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Mittwoch Juni 20, 2018
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5 items tagged "Marco Wriedt"

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Doc 'n' Roll - 15.04.16

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Heyho, jetzt ist es soweit: Der Doctor sagt auch was zur Erdogan-Böhmermann-Affäre. Erstens: Ich halte Jan Böhmermann für einen mäßig lustigen und vor allem sich völlig selbst überschätzenden Deppen, der auf dem Schulhof sicherlich jeden Tag ordentlich auf die Fresse bekommen hat. Zweitens: Ich halte Erdogan für einen mäßig intelligenten und vor allem sich völlig selbst überschätzenden Deppen, der auf dem Schulhof der Welt jeden Tag ordentlich auf die Fresse bekommen sollte.

Wenn er Böhmermann nun als Privatmann für eine plumpe Beleidigung verklagt, ist das sein gutes Recht und ich kann das sogar nachvollziehen. Dass er sich an Merkel und Co wendet, ist natürlich totaler Humbug. Dass Böhmermann das Recht auf Satirefreiheit in Anspruch nimmt, ist aus meiner Sicht zumindest auf der betreffende Gedicht bezogen, ebenfalls Stumpfsinn. Es war eine bewusste Provokation mit ärmlichen Mitteln.

Der kleine Jan saß in seinem öffentlich-rechtlichen Elfenbeinturm und hat sich so gedacht: "Warte ab, du Spinner, jetzt nehme ich dich mal richtig hart ran. Mir kann ja keiner was, ich bin Satiriker - vom ZDF!" Und genau das, Satiriker, ist er mit dieser Attacke größtenteils nicht gewesen. Satire hat die Aufgabe Zustände oder Missstände in sprachlich überspitzter und verspottender Form zu thematisieren. Das tut sein Gedicht fast immer in den ersten Sätzen, bevor eine Beleidigung folgt. Das kann man lustig finden, muss man aber nicht. Wenn man sich vorstellt, was Harald Schmidt aus so einer Vorlage gemacht hätte, erkennt man, wie schwach Böhmermann eigentlich ist. Darüber, dass Erdogan ein diktatorischer Staatsführer ist, gibt es kaum zwei Meinungen. Dass er nun die Gelegenheit erhält, sich als Opfer zu inszenieren, ist schlicht und ergreifend Böhmermanns Schuld. 

Dass er sich immer schon einmal in der Wahl seiner Mittel vergreift, ist übrigens auch bekannt: 2014 twitterte Böhmermann das Foto des sich in die Jogging-Hose gepissten Nazis aus Rostock von 1992. Der Heini mit dem Hitlergruß. Der Fotograf Martin Lange ließ ihn dafür (zu Recht) abmahnen. Böhmermann zahlte rund 900 Euro Strafe und begann, einen Shitstorm zu inszenieren, in dem er den Fotografen als geldgeil bezeichnete und das Urheberrecht in Frage stellte. Die Taz bescheinigte ihm damals "Allmachtsfantasien" und das passt ganz gut zu meinem oben geschilderten Szenario. Würdet Ihr diesem Mann einen Gebrauchtwagen abkaufen? 

Darüber hinaus finde ich es sogar gut, dass sich Gerichte mit der Erdogan-Sache beschäftigen können, denn dafür sind sie da, dafür sind unsere Gesetze da. Nochmal zur Klarstellung: Dass der Türke völlig überzieht, indem er Merkel und ihre Handlanger mit in die Sache einbezieht, steht völlig außer Frage. Dass er ein skrupelloser Diktator ist und kein Recht hat, derartigen politischen Druck auf die Bundesregierung auszuüben ebenfalls. Dass nicht jeder Scheiß, den ich im Affekt oder im Kokainnebel von mir gebe, Satire ist, aber auch. Böhmermann hat es Erdogan mit seinem nicht-satirischen Vorgehen ermöglicht, die Bundesregierung bloß zu stellen.

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Ich hoffe, ich habe jetzt nicht allzu viele Leser verloren, mit dieser dann doch etwas anderen Meinung, die ich hier fernab des "Je suis Böhmermann"-Schwachsinns, vertreten.

 

Jetzt zum Rock 'n' Roll (endlich!):

 

Die Musikmesse in Frankfurt... Vor vielen vielen Jahren war es ein Muss, auch als Hobbymusiker, dort hin zu pilgern. Die Hallen waren prall gefüllt mit den Ständen der großen Firmen, Fender, Gibson, Marshall und so weiter. Ich selber habe da schon Jim Marshall getroffen und mit John Scofield geplaudert.

In den letzten Jahren ist das Engagement der Firmen immer weiter zurückgegangen. Das führte dann sogar dazu, dass die Macher der Messe sich neue Wege überlegt haben.

Einer davon: Es gibt keine Fachtage mehr. Sprich: Jeden Tag darf jeder die Messe besuchen. Klingt gut? Mitnichten. Dies führt dazu, dass der Andrang so groß ist, dass selbst Journalisten (und Profimusiker), die vor Ort arbeiten, Schlange stehen müssen, um Neuheiten zu testen. Genau das hat mich von einer Fahrt nach Frankfurt abgehalten. Die Gamescom in Köln ist mir da in schlechter Erinnerung gewesen.

Da gibt es zwar noch sogenannte Fachtage ohne "Publikum", diese sind aber so überlaufen, dass auch hier defakto kein gescheites Arbeiten mehr möglich ist. Ich habe Ausnahmegitarrist Marco Wriedt (21 Octayne) gefragt, wie er die Lage der Musikmesse sieht. 

 

"Ich war 2005 das Erste Mal auf der Musikmesse. Für mich als Zwanzigjähriger war es das Disneyland für Musiker und elf Jahre später ist es traurig, wenn man sieht, das mittlerweile mehr Food Trucks als Aussteller da sind. Mir tun vor allem die jungen Musiker leid, die nicht wissen können, wie großartig die Frankfurter Musikmesse einmal war. Youtube kann das nicht kompensieren denke ich.

Als Musiker muss man vor Ort Instrumente, Verstärker, Drums antesten.

Ein Video als Eindruck ist schön aber nicht "The Real Deal". Ich hoffe das die Musikmesse wieder die Kurve bekommt und man die Aussteller zurückholen kann. Die Musikmesse Frankfurt war immer ein extrem wichtiger Faktor für die deutsche und europäische Musiklandschaft. Es wäre sehr schade wenn das bald nicht mehr so ist." Dem ist nichts hinzuzufügen...

 

 

Und jetzt ab ins Wochenende...

 

 

Bis nächsten Freitag

yoursdocrock

 

 

 

 

 

 

Fotos: 21 Octayne / Käpt'n Moby

Picture21 Octayne haben die zwei besten Rockalben einer deutschen Formation der letzten zwei Jahrzehnte veröffentlicht. Im Essener Grend stellte die Band ihr zweites Werk ausführlich vor. Klar, dass wir dabei waren, als Marco Wriedt, Alex Landenburg, Hagen Grohe und Livebassist Dominik Louis es dem Grend ordentlich besorgten.

Wir haben Fotos von:

 

21 Octayne

 

Käpt'n Moby

 

Einen Shuffle mit Marco könnt Ihr HIER lesen!

 

 

Auch das Zusatzkonzert des Rock Trios im Essener Grend war restlos ausverkauft.

Fotos findet Ihr hier:

 

21 Octayne 

 

 

All pics: Thorsten Seiffert - no use without permission

Review: 21 Octayne - 2.0

PictureEine alte Musikerweisheit besagt, dass man für die erste Scheibe ein Leben lang Zeit hat, während man die zweite in nur einem Jahr fabrizieren muss. Gemeint ist, dass man für ein Debüt seit Ewigkeiten Songs schreibt, während der Nachfolger dessen dann in Eile zusammengeschustert werden muss und dennoch hohe Qualität haben sollte. Auch 21 Octayne haben bis auf einen Song komplett neu komponiert um mit "2.0" der schon beträchtlichen Fangemeinde einen fetten Brocken hinzuwerfen. Das Follow-up zum Debüt (Review hier) übertrifft dieses sogar in einigen Punkten. Los geht es mit "Devil in Disguise", ein fetter Uptempo-Rocker im Stil von Slash mit Myles Kennedy, Breaks sind das Steckenpferd der Band und gleich bei der Startnummer wird dies überdeutlich. Klasse Nummer!

Mit "Take me back" zeigen 21Octayne den perfekten Spagat. Musiker werden es lieben und, wenn der Refrain so mitreißend ist, auch der nicht musizierende Partner begeistert. Während der Refrain ins Radio gehört, ist der Rest ruppiger. Eine Ballade fürs Radio darf auch nicht fehlen. "When you go" mixt Alter Bridge mit 80er Jahre AOR und im Gesamtkontext der CD eher ein Leichtgewicht. Der Tonartwechsel, der den letzten Refrain scheinbar erhöht, ist trotz der leichten Klammerbluesaffinität des Tracks aber ein Leckerbissen.

Weiter geht die wilde Fahrt mit "Love is just a heartbreak away". Der bockstarke „Wohoho“- Refrain und die immer wieder eingestreuten Halftime-Parts machen diese Nummer zu einer Art Vorbild für geschmackvolles Songwriting. Danach wird es wild. "Take me away" lotet die Extreme von 21 Octayne perfekt aus. Ein knallhartes Riffing im Intro, garniert mit großem Mittelteil plus Refrain im Alter Bridge-Stil (etwas sperrig und deshalb spannend) wird gekrönt durch ein wahnwitzges Iron Maiden meets Dream Theater-Spektakel plus äußerst aufregendem Gitarrensolo. Das ist definitiv ein Musikersong, hier gibt es soviel zu entdecken, ganz ganz stark. 

Bei „Lost“ schaltet die Band dann wieder einen Gang runter. Ein chilliger Beginn im Toto-Stil, der Rest ist Radiomusik. Nicht schlecht aber wenig spektakulär. "The Circle" ist der bassigste Song der Scheibe. Nach einem fetten Riff wahwaht sich Andrew Lauer durch die Strophe, bekommt später auch noch ein aufwendig inszenierte Bass-Bridge zum Solo hin. Hagen singt formidabel, Marco fidelt erstklassig. Super Song! "Date with myself"  ist der einzige Song, der nicht komplett neu geschrieben wurde, sondern noch ein Fragment der Debüt-CD ist. Zu tun haben wir es hier mit einem echten Bluespattern, dessen Grundgerüst zu einem starken, eingängigen Ohrwurm-Refrain führt, in dem auf einzigartige Weise das Bluesschema verworfen, dann wieder aufgenommen wird. Spannend. Toll, was Alex hier macht. Während alle gemächlich rumbluesen, spielt er einige aberwitzige Fills auf dem Schlagzeug.

Der spaßige Mittelteil lässt kurz den Blues vergessen bis Marco solotechnisch richtig einen abdrückt. Beim anschließenden "Fly with me" wiegt man sich zuerst in Sicherheit bis ein wahres Metal-Lick in auf dem Album noch nicht gehörter Härte über den Hörer hereinbricht. Der vielschichtige und variantenreiche Track überrascht mit ruhiger Strophe in treibendem Groove, einem echten FusionSoloteil und einem Metal-Refrain. Für den Schluss hat sich die Gruppe dann etwas ganz Besonderes aufgehoben: "Tale of a broken child" geht rund zehn Minutenund ist ein echtes Epos, irgendwo zwischen Genesis und Dream Theater. Einem wirklich genialen Intro (Vinylkratzen, Lowfi-Gesang, der auf etwas überraschender Weise in enorme Surroundweite übergeht) folgt eine Stairway to Heaven-Reminiszenz.

Die dann einsetzende Melodie kommt übrigens immer wieder in einigen Songs vor und bildet eine Klammer. Einem Soundgewitter folgen echte Soloparts aller Musiker der ganz alten Progrockschule. Das sehr ruhig beginnende Gitarrensolo steigert sich scheinbar ins Unermessliche, ist so mitreißend wie der alles überragende Gesang von Hagen Grohe. Nach rund zehn Minuten manifestiert sich ein Wort im Kopfhörer (bitte unbedingt benutzen): Ein Meisterwerk und der beste 21 Octayne-Song beider CDs. Bitte mehr davon. 

 

Fazit: Enorm aufregender und abwechslungsreicher Zweitling mit grandiosem Epos zum Abschluss

 

5von6

Listening-Session mit 21 Octayne

MarcoW

Listening-Sessions sind oftmals sehr heikel. Der Künstler will sein neues Baby vorstellen und naturgemäß kein negatives Feedback erfahren, während der Journalist eine CD zum ersten Mal überhaupt hört und freundlich aber bestimmt ein fundiertes Ersturteil raushauen möchte. Mit Marco Wriedt (Foto) von 21Octayne kann so eine Session schon mal im wilden Fachsimpeln um Gott und die Gitarrenwelt ausarten.
Der Gitarrist ermöglichte es den RocknRoll Reportern nämlich in diesen Tagen, mit als erstes Medium überhaupt, den Nachfolger der überaus erfolgreichen Debüt-Scheibe „Into the Open“ (REVIEW) zu Ohren zu bekommen. Die Spannung war also durchaus vorhanden, haben wir die erste CD doch mit einer Topbewertung ausgestattet. Kann die Nachfolgerille an „Into the Open“ anknüpfen? Und wie wird „2.0“ klingen? Zwei Durchläufe der rund 45 Minuten langen Scheibe später weicht die Spannung der Erleichterung und das Fachsimpeln kann beginnen.
Natürlich kann man auf dieser Grundlage noch keine zu 100 Prozent fundierte Wertung vornehmen, doch eines kann man: Die 21Octayne-Fans mit enormer Vorfreude ausstatten, denn da kommt etwas Großes auf uns zu. „Wir wollten nicht auf Nummer sicher gehen“, sagt Marco im Gespräch mit dem RocknRoll Reporter, „sondern die Extreme der ersten CD weiter ausloten.“ Was er damit meint? Der Spagat zwischen virtuoser Musikermusik und absoluten Ohrwurmrefrains im großen amerikanischen Stil soll zwar weiter Grundsportart bei der zu einem Trio geschrumpften Formation (Andrew Lauer hat kürzlich 21Octayne verlassen und wird erst einmal nur temporär ersetzt) sein, doch man könne sich noch weiter strecken und die Grenzen ausloten. Das macht „2.0“ zu einer deutlich anderen Platte als das Debüt, die jedoch noch sämtliche Trademarks der Gruppe aufweist. Doch es gibt signifikante Unterschiede: Der Sound der Platte ist so transparent, dass man jede Nuance des zumeist beeindruckenden Zusammenspiels der Musiker durch die Kopfhörer oder Boxen fliegen hört. Ein Grund dafür ist auch das veränderte Equipment bei Marco Wriedt. „Mit dem neuen Engl-Amp und den Music Man-Gitarren bin ich jetzt variabler, benutze viel öfter verschiedene Tonabnehmerkombinationen.“ Ein Fakt, der seinem ohnehin herausragenden Spiel enorm zugute kommt.

Die Bassarbeit von Andrew Lauer ist darüber hinaus extrem vielseitig und ein echtes Pfund, während Drummer Alex Landenburg die vielleicht beste Arbeit seiner Karriere abgeliefert hat. Was der auf den Songs abzieht, ohne jemals die Musikalität der Technik unterzuordnen, ist sensationell. Die Klammer für all diese Virtuosität an den Saiten und Fellen ist Hagen Grohe, der zwischen Steven Tyler und Rob Halford einfach alles drauf hat.

 

 

Doch kommen wir zu den einzelnen Songs:

 

2.0-Frontcover FINAL

 


Devil in Disguise
Mit einem fetten Uptempo-Rocker eröffnen 21Octayne das Album, erinnern dabei schnell an Slash mit Myles Kennedy, bevor im öffnenden Refrain der Rock ‚n‘ Roll Einzug hält. Breaks sind das Steckenpferd der Band und gleich bei der Startnummer wird dies überdeutlich. Klasse Nummer!

Take me back
Hagen dominiert diesen Song durch den großen Refrain. Hier zeigen 21Octayne den perfekten (oben beschriebenen) Spagat. Musiker werden es lieben und, wenn der Refrain so mitreißend ist, auch der nicht musizierende Partner begeistert. Während der Refrain ins Radio gehört, ist der Rest ruppiger. Sowas würde ICH gerne im Radio hören. Man wird ja mal träumen dürfen...

When you go
Ah, die Radionummer. Ganz eindeutig auf Airplay schielt die Ballade, die Alter Bridge mit 80er Jahre AOR vermengt. Mit knapp drei Minuten wurde auch das Radiozeitmaß eingehalten, der Tonartwechsel, der den letzten Refrain scheinbar erhöht, ist trotz der leichten Klammerbluesaffinität des Tracks ein Leckerbissen.

Love is just a heartbreak away
Zurück ins Midtempo-Land geht es bei diesem Track, der in seiner ruhigen Strophe Marcos Gitarre majestätisch schimmern lässt. Der bockstarke „Wohoho“- Refrain (Hagen hat scheinbar einfach alles drauf) und die immer wieder eingestreuten Halftime-Parts machen diese Nummer zu einer Art Vorbild für geschmackvolles Songwriting.

Take me away
Jetzt wird es wild und es zeigt sich, was Marco Wriedt mit dem „Ausloten der Extreme“ meint. „Take me away“ lässt den Hörer nach einem Durchlauf mit offenem Mund stehen, der Kopf schwirrt, denn was 21Octayne hier aufführen, ist schon aller aller erste Sahne: Ein knallhartes Riffing im Intro, garniert mit großem Mittelteil plus Refrain im Alter Bridge-Stil (etwas sperrig und deshalb spannend) wird gekrönt durch ein wahnwitzges Iron Maiden meets Dream Theater-Spektakel plus äußerst aufregendem Gitarrensolo. Das ist definitiv ein Musikersong, hier gibt es soviel zu entdecken, ganz ganz stark. Vielleicht der beste Song des Albums.

Lost
„Lost“ wäre meines Erachtens eine sehr gute Singleauskopplung, beginnt chillig, an Toto erinnernd, während dann der Refrain und die bluesige Gitarrenarbeit eine runde Sache bilden. Eine Schmusenummer, die sogar Jungs mögen werden.

The Circle
Das ist wohl der bassigste Song der Scheibe. Nach einem fetten Riff wahwaht sich Andrew Lauer durch die Strophe, bekommt später auch noch ein aufwendig inszenierte Bass-Bridge zum Solo hin. Wenn Gott unter der Dusche singt, würde er wie Hagen singen, denkt sich der Rezensent schnell, bevor die Nummer auch schon vorbei ist.

Date with myself
Jetzt wird es traditionell, ja richtig bluesig. „Date with myself“ ist der einzige Song, der nicht komplett neu geschrieben wurde, sondern noch ein Fragment der Debüt-CD ist. „Hagen hat den wieder ins Spiel gebracht und wir haben ein wenig dran rumgedoktert bis er auf die Platte passte“, sagt Marco. Zu tun haben wir es hier mit einem echten Bluespattern, dessen Grundgerüst zu einem starken, eingängigen Ohrwurm-Refrain führt, in dem auf einzigartige Weise das Bluesschema verworfen, dann wieder aufgenommen wird. Spannend. Toll, was Alex hier macht. Während alle gemächlich rumbluesen, spielt er einige aberwitzige Fills auf dem Schlagzeug. Der spaßige Mittelteil lässt kurz den Blues vergessen bis Marco solotechnisch richtig einen abdrückt. Abgefahren.

Fly with me
Hier zeigt die Band klare Kante: Nämlich, dass es keine Kante gibt. Nach einem unaufgeregten Intro wiegt man sich in Sicherheit bis ein wahres Metal-Lick in auf dem Album noch nicht gehörter Härte über den Hörer hereinbricht. Der vielschichtige und variantenreiche Track überrascht mit ruhiger Strophe in treibendem Groove, einem echten FusionSoloteil und einem Metal-Refrain.

Tale of a broken child
Kommen wir zum letzten Song von „2.0“. Rund zehn Minuten haben 21Octayne jetzt noch einmal, um mich zu überraschen und sie tun es tatsächlich. „Tale of a broken child“ ist ein echtes Epos, irgendwo zwischen Genesis (!) und Dream Theater. Einem wirklich genialen Intro (Vinylkratzen, Lowfi-Gesang, der auf etwas überraschender Weise in enorme Surroundweite übergeht) folgt eine Stairway to Heaven-Reminiszenz. Moment mal… Diese Melodie habe ich heute schon einmal gehört und in der Tat (klärt mich Marco später auf) ist die Melodie ein durchgängiges Element, welches in mehreren Songs auftaucht (unter anderem auch am Ende dieser CD - dann gepfiffen, aber keine Angst, Klaus Meine ist nicht in Sicht). Einem Soundgewitter folgen echte Soloparts aller Musiker, ganz alte Progrockschule. Das sehr ruhig beginnende Gitarrensolo steigert sich scheinbar ins Unermessliche, ist so mitreißend wie der alles überragende Gesang von Hagen Grohe. Nach rund zehn Minuten manifestiert sich ein Wort in meinem Kopf: Masterpiece.

Klar, eine Bewertung der ganzen Scheibe lasse ich hier weg, glaube jedoch, dass jeder 21 Octayne-Fan auf seine Kosten kommen wird, wenn am 25. September „2.0“ erscheint (in drei verschiedenen Varianten übrigens), obgleich der Zugang sperriger sein könnte. Doch darüber hinaus sollten neue Fans hinzukommen, denn eines ist sicher: So wie 21Octayne klingt in Deutschland keine andere Band auch nur annähernd.

 

 

21Octayne Pressefoto2015 03

21 Octayne: Marco Wriedts Track by Track

21 Octayne haben mit "Into The Open" ein sensationelles Debüt in die Rillen getackert (Review HIER). Für den RocknRoll-Reporter hat sich Gitarrist Marco Wriedt (u.a. Axxis) die Zeit genommen, zu jedem Track der CD seinen "Senf" abzugeben. Let's go, Marco:

 

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She´s Killing Me

 

Das Anfangsriff stammt aus dem Jahr 2008 und war das erste Riff, das ich Alex damals zugeschickt hab als Idee. Das war die Phase als wir über eine mögliche eigene Band sprachen. Umgesetzt wurde “She´s killing me” erst im Jahr 2011. Es war uns direkt klar, dass der Song ein cooler Opener für das Album ist! Es zeigt auch sehr gut den amerikanischen Einfluss, den manche Songs von uns tragen. Ich liebe den Groove, den Alex und Andrew geschaffen haben und im Chorus geht dann die Sonne auf! Der Text von Hagen hat einen sehr coolen Twist! Als wir die Listening Session in Hollywood hatten, haben die Leute sofort gegrinst! Ihr werdet bald wissen, warum."

 

Dear Friend

 

“Dear Friend" zeigt unsere progressive, harte, dunkle/atmosphärische Seite. Ich finde die Dynamik hier sehr stark und auch den Text. Dieser Song brauchte fast ein Jahr bis er richtig fertig war. Ursprünglich waren es zwei Songs. Der ruhige Strophenteil und die beiden Riffs waren mal voneinander getrennt, aber hinterher fiel beim “Sichten” Hagen der Song wieder ein und wir haben dann an einem Tag alles zusammengefügt. Dieser Song wurde letztendlich die zweite Single bzw. das zweite Video von “Into The Open”.

 

Turn The World

 

“Turn The World” hatte ich zu 98 % musikalisch 2008 so gut wie fertig. Es gab damals nur keine Verwendung für den Song. 2010 hab ich den Song dann den anderen quasi bei einer Songwriting-Session vorgespielt und alle mochten ihn sofort. Dieser Song hat ganz klar dieses “US-West Coast”-Feeling. Quasi “AOR 2.0”. Normalerweise hätte jede Band noch ein Keyboard dazu gepackt, aber das habe ich dann mit der Gitarre gemacht. Dadurch klingt der Song etwas erdiger und mehr “In your face”. Von den Arrangements her, den Vocals und Ausdruck einer meiner Lieblingssongs auf dem Album!

 

Don´t Turn Away

 

Auch dieses Hauptriff hatte ich schon vorher. Der Rest wurde allerdings während einer Bandsession zum Leben gebracht. Ein sehr grooviger Song mit genialer Bass- und Schlagzeug-Arbeit von Andrew und Alex! Bei dem Song ging eigentlich alles sehr schnell und es war einer der ersten, den wir Ende 2010 fertiggestellt haben. Knallt live extrem gut!

 

My Teddy Bear

 

Bei “Teddy Bear” haben wir uns einfach mal ausgetobt. Was dabei rausgekommen ist, ist schon etwas unkonventionell! Eine Mischung aus Metal, Funk, Psychodelic und Fusion. Anfangs waren wir uns nicht sicher, ob er auf´s Album sollte. Mittlerweile nicht mehr wegzudenken.

 

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Into The Open

 

Für mich ist der Titeltrack extrem emotional. Der Text ist großartig! Hagen singt unfassbar und auf das Solo bin ich hier sehr stolz. Es zeigt mich so wie ich als Gitarrist bin und wo meine DNA als Musiker ist. Ja, für mich ein besonderer Song. Andrew spielte beim Aufwärmen das Anfangslick und ich habe dann “Stop” gerufen. Wir haben das Lick am Anfang dann etwas umgedreht, um es dem Gesang etwas besser anzupassen und der Rest kam dann sehr schnell! Es zeigt unsere epische Seite, die mit Blues Rock nichts zu tun hat.

 

Me, Myself & I

 

Im Sommer, beim Kaffeetrinken, kam das Hauptriff auf einmal und ich wusste sofort, dass Hagen so etwas gefallen würde. Er war dann auch direkt begeistert. Auch hier ging alles sehr schnell und Ich liebe das Bass Intro von Andrew. Großartig! Der Mittelpart ist bei einem Jam entstanden und hat auch etwas Fusionmäßiges. Toller Refrain auch!

 

The Heart (Save me)

 

Einer der ersten Songs aus dem Jahr 2010! 15 Minuten vor “erjammen” des Songs haben wir noch Käsekuchen gegessen. Als wir danach wieder in dem Raum gegangen sind, kam direkt dieser Song dabei raus. Wir haben ihn als Demo dann “Cheezecake” genannt! Klare Sache! Sehr groovy und melodisch, AOR´ig! Und natürlich die erste Single bzw. das erste Video (produziert von Dominik Louis) unserer Karriere, das letztes Jahr viele Wellen geschlagen hat.

 

Your Life

 

Einer meiner absoluten Lieblingssongs auf dem Album! Diese extreme Mischung von Stilen in nur einem Song halte ich für sehr interessant. Toller Text von Hagen, der mich immer sehr zum Nachdenken anregt! “Your Life” ist einer der wenigen Songs, die komplett beim Jammen entstanden sind. Sehr facettenreiches Drumming von Alex. Wenn ich diesen Song höre, höre ich immer besonders auf die Drums!

 

I will always be right there

 

Den Song haben Hagen und ich innerhalb von ein paar Stunden fertiggestellt. Wir hatten noch kurz überlegt, eine Rockballade mit Band draus zu machen, aber ich denke, so funktioniert er am besten! Diesen Song würde ich bald gerne im Radio hören.

 

Leave My Head

 

Der erste Song, den wir je zusammen geschrieben haben. Sehr grungy und alternative-like mit einer schönen Atmosphäre in der Strophe. Hagen bringt hier ganz große Gefühle rüber! Extrem wütend eingespielt von Allen! Passt sehr gut zum Song!

 

Come Alive

 

Ein fröhlicher Song mit abermals “West Coast”-Touch. Der Song geht gut nach vorne und hat viel Energie! Die Message: “Umarme das Leben und es wird dich umarmen!”

 

Bestellen kann man die CD unter anderem HIER!