudem "How we suffer", auch, wenn ich den Reim von "suffer" auf "another" durchaus gewagt finde. Bei "Into the darkness" gröhlt noch Cripper-Frontfrau Britta Görtz mit, das Ergebnis ist ein ziemlich guter Song mit zu wenig stimmlichen Reibepunkten. Wer ist wer? Für mich ist "Drone" die beste Drone-Scheibe, Hardcorefans werden aber sicher ein wenig verschreckt sein.

 

Fazit: Prima CD mit leichten Schwächen

 

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Review: Ace Frehley - Space Invader

ace-frehley-space-invader-insideAce Frehley ist Gott! Punkt! Aber auch Gott hat seine schwachen Tage. Ace hatte davon eine ganze Menge, dafür aber auch veranlasst, dass rund 64664664664663465 (Schätzung) junge Menschen das Gitarrespielen angefangen haben. Ace hat mit Kiss die Welt verändert und obwohl sein technisches Spiel gegenüber den großen genialen Technikern wie Vai, Hendrix, VanHalen ordentlich abstinkt, ist er ein Weltklasse-Songwriter und spielt eben genau so, dass man vor dem Radio denkt: Boah, wie geil, das versuche ich auch. Bei Vai kommt man nur schwerlich auf diese Idee, will man nicht vor dem ersten öffentlichen Auftritt seines Lebens sechs Jahre acht Stunden am Tag üben.

Gott hat also eine neue CD auf den Markt geworfen, die hat ein klassisches Kiss-Artwork (von Ken Kelly) und heißt passend zum Space-Ace-Image "Space Invader". Vorbei die Zeit, in der man ewig auf neues Material von Frehley warten musste, nach "Anomaly" erscheint "Space Invader" in einem vertretbaren Wartezeitraum von... ok vergessen wir das. "Anomaly" ist dann doch von 2009, für Ace sind fünf Jahre aber ein Klacks. Zwischen dem sehr guten "Trouble Walkin"-Album und "Anomaly" lagen etwa zwei ganze Jahrzehnte. 

Mit dem Titeltrack startet die Scheibe und Ace klingt frisch, seine Sounds knackig wie gehabt, seine Soli ziemlich gut. Diese gute Verfassung zeigte er schon auf den Solotouren vor einiger Zeit. So fit habe ich Ace noch nie gesehen. Ace ist Ace and he told us so, deshalb sind wieder manche Dinge an der Peinlichkeitsgrenze ("Immortal pleasures" etwa). Deshalb ist sein Gesang fast immer eher schwach, aber das muss man halt so hinnehmen, so ist und war er halt immer. Hate it or love it (aber sei nie kritiklos, auch nicht bei deinen Helden!)!

Warum man "Boys" auf "Toys" (im ordentlichen Song "Toys") reimen muss, weiß ich auch nicht. Das ist läppisch. Ace' Gesangslinien sind zum Teil infantil. Da sollte er einfach mal jemand anderen ran lassen, um Linien zu verfassen, denn dann kommt der Gesang sofort besser rüber.

Das ist viel Kritik, aber ich bin auch ein großer Verehrer. Kommen wir zu den guten Seiten der Medaille: "Into the Vortex" ist ein starker Song, "Past the Milky Way" ("I'm running out of oxygen but I still got my guitar... Klasse!) der Höhepunkt der CD.

Überhaupt ist das Spielen mit dem Space-Ace-Klischee eine tolle Idee. Das hat er immer mal wieder gemacht ("Remember me" auf "Trouble Walkin' zB), aber in dieser Konsequenz ist es beeindruckend gelungen.

"Gimme a feelin'" wurde vorab veröffentlicht und macht für mich einen ebenfalls starken Eindruck, während ich mit der Coverversion des eigentlich tollen "The Joker" nix anfangen kann, aber hier scheiden sich die Geister stark. Was ich verhunzt finde, lieben manche Kiss-Fans.

"I wanna hold you" nervt durch die erwähnten schlechten Gesangslinien und ist verschenkt, weil die Gitarrenarbeit hier grandios ist und an Kiss-Klassiker erinnert. "What every Girl wants" könnte auch auf dem 78er Solo-Debüt gestanden haben, was natürlich ein Gütesiegel ist. "Reckless" hat was von einer "Frehley's Comet"-Nummer, stellt aber keinen Höhepunkt da, während das obligatorische Instrumental zum Schluss "Starship" etwas langatmig (und langweilig) beginnt, sich über Mittelteil und Ende aber zu einem der herausragenden Stücke der CD mausert und ein würdiger Nachfolger der "Fractured"-Reihe ist. "Space Invader" ist am Ende des Tages auf jeden Fall ein ordentliches Album mit einigen echten Höhepunkten und rangiert für mich vor dem letzten Output von Paul Stanley, Gene Simmons  und den zwei angeschlossenen Mietmusikern. 

 

Fazit: Ace-Fans müssen es lieben, trotz aller Kritikpunkte

 

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Review: Deadlock - The Re-Arrival

deadlock-the-re-arrival-cover-300x300-230-230Warum die deutsche Band Deadlock nicht längst so groß ist wie etwa Arch Enemy erschließt sich mir immer noch nicht. Eine Formation mit Grunzer und weiblichem Klargesang - das klingt ja erst einmal nicht allzu aufregend, doch Deadlock haben in den letzten Jahren eine enorme Entwicklung vom reinen Hassbrocken zu technisch ausgfeilten Klasse-Metalcorern mit teilweisen kitschigen Popanleihen durchlaufen. Letzteres macht es den Fans der ersten Stunde nicht leicht, weiter bei der Stange zu bleiben, skizziert aber die Vielseitigkeit der Band um Klarsängerin Sabine Scherer und Screamer John Gahlert bestens.

Auch in Sachen Besetzung gab es (leider?) stete Entwicklungen. Vom Gründungstrio ist einzig und allein noch Gitarrist Sebastian Reichl übrig geblieben, Shouter Johannes Prem ging 2011 (Bassist Gahlert übernahm ab da) und Drummer Tobias Graf wurde nun, 2014, durch Werner Riedl ersetzt.

Diese Rundumerneuerung und der Ablauf der Kontrakts mit ihrer Plattenfirma brachten Deadlock auf die Idee, eine etwas andere "Best of" in die Rillen zu pressen. "The Re-Arrival" ("The Arrival" ist der Name des Debüts aus dem Jahr 2002) präsentiert Songs der letzten zwölf Jahre in zum Teil neuem Gewand, anders gemischt, "Awakened by the sirens" wurde komplett neu aufgenommen, "Code of  Honor" präsentiert dazu Marcus Bischoff von "Heaven shall burn" als Gast. Es gibt auch Songs wie "To where the skies are blue", die sich kaum (oder gar nicht) vom Original unterscheiden. Im letzteren Fall wüsste ich ohnehin nicht, was man besser hätte machen können.

Auf der CD gibt es zudem gleich drei neue Songs. die mit Riedl an der Schießbude eingespielt wurden und die einen Blick in die mögliche Zukunft der Band weisen. Was ein Problem sein könnte, denn während "The Arsenic River" klasse und klassisch Deadlock ist, können sich an "An Ocean's Monument" und "A new era" die Geister erneut scheiden. Vor allem letzterer Song verzichtet weitestgehend auf den genialen Kontrast im "Schöne und das Biest"-Stil und kommt etwas beliebig daher, während "An Ocean's Monument" bis zum poppigen Schlusspart überzeugen kann. 

Zu dieser CD gibt es eine weitere, die mit Demos und unveröffentlichten Aufnahmen ein Muss für Fans, für andere Hörer aber verzichtbar ist. 

 

Fazit: Das Beste und noch viel mehr - Deadlock-Fans können sich im Himmel wähnen

 

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Live-Fotos von Deadlock haben wir HIER und HIER!

Die CD-Kritik zur letzten Scheibe, The Arsonist, finden Ihr HIER!

Review: Seether -

Seether---Isolate-And-Medicate---Artwork

Zugegeben, was die Diskographie der Band SEETHER angeht, bin ich nicht besonders firm, aber dafür kann ich ziemlich unvoreingenommen an das neue Album „Isolate and medicate“ herangehen. Ein Gedanke, der sich ziemlich schnell aufdrängt ist, dass Seether auf dieser Platte klingen wie ein Hybrid aus Nickelback und Linkin Park. Wobei die Ähnlichkeiten mit erstgenannter Truppe wesentlich stärker ausgeprägt sind. Ist das nun ein gutes Zeichen? Wir werden sehen.

Der Eröffnungstitel „See You At The Bottom“ kommt noch recht düster daher und knallt dank der tiefergestimmten Gitarren und schnörkellosen Riffs ganz ordentlich. Hat man bei den Gesangsharmonien schon Chad Kroeger vor Augen, geht es bei „Same Damn Life“ dann endlich komplett auf der Nickelback-Schiene weiter. Ein extrem eingängiger Song, der vor allem laut gespielt richtig geil kommt, ein potentieller Hit für das Rockradio. So, wenn hatte ich noch als Referenz genannt? Ah, ja - Linkin Park - die fallen mir sofort beim dritten Track des Albums ein. Die Strukturen und das Arrangement des Songs zwingen einfach, diesen Vergleich zu ziehen. Allerdings gefällt mir „Words As Weapons“ deutlich besser als die letzten Radioreleases von Linkin Park. Kein Wunder, dass dies auch die erste Singleauskopplung der Platte ist. Lied Nummer vier heißt wieder Kehrtwendung zu Nickelback. „My Disaster“ hätte auf jedem ihrer Alben draufgepasst, ohne dass es irgendjemanden auffallen würde. Ein ebenfalls extrem eingängiger Song, aber irgendwie scheint mir da sowohl die Band, als auch Starproduzent Brendan O`Brien stark auf den kommerziellen Erfolg der vermeintlichen Vorbilder zu schielen. Hmmmmmhhh… Im Prinzip geht es so weiter.

Die Ausnahmen bilden, zumindest teilweise, die krachige Halbballade Crash, die etwas spacig daherkommt und „Suffer it all“, die das härteste Riffing der Platte bietet und sogar mit richtigen Screams daherkommt. „Isolate and medicate“ ist eine Platte, mit der ich irgendwie nicht so richtig warm werde. Vielleicht aber total zu Unrecht, denn die einzelnen Songs sind toll ausgefeilt, ohne zu viele Schnörkel zu haben, direkt auf den Punkt, wahnsinnig melodiös und voller eingängiger Harmonien. Aber die Ähnlichkeit zu den aufgeführten Bands ist mir einfach zu präsent. Zumindest ich schaffe es nicht, meinen Schädel abzustellen und nicht permanent Vergleiche zu ziehen.

 

Fazit:Fans von Nickelback werden ehrfürchtig niederknien. Alle anderen werden ein schönes Rockalbum erleben, dass man super nebenbei hören kann, ohne dass es nervt.

 

Classics: Passion and Warfare / Steve Vai

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vinyl-record-iconAls Steve Vai im Herbst 1990 sein Meisterwerk „Passion and Warfare“ in die Läden brachte, hob er das Gitarrenspiel dieser Zeit auf ein neues, bis heute unerreichtes Niveau. Zogen die Plattenfirmen damals angestachelt vom Mike Varneys Shredder-Erfolgsscheiben einen sogenannten Gitarrenhelden nach dem nächsten aus dem Hut, von denen jeder schneller als der vorige sein musste, verlieh Steve Vai nach harten Lehrjahren bei Frank Zappa als zweiter oder dritter Gitarrist sowie zwei grandiosen Band-Scheiben mit Ex-VanHalen-Sänger David Lee Roth (und Billy Sheehan und Gregg Bissonette) dem Genre eine neue Würde.

Vai konnte so schnell, so sensationell sein wie all die Marty Friedmanns (um einen der besseren Shredder zu nennen) oder Joey Tafollas (um einen der schlechteren Saitenzwirbler zu erwähnen), war aber nicht so eindimensional.

Der New Yorker zieht auf „Passion and Warfare“ alle Register seines Könnens, seien es schwere Rhythmusmonster ("Erotic Nightmares"), pathetische Hymnen („Liberty") oder schlichtweg das beste Gitarrenrock-Instrumental aller Zeiten ("For the love of God"), Vai hat alles drauf und scheut sich nicht, es zu zeigen. 

Als Konzeptalbum ist "Passion and Warfare" nicht konzipiert, es funktioniert aber fast so: Die Hymne zum Start, danach der schnelle Rocker, ein lasziver Groover mit "The Animal", später das Epos mit "The Riddle", dann die Übernummer "For the Love of God", der wilde Jugendtraum eines durchdrehenden Nachwuchsgitarristen in der Schule ("The Audience ist listening"), die Popnummer "I would love to", eine Mega-Ballade ("Blue Powder“), der Punker "Greasy Kids Stuff" und die Hendrix-Verbeugung „Sisters“, in der Steve Vai mehr aussagt als Eric Johnson in seiner gesamten Karriere. Dazwischen gibt es immer mal wieder Skurriles wie "Alien Water Kiss", "Ballerina 12/24" oder das Synthie-Experiment „Love Secrets“ zum Abschluss. 

Wahnwitzig schnelle Läufe, Arpeggios from Hell, Tapping- und Tremolo-Extasen sowie unglaublich schöne Melodien und aggressive Grooves - „Passion and Warfare“ hat alles. Dazu kommt, dass Vai - gewohnt von Mentor Zappa - sich nur mit den Besten umgibt. Stu Hamm am Bass ist etwa so eine Koryphäe. Sein Solo in „Blue Powder“ gehört zu den besten seiner Art. Komponiert von Vai in einer Art Zeppelins „Whole lotta love“-SoloPendant für den Tieftöner. 

Die Scheibe eignet sich als Lehrstück, wie man - trotz des Fehlens von Gesang - Musikalität, Melodien, Technik und Experimente in einem niemals nervtötenden köstlichen Eintopf servieren kann. 

„Passion and Warfen“ löste damals die bestverkaufteste Instrumental-Platte, Jeff Becks Guitar Shop, in Sachen Nachfrage ab.

Die Scheibe verkaufte sich so gut, dass David Coverdale gezwungen war, bei Vais Gastspiel mit Whitesnake einen überlangen Solospot (mit "For the Love of God") in seine Live-Shows einzubauen - für Hardcore-Fans der Band war das allerdings viel zu viel, während Vai-Jünger nur deshalb zu den Whitesnake-Shows pilgerten.

So gut wie auf „Passion and Warfare“ war Vai in Gänze nie mehr, wenngleich er mit der anschließenden Band-CD „Sex and Religion“ mit einem blutjungen und hyperaktiven Devin Townsend am Mikro den Nährboden für so manche Metalcore-Strömung legte, aber das ist eine andere Geschichte...

 

 

 

Review: Möngöl Hörde - Möngöl Hörde

mongol-horde-album-cover-artworkDas hier ist für Euch, Ihr Pop-Radio hörenden Hausfrauen, die Ihr Euch unseren Frank Turner einverleiben wollt. Ihr, die "Worse things happen at sea" nicht kennt, sondern nur die vereinzelt poppigen Radio-Songs wie "Recovery" verehrt und den Typen einfach sooo süß findet. Ihr, die nicht verstehen werdet, dass aus Turner nie Schmalz Jovi oder Rockverräter Bryan Adams werden wird. Diese CD ist für Euch, ein Schlag in Euer Gesicht, der Beweis, dass nicht jeder Musiker von Balladen verdorben werden kann. Das Debüt von Möngöl Hörde mit Frank Turner als Shouter, Screamer, Rotzer und Frontgrunzer beweist, dass er seine Wurzeln (Million Dead) nicht vergessen hat, sie nicht verleugnen will, sie weiter ausschweifen lassen möchte. Der Beweis, dass Mainstream reich aber nicht glücklich machen kann. Diese CD ist aggressiv, sie ist verstörend und abgefahren. Irgendwo zwischen Rumpel-Punk, Hardcore und genialen Rage against the Machine- Hooklines angesiedelt, reißen Möngöl Hörde auf 13 Songs Wunden auf und streuen Salz hinein. "Weighed And Found Wanting", "My Judas", "How The Communists Ruined Christmas" oder "Make Way" - um nur die Glanzlichter einer gänzlich strahlenden Atombombe zu nennen - verströmen eine derart positiv-radikale Aggressivität, dass man sich kaum vorstellen mag, in welch Inferno ein Live-Auftritt dieser Band ausarten kann. Frank Turner (Gesang) aka Renrut, Ben Dawson (Schlagzeug) aka Awesome und Matt Nasir (Gitarre) aka Nadir zerstören auf ihrem Erstlingswerk alles, was den Anschein an Angepasstheit signalisiert. Danke! 

Die Band bleibt dabei betont minimalistisch, ein Konzept, welches auch ihre schmale Webseite untermauert: “Mongol Horde is more than a band. Mongol Horde is a movement. Mongol Horde is an invasion. That’s not actually true. Mongol Horde is a band. We don’t really want to talk about it. Listen to the music. Enjoy it, or don’t. Stop fucking asking questions.” Dem ist dann auch einfach nichts mehr hinzuzufügen (außer vielleicht, dass ich sehr hoffe, dass ich meine Eingangs-Hasspredigt nicht irgendwann bereuen muss. Frank, stay hard, true as steel!).

 

Fazit: Verstörend aggressiver Soundtrack zur Übernahme der Weltherrschaft

 

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