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Donnerstag April 26, 2018
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18 items tagged "Buch"

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Review: Tell 'Em All - James Hetfield: Die Biografie

tellemNun liegt es also vor, das erste Buch, das die Geschichte von James Hetfield als treibende Kraft des Bay-Area-Thras und Metallica dokumentieren soll. Overamstel bringt die Biografie in Deutschland über die Brockhaus Verlagsauslieferung und das Forum Independent Sales Team auf den Markt. Die Biografie ist nicht von offiziell, sprich von Hetfield selber geschrieben. 

Mark Eglinton, der Hetfield 1986 zum ersten Mal in Edinburgh getroffen hat, versucht mit "Tell 'em All" (im englischen übrigens deutlich cooler als "So let it be written" betitelt) ein tieferes Verständnis für James' Rolle im kreativen Erschaffungsprozess seiner Band zu vermitteln. Echte Fans werden bis auf wenige Ausnahmen (etwa die O-Töne von Schulfreund und frühem Mitspieler Hugh Tanner, der zum ersten Mal seit 30 Jahren für das Buch einem Interview einwilligte) nicht allzu viel aufregend Neues erfahren, bekommen aber eine recht detaillierte Abhandlung über die Karriere der Band geliefert. 

Das Problem der "Biografie" ist, dass sie von einer sehr weit außenstehenden Position verfasst worden ist. Eglinton lässt zwar eine Menge andere Musiker zu Wort kommen (etwa Chuck Billy oder Kreators Mille Petrozza: "„Ich liebe seine Lyrics auf ... And Justice For All. Es ist mein Lieblingsalbum von ihnen, und James’ Texte haben einen sehr cleveren und kritischen Unterton.“), doch es handelt sich insgesamt eher um ein Werk, dass dem Schaffen der Band Metallica akribisch folgt, immer wieder die Einflüsse Hetfields dokumentiert, aber als Biografie eines der bedeutendsten Musikers des Metal deutlich zu kurz greift. 

Nahezu nichts in "Tell 'em all" ist neu für alte Hasen, dennoch ist das Buch gut und kurzweilig geschrieben. Die Hard-Fans werden müde lächeln, hinter die Kulissen wird nur sehr selten geblickt. Für alle anderen ist "Tell 'em all" ein netter Zeitvertreib ohne, dass man große Tiefe erwarten kann.

 

Fazit: Nix für Hardcore-Fans - für alle anderen eine nette Thrash-Geschichtsstunde

 

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Review: Soul on Fire - Leben und Musik von Peter Steele

TONPetrus Thomas Ratajczyk hätte es gemocht, dieses Buch, das die Odyssee eines Lebens, gelebt in beinahe shakespearischer Dramaturgie, skizziert. Als Pete Steele hat Petrus Thomas mit einem Schlachtschiff von einer Band fremde Länder erobert, Emotionen gebündelt, Lebensinhalte für tausende Fans gestiftet. Type O Negative waren eine ganze besondere Formation, deren Einfluss vor allem in den Herzen der Hörer bei ihrer ganzen Düsternis nicht zu unterschätzen war und ist. Im Verlag Nicole Schmenk ist nun "Soul on Fire" von Jeff Wagner in der deutschen Variante (hervorragend übersetzt von Andreas Schiffmann) erschienen und das Buch ist die längst überfällige Biographie des 2010 an den Folgen eines gerissenen Aortenaneurysmas verstorbenen Bassisten und Sängers. Auf mehr als 300 Seiten wird die bisweilen kritisch betrachtete Karriere von Steele ausführlich behandelt, mit sehenswerten Fotos garniert und die Wichtigkeit des Bass-Hünen, der 1995 sogar das Cover des Playgirl zierte (hier wird mit dem Mythos aufgeräumt, dass Steele der Erste war, der mit erigiertem Penis auf den Seiten des Magazins abgebildet wurde - in der Tat war dieses Tabu bereits 1980 gebrochen worden), zelebriert und seziert. 

Wagner beschreibt Steele schonungslos: Vom Mann mit Visionen zum Drogenwrack, das mit nichts und wieder nichts zufrieden sein konnte, und wieder zurück - der New Yorker war eine schillernde Persönlichkeit in allen Extremen."Soul on fire" ist leicht und flockig zu lesen, so dass einem lediglich das tragische Ende schwer im Magen liegen könnte.

Das Buch endet natürlich - wie sollte es anders sein - mit dem tragischen Tod des Idols einer ganzen Metalgeneration. 2005 versetzte Steele bereits einige Fans in Angst und Schrecken, als die Startseite der Website von Type O Negative einen Grabstein mit der Aufschrift Peter Steele 1962–2005 zeigte, nur fünf Jahre später war das aufgrund des zügellosen Drogenmissbrauchs nie Undenkbare zu einem dann doch undenkbaren Zeitpunkt (Steele war seit neun Monaten clean und trocken) eingetreten: Petrus Thomas Ratajczyk starb im Alter von gerade einmal 48 Jahren: A dying God-man full of pain (aus "Christian Woman").

 

Fazit: Würdige Lebensgeschichte eines umstrittenen Musiker 

 

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Review: Bowie / Marc Spitz

bowieSein Tod hat die Rockwelt erschüttert: Kurz nach der Veröffentlichung seines neuem Albums hat David Bowie das Zeitliche gesegnet. Musiker, Schauspieler, Pop-Chamäleon, Rock-Ikone - David Bowie war all das und für viele noch unendlich mehr. Eine bereits ältere Biografie wurde nun in aktualisierter Form neu herausgebracht: "Bowie" von Marc Spitz ist nach wie vor das aktuellste und umfangreichste Werk über einen der einflussreichsten Künstler des 20. Jahrhunderts und die einzige derart umfassende Bowie-Biografie auf dem deutschen Markt. Der Autor und Musikjournalist Marc Spitz lässt darin zahlreiche Bowie-Begleiter wie Ex-Frau Angie Bowie, den früheren Manager Kenneth Pitt und Musikerin Siouxie Sioux zu Wort kommen. Die Biografie vermittelt einen Einblick in die Kultur im Nachkriegsengland, in die Mode- und Hippie-Szene des Londons der Swinging Sixties und in das von Sex und Drogen aufgeheizte Milieu der frühen 70er-Jahre, in dem Bowies Kunstfigur Ziggy Stardust das Licht der Welt erblickte. Ergänzt durch zahlreiche Fotografien aus Bowies Leben, wird sein Aufstieg zum internationalen Superstar in den 80er-Jahren spannend nachgezeichnet. Marc Spitz beleuchtet zudem Bowies Status als Ikone der alternativen Kunst- und Kulturszene, erforscht sein Verhältnis zu Themen wie Kunst, Kommerz, Buddhismus und Okkultismus und befasst sich mit seinem komplizierten Familienleben. Marc Spitz, geboren 1969 in New York, ist Musikjournalist, Schriftsteller und Dramatiker. Bekannt wurde er durch Beiträge für Magazine und Zeitschriften wie Spin, Maxim, New York Timesund Nylon. In "Bowie" zieht er alle Register seines Könnens, das Werk ist packend und spannend, obwohl man meint, schon alles über David Bowie zu wissen. Mitnichten. Das Buch schreit geradezu danach, anschließend (oder währenddessen) Youtube nach den vielen geschilderten seltsamen Momenten in Bowies Leben zu durchsuchen. 

Dennoch gibt es auch Kritik: Spitz hat David nie getroffen, dieser lehnte jedwede Zusammenarbeit mit einem Co-Autor einer Biographie zu Lebzeiten ab. Und so kommt "Bowie" manchmal eher wie ein riesengroßes Essay mit zahlreichen persönlichen Sichtweisen des Autors daher.  Das ist nicht immer problemfrei, denn es resultiert in zahlreichen sehr subjektiven Seiten. Auch fehlt völlig unverständlicherweise eine gescheite Discographie. Gerade bei den vielen Querverweisen wäre das beim anschließenden garantierten Youtube-Studium des Lesers absolut notwendig gewesen. Immerhin: Zahlreiche Patzer der Originalausgabe (fehlerhafte Jahreszahlen und Details) wurde ausgemerzt. 

 

Fazit: Guter, wenngleich oft sehr subjektiver Einblick, in das Lebenswerk eines der größten Musikers aller Zeiten

 

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Marc Spitz:
David Bowie – Die Biografie
Aktualisierte Neuauflage, mit einem Vorwort von Hollow Skai
560 Seiten, Broschur, mit zahlreichen Abbildungen
Format 13,5 x 21 cm
€ 14,95 (D) / € 15,40 (A)
ISBN 978-3-8419-0461-4
Auch als E-Book erhältlich

 

 

Review: I'm the man / Scott Ian

DownloadZugegeben, ich bin kein Fan von übersetzten Musikerbiographien und habe Scott Ian's "I'm the man -The Story of that Guy from Anthrax" bereits vor dem deutschen Musterexemplar aus dem Verlag Nicole Schmenk schon im Original gelesen. Und so war ich skeptisch, als ich das schön aufgemachte Hardcover aus der Post holte und zum ersten Mal aufschlug. "Die Geschichte dieses Typen von Anthrax" ist dann der deutsche Untertitel und der klingt weniger cool als im englischen Original, aber geschenkt. Denn im Laufe des Buches hat mich die Übersetzung vollends überzeugen können. Die Story selber ist ohnehin über jeden Zweifel erhaben: Anthrax-Gründer Ian haut Anekdoten ohne Ende raus, erzählt, wie er mit Gene Simmons oder Lemmy die verrücktesten Sachen gemacht hat und sogar, dass Lars Ulrich fast bei Metallica herausgeflogen wäre (manchmal werden Träume leider nicht wahr). Auch Slipknot-Schrumpfkopf Corey Taylor ist dabei. Und wäre fast sogar Anthrax-Sänger geworden. Aber eben nur fast (manchmal werden Träume leider nicht wahr - Part II). Dafür schreit Belladonna wieder für die Milzbrandmusiker. Dazu erfährt man natürlich auch eine ganze Menge über Scott selber, seine Beziehung zu Meat Loaf-Tochter Pearl und die Anthrax-Karriere sowieso. Einige tolle, alte und ungesehene Fotos (Scott Ian trifft Madonna u.a. !)  ergänzen den 300-Seiten-Brocken. Ist das Buch in der deutschen Fassung also komplett empfehlenswert? Ich würde so gerne heftig den Kopf nicken, wäre da nicht ein entscheidendes Details, welches den Kauf der Originalversion unablässlich macht (wenn man die Sprache gut genug versteht): Die grandiose Story "Schöner Kötzen mit Kilmister" (Ihr ahnt, worum es geht: Lemmy säuft Scott kaputt) ist eigentlich mit einem tollen Comic illustriert. In der deutschen Fassung muss auf diesen leider verzichtet werden. Immerhin wird die Story dadurch nicht weniger genial. Als Buch ist "I'm the Man" jedoch eine der besten und authentischsten Musikerbiographien der letzten Jahre.

 

Fazit: Tolle deutsche Fassung mit einem kleinen Schönheitsfehler

 

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Review: Keyboard für Dummies

514wihs7xQL. SX365 BO1204203200 Gebt es zu, Ihr kleinen Metalmattenschwinger, Ihr wolltet doch heimlich schon  immer einmal das epische Keyboard-Motiv aus "The Final Countdown" spielen können - und sei es nur für Omas 80. Geburtstag. Nicht unbedingt an Haarspray-Fetischisten richtet sich ein neues Kapitel der Dummie-Reihe. "Keyboard für Dummies" bringt auf die gewohnt heitere und einfache Weise dem Leser das Patschen auf den weißen und schwarzen Tasten näher, erläutert Grundsätzliches und kommt mit vielen einfachen Übungen daher. Als Nicht-Tastendrücker weiß ich jetzt endlich, wie ich das C auf einem Klavier finde, somit hat sich die Lektüre bereits gelohnt (wer lacht, kriegt gescheuert!).

Davon ab geht es in den Tiefen des Buches dann aber doch mehr ans Eingemachte und - erschreckend - kommt die Rede aufs Notenlesen. Wer dachte, er würde ohne das zu einem Jordan Rudess werden, sollte die Finger von diesem Instrument lassen.

Autor Jerry Kovarsky schafft es aber, dem Leser die Angst zu nehmen, beginnend bei den notwendigen musiktheoretischen Grundlagen. Dazu lernt man wie die richtigen Einstellungen vorzunehmen sind, welche Sounds, Effekte, Rhythmen, Begleitungen und weiteren technischen Features aus dem Plastikklavier herauszulocken sind. Unnötig finde ich alle Kapitel, in denen man etwa erfährt, welche Keyboard-Typen es gibt, welches das richtige für den Leser sein kännte und wie man das pflegen muss. Das ist nur Füllmaterial fürs Buch. Auf der beiliegenden CD gibt es dann noch zahlreiche Hörbeispiele zum Anhören und Nachspielen. 

Für einen ersten Einblick in die Materie ist das Buch gut geeignet, will man darüber hinaus den Weg zum nächsten Chopin bestreiten, muss auf jeden Fall ein Lehrer her. Für den finalen Countdown reicht das Dummie-Buch aber schon einmal. Tädätädä, Tädätätätä....

 

Fazit: Netter Einstieg in die Welt der Tasten

 

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Review: At dawn they sleep / Christian Krumm

at-dawn-they-sleep-roman-coverIrgendwie vermisse ich die Zeiten, in denen man als Metal-Hörer entsetzt angeschaut wurde. Metal ist Mainstream geworden, Motorhead und Iron Maiden Shirts verkaufen sich bei H&M wie geschnittenes Brot und kaum ein Dokumentarfilmer mehr, der nicht schon einmal irgendwas mit lauter Musik gedreht hat. Kurzum: Metal ist gesellschaftsfähig geworden. Christian Krumm hat davon ab aber immer gerne den Blick auf den Rand, die Szene, den Untergrund gerichtet. In "Kumpels in Kutten" (Kurz-Review HIER) etwa zeichnet er ein liebevolles Bild des Metals im Ruhrpott. Mit "At dawn they sleep" hat er sich an ein anderen literarisches Genre ausgesucht: den Roman.

Der Titel ist natürlich von Slayer geliehen. Was mich vor der Lektüre des Buches gewundert hat:Im Internet finden sich fast ausschließlich nichtssagende Promotexte zu "At dawn they sleep", in denen man nicht einmal Ansätze der Geschichte erfährt. Da fragt man sich natürlich gleich, wie sich so ein Roman verkaufen soll. Verdient hätte es Krumms (Roman-) Erstling nämlich durchaus.

Es geht um den Autor Alioscha, der vom Metal unbefleckt ist und einen Bericht über ein Metal-Konzert schreibt. Das ist quasi die Initialzündung, in die Szene reinzugleiten. Er trennt sich von seiner Freundin und findet eine Metalbraut (Maria), die ihm den Weg in die Szene ebnet und dort mehr oder weniger begleitet. Dort trifft er auf die Band "Dawn of Devastation", die er fortan schreibend begleitet.Er erlebt Höhen und Tiefen, Liebe und Streit innerhalb der Band ("Almost Famous" ick hör dir trapsen). Viel mehr verrate ich dann aber doch nicht an dieser Stelle. Es ist auch eine Menge los in "At dawn they sleep". Manchmal zu viel. Es gibt wahnsinnig viele Nebenplots und Charaktäre, die mal mehr, mal weniger schön ausgeleuchtet werden. Rein vom schriftstellerische Aspekt macht Krumm einen guten Job, schreibt flüssig aber nicht unterfordernd.

"At dawn they sleep" ist mitnichten ein Metalroman, eher ein Liebesroman, der zufällig im Metalgenre spielt, ein Roman über Beziehungswirrwarr, Freundschaften und Veränderungen, ein Roman, der es aber nicht schafft, die ganzen Klischees des Metal auszulassen, ob sie nun wahr sind oder nicht.

Letztlich trägt Christian Krumm in seinem Buch auch zur Schau, das Metal etwas ganz Besonderes ist, eine Musik, die über allen anderen zu ragen vermag, die Emotionen vermittelt, wie keine andere Musikrichtung. Hier möchte man den Autor in den Arm nehmen und brüderlich ins Ohr flüstern: Es wäre so schön, wenn das noch so wäre (man siehe meine Einleitung oben). Zum Roman gibt es übrigens einen Soundtrack, für den 22 Bands jeweils einen ihrer eigenen Songs zur Verfügung gestellt haben (etwa Darkness, Crossplane, The Very End, Gloryful oder Path Of Golconda). 

 

Fazit: Netter Pausenschmaus im Metalgewand

 

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Review: Frank Turner - The Road beneath my feet

ftbookTo the east, to the east, the road beneath my feet. To the west, to the west, I haven’t got there yet.

To the north, to the north, never to be caught. To the south, to the south, my time is running out

 

... heißt es im Frank Turner-Song "The road". Seine Zeit läuft aber hoffentlich noch lange nicht ab, hat er sich doch vom Post-Hardcore-Rabauken bei "Million Dead" zum mitreißenden Solo-Act an der Akustikgitarre (der sich zum Glück auf kein Genre festlegen mag - siehe HIER) entwickelt. Turners Lyrics gehören zu den besten. Nicht weil sie immer sehr tiefschürfend und hintergründig sind, sondern er die Gabe hat, seine Gefühle und Erlebnisse auf den Zuhörer zu projizieren. Nicht selten fängt einem der Gedanke, dass der Engländer mit der Klampfe doch genau das singt, was man selbst so oft und zu oft erlebt hat.

Nun schreibt er auch noch und macht im Vorwort seines Buches "The Road beneath my Feet" sofort klar, dass er - obwohl eine echte Leseratte - sich das nie hätte träumen lassen.

Und, wie Frank Turner so ist, macht er auch das hier anders als Genrekollegen. Diese Autobiographie beschreitet nicht den klassischen Weg, sondern nimmt den Leser mit auf Tour. Franks Tour. Anhand von zahllosen Konzerten lässt er tief blicken. In sein Leben nämlich, sein Songwriting, manchmal in seine Seele. Das Buch beginnt mit dem letzten "Million Dead"-Gig im The Joiners Arms in Southampton 2005 und endet (zumindest dieses Buch) im McEwan Ballroom in Calgary/Kanada 2012.

Dazwischen liegt die Reise eines sensiblen Musikers, die nach den durchaus bemerkenswerten Erfolgen im Post-Hardcorebereich, steinig aber doch zielstrebig zu einem der wichtigsten englischen Folkmusiker (wenngleich das Genre zu eng für Turner scheint) führt. 

Frank Turner legt erfreulich wenig wert auf die üblichen Sex & Drugs & Rock 'n' Roll-Lobhudeleien und gibt sich immer selbstkritisch, räumt schlimme Drogennächte ein, berichtet von grandiosen Partys und Erlebnissen in der ganzen Welt.

Was auf eigene Faust per Zug durch Europa von Clubgig zu Clubgig beginnt, kulminiert irgendwann in der Wembley-Arena. Spannend sind vor allem die Anfänge, die wirklich viel über Frank Turner verraten.

Alle wichtigen Songs spielen eine Rolle, schließlich plaudert Frank leicht und locker über den Schaffungsprozess, dem oft mit dem Lied eng verbundene Ort und seinen eigenen Seelenzustand. Das Buch ist auch auf englisch recht leicht zu lesen, wirkt aber dennoch nie platt.

Für Frank Turner-Fans, die nicht bereits wirklich jede Nuance aus seinem Gesamtwerk herausgepresst haben (von diesen Menschen gibt es mittlerweile erstaunlich viele), die wissen wollen, was es mit der "Nambucca-Show" aus "The Ballad of me and my friends" auf sich hat, die sich schon immer einmal gefragt haben, über wen "Dan's Song" handelt, für die ist dieses Buch eine Pflichtlektüre. Wer eine klassische Biographie erwartet, sollte die Finger von "The Road beneath my Feet" lassen. Im Song "The Road" heißt es weiter: 

 

To the heart, to the heart there's no time for you to waste
You wont find your precious answers now by staying in one place

 

... und genau darüber handelt dieses Buch. Kaufen!

 

 

Fazit: Mit Frank Turner auf Tour - spannend und locker zu lesen

 

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Mehr zu Frank Turner haben wir HIER (Shuffle with...) und HIER (Interview)! Fotos gibt es HIER!

Review: Wurmparade auf dem Zombiehof

67-9"Wurmparade auf dem Zombiehof" - ein Titel wie ein Z-Movie. Und genau das soll auch so sein. Christian Keßler ist bekennender Trashfilm-Liebhaber und hat in seinem Werk in vierzig Kapiteln jenen Leinwandschinken einen blutigen Tribut gezollt, die für gewöhnlich unter der Etikette "Zelluloidverschwendung" laufen. Recht launisch kommt der Autor da von Hökschen auf Stökschen, von Wabbelmonstern zu lachhaften Aliens und stellt seine 40 Lieblingsfilme vor. Ein wenig eckt man als Leser an den doch sehr kumpelhaften Formulierungen an, doch verströmt der Duktus des Buches dadurch auch den süßen Moddergeruch des Genres.

Inhaltlich wird Einiges geboten, die 40 Filme sind eingeteilt in zehn illustre Blöcke a la "Beklopptenfilme", "Kirchenfilme" oder "Penisfilme" (!). Ob „Die Wurmfresser“ oder die "Ratten von Manhattan"  ( „Riffs 3“) - die Auswahl ist grandios und macht Lust auf einen Beklopptenabend vor der Glotze. Keßler, ein echter Filmexperte, der seit Jahren sein Unwesen in der Szene treibt, hat das Buch eher als Plauderstunde(n) konzipiert, was dem Thema durchaus zuträglicher als trockene, knallharte Recherche (dafür gibt es ja auch Wikipedia) sein dürfte.

Dass das Cover des Trash-Ratgebers ebenso billig wie viele der Filme daherkommt, verbuche ich als gelungenen Scherz. 

 

Kurz-Info: 

Christian Keßler

Wurmparade auf dem Zombiehof
Vierzig Gründe, den Trashfilm zu lieben
288 Seiten
ISBN 978-3-927795-67-9
Euro 18.80

 

Fazit: Mehr Trash geht nicht! Für Fans des Genres empfehlenswert

 

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Lenny Kravitz: Flash

lenny kravitz flashMit "Flash" hat Lenny Kravitz im Prinzip aus der Not eine Tugend gemacht: Weil ihm zum ungestörten "Knipsen" die Privatsphäre fehlte, lichtete er eben das ab, was sein Umfeld stets bestimmt: die Fotografen selbst.

46 großformatige Abbildungen geben dem Leser einen Einblick in seine ganz persönliche Perspektive von öffentlichem Leben. Kravitz hat zurück geblitzt und sie alle unvorbereitet vor die Linse geholt: Handy-Fans, die hinter Schaufenstern kleben, Berufsfotografen bei seinen öffentlichen Auftritten, Paparazzi im Moment ihres geldeinbringenden Schusses.

In Einzelporträts, kleinen Gruppen oder großen Massen. Mancher ließ sich von dem Gegenangriff nicht beirren, einige brachte er zum Lachen, manchen sogar zum Posieren, als hätte sich das Star-Blatt urplötzlich gewendet.

Die Fotografie habe ihn schon früh fasziniert, verrät Kravitz in seinem Vorwort. Doch erst durch seinen langjährigen Freund, den Fotografen und Videoregisseur Jean-Baptiste Mondino bestärkt, sei es zu diesem ersten Fotobuch-Projekt gekommen. Etwas, das auch durch Andy Warhol geschaffen sein könnte, lobt der Ideengeber und Lehrmeister des Künstlers "flashback pictures", aufgenommen mit einer Leica, durchweg in schwarz-weiß.

Aus fotografischer Qualitätsanalyse ist an dem Werk nicht alles perfekt. Schnitt, Bildschärfe, Kontraste, Licht, der Hobbyfotograf missachtet so manche grundlegende Regel. Vor allem, weil sein Fokus meist mittig und der Abdruck doppelseitig gewählt ist, geht die Wirkung vieler Motive in der Falz leider verloren.

Das tut der Geschichte, welche die Bilder erzählen, jedoch keinen Abbruch. "I think this is the best self-portrait book that I´ve ever seen", lobt Mondino. Und tatsächlich ist an der Idee hinter der Bildstrecke kaum etwas zu kritisieren. Der Fotograf und Fan wird sich schalkhaft selbst betrachten, der Medien- und Musikkultur-Betrachter darüber diskutieren, der neutrale Leser wenigstens ein Stündchen in einem durchaus schönen Bilderbuch blättern dürfen. Und der "Professionelle" in der Welt der Lichtbilder kann vermutlich aufatmen und sagen: Richtig gute Arbeit, auch wenn ich es selbst sicher besser gemacht hätte ...

 

Lenny Kravitz: Flash,

2005, teNeues,

Hardcover, 99 Seiten

ISBN: 978-3-8327-3247-9

 

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Lenhardts Spielejahr 1984

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Heinrich Lenhardt ist Spielefans vor allem durch seine jahrelange Arbeit als Spieletester bei verschiedenen Game-Magazinen ein Begriff. Heute arbeitet er von Vancouver aus als freier Journalist und Korrespondent für diverse Print- und Online-Medien. Seine persönliche Webseite findet man unter www.lenhardt.net.

In seinem nur als EBook erhältlichem Werk "Mein Spielejahr 1984" betrachtet der Fachmann 50 der besten Games des Jahres 1984. Warum 1984? Das hat nichts mit Orwell zu tun, doch ist 1984 ein Schlüsseljahr für die Compterspieleindustrie und nicht wenige der in diesen zwölf Monaten erschienenen Veröffentlichungen gelten bis heute als absolut legendär. Lenhardt weiß um diese Tatsache und lässt das Jahr mit Spielen wie "Summer Games", "Elite", "Impossible Mission" oder "Kings Quest" Revue passieren. Jeder der 50 Zockerleckerbissen hat ein eigenes Kapitel, wird kurz beschrieben und mit einigen historischen Fakten bedacht. Der Duktus des Buches ist dabei ein sehr persönlicher, nicht selten erfährt man eine Menge über den Autor. Dies macht das EBook sehr charmant und für Computer- (oder Konsolen-) Freaks hochinteressant. Im Idealfall hat man einige der Games selber gespielt, dann öffnet sich die Gamer-Schatzkiste vollends und aus ihr verströmt der leicht muffige, aber wunderbar nostalgische Duft der 80er Jahre. 

 

Fazit: Wunderbare Zeitreise in eine goldene Ära der Spieleindustrie

 

 

 

 

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Review: LOUD! Die Geschichte der Rockmusik

145833doc1391805966784 Seiten dick ist das leider nur als Ebook erhältliche Kompendium (14,99 Euro) der Rockgeschichte "Loud!" von Corinne Ullrich. Die Geschichte der Rockmusik von 1950 bis 2010 wird in dem mächtig umfangreichen Buch thematisiert. Von den Anfängen rund um Elvis und Co bis Lady Gaga und Arcade Fire werden die Strömungen, Bewegungen, Katastrophen und Errungenschaft der Rockmusik in den letzten 60 Jahren aufgeschlüsselt. Wie man an Namen wie Lady Gaga merkt, ist der Begriff "Rockmusik" weit gefasst, eine meines Erachtens richtige Herangehensweise.
Einflüsse von Bands wie Queen beispielsweise kamen auch immer wieder durch deren Kollaborationen mit anderen Stilen und Künstlern aus anderen Genres zustande. Corinne Ullrich macht auf den 760 Seiten einiges richtig und hat stilistisch einen interessanten Plauderton gefunden, der den Leser bestens unterhält, der aber auch niemals zu platt rüberkommt.

Die Abhandlung nach Jahrzehnten ist sinnvoll und die immer wieder eingeschobenen Kapitel (etwa Hardrock und Heavy Metal in Deutschland) lockern die Struktur des Buches deutlich auf. Besonders schön: Ullrich hat den Duktus des Werkes so gestalten können, dass Querlesen gefördert wird, der Leser sich nie verlassen fühlt, wenn er die in Kapiteln manifestieren Wege von "Loud!" verlassen möchte. Neben allgemeinen Übersichten über ein Jahrzehnt, kommen speziellere Themen (z.B. "Technische Entwicklungen") nicht zu kurz und schaffen es so, dass dieser wirklich dicke Wälzer abwechslungsreich bleibt.

Leider gibt es immer wieder einige gravierende sachliche Fehler. Dass sich Kiss beispielsweise für das Album "Unmasked" demaskierten, ist schlichtweg falsch (es war "Lick it up") und auch die zeitliche Einordnung der Demaskierung ist völlig daneben, wird doch anschließend "The Elder" und "Creatures of The Night" angeführt, welche beide in der Tat aber zur Maskenzeit der Band zählen.

Auch der Satz, dass Mötley Crüe 1983 ihren Durchbruch mit dem zweiten Album "Shout at The Devil" und der Single "Smokin in The boys room" hatten, irritiert: der genannte Song befindet sich nicht auf diesem Album, sondern auf "Theatre of Pain". Sind solche Fehler verzeihlich bei einer derartigen Mammutaufgabe? Ich bin unschlüssig, schließlich fallen mir sicher viele andere gar nicht auf, etwa in Feldern, in denen ich selber nicht so bewandert bin (50er Jahre z.B.). Dass auch gerade das "Resümee " genannte letzte Kapitel so kurz ausfällt ist schade und ich hoffe zudem, dass der Abschlusssatz des Buches ein Wortspiel sein soll und kein Druckfehler (Long Life Rock 'n' Roll) ist. Denn das Leben (Life) des Rock 'n' Roll ist wirklich lang und dieses Genre wird ewig leben (live).

Das Buch gibt es unter anderem HIER!

 

Fazit: Mammutwerk ohne große neuen Erkenntnisse, leicht und locker zu lesen - leider mit einigen gravierenden Fehlern

 

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Review: Tony Bacon - The Guitar Collection

910oKrZA37LTony Bacon ist ein renommierter Autor, der sich vornehmlich mit Gitarristen und Gitarrenmodellen beschäftigt. Das fette Hardcover "The Guitar Collection" stellt auf 180 Seiten in Deutsch und Englisch gleich beides vor - die einflussreichsten Gitarristen unserer Zeit und deren Sechssaitigen. Aufgeteilt in drei Abteilungen - Flattop, Hollowbody, Solidbody - kommt geschichtliches nicht zu kurz und werden überdies mehr die Gitarrentypen und ihre Besonderheiten in den Vordergrund gestellt, statt den Playern ein größeres Feld einzuräumen.

Das ist aber kein Problem, da die Klampfer im Buch ohnehin nahezu jeder Musikfan und jeder Musiker sowieso kennt. Nicht immer ist die Wahl der Gitarre schlüssig. Nehmen wir Steve Vai als Beispiel: DIE Steve Vai-Gitarre ist sicherlich das Blumenmustermodell der Ibanez Jem (oder seit mehr als zehn Jahren die strahlend weiße Jem), nicht aber das dargestellte Green Meanie-Modell. Auch wird Eddie Van Halens berühmte Frankenstrat sträflich ignoriert, statt dessen sieht man (s)eine erste Charvel. Doch das ist schon nerdiges Meckern auf hohem Niveau, denn insgesamt bekommt man hier ein sehr wertiges Nachschlagewerk, welches sogar noch mit einer 10 Inch-Schallplatte daherkommt, die eine All-Starband in vier Versionen "Smoke on the Water" trällern lässt. Garniert wird das Buch durch großflächige und exzellente Livefotos einiger Künstler, welche den Preis von 49,99 Euro letztlich rechtfertigen.

 

Fazit: Toll gestaltetes Nachschlagewerk für Musiker und Musikliebhaber

 

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Review: Leben heißt Leiden (Nikki Sixx)

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"Ich denke, dass ein Fotograf, der seine Nase über eine niedrigauflösende Handykamera rümpft, das verloren hat, in das er sich einst verliebt hatte: Das Festhalten eines magischen Momentes." Es sind die kleinen Sätze zwischendrin, die Nikki Sixx' "Leben heißt Leiden - Fotografie. Musik. Kunst", den Nachfolger des Bestsellers "Tagebuch eines Heroinsüchtigen" aus dem Jahre 2009, lesenswert machen. Bisweilen gestaltet sich die Lektüre des wunderschön aufgemachten Hardcovers allerdings auch wie die Suche nach dem Barren Gold in einer Wagenladung voller Kuhscheiße.

 

Hauptsächlich dreht es sich bei diesem Werk um Sixx' Leidenschaft für Fotografie und ganz besondere Motive, am Rande geht es um die Aufarbeitung der Zeit nach dem Mega-Erfolg seines Drogenbuches von 2009 und noch weiter in der Ecke finden sich Mötley Crüe-Geschichtchen, die vor allem von den letzten Europatouren stammen. Aus Fotografensicht ist "Leben heißt Leiden" durchaus stöbernswert, bekommt man doch einige (wenn auch oft krasse oder zu extreme) Ideen für Motive oder Shootings.

Ob ein Trip ins Drogenviertel einer Großstadt, um die Abhängigen auf den Chip zu bannen, ohne 120 Kilo-Bodyguard und einem Arsch voll von Geld empfehlenswert ist, wage ich zu bezweifeln. Sixx hat genau das unter anderem "gewagt" und einige imposante Schüsse dabei zustande gebracht. Bei der US-Premiere weigerte sich eine große New Yorker Handelskette das Buch aufgrund seines kontroversen Fotoanteils ins Sortiment zu nehmen. Das ist natürlich Ami-Quatsch und nicht weniger als Kunsthass, denn das Auge, welches der Gitarrist an den Tag legt, ist schon ein besonderes und spiegelt durchaus seine ganz besondere Lebens- und Leidensgeschichte wider. 

Was das Buch zuweilen abstoßend macht, sind nicht die extravaganten Fotomotive des Künstlers, sondern sein pathetisches "ich suche Schönheit in der Scheiße, weil ich son krasser Typ bin, der alles schon mal gemacht hat"-Geblubber. Nach den verrückten Intro-Sätzen seiner Tochter Storm, kann man Schlimmes befürchten, doch ganz so wild wird es dann nicht und der Sturm bleibt im Wasserglas stecken. Denn Sixx lässt immer wieder durchblicken, dass er noch etwas mehr zu sagen hat als "Girls Girls Girls" und "Shout at the Devil". Und dass er eben mehr ist, als der Ex-Drogensüchtige, der Dekadenz als zweiten und dritten Vornamen trägt. Bis man dies erkennen kann, muss man sich durch viele Worthülsen ackern, wird dadurch aber mit so manch gülden scheinender Erkenntnis und Horizontalerweiterung belohnt.  

The Art of Axel Hermann

axelhBücher über besondere Cover der Musikgeschichte sind mit das Spannendste, was es im Printmusikbereich gibt. "The Art of Axel Herman" von Iron Pages Books macht da keine Ausnahme. Der Century-Media-Hauszeichner hat für Bands wie Edguy, Sodom, Iced Earth, Morgoth und Unleashed gezeichnet und dabei eine enorme Bandbreite künsterlischem Schaffens offenbart.

Vom lustigen Comicstrip a la Rocke Ride (Edguy) bis zum düsteren Morgoth-Stil liegen wahnwitzige Unterschiede. Das Buch - 160 Seiten, Hardcover, schweres Papier - lädt ein zu einer interessanten Reise von den Anfängen des Dortmunder Künstler, bei denen er als Jugendlicher Kiss zeichnete, bis zum aktuellen Stand seines Portfolios. Bis heute gilt er neben Szene-Künstlern wie Dan Seagrave, Vincent Locke oder Kristian Wåhlin als einer der Cover-Designer, die die visuelle Ästhetik des Genres entscheidend mitgeprägt haben.

Hermann startete seine Karriere 1988 mit Auftragsarbeiten für das damals frisch gegründete Metal-Label Century Media. Das Buch kommt sowohl mit deutschen als auch englischem Text daher, beinhaltet massig Zitate von Legenden wie Matt Barlow (Ex-Iced Earth) und einem kurzen Vorwort von RockHard-Boss Götz Kühnemund. Um viele Cover und Alben wird Wissenswertes ausgekübelt, die Bildqualität ist hervorragend und das Buch für jeden Metalfan, der noch weiß, was echte Cover sind und nicht ausschließlich downloaded, ein absolutes Muss. Der Preis beträgt 24,90 Euro.

HIER gibt es eine PDF-Vorschau

Tony Iommi: Iron Man

ironman2„Ich hatte Bill schon öfter angezündet, aber einmal geriet alles außer Kontrolle. Während er sich vor Schmerzen schreiend auf dem Studioboden wälzte, lachte ich mich schlapp. Doch das Schreien hörte nicht auf. Langsam begriff ich den Ernst der Lage – unser Drummer verbrannte bei lebendigem Leib.“
 
So eine Passage klingt nach genau dem Buch, auf das immer alle Rockfans warten: Aber nein, ein echtes Skandalbuch erwartet den Leser von Tony Iommis Biografie "Iron Man" nicht. Dafür ist der Meister der düsteren Riffs, der Erschaffer zahlreicher Black Sabbath-Epen nicht der Typ. Klar, auch in "Iron Man" gibt es einen Einblick in die verrückten und wilden 60er und 70er Jahre, doch meist bekommt man von Iommi den Eindruck, dass dieser ein eher ruhiger und besonnener Zeitgenosse (ganz im Gegensatz zu Sabbath-Sänger Ozzy) ist. Black Sabbath-Fans bekommen zudem nicht viel Neues geboten. Die Geschichte von seinen verlorenen Fingerkuppen, zahlreiche On-the-Road-Erlebniss und Entstehungsgeschichten weltbekannter Black Sabbath-Alben - all das gehört natürlich in diese Biografie, ist aber weitestgehend bereits sehr gut dokumentiert. Hinzu kommt, dass das Buch eher für den Schnellleser geschrieben ist. Sprachlich geht es recht mau zu, weshalb man das Buch in Windeseile wieder ins Regal schubsen kann. An einer Stelle stockt man jedoch dennoch, nämlich bei der Schilderung von Ronnie James Dios Tod. Das geht unter die Haut und versöhnt mit dem ansonsten eher zur Fastfood-Literatur gehörenden Werk. Einige Schwarz-Weiß-Fotos runden das 380 Seiten starke Buch ab, welches durch die Wichtigkeit des Autors in der Hardrockszene am Ende dann natürlich trotzdem in jeden Haushalt gehört. 
 
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ISBN: 978-3-85445-383-3
Umfang: 384 Seiten, mit zahlreichen Fotos
Format: 16 x 24 cm
Beschaffenheit: Hardcover

Ace Frehley: No regrets

Ace-Frehley-No-Regrets1Der Aufstieg von Kiss zu einer der größten Rockbands des Planeten wäre ohne Gründungsmitglied und Leadgitarrist Ace Frehley sicher nicht möglich gewesen. Frehley stand immer für kompromisslosen Rock und dauerhafte Party, wobei er nicht nur einmal über das Ziel hinausschoss.Die Geschichte ist bekannt, Ace stieg einmal aus, kam zur Reunion zurück und verdrückte sich wieder. Mittlerweile ist der Spaceman clean und spielt live so gut wie seit Jahrzehnten nicht. Mit "No Regrets" veröffentlichte er den ersten Teil seiner Memoiren und in denen lässt er kaum eine Geschichte aus, die er in seiner Zeit mit Kiss erlebt hat. Von im Suff zerstörten Protzkarren über der Legende, dass er seinen ersten Gesangstrack im Liegen eingehämmert hat, ist alles dabei. Das Buch kommt in der deutschen Fassung im schön gebundenen Format und hat auch einen Haufen Privatfotos des Gitarristen im Angebot. Ace erzählt bzw lässt von Joe Layden und John Ostrosky auf launige Art und Weise, so dass der Unterhaltungsfaktor des Buches recht hoch ist. Kiss-Fans kennen leider fast jede einzelne Geschichte aus dem Effeff. Das ist auch der einzige Kritikpunkt dieses Werkes: Man hat als Fan einfach schon alles einmal gehört, was einem den Spaß, es vom Meister selbst erzählt zu bekommen, aber letztlich doch nicht nimmt. So wartet man nach einigen Stunden mit Ace auf den angekündigten zweiten Teil, denn da gibt es doch sicher noch etwas, was wir nicht alle schon einmal gehört haben, oder?

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Best of Rock & Metal

bestofhrundmt227Mit "Best of Rock & Metal: Die 500 stärksten Scheiben aller Zeiten" bringt Deutschlands Metal-Printmagazin Nummer eins, der RockHard, die vielleicht umfangreichste Platten-Enzyklopädie im Metalbereich heraus. Das Hardcoverbuch lädt ein zum Stöbern und Erinnern an bessere Metalzeiten und natürlich auch zum ungläubigen Kopfschütteln ein. Wie schreibt Michael Rensen so schön im Vorwort?  "Dieses Buch kann und will nicht objektiv sein" und das ist auch wirklich nicht möglich. Zu verschieden sind da beispielsweise schon die Vorlieben der RockHard-Redakteure. Wie kann man beispielsweise die (meiner Meinung nach) beste Progrock-Scheibe aller Zeiten ""Dream Theater: Scenes from a memory") auf Platz 410 einreihen? Völig unverständlich... Dieses Beispiel zeigt schon, wieviel Spaß das Blättern in dem Buch macht und wieviel Gesprächsstoff hier drin steckt. Zumindest mit den ersten zehn Plätzen können sich auch die RocknRoll-Reporter in Gänze anfreunden:

 

10: Rush: Moving Pictures (1981)

9. Queensryche: Operation Mindcrime (1988)

8.Iron Maiden: Number of the beast (1982)

7. Motorhead: No sleep til Hammersmith (1981)

6: Slayer: Reign in blood (1986)

5. Iron Maiden: Killers (1981)

4. AC/DC: Highway to hell (1979)

3. Metallica: Ride the lightning (1984)

2. Metallica: Master of puppets (1986)

1. AC/DC: Back in Black (1980) 

Diese Auflistung zeigt aber auch ein weiteres Problem des Buches auf: die neuere Metalgeneration taucht noch gar nicht auf, was verständlich ist, denn die Bewertung eines Werkes wie Triviums "The Crusade" aus diesem Jahr fällt natürlich jetzt noch schwer. Also, liebe RockHardler, wir freuen uns auf die zweite, überarbeitete Auflage in fünf Jahren.

Übrigens: In Kürze erscheint ein weiteres RockHard-Buch, das sich anschickt, ebenfalls äußerst interessant zu werden: Die besten Metal und Rock-Cover aller Zeiten. Wir sind gespannt...

"Kiss and Make up" enthüllt nicht viel

„Ich war noch nie betrunken in meinem Leben.“ Der Autor dieses Bekenntnisses ist ein Rock-Star, man glaubt es kaum. Gene Simmons beschreibt in seiner Biographie „Kiss and Make-Up“ den Aufstieg der New Yorker Schmink-Rocker von KISS und seinen eigenen Werdegang.

Wer jetzt denkt, dass diesem Buch aufgrund des ungewöhnlichen Anti-Alkohol-Geständnisses die notwenige Prise „Rock ‘n Roll“ fehlt, kann beruhigt werden: „Was für die anderen die Drogen waren, waren für mich die Frauen“, sagt Simmons nämlich auch. 4600 Liasons - alle Frauen auf Polaroids festgehalten - sprechen eine deutliche Sprache. Die Biographie des Bassisten und Bandleaders der wohl profitgeilsten Band der Welt liest sich nicht so spannend wie „The Dirt“ von Mötley Crüe, doch Kiss-Fans können auf jeden Fall ungesehen zugreifen. Sensationslüsterne suchen aber vergebens nach interessanten, schmutzigen Details. Simmons ist bei den meisten Episoden ganz Gentleman. Vielmehr wird deutlich, wie stark die Vision „Kiss“ in seinem Kopf von Anfang an war und wer die kreativen Köpfe in der Band waren. Paul Stanley (git.) und Gene Simmons! Immer, wenn es darum geht, dass die Band ein neues Projekt anfassen wollte, bemerkt Simmons, dass Peter (Criss, dr.) aufgrund seiner Drogenprobleme nicht in der Lage war, mitzuhelfen und Ace (Frehley, git.) einfach kein Interesse zeigte. Nicht nur einmal fällt dann auch folgerichtig der Satz „...and Ace did nothing.“ Gerade an dem Leadgitarristen wird kaum ein gutes Haar gelassen. Was sich nach einseitiger Perspektive anhört, wird jedoch in einigen anderen Publikationen (etwa „Kiss & Tell“ von Ace Frehleys ehemals bestem Freund) durchweg bestätigt. Der gute Mann scheint einfach ein charakterlicher Looser zu sein. Auch Simmons kommt in seinen eigenen Geschichten nicht immer gut weg und wer zwischen den Zeilen liest, muss den Eindruck haben, dass ihm außer dem Geldverdienen und den „Chicks“ an nicht viel anderem etwas gelegen hat. Trotzdem: Unter dem Strich bleibt eine durchaus lesenswerte Biographie nicht nur für Kiss-Fans.