rrrlogo

 

Oldschool journalism with modern attitude - since 2005

Donnerstag Juli 19, 2018
Home

90 items tagged "CD"

Ergebnisse 21 - 40 von 90

Review: Colour of Noise- Colour of Noise

23474390416 afec2abb2b nDie halbe Stunde im Vorprogramm von Thunder im Herbst waren für Colour of Noise ein wichtiger Schritt in den Fokus der Rockfans. Die Classicrock-Band aus Brigthon fegte beeindruckend über die Bühne und machte so ihren knackigen Bluesrock mehr als schmackhaft. Das Debütalbum "Colour of Noise" wurde per Crowdfunding finanziert und ist mittlerweile erhältlich. Man hätte vielleicht noch etwas mehr Geld sammeln sollen, um sich ein vernünftiges Cover designen zu lassen. Ich habe seit vielen Jahren nicht mehr so ein gruseliges Artwork gesehen.

Dabei sind die Mitglieder  beileibe keine Unbekannten. Matt Mitchell singt bei Furyon und Bruce John Dickinson beispielsweise hat mit den legendären Little Angels schon eine hübsche Karriere hingelegt. Auf zehn Tracks beweisen die Briten, dass sie den 60er und 70er Bluesrock mit der Muttermilch aufgesogen haben. Immer wieder blitzen auch Led Zeppelin auf (etwa beim Motiv von "Can you hear me"), was ja nie eine schlechte Referenz sein kann.

Zwischen traditionellen Bluesklängen (zum Beispiel beim im Riffing an ZZ Top erinnernden "Medicine Man") wird es nur selten deutlich härter als es etwas bei Thunder zugeht, insofern war dieses Tourpackage die sprichwörtliche Faust aufs Auge. Ohrwürmer können hier und da ebenfalls der Band entfleuchen: "Drive it like you stole it" (tolles Gitarrensolo!) oder "You only call me" (mit leichter Aerosmith-Schlagseite) sind starke Songs, während nicht alle Werke des Albums derart zünden (eher lahm: "Can't take it with you").

Die Scheibe endet mit "Great day for Rock & Roll" und der Tag, an dem "Colour of Noise" entschieden gemeinsame Sache zu machen, könnte sich in der Tat als toller Tag für unsere Lieblingsmusik erweisen. 

 

Fazit: Gutes Debüt mit Luft nach oben

 

Picture

 

 

 

 

 

 

 

 

Review: Infinite Entanglement / Blaze Bayley

Blazeblaze-bayley-infinite Bayley die "Schuld" an den schwachen Verkäufen seiner beiden Gastspiele bei Iron Maiden zu geben, ist einfach und verkennt einige Wahrheiten. Eine ist, dass auch auf "Virtual XI" und "The X Factor" einige Klassiker der Maiden-Historie zu finden sind (The Clansman, Futureal, Sign of The Cross). Eine andere ist die, dass der Brite vor allem in der Anfangsphase seit seiner Emission bei der besten Band der Welt zwei herausragende Metalalben veröffentlicht hat. Warum auch diese nicht aus einer Nische kamen, bleibt rätselhaft, sind doch "Tenth Dimension" (2002) und "Silicon Messiah" (2000) zwei hervorragende Werke.
Danach verlor der 53-Jährige sich ein wenig, auch gebeutelt von massiven privaten Schicksalsschlägen, bewies aber immer wieder auf einzelnen Tracks seiner CDs, welch guter Songwriter er ist ("Soundtrack of life", "The man who will not die").
Nun kann man mit Fug und Recht behaupten, dass Blaze Bayley zurück ist und mit "Infinite Entanglement" eine der besten klassischen Metalscheiben der letzten Jahre geschrieben hat.
Und ja, Blaze fliegt mit uns wieder in die Zukunft, hat ein inhaltlich nicht zu komplexes (Hallo Dream Theater), aber auch nicht zu plattes Konzept geschnürt.

Die Geschichte, um die erste große Reise zu fernen Planeten, die den Hauptdarsteller 1000 Jahr leben und im Unklaren lässt, ob er Mensch oder Maschine ist, reicht, um einer Metalplatte einen schönen inhaltlichen Rahmen zu geben.
Wichtig ist aber bekanntlich auf dem Platz, sprich was hier musikalisch geboten wird. Und da überzeugt Blaze mit tollem Songwriting, überraschenden Ideen ("What will come"), großartigen Chören in bester Maiden-Manier ("Calling you home"), starken Twingitarren und auf den Punkt kommenden Arrangements. Und genau das ist es, was alte Maiden-Fans besonders anfixen wird: Blaze hält sich nicht mit ausufernden Songideen auf, was nicht heißt, dass die Songs auf "Infinite Entanglement" Schnellschüsse oder eindimensional sind. Er bedient aber genau die Fraktion der Maiden-Fans, denen die Band auf eine Art zu langatmig und verkopft geworden ist. Insofern ist die CD eine Art Gegenentwurf zu Maidens "Book of Souls", wenngleich Bayley niemals seine Vergangenheit beim britischen Metalschlachtschiff verleugnet, sondern eine wunderbar Symbiose herstellt zwischen der dunkleren Atmosphäre seiner Soloarbeit und den etwas helleren Tönen seiner Ex-Band.
Die ersten acht (!) Songs sind allesamt Weltklasse, erst "Dark Energy 256" hat eine schwächere DNA, ist zu beliebig und vorhersehbar. Zuvor erleben wir Blaze in Bestform - sowohl stimmlich, als auch kompositorisch, die Band ist megatight, der Grundsound etwas moderner als man es von Maiden gewöhnt ist, geht eher in die Dickinson Solo-Richtung.
Nach dem schwächeren "Energy" haut Blaze wieder richtig raus und steuert das (Raum-) Schiff nicht nur in einen sicheren Hafen, sondern in die Metalgeschichtsbücher. Neben "Book of Souls" ist das die beste Veröffentlichung im klassischen Metal seit Jahren. Welcome back, Blaze.

 

Fazit: Beste Blaze-Scheibe seit 2002 - ein Meisterwerk des klassischen Metal

 

Picture

Review: We built this mountain... / Spencer

SPENCER We Built"We built this mountain just to see the sunrise" ist ein wirklich wunderbarer Titel. Für einen Song. Als LP-Name ist er natürlich äußerst ungeschickt, weil viel zu lang. Spencer scheint das egal. Spencer? Hallo Spencer? Nein. Spencer ist eine Schweizer Indie-Band, die mit dem aktuellen Werk bereits CD Nummer vier vorlegt. Spencer klingen wie eine leichte Mischung aus den Editors oder den Arctic Monkeys, dabei rühren sie aber immer mal wieder rockigere Zutaten in den Soundtopf.

Ab und an weht gar ein Hauch The Cure oder Depeche Mode durch die Songküche. Gitarristische Anleihen an The Edge von U2 entdeckt man ebenfalls immer wieder.

Das klingt nun als würden sich Spencer durch den Musikwald klauen, doch sie holzen nur beste Stücke ab und pflanzen sie neu an, um ein durchaus eigenes Gärtchen zu erschaffen. Irgendwo zwischen Britpop, Shoegaze und Pop (die Ballade "Saturday Shoes" kann ziemlich was, vielleicht auch das Radio erreichen) ordnen sich Spencer ein und sind so ein nicht zu schwergewichtiges Bonbon für den Sommer.

 

Fazit: Eigenständig gut geklauter Indierock

Picture

Review: Paul Gilbert - I can destroy

paul gilbert i can destroy dcbc9b1468Paul Gilbert, bekanntermaßen Gitarrist von Mr. Big, ist bekannt für seine aberwitzige Technik, aber auch sein Songwriting und seinen Humor. Im Gegensatz zu vielen seiner Mit-Shredder aus den 90ern hat Gilbert irgendwann den Fokus auf einfaches Songwriting, gepaart mit tollen Hooks und unfassbaren Soli gelegt. Während Steve Vai immer mehr in Richtung Zappa zurückdriftet, Joe Satriani seit Jahren das gleiche Album herauszubringen scheint und Malmsteen... Egal. Paul jedenfalls hat immer großen Wert auf Variabilität in seinen Outputs gesorgt, die Guitarhero-Scheiben, reine Frickeleien also, wurden immer spärlicher. Mit "I can destroy" schlägt er nach zwei etwas langatmigeren Scheiben nun wieder in die Kerbe seinern ersten Solo-Outputs. Es ist bereits sein 18. Solo-Album und der Rundling hat 13 völlig unterschiedliche Songs in Petto. Das reicht über beinharten Bluesrock ("Blues Just Saving My Life"), klassischem Shredding (" I can destroy") bis hin zu New Yorker Soulfunk ("I will be remembered"). Dass sein Gesang eher im Bereich "kann man ertragen" einzuordnen ist, stört Gilbert-Jünger nicht. Zur Verstärkung hat er aber auch immer mal wieder den begnadeten Vokalisten Freddie Nelson an Bord. Der Humor bleibt bei Gilbert nie auf der Strecke. Wer sonst würde einen Song darüber schreiben, dass man gefälligst den Blinker seiner Autos beim Abbiegen benutzen sollte? Das Video ist auch witzig (siehe unten) - und erst die Gitarrenarbeit...Produziert hat das Ganze Kevin Shirley, der scheinbar überall außer bei Maiden einen guten Job macht. 

 

Fazit: Gilbert, wie man ihn liebt

 

Picture

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Review: Dream Theater - The Astonishing

DreamTheaterTheAstonishingDie neue Dream Theater-CD "The Astonishing" spaltet die (Musik-) Welt. Diesen Anschein hat man zumindest, wenn man in die einschlägigen Gazetten schaut. Während die Bravo-Fraktion im Metal das Werk der Amerikaner als das "The Wall" der Metal-Generation feiert (was natürlich Unfug ist, da es die Metalmauer schon gibt und "Operation Mindcrime" heißt), weisen die Kritiker am anderen Ende der Skala diese CD als das schlechteste Werk des Traumtheater aus. Die Wahrheit liegt da fast logischerweise in der Mitte, und der RocknRoll Reporter will euch (seine) Wahrheit verkünden.

Wenn man es objektiv betrachtet, liegt das letzte zu 100 Prozent begeisternde und in Gänze überzeugende Opus der Band lange zurück. Im Jahr 1999 beeindruckten Petrucci und Co mit "Scenes from a memorey", einem fast 80 Minuten langen Konzeptalbum, das vor mitreißenden Melodien, ein wenig Kitsch und harten Progmetalklängen nahe an den Genrekönig von Queensryche herankam.

Seitdem kamen viele gute aber wenige überragende CDs heraus, vor allem die Scheiben aus der Endphase von Ex-Drummer Mike Portnoy ärgerten mit tumben New Metal- Einlagen. Härter als zu "Images and Words"-Zeiten braucht die Metalwelt Dream Theater nun wirklich nicht.

"Scenes" war ein mitreißendes Konzeptalbum und - oh Wunder - mit "The Astonishing" geht die Gruppe an die Wurzeln des Meisterwerks zurück. Die neue CD ist ebenfalls ein Konzeptalbum, ebenfalls lang (in der Tat noch viel länger) und hat viel Dramatik (und Kitsch) zu bieten.

Konzeptalbum - das klingt immer toll, denn es heißt, dass eine ganze Scheibe ein Thema, eine Geschichte hat. Weniger toll daran ist allerdings in diesem Fall, dass die Story sich in zwei Sätzen zusammenfassen lässt (Gute Rebellen gegen böse Regierung, Musik als Heilsbringer etc pp). Das ist dünn, sehr dünn, was bei einer musikalischen Spielzeit von mehr als zweieinhalb Stunden ein echtes Problem darstellt. Diese Diskrepanz sollte sogar ein AfD-Wähler erkennen. 

Dennoch: musikalisch machen Dream Theater hier vieles richtig, denn sie bewegen sich. Und zwar weg vom eher stumpfharten "Train of Thoughts"-Metal, hin zu ganz gaaaanz (sagt, ich schon ganz?) großen Melodien. Das wird häufig kitschig, aber ich kann beruhigen: Es handelt sich hier (fast immer) um den guten alten, hochwertigen Kitsch. Den Casablanca-Kitsch und nicht den Schlaflos in Seattle-Kitsch. Apropos Hollywood: Viele Einlagen (vor allem von Keyboard-Magier Jordan Rudess) übertreten die Schwelle zur Filmmusik deutlich. Das äußert sich in vielen Zwischenpassagen, von denen manche Sinn ergeben (etwa das lange Marsch-Intro von "Brother can you hear me" nach der grandiosen Nummer "Three days" ), manche eher überflüssig sind.

34 Tracks, das ist eine ganze Menge Holz und so zündet nicht jeder Funken gleich gut. Vor allem das zweite Drittel der CD jedoch ist absolut erstklassig, zum Ende hin hätte man sich indessen etwas weniger Pomp und mehr schlüssiges Auflösen der Story (*hüstel) gewünscht. So findet sich viel Pathos ("Hymn of a thousand voices"), der musikalisch nicht immer das liefert, was man sich von Dream Theater erhofft. 

Auch wird an manchen Stellen Potential verschenkt. "A life left behind" beeindruckt eine Minute lang mit allerfeinstem Pop-Prog europäischer Prägung, bevor James La Bries Melodielinien aus dem genialen Anfang eine Durchschnittsballade machen. Schade.

Apropos Melodien: Loben muss man Gitarrist John Petrucci zwar nicht für seine leichtmatrosige Hintergrundgeschichte, aber durchaus für seine Soloarbeit an den sechs und sieben Saiten. Petrucci spielt die schönsten und schlüssigsten Soli seit "Scenes from a Memory". Und auch noch ein Wort zu La Brie: Ein wenig vokale Abwechslung hätte dem Album gut getan. Während das sensationell starke Arjen Lucassen Album "The Human Equation" mit James La Brie als Hauptsänger deshalb so geil ist, weil der Barde viele weitere starke Charaktere an seiner Seite hat (Devin Townsend zB), leidet "The Astonishing" ein wenig unter Eindimensionalität, auch wenn Petrucci La Brie durch sein Songwriting immer wieder versucht aus der Komfortzone zu locken. Das gelingt ab und an ziemlich gut (wieder "Three days"), leider haben La Bries zweite und dritte Stimmfarbe immer noch deutlich zu wenig Spielanteile. Nach Abpfiff des Mega-Werkes bleibt man als Zuhörer deshalb kurz ratlos, bevor man wieder von vorne anfängt und neue Perlen findet. Eine CD, die wächst, die aber durchaus 30 Minuten kürzer hätte sein müssen. 

Nach runden sechs Durchgängen würde ich diese Scheibe zu den besten fünf Dream Theater Outputs zählen (nach Images & Words, Scenes, Awake und When dream and day unite) - trotz aller Kritikpunkte.

 

Fazit: Zu langes aber enorm spannend-kitschiges Melodiemassaker

 

Picture

 

 

Review: Remedie - Sorrowful Angels

Sorrowful-Angels-Remedie-300x300Schon seit 1999 treiben sich die Griechen von Sorrowful Angels auf den Bühnen der Welt rum, zwischen 2013 und 2014 tourten sie gar als Supportband und gleichzeitig Backingkombo von Ex-Maiden Schreihals Paul Di'Anno durch Europa. Mit "Remedie" meißelt das Athen-Quartett allerdings erst das dritte Album in die Rillen. 

Die Wikipedia faselt gewohnt stilunsicher etwas von Gothic-Metal, wenn es um die Musikrichtung der Band um Sänger und Gitarrist Dionisis Christodoulatos geht. Das ist natürlich Unsinn. Auf "Remedie" hören wir klassischen Metal mit leichten (sehr leichten) Prog-Einflüssen und einer etwas stärkeren Powermetal-Schlagseite. Düster geht anders. Dionisis Christodoulatos ist übrigens das dienstälteste aktive Mitglied - und das, obwohl er erst 2008 zur Band stieß. Vom Original-Lineup gibt es nur noch Spuren im heißen griechischen Szenesand. Da ging es auch erst richtig los bei den traurigen Engeln. 

Der Vierer schafft es auf "Remedie" recht gekonnt, sich zwischen Dream Theater  ("Leap of Faith", "Shatterbox") und Paradise Lost ("Against The dying") zu platzieren. Technisches Niveau ist massig vorhanden, manchmal fehlt etwas Dreck und die Band klingt zu klinisch ("Immaculate Disguise"). Das Songwriting reicht nicht an die oben genannten Speerspitzen heran, doch einige Tracks machen   durchaus Spaß, so dass unterm Strich ein leicht überdurchschnittlicher Gesamteindruck bleibt. Für mehr fehlt einfach die Relevanz im Songwriting, auch wenn die CD mit mehrmaligem Hören noch leicht anwächst.

 

Fazit: ordentliches Metal-Handwerk aus Athen

 

Picture

Review: 21 Octayne - 2.0

PictureEine alte Musikerweisheit besagt, dass man für die erste Scheibe ein Leben lang Zeit hat, während man die zweite in nur einem Jahr fabrizieren muss. Gemeint ist, dass man für ein Debüt seit Ewigkeiten Songs schreibt, während der Nachfolger dessen dann in Eile zusammengeschustert werden muss und dennoch hohe Qualität haben sollte. Auch 21 Octayne haben bis auf einen Song komplett neu komponiert um mit "2.0" der schon beträchtlichen Fangemeinde einen fetten Brocken hinzuwerfen. Das Follow-up zum Debüt (Review hier) übertrifft dieses sogar in einigen Punkten. Los geht es mit "Devil in Disguise", ein fetter Uptempo-Rocker im Stil von Slash mit Myles Kennedy, Breaks sind das Steckenpferd der Band und gleich bei der Startnummer wird dies überdeutlich. Klasse Nummer!

Mit "Take me back" zeigen 21Octayne den perfekten Spagat. Musiker werden es lieben und, wenn der Refrain so mitreißend ist, auch der nicht musizierende Partner begeistert. Während der Refrain ins Radio gehört, ist der Rest ruppiger. Eine Ballade fürs Radio darf auch nicht fehlen. "When you go" mixt Alter Bridge mit 80er Jahre AOR und im Gesamtkontext der CD eher ein Leichtgewicht. Der Tonartwechsel, der den letzten Refrain scheinbar erhöht, ist trotz der leichten Klammerbluesaffinität des Tracks aber ein Leckerbissen.

Weiter geht die wilde Fahrt mit "Love is just a heartbreak away". Der bockstarke „Wohoho“- Refrain und die immer wieder eingestreuten Halftime-Parts machen diese Nummer zu einer Art Vorbild für geschmackvolles Songwriting. Danach wird es wild. "Take me away" lotet die Extreme von 21 Octayne perfekt aus. Ein knallhartes Riffing im Intro, garniert mit großem Mittelteil plus Refrain im Alter Bridge-Stil (etwas sperrig und deshalb spannend) wird gekrönt durch ein wahnwitzges Iron Maiden meets Dream Theater-Spektakel plus äußerst aufregendem Gitarrensolo. Das ist definitiv ein Musikersong, hier gibt es soviel zu entdecken, ganz ganz stark. 

Bei „Lost“ schaltet die Band dann wieder einen Gang runter. Ein chilliger Beginn im Toto-Stil, der Rest ist Radiomusik. Nicht schlecht aber wenig spektakulär. "The Circle" ist der bassigste Song der Scheibe. Nach einem fetten Riff wahwaht sich Andrew Lauer durch die Strophe, bekommt später auch noch ein aufwendig inszenierte Bass-Bridge zum Solo hin. Hagen singt formidabel, Marco fidelt erstklassig. Super Song! "Date with myself"  ist der einzige Song, der nicht komplett neu geschrieben wurde, sondern noch ein Fragment der Debüt-CD ist. Zu tun haben wir es hier mit einem echten Bluespattern, dessen Grundgerüst zu einem starken, eingängigen Ohrwurm-Refrain führt, in dem auf einzigartige Weise das Bluesschema verworfen, dann wieder aufgenommen wird. Spannend. Toll, was Alex hier macht. Während alle gemächlich rumbluesen, spielt er einige aberwitzige Fills auf dem Schlagzeug.

Der spaßige Mittelteil lässt kurz den Blues vergessen bis Marco solotechnisch richtig einen abdrückt. Beim anschließenden "Fly with me" wiegt man sich zuerst in Sicherheit bis ein wahres Metal-Lick in auf dem Album noch nicht gehörter Härte über den Hörer hereinbricht. Der vielschichtige und variantenreiche Track überrascht mit ruhiger Strophe in treibendem Groove, einem echten FusionSoloteil und einem Metal-Refrain. Für den Schluss hat sich die Gruppe dann etwas ganz Besonderes aufgehoben: "Tale of a broken child" geht rund zehn Minutenund ist ein echtes Epos, irgendwo zwischen Genesis und Dream Theater. Einem wirklich genialen Intro (Vinylkratzen, Lowfi-Gesang, der auf etwas überraschender Weise in enorme Surroundweite übergeht) folgt eine Stairway to Heaven-Reminiszenz.

Die dann einsetzende Melodie kommt übrigens immer wieder in einigen Songs vor und bildet eine Klammer. Einem Soundgewitter folgen echte Soloparts aller Musiker der ganz alten Progrockschule. Das sehr ruhig beginnende Gitarrensolo steigert sich scheinbar ins Unermessliche, ist so mitreißend wie der alles überragende Gesang von Hagen Grohe. Nach rund zehn Minuten manifestiert sich ein Wort im Kopfhörer (bitte unbedingt benutzen): Ein Meisterwerk und der beste 21 Octayne-Song beider CDs. Bitte mehr davon. 

 

Fazit: Enorm aufregender und abwechslungsreicher Zweitling mit grandiosem Epos zum Abschluss

 

5von6

Review: Iron Maiden - The Book of Souls

Book of Souls Iron MaidenDoppel-CD, 92 Minuten? Feuchter Traum? Nein, die neue Maiden ist so lang und wurde bereits vor der Bekanntgabe der Krebserkrankung von Frontsirene Bruce Dickinson fertiggestellt. Nun, da er scheinbar genesen ist, darf der Rundling in die Shops gestellt werden. Zuvor gab es bereits eine große Ankündigung, dass die Band mit einem neuen Jumbo-Jet mit Kapitän Bruce am Knüppel die Welt bereisen und bespielen wird. Die Vorfreude auf "The Book of Souls" konnte deshalb nicht größer sein, doch können Maiden über mehr als eineinhalb Stunden glänzen? 

Der Opener "If eternity should fail" macht schon einmal einen exzellenten Eindruck, ist untypisch für das erste Stück einer Iron Maiden-Scheibe. Eher im Midtempo verwurzelt grooven sich die Jungfrauen mit einem großartig singenden Dickinson durch fast neun Minuten. Alle Trademarks der Band sind da, orientalische Harmonien versüßen den Mittelteil und der Refrain ist ein absoluter Ohrwurm, der spätestens nach dem zweiten Mal zündet. Jetzt hauen die Briten die Single "Speed of Light" raus und die folgt dem Maidenschen Album-Schema seit 2000, welches besagt, dass die Single schnell und einfach zu sein hat. Kein "Run to the Hills", aber auch weit entfernt von einem schlechten Song. Danach geht es kurz bergab: "The great unknown" wird auch nach fünfmaligen Hörens nicht zur Übernummer. 

Dafür hauen Harris und Co anschließend mit "The Red and the Black" eine starke Nummer in die Rillen, bei deren Wohohoho-Teil man die Massen in den ausverkauften Stadien der Welt mitsingen zu hören vermag. Hat man sich erst einmal an die konsequent durchgesetzte Strophen-Gesangslinie gewöhnt (hier singt Bruce quasi analog zum Gitarrenlick), hält der 13-Minüter von Gitarrenduellen bis geilem Refrain eine ganze Menge zum Entdecken bereit. 

"When the River Runs deep" startet mit einem Lick, das auch auf "Seventh Son" sich hätte entladen können, bevor der Song richtig Fahrt aufnimmt und sich so zu einem der schnellsten Tracks der CD entwickelt (nicht ohne eine Maiden-typische Halftime Bridge natürlich).

Der Titeltrack ist mit seinen zehn Minuten fast zu kurz, scheint "The Book of Souls" doch hell und schön in der Herbstsonne der Maiden-Karriere. Klar, das Intro ist direkt stark an "The Talisman" vom letzten Album "The Final Frontier" angelehnt, doch danach zeigen unsere Lieblings-Jungfrauen, was sie im hohen Alter songwriterisch noch so auf dem Kasten haben. Wieder hören wir orientalische Skalen über langsam groovenden Rhythmen, haben einen Hauch "Powerslave" im Ohr und sind beeindruckt von Dickinsons Interpretation. Im letzten Drittel gibt die Band Gas und schafft es auch hier, dass 10.30 Minuten einem nicht zu lang vorkommen.

CD zwei startet mit "Death or Glory" in Gedenken an Kriegsnummern wie "Aces High" furios, kann einen tollen Refrain vorweisen, das Rennen gegen Trooper und Co aber naturgemäß nicht gewinnen. "Shadows of the Valley" ist eine Füllernummer, schade.

Besser macht es "Tears of a clown". Starker Refrain, die Vibes des Midtempo-Rockers erinnern an Dickinson-Werke wie "River of no Return" oder "Coming Home", der Soloteil ist einer der besten und mitreißendsten des gesamten Albums. Mit "The Man of Sorrows" holen Iron Maiden noch einmal Luft in Form einer hübschen Ballade, bevor der Höhepunkt des Albums einem die Kinnlade aufstehen lässt.

"Empire of the Clouds" ist ein absolutes Epos, das jeden Cent der CD alleine Wert ist. Die (wahre) Geschichte um das Luftschiff R101, einem Monster von Zeppelin, in den die ganze Titanic gepasst hätte (!) und das 1930 in Flammen aufging, ist echtes Prog-Material, ohne dass man je vergessen kann, welche Band hier spielt. Der ungewöhnliche Klavierbeginn und das später einsetzende Orchester täuschen nicht darüber hinweg, dass alle Maiden-Trademarks in den 18 Minuten ausführlich zum Tragen kommen. Wir reden hier von einem Song, den weniger vertrackte Dream Theater (mit besserem Sänger) oder frühe Marillion (mit dickeren Eiern) zusammen geschrieben haben hätten können. Wir reden hier von einem absoluten Brillanten in Maidens Karriere, der so manch schwächeren Track auf "The Book of Souls" vergessen lässt. 

 

Fazit: Drei Songs weniger und die Höchstpunktzahl wäre vorstellbar gewesen

 

Picture

Review: Frank Turner - Positive songs for negative people

317003a-empFrank Turner steckt in der Klemme. Soll er weiter den verzweifelten Poeten geben wie bei mitreißenden und körperlich weh tuenden Songs a la "Worse things happen at sea" oder trällert er mehr harmlose Erwachsenen-Radio-Fetzen im Stil seiner eher künstlerisch durchwachsenen aber enorm erfolgreichen letzten Scheibe "Tape deck heart"?
Mit "Positive Songs for negative people" kultiviert der Brite eher letzteres, verändert dabei die Instrumentierung der Tracks im Härtegrad, so dass er in einem Bandcontext während seiner Solokarriere noch nie so krachend klang. Mehr Springsteen, weniger Turner könnte man sagen, denn während die Melodien (immer eine seiner großen Stärken) zu lieblich und beliebig daher kommen, verdeckt die wuchtige Produktion so manche songwriterische Perle. Mit dem ersten Song zündet Frank eine akustische Nebelkerze, denn danach verändert sich die Stimmung der CD enorm. "Get better" ist nett aber Turner-Stangenware, wohingegen der nachfolgende Song "The next storm" zeigt, dass Frank auch mit vollster Band mitreißen kann. Vor allem der Halftime-Part in der letzten Minute ist episch.

Danach wird es arg gleichförmig auf der Langrille und Frank turnt in Jagdgründen zwischen dem Hooters (Demons) und eben Springsteen ("Glorious you") herum. Der Aufbau der Songs ist oft zu ähnlich, als dass man vor Freude vom Stuhl hüpfen möchte. Und dennoch: oft ergreift einen das Gefühl, dass es die enorme Wucht des Bandspiels ist, die die Songs nicht scheinen lässt. Zu guter Letzt packt Tuner mit "Song for Josh" einen eben jener akustischen Tracks aus, die die Welt für eine Sekunde still stehen lässt. Überragend.
Hört man sich nun die Deluxeversion von "Positive Songs for negative people" an, die bis auf letztgenannten Track alle Songs des Albums noch einmal als Unpluggedfassung enthält, in der Frank alles auspackt, wofür wir, die nicht im musikalischen Mainstream schwimmen, ihn so lieben, ist man zumindest etwas versöhnt. Jeder Song mit Ausnahme von "The next storm" ist in der Akustikversion besser, die Melodien rauher, die Intensität mitreißend, die Linien klarer, die Kanten schärfer und definierter. Das Songwriting scheint wie die Morgensonne. Diese "CD" bekäme 4,5 von 6 bei mir, für das "eigentliche" Werk gelten die Worte, die Frank in Get Better singt: We can get better because we are not dead yet

 

Fazit: zu viel Springsteen, zu wenig Turner

 

Picture

Review: Jen Majura

0889211583782Jen Majura ist so etwas wie die eierlegende Wollmilchsau unter den Musiker: Die Dame sieht scharf aus (Fotos), singt überragend (u.a. Backings bei Rage), spielt virtuos Gitarre (z.B. bei Knorkator) und zupft nen flotten Bass (bei Equilibrium). Mit ihrer einfach "Jen Majura" betitelten Solo-CD beweist sie darüber hinaus, dass auch in Sachen Songwriting alles im grünen Bereich ist. Zwischen funkigen Rhythmusparts ("And then you call", "You kill my appetite"), die oft irgendwo zwischen T.M. Stevens und Stevie Salas anzusiedeln sind, und auf die Zwölf-Licks ("Live in Hell") hat Jen das Gespür für Hooklines und schöne Refrains ("Expect the unexpected") und außerordentlich geschmackvolle Solo-Arbeit an der Sechssaitigen. Gerade die Soli schaffen den Spagat zwischen Technikfrickelei und singenden Melodien immer wieder, eine mittlerweile äußerst seltene Kunstform. 

Gegeizt wird auf "Jen Majura" auch nicht mit Gastbeiträgen. So hören wir Knorkators Stumpen, genießen 21 Octayne-Klampfer Marco Wriedt genauso wie Refuge's Manni Schmidt auf den zwölf Tracks, die man vielleicht als modern angefunkten Classicrock bezeichnen könnte. Zum Ende der Scheibe zündet nicht mehr jeder Track so prima wie in den Anfangsrillen und mit "Hide from the World" ist dann auch ein kleinerer Ausfall unter den zwölf Songs, die allesamt aus Jens eigener Feder stammen. Wenn Jen aber "I'm a long live life for Rock'n'Roll, I'm a hard rock girl with a rocking goal" singt, spürt man die Leidenschaft und Kraft, die sie in ihre Solo-CD gesetzt hat, nur zu deutlich. 

 

Fazit: Klasse Solo-Scheibe eines exzellenten Hard Rock Girls

 

Picture

 

 

 

 

 

 

 

 

 

ACHTUNG: Die RocknRoll-Reporter
verlosen 3x "Jen Majura" (die CD, nicht die Dame!). 

 

Wer gewinnen will, schreibt bis Sonntag, 26. Juli 2015, eine Email mit der Betreffzeile "JEN!!"

Unsere Adresse: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Hinweis: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spam geschützt. Wir benötigen Eure komplette Adresse und, ganz wichtig, ein bis zwei nette Sätze, warum Ihr den Preis gewinnen wollt. Dieser Zusatz ist Bedingung für die Teilnahme. Mehrfach-Einsendungen und Einsendungen von Gewinnspiel-Robotern werden sofort ausgeschlossen. Unter allen richtigen Einsendungen werden die Preise ausgelost. Eine Barauszahlung ist nicht möglich, der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

 

Wer kein Glück hat, kauft sich das schöne Teil einfach und zwar HIER!

Verlosung: Jen Majura

0889211583782Jen Majura ist so etwas wie die eierlegende Wollmilchsau unter den Musiker: Die Dame sieht scharf aus (Fotos), singt überragend (u.a. Backings bei Rage), spielt virtuos Gitarre (z.B. bei Knorkator) und zupft nen flotten Bass (bei Equilibrium). Mit ihrer einfach "Jen Majura" betitelten Solo-CD beweist sie darüber hinaus, dass auch in Sachen Songwriting alles im grünen Bereich ist. Zum Review der CD geht es HIER!

 

ACHTUNG: Die RocknRoll-Reporter 

verlosen 3x "Jen Majura" (die CD, nicht die Dame!). 

 

Wer gewinnen will, schreibt bis Sonntag, 26. Juli 2015, eine Email mit der Betreffzeile "JEN!!"

Unsere Adresse: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Hinweis: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spam geschützt. Wir benötigen Eure komplette Adresse und, ganz wichtig, ein bis zwei nette Sätze, warum Ihr den Preis gewinnen wollt. Dieser Zusatz ist Bedingung für die Teilnahme. Mehrfach-Einsendungen und Einsendungen von Gewinnspiel-Robotern werden sofort ausgeschlossen. Unter allen richtigen Einsendungen werden die Preise ausgelost. Eine Barauszahlung ist nicht möglich, der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

 

Wer kein Glück hat, kauft sich das schöne Teil einfach und zwar HIER!

Review: Night Flight Orchestra - Skyline Whispers

Night-Flight-Orchestra--Skyline-Whispers-01-300x300Night Flight Orchestra ist die Classic-Rock Band von Björn Strid (Soilwork) und Sharlee D' Angelo (Arch Enemy). Nach dem superben Debüt schneiden sich die Nachtschwärmer mit "Skyline Whispers" einen Nachfolger aus den Rippen, der der ersten Scheibe nur in wenigen Aspekten nachsteht und eine der besten Platten des Jahres 2015 sein wird. Verrückt ist es natürlich völlig, dass man mit dieser Art der Musik in diesem Jahrzehnt überhaupt Erfolg haben kann. 

Denn Night Flight Orchestra klingen wie Ende der 70er, Anfang der 80er gute (moderate) Rockmusik geklungen hat und Strid hat das Rezept des Classic Rock derartig zu seiner Leibspeise verkocht, dass es eine wahre Wonne ist. Mit "Sail on" setzen die Schweden einen beeindruckenden Kurs gleich zu Beginn. Hooklines, Instrumentierung, Dynamik - das Night Flight Orchestra wäre in einer perfekten Welt Headliner eines jeden Rockfestivals (und würden dafür sorgen, dass Soilwork das Nebenprojekt von Björn Strid wäre und nicht anders herum).

Um die Musik des "Orchesters" zu verstehen, muss man nicht den echten Classic Rock zu seiner Hochzeit live erlebt haben, helfen kann das aber ungemein. Besonders angenehm: Während sich das Gros der in der Classic Rock-Welle involvierten Bands auf Urväter wie Led Zeppelin beruft, haben Strid und Co deutlich feinere Züge als Referenzen vorzuweisen.

Ein wenig Kansas, etwas REO Speedwagon oder auch mal einen Hauch Journey - die Reise, die auf "Skyline Whispers" perfekt fortgesetzt wird, führt weg von den komplett ausgetretenen Pfaden des Retro-Booms.

Mit "Living fot the Nighttime", "Lade Jade" (umwerfender Refrain), dem mitreißenden "Demon Princess" oder "All the Ladies" zeigen Night Flight Orchestra, was sie am besten können: eine Zeit der Musik zelebrieren, die nach Vinyl riecht, die nach unbeschwerten nächtlichen Autofahrten auf leeren sommerlichen Highways schreit. Ab und an wird es experimenteller als auf dem Debüt, etwa bei "The Heather Reports" oder "Spanish Ghosts", was "Skyline Whispers" sperriger als den Erstschlag macht. Schnell öffnet sich aber auch diese Schatztruhe wie von selbst und lässt besagte Songs wie Diamanten im Sonnenlicht funkeln. Was stinkt? "Stiletto" ist zu cheesy, mehr Mitt-80er als alles andere. Dazu erscheint mir das Instrumental "Owaranai Palisades" überflüssig, doch das ist Meckern auf ganz hohem Niveau.

 

Fazit: Mitreißende Fortsetzung des Nachtflugs in die 70er

 

Picture 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Tracklist: 

01. Sail On
02. Living For The Nighttime
03. Stiletto
04. Owaranai Palisades
05. Lady Jade
06. I Ain’t Old, I Ain’t Young
07. All the Ladies
08. Spanish Ghosts
09. Demon Princess
10. Skyline Whispers
11. Roads Less Traveled
12. The Heather Reports
13. Floridian Eyes (exclusive digipak bonus track)

 

 

Review: KGB

Kyle-Gass-Band-Cover-300x300Er ist der kongeniale Partner von Jack Black (JB) bei Tenacious D, doch Kyle Gass ist auch mit anderen Bands unterwegs. So formierte er einst die Gruppe Trainwreck, die sich allerdings schon bald wieder von der Bühne verabschiedete. Nun präsentiert der Gitarrist, Sänger und Schauspieler mit Mike Bray, John Konesky (der auch in Tenacious D involviert ist), Jason Keene und Tim Spier die Kyle Gass Band (KGB) und rockt munter drauf los. Das könnte ihn etwas aus dem Schatten des überragenden Jack Black treten lassen, denn Kyle ist eben nicht nur der kleine dicke Partner von JB. Die erste, selbstbetitelte, CD der Formation zerstreut schon mit dem recht knackig rockenden Opener "Manchild" alle Sorgen, diese Band könnte im rein stromlosen Musizierens ihr Dasein fristen, ist Kyle doch vornehmlich mit einer Westerngitarre anzutreffen.

Die spielt er natürlich auch bei KGB, doch ist sein akustisches Spiel "nur" die dritte Geige, stehen ihm mit Konesky und Bray dabei zwei hervorragende E-Gitarristen zur Seite. Auch die Leadvocals werden bei KGB geteilt, was zu einer schönen Vielfalt führt, denn gesangstechnisch ist alles erste Sahne bei KGB. Mike Bray ergänzt sich mit Kyle Gass ähnlich formidabel wie KG mit JB.  

Das Debütalbum springt munter zwischen rockigen Tracks "Our Job to rock", bluesigen Elementen bei "Dying Day" und nach Sommer klingenden Southern Rock-Tracks wie das ausgezeichnete "Getting the Band back together", das zwar hier und da an Tenacious D erinnert, auf ganzer Länge aber doch noch andere Kontrapunkte setzt (etwa das Lynard Skynard-Gedächtnis-Solo). Zum Abschluss gibt es mit "Gypsy Scroll" noch einen leichten und nicht übertriebenen Country-Hauch. Ausgezeichnete Scheibe.

 

Fazit: Vielleicht die perfekte Sommer-Scheibe

 

Picture

Review: Van Halen - Tokyo Dome in Concert

A1ksgsTNyxL. SL1500 Es ist vollbracht: Diese vorliegenden 25 Tracks von "Tokyo Dome in Concert" sind in der Tat die ersten offiziellen Liveaufnahmen von Van Halen mit Ursprungsfrontmann David Lee Roth. Nun war Diamond Dave niemals der begnadetste Sänger auf Erden, was sicher auch ein Grund für fehlende Liveaufnahmen auf Tonträgern ist. Während Van Halen mit Nachfolge-Sänger Sammy Hagar gerne mal den ein oder anderen Live-Track auf eine Kompilation setzte oder mit "Right here, right now" ein ziemlich überzeugendes Tourdokument ablieferte, wusste Mastermind Eddie wohl, dass Davids Gekrächze den Fans außerhalb des Erlebnisses eines Konzerts nur schwer zuzumuten ist.

Warum er von dieser durchaus richtigen Sichtweise abgerückt ist, weiß ich nicht, doch ich kann Euch sagen, dass diese CD richtig wehtut. Eddie klingt nämlich ziemlich grandios, feuert ein Tappingsolo nach dem anderen ab, rockt recht roh und heavy über die zwei Scheiben und gibt sein Allerbestes, während der Einsatz des "Gesangs" in fast allen Songs den Hörgenuss komplett versaut. David Lee Roth trifft nicht nur selten die Töne, er hat sich auch einen schlimmen Sprechgesang angewöhnt, der schnodderich und unmotiviert rüberkommt. Ohne Bilder (denn ein echt genialer Frontmann ist er immer noch) ist das Ganze kaum zu ertragen. Dieser Mann ist reif für die Rente! 

Dazu kommen einige kleine Spitzfindigkeiten, die bei Van Halen-Fans durchaus schwer wiegen können: Die Backroundgesänge sind ordentlich, aber sie sind nicht brillant. Zumindest fehlt hier Ex-Bassist Michael Anthony enorm. Aber der ist ja wie Hagar in Ungnade gefallen. Eddies Sohnemann Wolfgang ist spielerisch sicher nicht deutlich schlechter als sein Vorgänger, stimmlich aber hat Anthony nahezu jeden Van Halen-Song veredelt. 

Geboten werden neben Klassikern wie "You really got me" oder "Unchained" zwei Tracks von der letzten Van Halen-Scheibe. Warum man mit "China Town" gerade einen der schwächsten ausgewählt hat, bleibt schleierhaft. Mit "Eruption" in Überlänge gibt es dann zumindest auch das obligatorische Eddie-Solo - ohne Gesang. Danke!

 

Fazit: Überflüssig und qualitativ höchst fragwürdig - trotz eines Eddies on fire 

 

Picture

Review: Battle Beast - Unholy Saviour

81aCZVxzFFL. SL1417 Nein, über das Cover der neuen Battle Beast-Scheibe "Unholy Saviour" möchte ich nicht lästern. Dieses Artwork steht schließlich für sich selbst und ist wirklich der kleinste Makel am aktuellen Album der Finnen um Frontfrau Noora Louhimo. Wenn ein Keyboarder so geschmacklich abscheuliche Sounds für seine Band auswählt, wie Janne Björkroth, dann ist das Ende des Metal nahe. Das Keyboard klingt durchweg nach Dieter Bohlens Tatortproduktionen der 80er Jahre und penetriert nahezu jeden Song. Nahezu - weil es dann zwischen dem ganzen schlimmen Ballermetal eben doch die ein oder andere Perle gibt. Das sind dann fast immer die Songs, wo es ins Uptempo geht und die gute Gitarrenarbeit die Keyboards so gut es geht in den Hintergrund treten lässt. Mit "I want the world...and everything in it", "Madness" sowie "Speed and danger" befinden sich unter den ersten sechs Songs gleich drei richtig starke, doch danach wird es gruselig. Nehmen wir einmal "Touch in the night". Dieser Fetzen ist dem leider immer noch nicht verschiedenen Genre der Powerballade zuzurechnen und "überzeugt" mit 80er Jahre Drumcomputer-Samples und einer Belanglosigkeit, die ihresgleichen sucht. Noora macht hier einen auf Samantha Fox, das längst verblasste Lichtlein, das in den 80ern neben barbusigen Fotos auch einen Song wie "Touch me" verbrochen hat. Immerhin steht die Britin auch für das 1986 erschienene Computerspiel "Samantha Fox Strip Poker", das Monochrom-Fotos der Guten enthielt, aber das nur nebenbei. Von einer, der sich auszog das Singen zu lernen, zurück zu einer Gruppe, die sich im Einheitsbrei aktueller Metalproduktionen wiederfindet. Alles ist glatt poliert, die Drums klingen synthetisch, die Gitarren hingegen sehr gut, der Gesang ist stark und höchst variabel. Leider ist bis auf die erwähnten drei Songs und mit Abstrichen noch "Far Far away" (mit leicht geklautem Two Minutes to Midnight"-Riff) und die kurze Prelude "The Black Swordsman" (die zum absolut überflüssigen Instrumentalverbrechen "Hero's Quest" überleitet) viel Fremdschämen angesagt.

 

Fazit: Drei großartige Songs machen keine gute Platte

 

Picture

Review: Black Star Riders - The Killer Instinct

blackstarriderskillercdcoverDas Konzept, welches die Black Star Riders verfolgen, passt prima in unsere Zeit, die die Unsterblichkeit zu erringen, als höchstes Gut feiert. Die Black Star Riders waren mal Thin Lizzy, natürlich ohne Legende Phil Lynott, und führen nun unter einem neuen Namen mit neuen Songs genau diese Linie von Phil weiter, in dem sie Songs komponieren, die die Marke (sagt man heute leider so) Thin Lizzy  weiter führen.

Das Konzept, den Namen zu ändern, weil sie neue Songs veröffentlichen wollen, wäre meines Erachtens nicht nötig gewesen, denn schon das Debüt hat so sehr nach Thin Lizzy gerochen, dass es eine wahre Wonne war. Mit "The Killer Instinct" wird nicht am Konzept gerüttelt und das ist prima. Denn der Zweitschlag atmet den Hauch von Lynott und Dublin, wie es nicht schöner sein könnte. Der Opener der CD könnte in der Tat von Phil Lynott geschrieben worden sein und ein viel größeres Lob kann eine Band nicht bekommen. Mit "Bullet Blues" aber zeigen die Mannen um den absolut echtesten Thin Lizzy-Gitarristen Scott Gorham und den wirklich grandios authentischen Sänger Ricky Warwick (kennt noch jemand The Almighty?), dass sie auch etwas Neues zum Gesamtwerk beitragen können.

Eine Prise Led Zeppelin schwingt hier mit (wie auch bei "Sex, Guns & Gasoline"), das Timbre Warwicks macht aber auch diese Nummer einzigartig und Lizzy-like. Insgesamt wird der irische Thin Lizzy-Pfad jedoch selten verlassen. "Soldierstown", "Charlie, I gotta go" oder "Finest Hour" versetzen einen unverzüglich an den Liffey, die Temple Bar in der Nähe. Insgesamt ist das Zweitwerk dichter, die hochklassigen Refrains des Debüts fehlen manchmal etwas. Überflüssig finde ich zudem die Ballade "Blindside". Das können andere besser, das konnte Thin Lizzy viel besser.

 

Fazit: Phil Lynott wäre stolz, denn hier lebt der Geist des Iren für immer weiter

 

Picture

Review: Thunder - Wonder Days

81gqRXgprzL. SL1428 Thunder waren für mich früher so etwas wie die Ersatzdroge zu den im Haarspraynebel verschwundenen Whitesnake. Als David Coverdale sein bluesiges Timbre verleugnet hat, um in immer höheren Spähren trällern zu wollen, kamen mir Thunder mit Danny Bowes gerade recht.

Bei Thunder roch niemals etwas nach Spandex aus L.A., hatte man Single Malt statt Jack Daniels im Sinn. Nach sechs Jahren gibt es nun endlich ein Lebenszeichen der Band, die bis auf die öfter mal vakante Stelle am Bass auch personell eine Konstante sind. "Wonder Days" heißt das gute Stück, aber ist es auch ein Wunderwerk? 

Klug, wie die Briten sind, haben sie mit dem Titelstück den besten Track der CD ganz nach vorne gestellt und können den Hörer so schon ziemlich fesseln. Bowes leidenschaftlicher Trip in die Vergangenheit, in die Zeit, in der er die Gitarre entdeckte, um die Mädels zu beeindrucken, ist ein wundervoller Retrozug, der alle Trademarks der Band in den Wagons beherbergt: beeindruckende Gesangslinien, perfekte Rhythmusarbeit, mitreißende Solospots. Hier schwingt auch eine Menge Led Zeppelin im Groove mit. Ein solch starker Song birgt aber auch Gefahren an dieser ersten Stelle. Und auch Thunder erreichen diesen Track im Laufe der gesamten Spielzeit qualitativ nicht mehr, sammeln aber fleißig Pluspunkte für die Monsterballade "Broken", die beweist, dass nicht jeder Schmalz ungenießbar sein muss. Folkige Elemente ("The Rain"), gar Maideneskes Galoppieren im spannenden "The Prophet" oder wieder einmal Led Zeppelin in "Chasing Shadows" zeigen die Band in Bestform. Dazu kommt mit "When the music played" ein episches Werk, das in seiner Vielschichtigkeit in Thunders Karriere ein Ebenbild schwerlich findet.

Warum gebe ich nicht die Bestnote? Der Grund sind einige Füller: "Resurrection Day" klingt nach den schlimmen Verbrechen eines Bryan Adams nachdem dieser den Rock 'n' Roll verraten hat (so nach "Reckless" etwa), "Serpentine"  ist ein belangloser Blueser und "I love the weekend" ein frustrierender Chuck Berry-Spaß-Song, der die CD nicht stimmig beschließt.

 

Fazit: Starkes Comeback mit einigen (wenigen) Längen

 

Picture

 

Review: Lande / Holter - Swing of Death

dracIch gestehe, ich habe eine Schwäche für Konzeptalben und Rock-Opern. Auch Jorn Lande halte ich für einen außergewöhnlichen Sänger, der aber leider in den letzten fünf Jahren so unendlich viele CDs veröffentlicht hat, ohne auch nur ansatzweise sein Potential auszunutzen. Handwerklich immer alles perfekt, Gesang überragend, Songs? Genau, keine (oder kaum brauchbare).

Der neueste Versuch hat mich dennoch schon bei der ersten Pressemitteilung angefixt: Mit dem Wig Wam-Gitarristen Trond Holter intoniert er eine Rock-Oper um Graf Vlad the III, Prinz der Wallachei, besser bekannt als Vlad, der Pfähler, später berühmt als Dracula (durch Bram Stokers Story).

Nun liegt das Gesamtwerk vor und ich bin gelinde gesagt recht begeistert. Die Handlung befasst sich mit den inneren Kämpfen des Grafen, hat historische Hinweise genauso wie welche an die literarische Horrorgeschichte Stokers, die den Vampirmythos so richtig in Schwung brachte (und nein, liebe Kinder: Twilight-Schrott hat mit diesem Mythos so rein gar nichts zu tun!). Jorn singt den Grafen und hat eine enorm starke weibliche Mitdarstellerin im Boot: Die Norwegerin Lena Fløitmoen interpretiert die Rollen von Mina und Lucy. Vor allem in den Duetten scheint diese CD enorm. 
Die Zusammenarbeit mit Trond Holter, der mit Jorn alle Songs geschrieben hat, scheint dem Sänger geholfen zu haben. Das Songwriting ist deutlich besser als auf seinen letzten Werken und die musikalische (leichte) Neuausrichtung (hier etwas Meat Loaf, da etwas Queen, immer aber hart rockend) macht "Swing of Death" zu einem ersten Jahreshöhepunkt für mich. Es gibt sogar Pläne, die Rock-Oper in die Theater zu bringen (leider nur in Norwegen). Noch lieber hätte ich aber eine Tour mit dem ganzen Zeugs. Die ersten zwei Songs ("Hands of God", "Walking on water") weisen den Weg und sind bockstark. "Swing of Death" ist arg musicallastig geraten, doch das gehört auch irgendwie dazu. Weitere Anspieltipps sind das mitreißende Duett "Save me" und der Rocker "Queen of the Dead". Insgesamt ist das gesamte Album hervorragend inszeniert, die Gitarrenparts sind äußerst variabel. Mal blitzen metallische Folk-Elemente durch (für "Walking on Water" scheint der gute Trond Holter sehr genau "Bloods of Emeralds" von Gary Moore gelauscht zu haben), mal wird auf das Gaspedal gedrückt und werden technische Kabinettstücke heruntergefiedelt. Insgesamt also eine komplett runde Sache, bei der das Instrumentalstück ein wenig zu beliebig wirkt und nur Zeit klaut, in der ich lieber noch einmal einen Song mit Lena Fløitmoen gehört hätte.

 

Fazit: Tolle Rock-Oper rund um unser aller Lieblingsvampir

 

Picture

Review: Soto - Inside the vertigo

SOTO Inside-The-Vertigo coverJeff Scott Soto ist ein Ausnahmesänger. Was der Typ schon alles veredelt hat (Malmsteen, Axel Rudi Pell - um nur zwei zu nennen), unglaublich Mit „Soto“ haut er eine Art Bandprojekt in die Kerbe und „Inside the Vertigo“ ist das erste Ergebnis. Mit dieser Band wolle er Dampf ablassen, erzählt der Vokalakrobat und in der Tat liefert er hier ein dichtes Album mit knallendem Hardrock an. Neben den üblichen spektakulären Gesangleistungen überzeugt vor allem Lead-Gitarrist Jorge Salat mit einigen unwiderstehlichen High Energy-Soli. Weiter zur Band gehören BJ (keys, git), David Z. (bass) und Edu Cominato (drums).
Das Album sprüht nur so vor hochklassigen Hardrock-Songs: Nach dem Start mit „Final Say“, „The Fall“, „Wrath“ und „Break“ ist man erst einmal sprachlos und fragt sich, ob man hier das Hardrock-Album des Jahres auf den Ohren hat. Die Band steht derart auf dem Gaspedal, dass es die wahre Wonne ist. Während es zu Beginn recht klassisch rockt, wird es im mittleren Drittel sphärischer und Soto lassen die Songs mehr atmen, was einen leichten Druckabfall zufolge hat („Inside the Vertigo).

Das Songwriting bleibt aber auf einem sehr hohen Niveau und beweist die Vielseitigkeit der Band. Die obligatorische Ballade, die bei Jeff immer mal gern leicht „cheesy“ ausfällt, darf natürlich nicht fehlen und „When I’m older“ kommt mir auch schon schnell aus den Ohren heraus. Zum Glück wird im weiteren Verlauf heftig gerockt, die Singqualität von Tracks wie „Trance“ oder „Fall to pieces“ kommt aber nicht mehr ganz an den sensationellen Start des Albums heran.

 

Fazit: Bockstarke Energieleistung mit ganz wenigen Kritikpunkten

 

Picture

 

 

Review: AC/DC - Rock or Bust

ac dc rock or bust 01 b6851bc917Das ist sie nun, die neue AC/DC-Scheibe, ein Werk, dem viele Kritiker eine Bedeutung wie "Back in Black" zukommen lassen möchten. Damals war das der Befreiungsschlag nach Bon Scotts Tod, AC/DC wurde keine große Zukunft mit dem neuen Sänger prognostiziert. Was dann geschah, ist Musikgeschichte. Nun also Malcolm Young, Angus' kongenialer Partner an der Gitarre. Eine schwere Demenzerkrankung lässt seine Beteiligung am Schlachtschiff aus Australien nicht mehr zu. Warum dann noch eine CD machen? Zumal auch Groovemachine Phil Rudd fehlt. Warum? Darum!

Weil Stevie Young, ein Jungspund mit seinen 58 Jahren, Malcolms Gitarrespiel derart verinnerlicht hat, dass es Spaß macht die Rhytmusgranaten auf "Rock or Bust" zu hören. Weil Angus und Sänger Brian Jones in Topform sind, weil das Songwriting endlich wieder auf höchstem Niveau ist. "Rock or Bust" schlägt den lahmen Vorgänger "Black Ice" um Längen, auch, weil AC/DC das machen, was sie am besten können: AC/DC sein! Ok, das machen sie immer, mal mehr und mal weniger gelungen, aber der Titeltrack zum Beispiel gehört auf eine AC/DC-Best of, wenn es die Band wirklich irgendwann nicht mehr gibt. Dazu kommen einige ziemliche Granaten, die uns wissen lassen: "Noch geben wir Airbourne nicht den Titel der neuen AC/DC ab!"

Es sind diese unwiderstehlichen Momente, die nur diese Australier abfeuern können, die "Rock or Bust" trotz der knapp 35 Minuten zu einem Dauerbrenner macht. Das immer wieder eingeschleuste Repeating-Riff von "Play Ball" etwa oder die grandiose Groove-Figur im Abschlusssong "Emission Control". Dazu haben Angus und Co endlich einmal wieder verstärkt Led Zeppelin gehört ("Rock the House", "Baptism by fire") und ihren Backkatalog nach den schärfsten Momente abgesucht, um einige neue Groovemonster frankensteinartig zu erschaffen. "Got some Rock & Roll Thunder" ist so eine Nummer, die nur AC/DC schreiben können. 

 

Eine neue ACDC-Scheibe zu hören, ist wie der Besuch bei einem ganz alten Bekannten. Man fühlt sich sofort wohl und auf die Frage, was es Neues gebe, erhält man keine weltbewegenderen Informationen. Am Ende fährt man betrunken und glücklich nach Hause, beseelt davon, dass das Universum ab und an im Gleichgewicht schaukelt.

 

Picture