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Mittwoch Juni 20, 2018
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3 items tagged "Rollenspiel"

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Review: Vampyr

81SkQ1MPvmL. SL1500 Dontnod hat mit "Life is Strange" eines der besten Indie-Spiele der letzten Jahre veröffentlicht, jetzt wagt sich das Studio an ein Action-Rollenspiel. In "Vampyr" erkundet man das London des frühen 20. Jahrhunderts, ein von der spanischen Grippe arg gebeuteltes London. Der Spieler ist ein zum Vampir gewordener Militärarzt. Man muss sich erst einmal einleben, denn das Dasein als Vampir ist kein Zuckerschlecken. Allerhand Kreaturen trachten einem nach dem untoten Leben und jede Entscheidung (beiß ich die Ratte oder saug ich den armen Menschen aus?) hat Konsequenzen im Spiel. Bewahrt man sich seine Menschlichkeit oder will man gänzlich zum Fürsten der Finsternis werden?

Für echte Vampirfans ist das Spiel auf jeden Fall eine Empfehlung, auch, wenn einem oft die technische Seite zum Teil die Freude am Durchstreifen des faszinierend dargestellten Londons vermiest. Die Grafik ist derart schwach, dass man den Eindruck hat, auf der PS3 zu spielen. Für Hightech-Fetischisten ist das also schon einmal nichts. Der Sound hingegen reißt vieles wieder raus, denn die komponierte Musik lässt schaudern und passt hervorragend zum Setting. 

Die Steuerung ist nicht immer präzise (vor allem in den vielen Kämpfen), doch mit etwas Übung durchaus im grünen Bereich. Wer Vampyr spielen will, muss sich auf einen Wust an Dialogen einstellen. Hier kann (und sollte) man stundenlang mit den vielen Bürgern der Stadteile reden - wenn man sie nicht gerade von ihrem Blut befreit. 

Dontnod hat vieles richtig gemacht und einige interessante Entscheidungen getroffen. So gibt es pro Spiel nur einen einzigen Speicherstand, so dass man absolut mit einmal getroffenen Entscheidungen leben muss. Etwa 20 Stunden entspinnt sich die Story um den Vampir-Doktor Reid. Einige Dinge sind aber schlichtweg ärgerlich und einem Rollenspiel nicht würdig. So kann man einfach überall irgendetwas mitgehen lassen, fremde Tagebücher und Briefe lesen - ohne, dass die Besitzer sauer werden. Warum? Ich weiß es nicht, dem Gameflow hilft das auch nicht wirklich und dem Realismus ist es wenig zuträglich. Auch nerven die immer gleichen Wege (die zum Teil sehr lang sind). Warum kein Schnellreisesystem? 

Unterm Strich ist Vampyr ein tolles und gleichzeitig ärgerliches Spiel. Die Atmosphäre und Grundidee, ja auch die Kämpfe sind ganz stark, die technische Umsetzung oftmals ein Graus. Vampir-Fanatiker müssen aber trotzdem zugreifen.

 

Fazit: Flotte Kämpfe, grandioser Soundtrack, gute Atmosphäre - schlimme Grafik

 

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Review: Kingdome Come - Deliverance

kingdom-come-deliverance 6019143Das Setting von "Kingdom Come: Deliverance" des tschechischen Entwicklers Warhorse ist erfrischend zurückhaltend und anders. Keine Magie, keine Drachen oder sonst ein fiktionales Getier, statt dessen hartes Mittelalter ohne den Helden, der die Welt retten muss. Allein das ist ein Reinschnuppern in das Spiel wert, dessen Entwicklung immerhin rund 36 Millionen Dollar gekostet hat. Das Spiel erinnert dabei natürlich dennoch an Skyrim und Konsorten, auch wenn deutlich weniger Action herrscht. 

Das Game hat die historischen Ereignissen des Europas im frühen 15. Jahrhundert als Thema und spielt im mittelalterlichen Böhmen. Als Spieler ergreift man die Rolle des Schmiedesohns Heinrich, der ein unbeschwertes Leben in der Ortschaft Skalitz führt und seinem Vater hilft, ein meisterhaftes Schwert zu schmieden. Dann taucht die Invasionsarmee Sigismunds auf, unterstützt durch angeworbene Kumanen, brennt alles nieder und richtet ein Massaker unter der Bevölkerung an. Heinrichs Eltern sterben bei diesem Angriff. Knapp schafft er selbst die Flucht auf die Burg Talmberg. Von da an entspinnt sich eine spannende Geschichte.

Der Realismus und die Geschichtstreue der Epoche sind beeindruckend und markieren vielleicht einen Wendepunkt in der Entwicklung künftiger Spiele, wenn Kingdome Come auf Dauer erfolgreich bleibt. Das steht nämlich noch in den Sternen, denn so hübsch das Spiel ist, so unfertig wirkt es an einigen Stellen.

Da bricht der Ton auf einmal ein, hakt es in der wunderschönen Grafik. Hier ist das Kind aber noch nicht in den Brunnen gefallen, ein weiterer großer Patch könnte das Spiel schnell polieren. Spielerisch ist ohnehin (fast) alle in Butter. Das Kampfsystem ist gelungen und völlig anders als bei vergleichbaren Spielen (und deshalb auch richtig schwer), die Quest (rund 40 Stunden sollte der Hauptstrang dauern) sind interessant und abwechslungsreich. Immer einmal wieder fühlen sich die wenigen Kämpfe leider unfair an, weil die KI scheinbar deutlich überlegen ist. Warhorse will so wahrscheinlich klar machen, wie schwer es wirklich war, einen Schwertkampf zu führen, doch, wenn man wieder einmal blutend zu Boden geht ohne zu wissen, was man hätte besser machen können, kommt ein Frustgefühl auf. Die Balance könnte also verbessert werden. Schließlich gibt es auch Gegner, die man ohne große Mühe in den Boden rammt. Interessanterweise sind die Kämpfe aber eher ein Nebenaspekt und Handeln, Aufträge erfüllen oder Jagen macht deutlich mehr Spaß. Apropos Schwierigkeitsgrad: Es gibt KEINE Option zum Quicksaven. Das Spiel speichert selbstständig an viel zu wenigen Stellen, der Tastenakrobat selber kann nur manuell speichern, wenn er einen Retterschnaps trinkt. Diese sind aber äußerst rar, so dass man nach einem dämlichen Tod schon einmal 30 Minuten verliert. Das ist umso ärgerlicher, weil man aus Versehen gerne mal fatale Fehler macht. Hat man etwa einen Henker überredet einen benötigten Ring herauszugeben und rempelt ihn dann ungeschickt beim Verlassen seines Hauses an, greift der Gute schnell zum Schwert. Game over...

Trotz dieser Bugs (von denen die wenigsten dauerhaft auftreten) macht Kingdome Come enorm Spaß und ist eine wohltuende Abwechslung im Fantasy-Rollenspiel-Brei. 

 

Fazit: Spannende Quests, ein etwas anderer Ansatz und einige Bugs (wenn die weg sind, ist es ein 5/6-Game)

 

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Pro&Contra: Knights of Badassdom

 

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Doc Rock gibt CONTRA!

 

Es hätte alles so schön werden können: mit der Horrorkomödie Knights of Badassdom hat Regisseur Joe Lynch einen wunderhübschen Ansatz zum Thema Live Action Roleplay (kurz LARP) in die Runde geworfen. Dass der Film nicht wirklich in den Kinos präsent war, sondern direkt auf Scheibe gebrannt wurde, muss nicht unbedingt ein schlechtes Vorzeichen sein, ist es aber meist. So auch hier: Was Joe Lynch aus einer wirklich tollen Idee und einer ebenso guten Darstellerriege (u.a. Game of Thrones-Star Peter Dinklage) macht, ist eine Schande. Die erste halbe Stunde des Films (der nur 89 Minuten lang ist) macht dabei durchaus Spaß, stellt es doch die etwas nerdigen Rollenspieler in den Mittelpunkt. Die sind aber nur der Rahmen für eine absolut langweilige Slasherorgie, die durch eine dünne Story und sehr sehr schlechte Special Effects einfach nur beschämend ist. Das Problem ist die "Idee", dass die Rollenspieler "echte" Magie entfachen und durch ein mysteriöses Buch (gähn) einen weiblichen Dämon heraufbeschwören. Eine nette Komödie rund um das Thema "LARP" hätte wirklich was gehabt, doch diese trashige Vermischung ist sinnlos, weil nicht unterhaltsam (und ich bin ein großer Fan von Trash-Streifen). Die kurze Verweildauer von Dinklage auf dem Bildschirm ist zudem echte Verschwendung. Auch werde ich den Gedanken nicht los, dass der Regisseur nicht verstanden hat, welches schauspielerische Potential hier vorhanden ist. Der Film ist unrealistisch und das ist natürlich gut so. Aber völlig hanebüchen ist dann doch, dass es vor Ort des LARP vor schönen Frauen nur so wimmelt. Da war wohl eher der Wunsch Vater des Gedanken (lasst mir bitte meine Vorurteile!). 

 

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Guybrush Threepwood sagt PRO!  

 

Zugegeben, die Vorfreude auf die LARP/Horror-Kömodie Knights of Badassdom war groß und wurde durch den Umstand dass die Teaser für den Film schon jahrelang durchs Internet geistern weiter angefacht. Die Produktion für den Streifen ist 2010 angelaufen und zwischendurch wurde es so still um den Film von Regisseur Joe Lynch, dass eine Fertigstellung des Projektes eher unwahrscheinlich erschien.. Die Zutaten für den Film könnten aus einem Rezeptbuch für LARPs und klassische (Trash) Horrorfilme stammen: Ein unzerstörbares, magisches Buch (aus dem Internet!), eine Gruppe (Sozial-)Versager, fiese Rowdies, ein echt penetranter Spielleiter und ein wirklich fieser Dämon. Als kleines Bonbon für Fantasyfans konnte man auch Game of Thrones-Star Peter Dinklage in den Film einbinden, leider kommt seine Rolle in dem Splatter-Spektakel allerdings viel zu kurz. Die Story ist erschreckend einfach: Eine Gruppe trotteliger LARPer beschwört versehentlich einen Succubus und  muss mit dem Problem nun irgendwie fertig werden, bevor der Succubus sich fröhlich durch die komplette Gruppe metzelt. Mit diesem Hintergrundwissen darf man sich also auf eine wunderbar trashige Komödie mit leichten Abstrichen freuen. Peter Dinklage als Zwergenkrieger Hung wird relativ schnell verheizt, was ziemlich schade ist und so manchen Fan enttäuschen wird. Einigen der Special Effects hätte ein größeres Budget gut getan und auch der LARP-Aspekt kommt bis auf die obligatorische Endschlacht, welche in einem Splatterfest endet, eher zu kurz. Auch herrscht bei KoB also eine gewisse Orientierungslosigkeit, ob es sich nun um einen absichtlich trashigen Streifen handelt, oder ob der Joe Lynch eigentlich einen A-Movie im Sinn hatte, aber nur ein B-Movie zustande gebracht hat. Lässt man sich trotz der Abstriche auf den Film ein erwartet einen ein teilweise zum Schreien komisches Spektakel, was unter anderem auch Jimmi Simpson in der großartig gespielten Rolle des penetranten Spielleiters Ronny zu verdanken ist. Nichtsdestotrotz erwartet einen ein kurzweiliger, unterhaltsamer Film der zwar deutlich Potential verschenkt,  aber dennoch das einige Herzen von Horrortrashfans schneller schlagen lassen wird.

 

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