Bangkok oder Bagdad - Hauptsache Thailand!
Feb 17th, 2009 by Red
Sowas in der Art habe ich vorgestern gedacht, als ich in aller Hergottsfruehe durch den Ruf des Muezzin (so heisst der doch, oder?) geweckt wurde - hinter meinem Hotel ist naemlich allen Ernstes eine Moschee, die ihre Pflichten ausserordentlich Ernst nimmt. So daemmer ich jetzt jeden Morgen kurz bei, wenn der Gesang erklingt und schlafe dann zum Glueck noch selig ein-zwei Stunden (oder so, guck nie auf die Uhr) weiter. Die Buddhisten sind eben sehr tolerant, was den Glauben angeht, da darf auch lautstark zum Gebet gerufen werden.
Mit Lautstaerke haben die Thais eh keinen Vertrag, das habe ich in den letzten Wochen wieder festgestellt. Seien es nun die ohrenbetaeubenden Gesangsversuche aus den Karaoke-Bars, die mich sowohl in Sukhothai als auch in Kanchanaburi verfolgt haben, die Kakaphonie von Partyhits aus den verschiedenen Bars auf der Khao San Road, die ohrenbetaeubende Beschallung durch Radio und DVD in den Bussen oder das Gehupe und Motorenknattern auf den Strassen (und Gewaessern, da nur ohne Hupen) - laut ist irgendwie normal. Erstaunlicherweise hoert das alles auf, sobald man einen Wat betritt - als sei da eine unsichtbare Schallschluckmauer um diese doch so offenen und luftigen Tempel. Dort ist immer alles leise und ruhig und langsam und bedaechtig, ganz oohmmmm…
Ich sauge die Sonne, die Waerme, die Gerueche und Gerausche, die Erlebnisse und Kontakte jetzt noch mehr auf als sowieso schon, als koennte ich dadurch die letzten Tage (fast nur noch Stunden), die mir hier bleiben, irgendwie verlaengern, wahrhaftiger machen oder besser festhalten. Und ich bin, wie die meiste Zeit ueber, sowas von maechtig dankbar, dass ich ueberhaupt hier sein kann und mir die letzten vier Wochen nicht mit Euch zusammen solidarisch den A… abfrieren musste. Vor allem, wenn man bedenkt, dass die meisten Menschen, mit denen ich in den letzten Wochen Kontakt hatte, egal, ob das die Optikerin war, die Thai-Masseurin oder der Taxi-Fahrer, niemals so viel Geld haben werden, um ueberhaupt so etwas wie einen Auslandsurlaub zu machen. Rush, die 27-jaehrige Thai, die in Kanchanaburi den Ausflug geleitet hat, kommt aus der Naehe von Chiang Mai, im Norden Thailands, wo ihre Eltern eine Farm betreiben mit Tapioka- und Kautschuk-Anbau. Sie kann ihre Familie, der sie auch noch Geld von ihrem Verdienst schickt, nur einmal im Jahr besuchen, weil sie nicht das Geld und die Zeit fuer ein Zugticket hat. Die Fahrt von Bangkok aus dauert 15 Stunden - und die billigste Fahrkarte kostet 271 Bath (allerdings sitzt man dann auch 15 Stunden auf den Holzsitzen eines Wagons, der bei uns zuletzt Anfang des 20. Jahrhunderts eingesetzt wurde). Das ist weniger, als ich fuer meinen Cocktail im Oriental ausgegeben habe. Weniger, als meine leckeren gegrillten Shrimps eben gekostet haben. Wenn ich mir das vor Augen halte, da schaeme ich micht fast ein wenig dafuer, dass es mir so gut geht.
Du hast keinen Grund Dich zu schämen, Du hast für Deinen Urlaub lange gearbeitet und gespart. Das Wirtschaftssystem der Thai ist nicht Deine Erfindung. Freu Dich weiter, und nimm diese Freude mit nach Hause, da freuen wir uns auf Dich!
oh jeeee, jetzt isses fast vorbei. und ich sag nicht oh jeee, weil du montag wieder hier sitzt, darauf freuen wir uns natürlich mächtig… auf das meiste von dir
deine temperaturanzeige untertreibt übrigens maßlos, drei gerad minus zeigt mein mistkarren derzeit an, brrrr… ansonsten mag ich mich schon hier einmal fürs wenige posten entschuldigen, bevor mir montagmorgen gleich die keule droht: sorry sorry sorry. bin ganz schön im stress gerad, wird ernst, du weißt schon… immerhin hab ichs nicht ganz vergessen, was zu schreiben, fleißig gelesen hab ich drüber hinaus und in urlaubsträumen gehangen… manchmal auch schadenfreudig gelächelt über deine erzählungen
ansonsten mach dir über unsere figuren keine sorgen, du wirst uns sicher wiedererkennen, versprochen, und montag schnippel ich dir reichlich obst, der ganze allohol da und so, da kann das ja mit dem traummann ja nix geben. oder doch und du verschweigst bloß die interessantesten details?
bis montag mit den verrückten karnevalisten rund ums haus, oh jeee…