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Montag Juni 25, 2018
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10 items tagged "Hörbuch"

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Review: Sog / Yrsa Sigurdardóttir

61JQ0fnB7yL. AA300 Hart, härter, Isländer: Was Yrsa Sigurdardóttir im zweiten Band rund um Kommissar Huldar hoffentlich nur aus den Fingern gesaugt hat, ist starker Tobak - und damit beste Unterhaltung: Der frisch degradierte Kommissar Huldar hatte keinen guten Start bei seiner Zusammenarbeit mit der Kinderpsychologin Freyja. Eigentlich liebt er sie, aber bekommt das nicht so richtig rübergebracht. Dennoch zieht er sie bei den aktuellen Ermittlungen wieder zurate: In Reykjavik wird nach zehn Jahren eine in einen Grundstein eingemauerte Zeitkapsel mit Briefen von damaligen Schülern gehoben. Unter den Briefen findet sich auch eine Nachricht, die akribisch die Initialen zukünftiger Mordopfer auflistet. Als kurz darauf zwei Hände gefunden werden, die ihren Besitzern bei lebendigem Leib abgetrennt wurden, ist klar, dass diese Nachricht aus der Zeitkapsel tödlich ernst zu nehmen ist. Es entfaltet sich ein schockierender Fall, der einmal wieder mehr zeigt, dass in Island die ganz Harten leben. Ganz gleich, ob Bösewicht oder Bulle - es geht rau zu auf der kalten Insel. Autorin Yrsa Sigurdardóttir nimmt sich neben der bloßen Polizeiarbeit viel Zeit für ihre Protagonisten. Klar, dass "Sog" auf den ersten Band aufbaut, dennoch ist das Buch auch ohne Vorkenntnisse gelungen. 

Gelesen wird "Sog" von Dietmar Wunder, dem Synchronstimme von James Bond-Darsteller Daniel Craig. Wunders harte Timbre passt hervorragend zum eiskalten Verbrechen, so dass hier keine Wünsche übrig bleiben. 

 

der Hörverlag ISBN: 9783844527131

 

Fazit: Toller, brutaler, kalter Krimi aus Island - stark gelesen

 

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Verlosung: Star Wars Hörbücher zu gewinnen!

starwarsrsrsDie Star Wars-Mania ist weiter in vollstem Gang. Gerade wurden mit "Rogue One" neue Rekorde geschrieben. Unbestritten bleiben jedoch die originären Filme, Episoden 4 bis 6, die beliebtesten Streifen des Star Wars-Imperiums. In Zusammenarbeit mit Random House Audio verlosen wir alle 1x drei Episoden als Hörbuch-MP3-CDs. Gelesen werden die Geschichten von niemand anderem als Han Solo höchstpersönlich (seinem deutschen Alter Ego Wolfgang Pampel). Pampel, geboren 1945, ist die deutsche Synchronstimme von Harrison Ford und hat schon bei vielen großartigen Hörbuchbüchern mitgewirkt. Die Hörbücher sind nach dem Drehbuch von George Lucas und Lawrence Kasdan und der Geschichte von George Lucas entstanden und ungekürzt.

 

Mehr zu Random House und den Hörbücher gibt es HIER!

 

Wer gewinnen will, wird bis zum 24. Januar 2017, Fan unserer Facebook-Seite und schickt uns eine Facebook-Message mit dem Stichwort "HANSOLO" oder (wenn er schon Fan ist) schreibt eine Email mit der Betreffzeile "HANSOLO" an unsere Adresse: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! ! ODER: Kommentiert unter dem Facebookbeitrag! Den gibt es HIER!

Hinweis: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spam geschützt. Wir benötigen Eure komplette Adresse und, ganz wichtig, ein bis zwei nette Sätze, warum Ihr den Preis gewinnen wollt. Dieser Zusatz ist Bedingung für die Teilnahme. Mehrfach-Einsendungen und Einsendungen von Gewinnspiel-Robotern werden sofort ausgeschlossen. Unter allen richtigen Einsendungen werden die Preise ausgelost. Eine Barauszahlung ist nicht möglich, der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Ein gutes Omen / Terry Pratchett & Neil Gaiman

omenWas 1990 im allgemeinen Terry Pratchett-Wahn um die grandiose Scheibenwelt ein wenig unterging, ist tatsächlich dann doch eines der besten Werke des Meisters: "Ein gutes Omen" spielt nämlich eben nicht auf der Scheibenwelt, wurde zusammen mit dem ebenfalls begnadeten Neil Gaiman geschrieben und ist so etwas wie eine abgedrehtere Variante von Peter Ustinovs "Der alte Mann und Mr. Smith".

Der Antichrist ist geboren, und der finstere Engel Crowley soll ihn zum Höllenfürsten erziehen, damit er die Apokalypse heraufbeschwört. Doch Crowley bemerkt, dass sich das Kind, Warlock, mehr für seine Briefmarkensammlung und Kaugummi mit Bananengeschmack als für den Weltuntergang interessiert. Es stellt sich heraus, dass Warlock im Krankenhaus vertauscht wurde. Nun versuchen Engel, Dämonen und Hexen, den wahren Antichristen aufzuspüren. Und während der Weltuntergang näher rückt, begreift Crowley, dass die Erde doch gar keine so üble Gegend im Universum ist.

Endlich endlich ist dieses herausragende Buch, voller Wortspiele, Anspielungen und verrückten Ideen (in Crowleys Auto verwandelt sich etwa jede Kasette innerhalb von kurzer Zeit in eine Queen Best-of) auch als Hörbuch vorhanden und Volker Niederfahrenhorst ist dabei fulminantes Ein-Mann-Theater. Auf zwei MP3-CDs mit einer Laufzeit von rund 14 Stunden gibt er alles und verleiht der Vision Pratchetts und Gaimans Leben. Für Fans des englischsprachigen Pratchett darf gesagt werden, dass Andreas Brandhorst auch dieses Fantasywerk ziemlich werktreu verdeutscht hat. Leider handelt es sich hier um eine gekürzte Lesung, was der einzige Wermutstropfen an der Sache ist und bei der Bewertung einen Punkt "klaut".

 

Fazit: Eines der besten Pratchetts hervorragend vertont - leider gekürzt

 

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Review: Born to run - Bruce Springsteen

61YFE60J0YL. AA300 Endlich ist sie da - die langerwartete Biographie einer der größten Ikonen der US-amerikanischen Rockmusik: Bruce Springsteen hat mit "Born to run" sein Leben niedergeschrieben und das genau so erledigt, wie er seinen Job erledigt: Akkurat, mitreißend und in Überlänge. Wie eines seiner vierstündigen Konzerte kommt "Born to run" auf seinen 670 (!) Seiten (oder mehr als 17 Hörbuchstunden) daher. Sprachlich orientiert sich der Meister des Ostküstenrocks ebenfalls an seiner Kunst: Lyrisch und mit geballter Sprachpower legt Springsteen verbale Brände, löscht sie mit Engelszungen und nutzt (manchmal zu gewollte) Metaphern für das, was sein Leben ist. Inhaltlich ist "Born to run" hochspannend (vor allem für nicht ganz so eingefleischte Fans), denn es geht auch reichlich ans Eingemachte. Wenn der "Boss" etwa über das zerrüttete aber doch liebevolle Verhältnis zu seinem Vater erzählt oder seine Depressionen ausbreitet, die vor allem nach den Mega-Konzerten seiner Karriere ans Tageslicht krochen, weiß man spätestens, dass man es hier mit einem hochpersönlichen Buch und nicht nur einer weiteren Musiker-Biographie zu tun hat. Eine große Rolle spielt natürlich auch seine Heimatstadt in New Jersey, eine Stadt, "die mich nie verlassen würde", wie Springsteen liebevoll ausführt. 

Die Hörbuchfassung hat natürlich all das, aber auch ein großes Problem: den Sprecher. Statt auf einen professionellen Hörbuchsprecher zu setzen, wurde hier die Musikerkarte gezogen und Tomte-Musikant Thees Uhlmann verpflichtet. Der aber macht diesen Job leider maximal ausreichend und verleidetet einem schnell diese tolle Biographie. Uhlmann hat nur eine Sprachvariante, gibt immer Gas, liest gehetzt, mit übertriebenem Pathos und verschluckt Silben noch und nöcher. Kurzum: Er tut dem Buch nicht gut. Wäre dies eine reine Buchbesprechung würde "Born to run" 6 von 6 Gitarren bekommen. 

 

Fazit: Tolle Biographie. Die Audiobookfassung verleidet Thees Uhlmann allerdings dem Zuhörer. Es spricht für das Buch, dass man dennoch weiterhören möchte.

 

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Review: Kill your Friends (Hörbuch)

51ri47j4oFL. AA300

"Da stellt sich möglicherweise die Frage, was für Musik ich eigentlich mag? Unglaublich, aber danach wird man tatsächlich von Zeit zu Zeit gefragt.[...] Einem Major A&R diese Frage zu stellen, ist, als würde man einen Arbitragehändler fragen, welche Waren er mag. Oder zu einem Investmentbanker sagen: »Hey, welches ist deine Lieblingswährung?« Ich habe einen recht breit gefächerten musikalischen Geschmack. »Eklektisch«, wie spastische Musikersagen, wenn sie in Interviews clever klingen wollen"

 

Da sind wir mittendrin in "Kill your Friends" von John Niven. Der Roman wagt einen zutiefst verstörenden Blickt hinter die Kulissen der Musikindustrie im England der späten 90er Jahre. Steven Stelfox arbeitet als A&R-Manager für eine große Plattenfirma in London. Um Erfolg zu haben, schreckt er vor nichts zurück. Er lügt, betrügt, beleidigt und schleppt sich, unterstützt von jeder Menge legaler und illegaler Drogen, gerade so durch den Tag. Eigentlich interessiert ihn Musik überhaupt nicht. Das einzige, was im Kampf gegen die Langeweile zählt, sind schnelle Hits und Anerkennung. Jahrelang mogelt er sich in allseits tolerierter, exzessiver Freibier-und-Drogen-für-alle-Philosophie durch den Arbeitsalltag. Doch im Zeitalter von Blair droht sich eine neue Arbeitsmoral durchzusetzen, die auf Integrität, Effizienz und vor allem harter Arbeit beruht. Steven belächelt zunächst die neue Order. Doch als er merkt, dass seine Stellung innerhalb der Firma gefährdet ist, gerät er zunehmend unter Erfolgsdruck und greift zu radikalen Mitteln. Plötzlich verwandeln sich die guten Freunde in Todfeinde. Eiskalt ermordet er einen seiner Kollegen und Konkurrenten. Aber das ist erst der Anfang, der Beginn einer perversen Orgie der Zerstörung, die ihn in immer tiefere Abgründe stürzt.

"Kill your Friends" ist eine Art "American Psycho" für Musikfans.

Das Buch ist längst ein Klassiker, mittlerweile ok (nicht mehr) verfilmt, eine Hörbuchfassung gab es vor dieser auch bereits. Gelesen wurde das Buch damals von niemand Geringerem als Ärzte-Drummer Bela B. - soweit... so schlecht.

Denn, um es deutlich zu sagen: Es ist schön, diesen Roman aus dem Mund eine Profis zu hören. Die Bela-Fassung war ziemlich schnoddrig gelesen und somit völlig verhunzt. Gerd Köster macht das für Random House Deutschland aber nun deutlich besser, trägt die haarsträubende Geschichte des A&R-Typen wie im hysterischen Fieberwahn vor, zieht alle Register.

Das Buch selber ist nichts für schwache Nerven, an vielen Stellen ekelhaft überdreht und dadurch packend. Wenn nur ein Fünftel der Dinge, die hier erzählt werden, im Musikbusiness passieren, sollte man nie wieder eine Platte kaufen. Tun wir natürlich dennoch, denn Sex & Drugs & RocknRoll... 

 

Fazit: Krasse Lesung eines krassen Buches

 

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Review: Basar der bösen Träume / Stephen King

basar der boesen traeumeDer "Basar der bösen Träume" ist eine Kurzgeschichtensammlung von Gruselmeister Stephen King im Hörbuchformat. King ist mittlerweile aus der stets gerne der literarischen Schmuddelecke zugeordneten Horrorkategorie herausgetreten und zu einem der ganz großen amerikanischen Erzähler geworden. Zwar hat der heute 68-Jährige immer mal über den Tellerrand geblickt, doch Mitte der 2000er Jahre findet sich eine neue Qualität in seinen Geschichten. "Der Anschlag", "Joyland" oder "Mr. Mercedes" sind Paradebeispiele für den nicht mehr ausschließlich blutigen Stephen King.

Diese Sammlung an Geschichten schwankt in der Qualität, alle 20 werden aber erneut vom Berliner David Nathan - mittlerweile DIE Stimme Stephen Kings in Deutschland - formidabel eingelesen. Während eine Story wie "Raststätte Mile 81" (mitten in einen unauffälligen Frühlingstag im April hält ein unidentifzierbarer Kombi auf einem verlassenen Rastplatz inmitten von Maine. Er wird zur grässlichen Todesfalle für alle, die nur helfen wollen) stark an Christine erinnert und den frühren King darstellt, ist "Die Düne" (Der pensionierte Richter Harvey Beecher ist süchtig nach einer Düne auf einer kleinen Insel vor der Küste Floridas. Denn diese scheint nicht nur unbeweglich zu sein, sie kann auch Tote voraussagen. Der letzte Name ist jedoch etwas ganz Besonderes) perfide und hintergründig. Manche der Geschichten sind etwas seicht und eher ideenlos (Die Knochenkirche) oder klammern sich stark an bereits benutzten Ideen und Motiven des Meisters (Premium Harmony).

Alles in allem bekommt der Hörer aber ein ziemlich gutes Bild davon, wie King arbeitet, wozu auch die Texte zwischen den Geschichten beitragen. Hier lässt sich der Autor stark auf die Finger gucken, verrät Hintergründe zu Geschichten und seinem Leben. Spannend. 

Einige Geschichten stechen heraus: Das wäre einmal "Ur", in der Englischlehrer Wesley Smith von seiner neuesten technischen Errungenschaft, einem kindle, begeistert ist. Das Gerät zeigt ihm Werke und Nachrichten aus anderen Welten und zu anderen Zeiten. Ebenfalls richtig genial: "Nachrufe" (Das Internet schläft nie ist das Motto von Neon Circus, einem kreischend lauten wie bunten Onlinemagazins. Mike Anderson schreibt Nachrufe auf Verstorbene, bis er entdeckt, dass er mit diesen üblen Zeilen eine ganz besondere Macht bekommen hat" und Feuerwerksrausch". Letztere Geschichte beweist vor allem, dass King auch ohne den Touch Horror ein toller Erzähler ist. Zum Abschluss der Sammlung wird es mit "Sommerdonner" apokalyptisch und ziemlich traurig. 

Eine Hörprobe gibt es HIER!

 

Fazit: Ziemlich starke Kurzgeschichtensammlung, formidabel von David Nathan vorgetragen

 

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Review: Der Anschlag / Stephen King

51TIH0Map9L. SL290 Stephen King war einmal der gruseligste Schriftsteller des Planeten. "Carrie", "Christine", "Es", "Brennen muss Salem" oder "Friedhof der Kuscheltiere" - das Übersinnliche war stets überpräsent in Kings Oeuvre. Stephen King, der oft und gerne über das Schreiben redet, wird der Erste sein, der einräumt, dass man sich auch im hohen Alter und nach einer derart erfolgreichen Karriere noch literarisch entwickeln kann. Denn King ist mittlerweile aus der stets gerne der literarischen Schmuddelecke zugeordneten Horrorkategorie herausgetreten und zu einem der ganz großen amerikanischen Erzähler geworden. Zwar hat der heute 68-Jährige immer mal über den Tellerrand geblickt, doch Mitte der 2000er Jahre findet sich eine neue Qualität in seinen Geschichten. "Der Anschlag" (aber auch "Joyland" oder "Mr. Mercedes") ist ein Paradebeispiel für den nicht mehr ausschließlich blutigen Stephen King. "Der Anschlag" (im Englischen heißt das Buch "11/22/63")  handelt von Jake, einem Englischlehrer und Hauptperson, die sich King einmal mehr auf den Leib geschrieben hat. In Kings besten Werken spielt der Meister stets selber mit, eine Art überlanges Hitchcock-Cameo. Ob Englischlehrer und/oder Ex-Alkoholiker - in seinen Hauptfiguren steckt stets ein wenig (manchmal mehr) vom Autor selber.

So auch in Jake. Der entdeckt ein Zeitportal, welches ihn zurück zum 9. September 1958 führt. Fünf Jahre später wird Präsident Kennedy einem Anschlag zum Opfer fallen. Jake beschließt, die Tat am 22. November 1963 zu verhindern.

Stephen King wäre nicht Stephen King, wenn genau das so einfach wäre. Und so erfährt Jake, dass eine so großer Sache nur zu schaffen ist, wenn sie akribisch vorbereitet wird. So bleibt er nach einigen kurzen Ausflügen schließlich gänzlich in der Vergangenheit, im Jahr 1958, und lebt ein typisch amerikanisches Leben dieser Zeit bis zum Jahr 1963. Hier strahlt Kings Stern am hellsten. Wenn er die USA der End-Fünfziger skizziert, dann ist das wie lebendiger Geschichtsunterricht. Die Hörbuchfassung von "Der Anschlag" ist die Sahne auf dem literarischen Kuchen. Der Berliner David Nathan ist mittlerweile DIE Stimme Stephen Kings in Deutschland. Der bekannte Synchronsprecher (Johnny Depp, Christian Bale und Paul Walker) hat bereits etliche Kings in ungekürzter Fassung eingelesen (Einen Überblick findet Ihr hier). Und Nathan ist nicht nur gut, er ist sensationell. Ohne große Tricks (wie etwa der Mann der tausend verschiedenen Stimmen, Rufus Beck) stellt eine Nathan-Lesung das beste beider Welten, dem Buch und dem Hörbuch, bereit.

Sachlich, aber nicht emotionslos liest David Nathan auch dieses Hörbuch und schafft es dabei zum Beispiel, dass sich der Zuhörer nicht zu sehr in des Vorlesers Richtung drängeln lässt (wie es bei Beck unweigerlich passiert). Nathans Kunst besteht darin, dass er eine Art Lenker ist, der der Fantasie des Hörers weiten Raum gewährt. Das ist große Kunst. Und so sind die 32 Stunden (!), die wir bei "Der Anschlag" mit Nathan und King verbringen, kurzweilig und packend, was natürlich am genialen Zusammenspiel zwischen Story und Lesung liegt. "Der Anschlag" ist für mich das beste Stephen King-Buch seiner gesamten Schaffenszeit (ja, trotz "Es" oder "Das letzte Gefecht"), die Hörbuchfassung ist zum Glück ebenso klasse. 

 

Fazit: Großartige Nathan-Lesung eines großartigen King-Buchs

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Review: Die Unantastbaren - Richard Price

die unantastbarenEin ziemliches Bohei wird gerade um "Die Unantastbaren" von Richard Price veranstaltet. Gnadenlos gut, eine Studie der amerikanischen Polizei, ein spannender Krimi - liest und hört es man im Medienschungel rascheln. Das sind ja gleich drei Dinge auf einmal, wir sind hier doch nicht im Ü-Ei-Land. Oder etwa doch?

Richard Price ist so etwas, wie der Shootingstar der Kirmiszene. Bisher hat er neun Romane veröffentlicht, darunter das wochenlang auf der Bestsellerliste ganz oben stehende "Cash". Darüberhinaus ist Price ein veritabler und geschätzter Drehbuchautor. Den Edgar Award heimste er für seine Arbeit an der hoch gelobten TV-Serie "The Wire", für die er monatelang bei der Polizei recherchierte, ein.

Der Mann weiß also, was bei der Big Apple-Police abgeht und das merkt man seiner Arbeit stets auch an. In "Die Unantastbaren" geht es um Billy Graves, einem Cop in New York City. Energy-Drinks und Zigaretten halten ihn wach, während er in den frühen Morgenstunden die Blocks abfährt. Wie seine vier Kollegen hat auch er einen "Unantastbare"«, einen skrupellosen Mörder, den er nie dingfest machen konnte. Als einer der "Unantastbaren" tot aufgefunden wird, beginnt Billy, seine engsten Vertrauten zu verdächtigen. So weit, so spannend. Zumindest klingt es so. In der Tat verliert sich die Geschichte, die in der hier vorliegenden Hörbuchfassung von David Nathan und Oliver Rohrbeck im Wechsel gelesen wird, in losen Enden und verliert immer, wenn sie in Fahrt kommt an Spannung.

Ja, Price ist ein Meister darin, den Alltag der echten Cops zu skizzieren, das tut er auch in diesem Buch.

Doch irgendwo auf dem Weg hat er den Biss verloren, dies mit Hochspannung zu verweben. Auch erschließt sich der stete Wechsel der beiden Sprecher nur schwer, denn auch hier gilt: Rollt der Zug einmal, aktiviert der zweite Sprecher schnell die Handbremse. Krimi-Coitus interruptus könnte man das nennen. Eine verpasste Chance, denn zwei der allerbesten Hörbuchsprecher Deutschlands mühen sich hier vergebloch. "Cash" war fesselnd, "Die Unantastbaren" ist zu langatmig (obwohl das neunstündige Hörbuch gekürzt wurde - oder gerade deshalb?) und enttäuscht durch farblose Charaktere. Ü-Ei-Land ist abgebrannt...

 

Fazit: Zu viele lose Enden, außerdem gekürzt. Schade um die tollen Sprecher

 

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Review: Verschwörung / David Lagercrantz

51WKDshBRL. AA300 Das Geschrei war riesengroß, als klar wurde, dass David Lagercrantz die Millenium-Serie des verstorbenen Stieg Larsson weiterführen würde. Skandal, Blaspehmie - vor allem Fans von Larsson waren entrüstet. Die Problematik erschließt sich mir erst einmal nicht, andere Serien werden auch weitergeführt (James Bond als Beispiel) ohne, dass der Originalautor noch lebt. Insofern bin ich als begeisterter Leser der Millenium-Reihe recht unvorbelastet an dieses von Dietmar Bär exzellent gelesenes Hörbuch herangegangen. Gerade zu Beginn fesselt die Fortsetzungsgeschichte der Geschicke von Hackergenie Lisbeth Salander und Ausnahmejournalist Mikael Blomkvist wie zu besten Larsson-Zeiten. Klar Lagercrantz schreibt anders, deutlich aufgeregter, weniger chaotisch, weniger anarchistisch als Stieg Larsson, dennoch schafft er es, dass das Schweden des Autors lebt und bebt und sogleich Lust auf einen Besuch der Hauptstadt macht. Die Charaktere zeichnet der 53-Jährige im Stile seines Vorgängers, setzt aber häufig auf Repetitionen, ein schlechter Kniff meines Erachtens. Kaum jemand, der nicht ohnehin die drei Ur-Bände verschlungen hat, wird sich ohne Vorkenntnisse an der Verschwörung versuchen. Die Geschichte nimmt recht schnell Fahrt auf, hat einige schöne Wendungen und einen interessanten Plot bis... ja, bis die Zwillingsschwester Salanders auftaucht. Die böse Zwillingsschwester versteht sich. Ab hier bricht die komplette Story in sich zusammen, das letzte Drittel ist eine absolute Qual und höchst unglaubwürdig. Zudem scheint es so, als hätte Lagercrantz plötzlich unter Zeitdruck gestanden, denn was vorher langsam und bedächtig erzählt wurde, rennt nun hastig zu einem ziemlich schlechten Ende, das - Achtung Spoiler - ein Romanze von Lisbeth und Mikael nicht ausschließt. Konsalik lässt grüßen. Bis zum letzten Drittel ist Verschwörung ein gutes Buch und macht Laune, danach entwickelt es sich zu einer Katastrophe.

 

Fazit: Völlig unnötige, hanebüchene Fortsetzung, deren Hörbuchfassung hervorragend gelesen ist

 

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Review: Der Marsianer (Hörbuch)

768 2751 161443 xlDas Buch "Der Marsianer" von Andy Weir hat seit seiner Veröffentlichung im Jahr 2011 eine große Menge Staub aufgewirbelt. Die Geschichtes eines "Schiffbrüchigen" auf dem Mars ist in der Sci-Fi-Welt so gut angekommen, dass Regie-Großmeister Ridley Scott den Stoff (leider mit dem langweiligen Matt Damon in der Hauptrolle) verfilmt hat und nun in die Kinos hievt. Warum man ausgerechnet den Schauspieler auf das Cover der Hörbuchfassung packen musste... Marketing ist was ganz Schlimmes.
Die Story ist schnell erzählt: NASA-Astronaut Mark Watney ist eines von sechs Mitgliedern von Ares 3, der dritten bemannten Marsmission. Als sie am sechsten Tag auf der Oberfläche aufgrund eines heftigen Staubsturms gezwungen sind, die Mission abzubrechen, wird Watney während der Evakuierung von einer Antenne durchbohrt, die dabei den Computer seines Schutzanzuges zerstört, der seine Biodaten überträgt.

Daraufhin wird er von den Teammitgliedern für tot gehalten und sie verlassen den Mars ohne ihn. Er überlebt jedoch und seine Verletzungen erweisen sich als relativ gering, aber da durch den Sturm alle Kommunikationssysteme zerstört wurden, muss sich Watney, der der Botaniker und Ingenieur der Mission ist, ohne eine Möglichkeit der Kommunikation mit der Erde auf seine wissenschaftlichen und technischen Fähigkeiten verlassen, um zu überleben. Die lebenswichtigen Systeme wie der Oxygenator, der Sauerstoff aus Kohlenstoffdioxid produziert, der Atmosphäreregler, der für eine gesunde Luftzusammensetzung sorgt und der Wasseraufbereiter, der aus gebrauchtem wieder sauberes Wasser herstellt und somit einen Kreislauf erzeugt, sind noch vollkommen intakt. Über all seine Tätigkeiten führt er ein Logbuch, falls sein Leichnam von zukünftigen Archäologen entdeckt werden würde.

Wir haben es hier also mit einer Art Robins Crusoe im Weltall zu tun. So weit, so unspektakulär, doch Weir schafft es trotz (oder wegen?) langen Technik-Monologen eine gespannte Atmosphäre aufzubauen (also auch wie Daniel Defoe es tut). 

Das bei Random House erschienene Hörbuch wird gelesen von Richard Barenberg, der es nicht immer schafft, die Faszination des der Buchvorlage aufrecht zu erhalten,doch über weite Strecken dem "Ton" des Romans gerecht wird. Die Lockerheit Watneys transportiert Barenberg sehr gut, manchmal ist er mir aber einfach auch zu unaufgeregt. Die mehr als zwölf Stunden dauernde Hörbuchfassung ist ungekürzt und durchaus empfehlenswert.

 

Fazit: Gute Hörbuchfassung eines tollen Romans

 

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